Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Montabaur
Kreis(e): Westerwaldkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 26′ 13,62″ N: 7° 49′ 49,01″ O 50,43712°N: 7,83028°O
Koordinate UTM 32.416.933,24 m: 5.587.886,91 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.416.974,99 m: 5.589.682,44 m
  • Kindgerechte Audiodatei zum Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur (2021)

    Kindgerechte Audiodatei zum Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur (2021)

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  • Das Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur (2021)

    Das Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur (2021)

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Das auffällige Spruchband „Freiherr vom Stein war dieses Haus. Gott segne hier das Ein und aus“ könnte die Erbauung des Hauses der Familie vom Stein zurechnen. Letztendlich jedoch wurde dieser Spruch zur Werbung am Gebäude angebracht. In oder an diesem Haus soll im späten 18. Jahrhundert eine wichtige Reliquie ein paar Tage lang vor den Franzosen versteckt worden sein.

Gebäude
Das Fachwerk-Eckwohnhaus auf rechteckigem Grundriss verfügt über drei Geschosse zuzüglich Dachgeschoss. Das Haus wurde im 17. Jahrhundert erbaut, Umbauten erfolgten im späten 19. Jahrhundert.
Im Erdgeschoss ist die Fassade zur Kirchstraße vollständig durch ein modernes Schaufensters durchbrochen. Auf der Höhe des ersten und zweiten Obergeschosses ist das Fachwerk verputzt. Die Fassade wird von vier Konsolen getragen, die in Form von Voluten (Schnecken) ausgeprägt sind. Der Giebel ist geschweift und wird durch dekorative Hölzer im Fachwerk geprägt. Die gebogenen Streben, Andreaskreuze und Rauten sind mit farbig akzentuierten Schnitzereien versehen. Besonders auffällig ist, dass die Hölzer so aneinander angesetzt sind, dass sie ineinander überzugehen scheinen und sich über den Giebel hinweg erstrecken.

Auf Höhe des ersten Obergeschosses ist die Fassade in Form einer mit einem Spitzbogen versehenen Wandnische eingerückt. In dieser Nische befindet sich zum einen das Spruchband sowie ein Segmentbogen. Der Bogen enthält reliefartiges Rankwerk und - in einer ovalen Kartusche - das Porträt einer Frau. Bekrönt wird der Bogen von zwei sitzenden Engelfiguren, die das gemehrte freiherrliche Wappenschild der Familie vom und zum Stein präsentieren. Dieses zeigt zwei rote Rosen auf goldenem Grund.

Geschichte
Das Haus gehörte ursprünglich der adeligen Familie „von Brambach“. Georg Ludwig von Brambach (Lebensdaten unbekannt) war ein „Beamter“ der kurtrierischen Verwaltung. Zwischen den Jahren 1636 und 1645 war er als Amtmann (Amtsverwalter) in Montabaur tätig und sesshaft. Am 15. Juni 1678 verkauften die von Brambachs das Haus an Ludwig Christoph Freiherr vom und zum Stein (1646-1707). Ein Mitglied der Familie vom Stein war bereits im 14. Jahrhundert als Montabaurer Burgmann des Trierer Kurfürsten Werner von Falckenstein angestellt (um 1355-1418, Erzbischof ab 1388). Die aus Nassau an der Lahn stammenden vom Steins bewohnten allerdings das Haus nicht selbst.

In der Folgezeit wurde es an in Montabaur tätige höhere Verwaltungsbeamte der kurfürstlichen Verwaltung vermietet. Am 4. September 1780 verkaufte die Familie vom und zum Stein das Haus an den letzten kurfürstlichen Amtsverwalter Damian Linz (Geburtsdatum unbekannt - 1808). Er war Amtsverwalter von 1776 bis 1803 und nach der Eingliederung in das Fürstentum/Herzogtum Nassau-Weilburg nassauischer Hofrat bis 1808. Spätestens im Jahr 1882 kam das Haus an Peter Jung (Lebensdaten unbekannt), der dort ein „Galanterie und Spielwarengeschäft betrieb. Zu Werbezwecken ließ Peter Jung den auf die Familie vom Stein bezogenen Text am Haus anbringen, um damit die Neugier potenzieller Kundschaft zu wecken.

In dem von Martinus Neu unter dem Titel “Merckwürdigkeiten von der Stadt Montabaur„ (erschienen um 1817) veröffentlichten Bericht wird folgendes berichtet: Die erzbischöfliche bzw. kurfürstliche Verwaltung soll bei ihrer Flucht vor den Franzosen im Jahre 1794 den “Heiligen Rock von Trier„ kurzzeitig in diesem Hause oder an diesem Haus ein paar Tage versteckt haben. Dieses Gewand soll Jesus Christus vor der Kreuzigung getragen haben.

Das Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Westerwaldkreis (Stand 2021) geführt. Der Eintrag lautet:
“Kirchstraße 16
dreigeschossiges Fachwerk-Eckwohnhaus, tlw. massiv bzw. verputzt, 17. Jh. und Ende 19. Jh.„

(Bernd Schrupp, Montabaur, 2021)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2021)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Westerwaldkreis. Denkmalverzeichnis Westerwaldkreis, 15. Juli 2021. Mainz. Online verfügbar: https://gdke.rlp.de/denkmalliste-rheinland-pfalz

Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirchstraße 16
Ort
65410 Montabaur
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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Empfohlene Zitierweise
„Fachwerkhaus Kirchstraße 16 in Montabaur”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343838 (Abgerufen: 26. November 2022)
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