Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ in der Klosterkirche

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Treis-Karden
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 07′ 32,01″ N: 7° 16′ 41,95″ O 50,12556°N: 7,27832°O
Koordinate UTM 32.376.937,15 m: 5.554.010,08 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.591.453,78 m: 5.555.157,30 m
  • Muttergottesstatue im Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ (2010)

    Muttergottesstatue im Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ (2010)

    Copyright-Hinweis:
    Lothar Spurzem
    Fotograf/Urheber:
    Lothar Spurzem
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Gnadenkapelle in der Klosterkirche Maria Engelport mit dem Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ (2010)

    Gnadenkapelle in der Klosterkirche Maria Engelport mit dem Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ (2010)

    Copyright-Hinweis:
    Lothar Spurzem
    Fotograf/Urheber:
    Lothar Spurzem
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Links vom Chor der heutigen Engelporter Klosterkirche befindet sich in der Gnadenkapelle ein Seitenaltar mit einer um 1420 geschaffenen Muttergottesstatue. Dieses als „Unsere Liebe Frau von Engelport“ bekannte Gnadenbild kam 1913 ins Kloster und hat für viele Besucher eine besondere Bedeutung. Zusammen mit der 1915 erbauten Grotte und den Votivtafeln bildete es einen wichtigen Baustein in der stark ausgeprägten Engelporter Marienverehrung der Oblaten O.M.I., die auch von der heutigen Kommunität intensiv gepflegt wird.

Kunstgeschichtliche Aspekte
Überführung 1915
Wahrheit und Legende
Marienverehrung
Quellen

Kunstgeschichtliche Aspekte
Während ein Engelporter Chronist das Marienbild, eine Muttergottes mit Kind, in die Mitte des 14. Jahrhunderts datierte, wird seine Entstehung heute auf die Zeit um 1420 geschätzt. Ernst Wackenroder vermutet eine Herkunft aus einer Kölner Werkstatt. Stefan Heinz hält hingegen eine Provenienz aus Mainz ebenso für möglich, da sich diese beiden Zentren der Plastik zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegenseitig stark beeinflussten. Es handelt sich um eine 88 Zentimeter hohe Holzschnitzarbeit mit starker Ponderation, die dezente Schlüsselfalten und reichere Kaskadenfalten aufweist. Der Apfel in der linken Hand des Jesuskindes kann als Gotteslob gedeutet werden. Das der Muttergottes beigegebene Attribut eines geweihten Brotes weist auf Jesus als Brot des Lebens hin (Joh. 6, 35).

Vor der Übergabe an Engelport sammelte der Kölner Kunstsammler Josef Haubrich in seiner Gemeinde 250 Mark für die Restaurierung und der Engelporter Hausrat beschloss die Anschaffung eines eisernen Leuchters für die neue Muttergotteskapelle. Zum 25. Klosterjubiläum wurde das Gnadenbild von dem aus Roermond stammenden und in Koblenz ansässigen Bildhauer Henri Helwegen unter Vergoldung neu gefasst und um einen vergoldeten, mit Engelsköpfen reich verzierten Strahlenkranz ergänzt, der von Kunstkennern mitunter als Überladung empfunden wird. Ob der ursprünglich nackte Knabe schon bei der Restaurierung 1913 oder erst 1928 bedeckt wurde, ist nicht überliefert.
nach oben

Überführung 1915
Der Trierer Bischof Dr. Michael Felix Korum hatte auf sein Vorkaufsrecht verzichtet und Engelport die Madonna gegen drei Anniversarien für Hullay überlassen. Laut Chronik- und Presseberichten wurde das Gnadenbild am 27. Juli 1913 in einem pompösen Festzug von Pommern nach Engelport überführt. Daran sollen etwa 3.000 Gläubige aus der Umgebung teilgenommen haben.

Zur Vorbereitung hatte man die Klosterkirche neu ausgemalt. An dem Festtag wurden die Oblaten schon um halb fünf morgens durch von einem Nachbarn auf einem Waldhorn geblasenen Marienweisen geweckt. Mittags zogen die Pommerner mit dem Gnadenbild und 20 Leiterwagen über die Mosel und das Flaumbachtal hinauf. 600 Meter unterhalb des Klosters hatten die Bewohner des Beurenhofs ein Altärchen errichtet, an dem Haubrich die Statue übergab. Sie wurde von Erzbischof August Dontenwill O.M.I. gesegnet und zum Kloster gebracht. Nach dem Vortrag von Gedichten durch Kinder und einer Predigt des Provinzials Kassiepe wurde die Statue in einer Prozession um die Kirche getragen und dann vorläufig auf einem kleinen Altar im Chor auf der Evangelienseite (Frauenseite, links vor dem Hochaltar) aufgestellt.
nach oben

Wahrheit und Legende
Um das Engelporter Gnadenbild wurden mehrere Legenden gesponnen, die sich Jahrzehnte lang hartnäckig erhalten haben. So neigte Haubrich beispielsweise zur Überhöhung und scheute auch vor Falschdarstellungen nicht zurück, um Engelport zu einem Marienwallfahrtsort zu machen. Als er 1913 aus dem Nachlass des Trierer Domvikars Josef Hulley eine Marienstatue erwerben konnte, behauptete er, sie stamme aus dem früheren Prämonstratenserinnenkloster Engelport. Die damaligen Oblaten erkannten darin bereits eine krasse Geschichtsfälschung und es kam zu einem vorübergehenden Zerwürfnis mit dem Gönner.

