Baumwollspinnerei Ulenberg & Schnitzler

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Gemeinde(n): Leverkusen
Kreis(e): Leverkusen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 04′ 23,04″ N: 6° 59′ 51,46″ O 51,07307°N: 6,99763°O
Koordinate UTM 32.359.721,04 m: 5.659.857,66 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.569.963,65 m: 5.660.249,01 m
  • Schaubild Baumwollfabrik Ulenberg&Schnitzler (1870)

    Schaubild Baumwollfabrik Ulenberg&Schnitzler (1870)

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  • Lageplan Baumwollfabrik Ulenberg&Schnitzler (1930)

    Lageplan Baumwollfabrik Ulenberg&Schnitzler (1930)

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  • Wupperwiesen an der Opladener Brücke (2021)

    Wupperwiesen an der Opladener Brücke (2021)

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Weder in Architektur, noch bezüglich technischer Anlagen ist etwas von der Baumwollspinnerei Ulenberg & Schnitzler erhalten geblieben. An ihrer Stelle erstrecken sich nun Grünanlagen am Fuß der Villa Römer bis zur Wupper.

Industriegeschichtlich war die Fabrik aber derart wichtig, dass sie zumindest im Bewusstsein der Nachwelt bewahrt bleiben sollte. In zahlreichen Publikationen zur Geschichte Opladens und zur Industriegeschichte Leverkusens findet die Anlage denn auch berechtigterweise gebührende Beachtung.

Die Ursprünge gehen zurück auf Konzessionsanträge des „Mechanicus“ Wilhelm Thomas von 1814 und ein Jahr darauf des Kaufmanns Hieronimus. Wilhelm Hieronimus betrieb in den Wirtschaftsgebäuden der Abtei Altenberg eine Baumwollspinnerei und wollte diese nun durch eine wassergetriebene Fabrik an der Wupper ergänzen. Erst 1822 setzte Hieronimus seine Konzession um. Es entstand eine jener Spinn-Mühlen, die als ein Ausgangspunkt der Industriellen Revolution gelten. Weltweit berühmt wurde die von Richard Arkwright 1771 gegründete, auf Wasserkraft basierende Anlage in Cromford südlich von Manchester. Das deutsche Cromford, 1783 von Johann Gottfried Brügelmann gegründet, gilt als die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent. Das von Arkwright ausgeklügelte System der Arbeitsabläufe und der dadurch mögliche Einsatz von Maschinen waren ein entscheidender Schritt zur Industrialisierung. Überall in Europa, im Rheinland etwa in Aachen und Wuppertal entstanden daraufhin solche „spinning-mills“. In England war der Eindruck dieser wassergetriebenen Technik derart gewaltig, dass fortan und noch bis in die Gegenwart Fabriken als „mills“ bezeichnet werden.

Wie eine spätere Karte der Anlage zeigt, wurde das Wasser der Wupper weit oberhalb des Fabrikstandorts in einem Obergraben abgeleitet, um am Ort der Energieerzeugung das notwendige Gefälle zu erzeugen. Durch die Wasserkraft wurden in der Fabrik 12-14 PS erzeugt. Angetrieben wurden damit eiserne Maschinen der international bekannten Maschinenfabrik Cockerill bei Lüttich. Der Hinweis auf das Material ist insofern interessant, weil die älteren Maschinen noch aus Holz hergestellt wurden.

Hieronimus schloss in der Folgezeit einen Gesellschaftsvertrag mit den Remscheider Handlungshäusern Johann Grothaus & Sühne und Jakob Paas & Söhne. Zur Fabrik gehörte auch eine Schraubenherstellung mit Absatz nach Solingen und Remscheid.

Zu seinem heute in der Regel gebrauchten Namen kam das Unternehmen erst 1839. Die Gebrüder Wilhelm und Julius Ulenberg und Julius Schnitzler übernahmen die Fabrik unter dem Namen: Ulenberg & Schnitzler. Erst jetzt knüpfte die Fabrik an den längst etablierten Stand der Industrie an. Die Wasserkraft wurde ergänzt durch die Dampfmaschine. Eine erste kam 1844, die zweite wurde 1849 angefügt. Eine Gasfabrik, wohl zur künstlichen Belichtung der Arbeitsräume war schon 1843 entstanden.

Schaubilder und historische Fotos zeigen den Zustand der Fabrik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In einem dreigeschossigen Gebäude (mit Drempelgeschoss) waren Spinnerei und Schraubenfabrik untergebracht. Den Gebäuden sind zur Wupper die niedrigeren Hallen für Kessel- und Dampfmaschinenhaus vorgelagert mit dem alles überragenden Kamin. In einem zweigeschossigen Gebäude waren Walk- und Farbmühle untergebracht. Diese wurden noch mit Wasserkraft betrieben. Das Schaubild zeigt den aus dem Werksgelände heraustretenden Wassergraben, der als Untergraben das Wasser der Wupper wieder zuführt. Das Schaubild zeigt auch die Fabrikantenvilla an der Düsseldorfer Straße und im Hintergrund Arbeiterwohnungen.

1899 kam das Ende des Textilwerks. Drahtstiftewerk Opladen, Metallwerke GmbH Opladen und Metallwarenfabrik Ideal GmbH gehörten zu den Nachfolgeunternehmen.
Die Anlagen sind über Erdniveau vollständig abgetragen worden. In der Erde aber finden sich sicher noch zahlreiche Spuren und bieten ein spannendes Feld zukünftiger industriearchäologischer Forschungen.

(Walter Buschmann, Institut. Industrie-Kultur-Geschichte-Landschaft, 2021)

Literatur

Bauschen, Matthias (1988)
Leverkusen - so wie es war. Düsseldorf.
Grubba, Jaceek (2018)
Mit der Chemie zur Großstadt. Wirtschaft im Raum Leverkusen 1890-1932. In: Soénius, Ulrich S.(Hrsg.): Leverkusener Wirtschaftsgeschichte, S. 101-150. Neustadt a.d. Aisch.
Pompilio, Fabian (2016)
Die industrielle, wirtschaftliche und technische Entwicklung in Opladen. In: Gutbier, Michael D./von Büren, Guido (Hg.): Das preußische Jahrhundert. Jülich, Opladen und das Rheinland zwischen 1815 und 1914, S. 257-290. Goch.
Schneider-Bertenburg, Lino; Pompilio, Fabian (2018)
Erste Industrialisierung und Konzentration (1850-1890). In: Soénius, Ulrich S.(Hg.): Leverkusener Wirtschaftsgeschichte, S. 41-100. Neustadt a.d. Aisch.

Baumwollspinnerei Ulenberg & Schnitzler

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Ludwig-Rehbock Park
Ort
51379 Leverkusen - Opladen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1822, Ende 1899

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Walter Buschmann (2021): „Baumwollspinnerei Ulenberg & Schnitzler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343836 (Abgerufen: 25. Februar 2026)
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