Nudelfabrik Schram in Neuss

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Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Neuss
Kreis(e): Rhein-Kreis Neuss
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 12′ 6,49″ N: 6° 41′ 58,77″ O 51,2018°N: 6,69966°O
Koordinate UTM 32.339.296,34 m: 5.674.781,47 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.548.944,15 m: 5.674.329,88 m
  • Briefkopf Gesamtanlage der Nudelfabrik Schram in Neuss (1935)

    Briefkopf Gesamtanlage der Nudelfabrik Schram in Neuss (1935)

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  • Verwaltungsgebäude der Nudelfabrik Schram (2021)

    Verwaltungsgebäude der Nudelfabrik Schram (2021)

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  • Briefkopf der Nudelfabrik Schram in Neuss (1922)

    Briefkopf der Nudelfabrik Schram in Neuss (1922)

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  • Verwaltungsgebäude der Nudelfabrik Schram Rückansicht (2021)

    Verwaltungsgebäude der Nudelfabrik Schram Rückansicht (2021)

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Ehemalige Nudel- und Stärkefabrik der Familie Schram in Neuss. Das Verwaltungsgebäude wurde 2007 zum „Atelierhaus Hansastraße“ mit Ausstellungssaal umgebaut.

Geschichte
Im Jahre 1790 begann Peter Joseph Schram in Neuss mit der Herstellung von Stärkepulver. Der Sohn des einflussreichen Ratsherrn Mauritius Schram stammte aus einer alteingesessenen Familie und war fest in der bürgerlichen Gesellschaft der Stadt verankert. Das Stärkemehl diente unter anderem zur Textil- und Wäschebehandlung, bei der Papierherstellung und als Puder für Haut und Haar. Erst 1818 begann Schram auch mit der Herstellung von Teigwaren, die er aber um 1840 wieder einstellte.

Das Unternehmen bestand lange nur aus wenigen Mitarbeitern. Das Stärkemehl wurde mit Hilfe eines von Ochsen bewegten Göpels produzierten. In den 1830er Jahren entwickelte Schram die „kleberfreie Weizenstärke“ und brachte es mit 13 Mitarbeitern auf eine Jahresproduktion von 1800 Doppelzentnern. In den 1850er Jahren exportierte man in zahlreiche europäische und überseeische Länder, unter anderem auch in die USA und nahm erfolgreich an den ersten Weltausstellungen teil.

Mit der Aufstellung einer 2-PS-Dampfmaschine begann 1861 die industrielle Fertigung. Unter Leitung der „Jungfer“ Trinette, der unverheirateten Tochter des Gründers, sowie zweier Neffen konnte man 1873/74 in der Brandgasse eine Fabrik errichten, die mit einer 30-PS-Dampfmaschine ausgestattet war. Wohl auf Anregung der lokalen Konkurrenz (Tosetti) hatte man 1871 die Herstellung von Nudeln wieder aufgenommen. Bis 1890 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 40. Neben Teigwaren stellte man auch Back- und Puddingpulver her. Ab 1912 ermöglichte ein Elektromotor den Nachbarn wieder mehr Nachtruhe.

Die inzwischen dritte Generation der Familie ließ 1922 - wohl auch aufgrund guter Einnahmen während des Krieges - im neuen Industriehafen das modern ausgestattete „Werk II“ errichten; in der Brandgasse wurde von dann ab nur noch Pudding- und Backpulver produziert. 1940 wurde das Stammwerk durch Feuer nach einem Luftangriff zerstört. Bis dahin war nicht nur das Werk im Hafen großzügig ausgebaut worden, sondern man konnte sich auch durch Übernahme Zweigwerke in Mettmann und Hameln zulegen. In Jugoslawien errichtete man eine eigene Fabrik zur Konservierung von Eiern als Produktionsrohstoff. Durch moderne Reklame für „Schram's Eiernudeln“ war man in der Zwischenkriegszeit zeitweise größtes Unternehmen seiner Branche mit etwa 1000 Beschäftigten, überwiegend Frauen. Trotz Wiederaufbau und Modernisierung kam 1963 das Aus.

Gebäude der Nudel- und Stärkefabrik
Der Standort im Neusser Hafen wurde 1922 mit dem Bau des „Werk II“ eröffnet. Dem zwei- bis dreigeschossigen Fabrikbau am Kopfende des Hafenbeckens II sind Kraftzentrale und weitere Nebengebäude sowie ein villenartiges Verwaltungsgebäude - als einziges mit Steildach - angegliedert. Die äußerst positive Entwicklung des Unternehmens ermöglichte dann gegen Ende der 1920er Jahre weitere Neubauten: Zunächst das Verwaltungsgebäude unmittelbar an der Hansastraße - schräg gegenüber der erst wenige Jahre alten Hansamühle der Familie Werhahn - und dann ein sogar sechsstöckiges Fabrikgebäude auf winkelförmigem Grundriss zwischen „Altbau“ und Hafenbecken. Der Baukomplex überlebte den Zweiten Weltkrieg wohl vergleichsweise glimpflich und konnte bald wieder in Betrieb gehen. Nach der Stilllegung 1963 nutzte die Firma die Bauten zeitweise; der Abbruch erfolgte wohl erst in den 1990er Jahren. Erhalten blieb nur das Verwaltungsgebäude, das 1927 nach Plänen des Neusser Architekten Dominikus Heurich gebaut wurde.