Ein Engelporter Chronist spekulierte 1913, dass die letzte Engelporter Meisterin das Marienbild nach der Besetzung im Herbst 1794 bei der Flucht mitgenommen haben könnte. Diese falsche Mutmaßung wurde später unter anderem von Ernst Wackenroder übernommen. Dieser fügte sogar eine weitere falsche Mutmaßung hinzu. Den geweihten Wecken in der linken Hand der Madonna zog er als Beleg für einen Zusammenhang mit der Legende um die Meisterin Margaretha Cratz von Scharffenstein heran, auf deren Gebet hin sich um 1530 die Vorratsspeicher während einer Hungersnot auf wunderbare Weise gefüllt haben sollen. Diese Verknüpfung ist nicht haltbar, denn die Meisterin wurde erst zur Zeit der Entstehung des Gnadenbildes geboren und das vermeintliche Wunder ist erst einhundert Jahre später angesiedelt.

Ferner vermutet Wackenroder, dass es sich bei dem Gnadenbild um die Figur handelt, die dem Kloster Engelport einst von einem Kölner Bürger geschenkt worden war. Dieser Florian hatte jedoch schon im 14. Jahrhundert gelebt und war vor 1406 verstorben.
nach oben

Marienverehrung
Es gibt nur wenige Hinweise auf eine frühere Marienverehrung im Kloster Engelport. Auf der Evangelienseite stand ein Marienaltar und noch 1818 existierte ein Altarbild mit Szenen aus dem Leben Marias aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, das von Vinzenz Huber aus Köln stammen soll. Eine frühe Marienverehrung spiegelt sich auch in der Schenkung einer Marienstatue von vor 1406 und einer zweckgebundenen Geldspende von 1603 wider. Vor dem Verkauf der zwischen 1802 und 1903 als Landwirtschaftsgut betriebenen Klosteranlage an die Oblaten wurden bei Aufräumarbeiten im Schutt der Ruinen zwei Mondsichelmadonnen gefunden, eine etwa 48 Zentimeter hohe von um 1600 und eine 120 Zentimeter hohe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Erstere könnte auf die Spende einer Goldmünze der 1603 verstorbenen Lucia von Piesport zurückgehen. Sie gelangte über den früheren Trierer Regierungspräsidenten Dr. Eduard zur Nedden in den Besitz sei-ner Nachkommen. Die zweite Madonna kam in den Besitz einer Familie Hartmann vom Gammelshäuserhof und befindet sich heute in der Kirche zu Laudert (Hunsrück).
nach oben

(Norbert J. Pies, Ortsgemeinde Treis-Karden, 2022)

Quellen
Heinz, Stefan: Persönliche Mitteilung vom 11. November 2010.
nach oben

Literatur

Pies, Norbert J. (2021)
Notabilia & Miscellanea oder Heimat- und familienkundliche Randnotizen. Heft 3: Neues aus Alt:Engelport. Erftstadt.
Pies, Norbert J. (2020)
Alt-Engelporter Lesebuch. 800 Jahre Klostergeschichte in 80 Kapiteln. In: Zur Geschichte von Kloster Maria Engelport. Neue Reihe ; Band 4, Erftstadt.
Pies, Norbert J. (2020)
800 Jahre Kloster Maria Engelport – 71 ausgewählte Kapitel aus seiner Geschichte. Erftstadt.
Pies, Norbert J. (2013)
Maria in Engelport. 100 Jahre Engelporter Gnadenbild 1913-2013. Erftstadt.
Pies, Norbert J. (2013)
Die Engelporter Marienverehrung. Hintergründe, Einsichten und Ansichten. Erftstadt.
Pies, Norbert J. (2010)
Zwei Alt-Engelporter Madonnen. Das Ergebnis einer spannenden Spurensuche. In: Hunsrücker Heimatblätter Nr. 144 Jg. 50, S. 233-237., Erftstadt.
Pies, Norbert J. (2003)
Vom Flaumbach in die weite Welt. 100 Jahre Oblatenkloster Maria Engelport und seine Vorgeschichte. Erftstadt.
Wackenroder, Ernst (1984)
Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem. (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz / im Auftr. des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz ; 3.) o. O.

Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ in der Klosterkirche

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Flaumbachtal 4
Ort
56253 Treis-Karden
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1340 bis 1360

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Norbert J. Pies (2022): „Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“ in der Klosterkirche”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-344087 (Abgerufen: 8. Dezember 2022)
Seitenanfang