Direktorenvilla der Sprengstofffabrik der Carbonit AG in Schlebusch

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Leverkusen
Kreis(e): Leverkusen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 01′ 21,85″ N: 7° 02′ 43,04″ O 51,02274°N: 7,04529°O
Koordinate UTM 32.362.911,33 m: 5.654.171,57 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.573.383,58 m: 5.654.696,33 m
  • Direktorenvilla Carbonit Schlebusch (2021)

    Direktorenvilla Carbonit Schlebusch (2021)

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    Willy Borgfeldt
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  • Direktorenvilla Carbonit Schlebusch (1924)

    Direktorenvilla Carbonit Schlebusch (1924)

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  • Direktorenvilla Carbonit Schlebusch (2021)

    Direktorenvilla Carbonit Schlebusch (2021)

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    Willy Borgfeldt
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  • Anlage zur Denitrierung auf dem Gelände der Sprengstoff AG Carbonit in Schlebusch (um 1900).

    Anlage zur Denitrierung auf dem Gelände der Sprengstoff AG Carbonit in Schlebusch (um 1900).

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    unbekannt / Institut. Industrie-Kultur-Geschichte-Landschaft
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    Sprengstoff AG Carbonit
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  • Historische Aufnahme der Patronenhütten im Schutzwall der Sprengstoff AG Carbonit in Schlebusch (um 1900).

    Historische Aufnahme der Patronenhütten im Schutzwall der Sprengstoff AG Carbonit in Schlebusch (um 1900).

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    Sprengstoff AG Carbonit
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Die Sprengstofffabrik auf der Schlebuscher Heide östlich der Mülheimer Straße wurde im Jahr 1887 von Dr. hc. Christian Emil Bichel (+1914) gegründet. Dessen in Hamburg ansässiges Unternehmen Schmidt & Bichel GmbH produzierte Explosivstoffe auf Basis des 1866 von Alfred Nobel (1833-1896) erfundenen Dynamits. 1890 wurde das Hamburger Unternehmen in die Sprengstoff-Aktien-Gesellschaft Carbonit umgewandelt.
Im Jahr 1926 kamen bei einer folgenschweren Explosion in der Schlebuscher Sprengstofffabrik 13 Menschen ums Leben. Die dabei zerstörte Fabrik wurde nachfolgend nicht wieder aufgebaut.
Bereits zum Jahresbeginn 1926 hatte die Dynamit Nobel AG (DAG) die Carbonit AG vollständig übernommen. Wohl auch infolge der Explosionskatastrophe legte die DAG den Standort bis zum Jahresende still und verlagerte die Produktion in ihr nicht weit entferntes Werk Schlebusch.

Die Direktorenvilla
Von der Fabrik auf der Schlebuscher Heide blieb nach der Explosion einzig die 1889 erbaute Direktorenvilla an der Kreuzung Saarstraße / Mülheimer Straße übrig. Hier befand sich einst der Werkseingang. Das erheblich schlichter ausgeführte Wohnhaus für den Technischen Leiter an der gegenüberliegenden Straßenecke ist zwar im Kern ebenfalls erhalten, heute aber durch Um- und Erweiterungsbauten kaum mehr erkennbar.

Die ehemalige Direktorenvilla wurde zunächst als Gasthof („Hotel Kürten“) genutzt. Nach dessen Umzug in die gegenüberliegende Ingenieursvilla wurde das Gebäude 1997 von der Kölner DOM-Brauerei erworben, als markeneigenes Brauhaus neu ausgestattet und verpachtet. Spätestens dann wurde das gesamte Erdgeschoss fast vollständig zu einem nun ungeteilten Raum geöffnet. Wetterschäden erzwangen eine teilweise Restaurierung der Westfassade und des Erkers, wobei ein Teil der Klinker sowie des Holzwerks erneuert wurde. Das Brauhaus repräsentierte bis Oktober 2021 die Kölsch-Marke „DOM“, dann erfolgte ein Namenswechsel von „DOM Brauhaus“ in „Das Brauhaus Schlebusch“ (www.brauhaus-schlebusch.de).

Das 1889 auf etwa quadratischem Grundriss errichtete, zweigeschossige Gebäude weist ein über einem Drempel weit auskragendes Walmdach mit kurzem First in Nord-Süd-Richtung auf. West- und Südfassade werden durch einen diagonal vorgesetzten, erkerartigen Vorbau mit Eingangstür und laubenartigem Obergeschoss verbunden und sind beide zueinander fast und in sich vollständig symmetrisch mit leicht vorspringendem Mittelteil gestaltet. Den beiden mittleren Fensterachsen der Westseite entspricht auf der Südseite eine breite Mittelachse; die weit vorkragenden Schwebegiebel der Mittelteile sind im Westen mit Schopfwalm, im Süden ohne gestaltet.
An der Ostseite ist der vier Fensterachsen breite linke Teil der Fassade stark nach vorne gezogen und wird von einem mächtigen, durch einen halbrunden Schwebegiebel mit Schopfwalm überspannt. Die Nordseite ist dagegen fast ungestaltet und wird dominiert von einem aus drei hohen, dicht nebeneinander liegenden Fenstern bestehenden, unter die Dachtraufe gerückten Treppenhausvorbau.