Verwaltungsgebäude
Das von der Stadt Neuss erworbene ehemalige Verwaltungsgebäude wurde vom Kulturamt 2007 zum „Atelierhaus Hansastraße“ mit Ausstellungssaal umgebaut und beherbergt 30 Künstler. Es steht nicht unter Denkmalschutz.

Der dreigeschossige, querrechteckige Verwaltungsbau erstreckt sich, durch einen kleinen Grünstreifen hinter Werksmauern abgesetzt, entlang der Hansastraße. Der Haupteingang befindet sich an der südlichen Schmalseite. Zunächst hatte Architekt Heurich für den mit einer detailliert gegliederten Backsteinfassade versehenen Betonskelettbau ein ausgebautes Walmdach vorgesehen; noch während des Baus entschied man sich aber für ein - den Fabrikgebäuden entsprechendes - Flachdach. An Straßenseite und Schmalseiten ist die Fassade in den beiden oberen Geschossen durch flache Lisenen zusammengefasst. 13 Fensterachsen umfasst der mittlere, leicht überhöhte Teil der breiten Front, deren Seiten nochmals je vier Achsen aufweisen. Das erste Obergeschoss verfügt über besonders hohe Fenster. Das Erdgeschoss, in dem sich die große Expeditionshalle befand, verfügt ebenfalls über große, hochrechteckige Fenster. An der südlichen Schmalseite wird über dem Haupteingang das Treppenhaus erkennbar, abgesetzt durch einen mittleren Bereich, der ebenfalls leicht nach oben über die Trauflinie reicht. Die Rückseite ist überraschenderweise anders aufgeteilt: Hier ist Erdgeschoss und erstes Obergeschoss durch eine Pilasterordnung zusammengefasst, während das oberste Geschoss mit den Wohnungen durch niedrigere Fenster ausgezeichnet ist.

Im Erd- und ersten Obergeschoss waren die Verwaltung, Buchhaltung und Büros der Firmenleitung sowie im großflächigen Bereich des Erdgeschosses - die „Expedition“ (Versand) untergebracht. Darüber befanden sich Wohnungen für technische Mitarbeiter, die zur Betreuung der rund um die Uhr laufenden Produktion in der Nähe der Fabrik untergebracht wurden.

Die - leider nur durch das Verwaltungsgebäude überlieferten - Gebäude der Nudelfabrik Schram belegen die Einflüsse des amerikanischen Industriebaus mit seinen Stahlbetonskeletten und Backsteinfassaden sowie dem Verzicht auf Steildächer in Deutschland. Vergleichbar sind im Neusser Hafen etwa die - ebenfalls leider verschwundenen - Bauten der International Harvester Company und die in wenigen, aber bedeutenden Resten erhaltenen Ideal Standard-Niederlassung.
Andererseits ähnelt die flächige, klassizistisch inspirierte Gliederung der Fassaden des Verwaltungsgebäudes mit den engen Fensterreihen an die Bürobauten Peter Behrens' aus der Vorkriegszeit, wo allerdings meist heller Werkstein verwendet wird.

(Alexander Kierdorf, Institut. Industrie-Kultur-Geschichte-Landschaft, 2021)

Internet
www.neuss.de: Atelierhaus Hansastraße

Literatur

Metzdorf, Jörg (2019)
Die Straßen von Neuss. S. 277-281. Neuss.
Siepe, Rosemarie (1995)
Catharina Schram. In: Chehab, Claudia: Neusser Frauen in Geschichte und Gegenwart, (Dokumentationen des Stadtarchivs Neuss, Bd. 4.) S. 105-107. Neuss.
Vervier, Heinrich (1920)
Geschichtliche Entwicklung der Industrien und der städtischen Industriepolitik in Neuss a/Rh vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Jahre 1914. In: Kapitel Teigwaren, S. 120-126. Köln.
(1940)
Familie und Firma Schram in Neuss (Festschrift 140 Jahre). o. O.

Nudelfabrik Schram in Neuss

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hansastraße 9
Ort
41460 Neuss - Neuss / Deutschland
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1927

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Alexander Kierdorf: „Nudelfabrik Schram in Neuss”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343711 (Abgerufen: 30. November 2022)
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