Die Töpferei Heinrich Reinartz
Die Blumentopffabrik H. Reinartz
Beschreibung
Heutiger Zustand
Kulturhistorische Bedeutung
Hinweise und Quellen
Die Töpferei Heinrich Reinartz
Bevor Heinrich Reinartz eine Irdenwaretöpferei in der Hauptstraße 165 eröffnete, war er im Jahr 1856 in der Werkstatt seines Vaters Tillmann Reinartz unter der Adresse Haus Nummer 373 tätig (StaF 187/21). Sein Großvater Heinrich Reinartz und später sein Onkel Everhard Reinartz betrieben eine Töpferei in der Broichgasse 15.
REINARTZ, HEINRICH „Töpfermeister - 1820 Nov. 26 geb. zu Frechen, Sohn des Häfners Tilmann R. und der Maria Katharina Braun, Geburtsreg. 108/1820 - 1855 wird zur Ablegung der Meisterprüfung aufgefordert, StaF Akt. 182 fol. 40 - 1856 arbeitet nicht selbständig, sondern bei der Witwe Tilmann Reinartz, StaF Akt. 187 fol. 21 - 1856 Mai 7 legt zu Euskirchen die Meisterprüfung ab, StaF Akt. 182 fol. 63; 187 fol. 31 - 1856 ist Unterzeichner der Statuten der Töpferinnung, StaF Akt. 186 - 1857 Beschwerde gegen den Töpfer Jakob Thomer, der bei ihm arbeitete, aber die Arbeitsstelle rechtswidrig verließ, StaF Akt. 182 fol. 85 - 1859 Bau eines Töpferofens an der Hauptstraße, StaF Akt. 189 fol. 129. - 1864 Mai 25 zeigt den Tod des Sohnes Franz an; verh. mit Anna Sophia Schiefer, Sterbereg. 74/1864 - 1869 Nov. 16 zeigt den Tod der Ehefrau an, ebd. 169/1869“ (Göbels 1971).
Am 24.9.1859 erwarb er von Leopold Levy ein Gartengrundstück (LA NRW R 7212 1861 / 2) an der Hauptstraße, wo er eine Irdenwaretöpferei betreiben wollte. Auf den 12. Dezember 1859 datiert eine „Zeichnung betreffend die von Heinrich Reinartz projektierte Anlage einer Töpfer Fabrick mit Töpferofen auf dem in Flur Y No. 557/83 gelegenen Grundstück an der Hauptstraße zu Frechen“, unterzeichnet vom Maurermeister Cossmann (Stadtarchiv Frechen 189/132). Auf diesem Plan erstreckt sich hinter einem Wohnhaus die langrechteckige Töpferfabrik mit einem Irdenware-Ofen mit Kamin. Um das Jahr 1863 erscheint der Name Everhard Reinartz in den Akten als Eigentümer des Grundstückes auf (LA NRW R 7212 / 1863 / 9). Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Heinrichs jüngeren Bruder, der ebenfalls Töpfer war. Er arbeitete bis 1856 laut Göbels (1971) beim Töpfermeister Joseph Röllgen, bis er die Meisterprüfung ablegte.
REINARTZ, EVERHARD „Töpfermeister - 1825 Dez. 25 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Tilmann R. und der Maria Katharina Braun, Geburtsreg. 161/1825 - 1854 Aug. 31 heir. Gertrud Müller aus Grefrath, Traureg. 24/1854 - 1855 wird zur Ablegung der Meisterprüfung aufgefordert, StaF Akt. 182 fol. 40 - 1856 in einer Töpferliste aufge-führt, StaF Akt. 187 fol. 21 - 1856 ist Unterzeichner der Statuten der Töpferinnung, StaF Akt. 186 - 1856 arbeitet nicht selbständig; da er die Meisterprüfung noch nicht ablegte, ist er unter der Leitung des Töpfermeisters Joseph Röllgen tätig, StaF Akt. 182 fol. 55 - 1856 Juni 6 legt in Neuß die Meisterprüfung ab, StaF Akt. 182 fol. 63; 187 fol. 31 - 1868 Dez. 27, zeigt den Tod der Tochter Gertrud an, Sterbereg. 150/1868 -'1885 Febr. 27 stirbt zu Frechen, Witwer, ebd. 33/1885“ (Göbels 1971).
Die Blumentopffabrik H. Reinartz
Nach dem Niedergang des Töpfereihandwerkes verlagerte die Familie Reinartz ihren Produktionsschwerpunkt kontinuierlich auf die Produktion von Blumentöpfen. Aus einer Werbeanzeige einer Zeitung „Zur Stadterhebung 2. September 1951“ geht hervor, dass die Blumentopffabrik 1885 gegründet wurde („seit 1885“). Hier liegt die Vermutung nahe, dass nach Everhard Reinartz' Tod 1885 sein Sohn Heinrich, ebenfalls Töpfer, den Betrieb übernahm und zu einer Blumentopffabrikation ausbaute. 1903 wurde eine Fabrikerweiterung beantragt (Stadtarchiv Frechen 203/137).
REINARTZ, HEINRICH „Töpfer - 1857 Juli 16 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Ever-hard R. und der Gertrud Müller, Geburtsreg. 106/1857 - 1886 Sept. 30 heir. Anna Katharina Rhein, 30 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 33/1886 - 1940 Febr. 12 stirbt zu Ahrweiler, Standesamt Ahrweiler Sterbereg. 20/1940“ (Göbels 1971).