Das nur wenig über Straßenniveau erhöhte Erdgeschoss ist mit Blendklinkern verkleidet; die unterschiedlich breiten Fenster werden von breiten Klinkergewänden gerahmt und sind korbbogig geschlossen. Nach Süden ist heute ein weit vorspringender und segmentförmig abschließender, nach 1902 entstandener Ausbau vorgesetzt, der in einer Reihe schmaler, bogenförmig endender Fenster geöffnet ist. Ein Gesims auf Kämpferhöhe bindet Fenster und Wandflächen zusammen. Obergeschoss und Drempel sind mit vorgeblendetem, ornamentalem Fachwerk verkleidet, dessen Füllungen aus Klinkerköpfen bestehen. Auf Höhe des Drempels ist der auskragende, geringer geneigte Dachüberstand mit diagonalen Balken abgestützt, ähnlich wie die Schwebegiebel, deren eingezogene Auskleidung auf zusätzlichen, doppelten Stützen ruht. An der Ostseite war dem Erdgeschoss ein Vorbau in Art eines Wintergartens mit eigenem Zugang vorgesetzt, der heute durch den Küchenanbau der Gaststätte weitgehend ersetzt ist.
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Das Holzwerk war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dunkel gestrichen, ebenso die Fenster und die Wintergärten. Heute sind Fenster und Fachwerk weiß. Die Klinkerflächen sind altrosa gestrichen, bis auf die mit gelben Klinkern erneuerten Teile. Das Dach ist mit roten Tondachziegeln gedeckt.
Nach Umbauten sind die Wohn- und Arbeitsräume im Erdgeschoss nicht mehr erkennbar. Nur das abgeschlossene Treppenhaus mit aufwendigem Geländer ist überliefert. Im Obergeschoss ist die Raumaufteilung der privaten Räume noch erhalten.

Die beiden den Zugang zu dem umfangreichen Werksgelände flankierenden Villen bildeten das nach Außen sichtbare Bild der Fabrik. Wohl mit der Firmenumwandlung in die Carbonit AG benötigte man ein repräsentatives Wohngebäude für den Direktor, das gleichzeitig für den Empfang von Kunden und leitenden Mitarbeitern aus der Firmenzentrale in Hamburg geeignet war. Das eigentliche Verwaltungsgebäude befand sich im hinteren Bereich des Geländes, wo eine Reihe von ein- und zweigeschossigen Backsteinbauten entlang einer Werksstraße angeordnet waren.

Die Direktorenvilla passt sich den Landhäusern verschiedener Unternehmerfamilien zwischen Schlebusch und Dünnwald an. Mit der Direktorenvilla hat sich das einzige vor Ort weitgehend unveränderte Gebäude des Schlebuscher Werks erhalten. Sie gilt heute als Schlebuscher Wahrzeichen.

Hinweis
Die Direktorenvilla der Carbonit AG in Schlebusch ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste der Stadt Leverkusen, laufende Nr. 258, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Objekt-Nr. 58138; Eintrag in die Denkmalliste am 11.2.1994).
Die Objektbeschreibung unter www.leverkusen.com lautet: „Ehem. Beamtenwohnhaus und ehem. Direktionsgebäude der ehem. Carbonitfabrik Schlebusch. Zweieinhalbgeschossiger Backsteinbau, Walmdach, Fassade mit Elementen des engl. Landhausstils, Lage des Gebäudes auf dem Gelände der ehemaligen Sprengstoffabrik Carbonit AG. Heute befindet sich hier eine Gaststätte. ... Baujahr Ende 19. Jh./20. Jh.“

(Alexander Kierdorf, Institut. Industrie-Kultur-Geschichte-Landschaft, 2021)

Internet
www.brauhaus-schlebusch.de: Brauhaus Schlebusch (abgerufen 24.02.2022)
stadtgeschichte-lev.de: „Leverkusen explosiv. Geschichte der Sprengstoffproduktion“, Gemeinschaftsausstellung des Bergischen Geschichtsvereins und der Stadtgeschichtlichen Vereinigung, 16. Juni bis 25. August 2024 (abgerufen 30.01.2026)
www.leverkusen.com: Direktionsgebäude Carbonitfabrik (abgerufen 10.03.2026)
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Literatur

Barg, Bernhard H. (1928)
Die Explosivstoffindustrie. Ihre wirtschaftlichen Bedingungen und ihre Entwicklung (zugleich Dissertation Universität München). München.
Dynamit-Actien-Gesellschaft, vormals Alfred Nobel & Co. (Hrsg.) (1925)
Dynamit Actien-Gesellschaft, vormals Alfred Nobel & Co., Hamburg 1865-1925. Hamburg.
John, Gabriele (hg.) (2005)
Leverkusen - Geschichte einer Stadt am Strom. Erfurt.
Junkers, Günter (2017)
Brisante Sprengstoffe aus Leverkusen. In: Niederwupper 28, S. 133-140. o. O.
Kruse-Klemusch, Helga (2015)
Schlebusch in alten Fotografien, Sand bis Dünnwalder Busch. Erfurt.
Martin, Gustav (1909)
Geschichtliche Entwicklung der Kartellbildung in der deutschen Sprengstoff-Industrie. Heidelberg.
Soenius, Ulrich S. (2018)
Leverkusener Wirtschaftsgeschichte. Neustadt an der Aisch.
Sprengstoff AG Carbonit (1902)
Hamburg, Schlebusch, den Besuchern der Düsseldorfer Ausstellung 1902 gewidmet. o. O.
Sprengstoff AG Carbonit (Hrsg.) (1905)
Historisch-Biographie Bll. der Stadt Hamburg. Band 7, Heft 4. Berlin.

Direktorenvilla der Sprengstofffabrik der Carbonit AG in Schlebusch

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Saarstraße 1
Ort
51375 Leverkusen - Schlebusch / Deutschland
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1889

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Empfohlene Zitierweise
Alexander Kierdorf (2021): „Direktorenvilla der Sprengstofffabrik der Carbonit AG in Schlebusch”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343954 (Abgerufen: 17. März 2026)
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