1948 ist Hubert Keuthmann Eigentümer der Fabrik (Stadtarchiv Frechen 2067/160). Wann die Übernahme erfolgte, ging aus den ausgewerteten Unterlagen des Stadtarchives Frechen nicht hervor. Die Produktion lief mindestens bis zum Jahr 1951, da aus dieser Zeit noch eine Werbung erhalten ist (Zeitung „Zur Stadterhebung 2. September 1951“).
Beschreibung
Das Haus mit der auffälligen roten Fassade wurde um 1860 als Wohnhaus der Irdenware-Töpferei Reinartz an der Hauptstraße (lt. Adressbuch von 1899: Hauptstraße 238, Topffabrik Heinrich Reinartz) gebaut. Es handelt sich um ein zweigeschossiges, traufständiges und vierachsiges Gebäude.
Eine außergewöhnliche Zierde am Wohnhaus sind - neben der roten Fassadenfarbe - die weißen Stuckreliefs im Bereich der Fenster, vor allem im Obergeschoss, und der Tür. Diese verraten, welche Keramikprodukte hier einst hergestellt wurden: nämlich Krüge und Blumentöpfe. Es handelt sich um eines der wenigen Wohnhäuser in Frechen, welches mit seiner Fassadengestaltung auf seine Funktion bzw. den Beruf seiner Bewohnerinnen und Bewohner hinweist (Heeg 1984, S. 92).
Die Existenz zweier Brennöfen ist archivalisch belegt (zumindest ist ein Ofen in einer Zeichnung von 1902 enthalten). Im Rahmen der Begehung für die Erstellung eines Kellerkatasters in Frechen 1995 wurden im Untergeschoss des Hauses Strukturen vorgefunden, deren Interpretationsspielraum groß ist: Es könnte sich um die Reste der Öfen handeln oder um einen Gang, der zu ihnen führte, oder aber, laut Aussage der damaligen Eigentümer, um einen Luftschutzstollen des Zweiten Weltkriegs (Rosenstein 1995, S. 5), der laut Einschätzung Heegs möglicherweise aus dem unterirdischen Verbindungsgang zwischen Hauskeller und Öfen hervorgegangen ist (Untere Denkmalbehörde Frechen).
Heutiger Zustand
Nach Ende der Produktion wurde das Gebäude als Teppichlager genutzt und stand danach etliche Jahre leer, bis der Frechener Ortsverein der Türkisch-Islamischen Union hier ein islamisch-kulturelles Zentrum einrichtete (Kölner Stadtanzeiger vom 29.10.1992).
Während die Stuckfassade weitgehend erhalten ist, wurden an dem Haus einige Veränderungen vorgenommen: So wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Bereich des Dachgeschosses unter Einbau zweier Fenster erneuert. Zudem grenzte ursprünglich links an das Wohngebäude eine große, repräsentative Toreinfahrt mit Torbogen und verziertem zweiflügeligem Holztor. Die „Zeichnung zum Baugesuch des Herrn Hein. Reinartz, Töpfermeister Frechen“ von 1908 - vermutlich zum Antrag auf Errichtung dieser Toreinfahrt mit überdachter Durchfahrt und anschließendem Schuppen stellt sie mit der Torinschrift „Blumentopffabrik H. Reinartz“ dar (Archiv der Unteren Denkmalbehörde Frechen). Anfang der 1990er Jahre wurden laut Heeg (1995) Teile des Tores sowie das Holztor „unvermittelt“ abgerissen.
Kulturhistorische Bedeutung
Trotz der im Laufe der Zeit vorgenommenen Veränderungen und Zerstörungen an der ursprünglichen Bausubstanz ist das Wohnhaus der ehemaligen Blumentopffabrik Reinartz ein wichtiges, aufgrund der Stuckfassade auch geradezu bildliches Zeugnis für die Töpfereigeschichte Frechens in der Zeit des Übergangs vom Töpfereihandwerk hin zur industriellen Fertigung von Gebrauchskeramik. Insgesamt ist es eines der wenigen erhaltenen baulichen Zeugnisse aus der Zeit des Töpfereihandwerkes in Frechen; seine kulturhistorische Bedeutung ist in dieser Hinsicht als hoch einzustufen.
Hinweis
Das Objekt „Wohnhaus der ehemaligen Töpferei Reinartz“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Töpfereisiedlung Frechen (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 474) und ein eingetragenes Baudenkmal (UDB Frechen, laufende Nr. Baudenkmal A 140, Eintragung am 12.01.1996)
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2023)
Quellen
- Kölner Stadtanzeiger: Pläne für Moschee in der Innenstadt. (Artikel vom vom 29.10.1992; bei den Unterlagen der Unteren Denkmalbehörde Frechen).
- Heeg, Egon (1995): Antrag auf dringende Unterschutzstellung des Hauses Hauptstr. 165 von Weingarten/Heeg vom 04.07.1995 (zur Verfügung gestellt durch Hr. Heeg).
- Ortsarchiv des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Nr. 1124072.
- Rosenstein, Angela (1995): Kommentar zum Kellerkataster 12/1995, S. 4 (Ortsarchiv des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland).
- Untere Denkmalbehörde der Stadt Frechen, Unterlagen zur Hauptstraße 165.
- Stadtarchiv Frechen, Ordner Blumentopffabrik Reinartz, Sammlung Bernd Mayerhofer: 2067/160, 203/137 und Zeitung „Zur Stadterhebung 2. September 1951“.
- Stadtarchiv Frechen 189/132
- Stadtarchiv Frechen 187/21
- LA NRW R 7212 1861 / 2 (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)
- LA NRW R 7212 / 1863 / 9 (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)