Ehemaliges Jesuitenhofhaus in Koblenz-Lay

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 16,77″ N: 7° 32′ 10,27″ O 50,32133°N: 7,53619°O
Koordinate UTM 32.395.795,77 m: 5.575.382,74 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.395.829,23 m: 5.577.173,18 m
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    Ehemaliges Jesuitenhofhaus in Koblenz-Lay

    Fotograf/Urheber:
    Theisen, Richard
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Geschichte
Seine Geschichte reicht zurück bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts und fußt auf der im Jahre 1507 erfolgten Übereignung umfangreicher, vor allem Weinberge umfassender Güter zu Lay, darunter Haus und Hof „In der Lucken“, durch die Zisterzienserabtei Kamp am Niederrhein (Kreis Wesel) an das Augustinerkloster Ehrenbreitstein. Die Zisterziensermönche aus Kamp besaßen schon im 13. Jahrhundert Weinberge in Lay. Mit dem Hof wurde den Mönchen in Ehrenbreitstein außerdem ein am Anker liegendes Schiff samt Zubehör an Bütten übereignet. Es ist bemerkenswert, dass der von dem Layer Hof abzuliefernde Ertrag an Weinmost auf dem Wasserweg zum Bestimmungsort verbracht wurde. Dass eigens zu diesem Zweck ein Schiff an der Mosel vorgehalten wurde, lässt erkennen, welche Bedeutung der Hof für das besitzende Kloster einmal hatte.

Nachdem das Augustinerkloster zu Ehrenbreitstein infolge der Reformation im Jahr 1572 aufgelöst wurde, fiel das Vermögen an den weltlichen Oberherrn, den Kurfürsten von Trier. Der schenkte die Besitzungen in Lay im Jahre 1592 dem Gymnasium Confluentinum, das damals von der Societät Jesu, dem Priesterkollegium des Jesuitenordens, in Koblenz neu gegründet worden war. Die Jesuiten bezeichneten ihr Hofgut in Lay meist als „Kamper Hof“. Denselben Namensursprung hat auch das Städtische Krankenhaus Kemperhof.

Das Objekt war wie alle Höfe auswärtiger Herrschaften von jeher an mit allen dazugehörigen Grundgütern an zuverlässige, einheimische Winzer verpachtet. Üblicherweise bestand die Pacht in einem Drittel des Ernteertrages. Für die ordnungsgemäße Ablieferung der Naturalpacht sorgte der Hofmann. Ihm waren die Gebäulichkeiten und unmittelbar zum Hof gehörenden Ländereien zur Nutzung, d.h. zur Wohnung und Bewirtschaftung, überlassen.

1773 hob der Papst den Jesuitenorden auf. Das Vermögen des Ordens, darunter das verpachtete Gut in Lay, wurde dem Kurfürstlichen Kollegium zu Koblenz, dem rechtlichen Nachfolger des Jesuiten-Kollegs, übertragen, das ab dem Jahr 1824 die Bezeichnung Königlich preußisches Gymnasium führte. Das umfangreiche Vermögen betreute ein Verwaltungsrat nach hierzu erlassenen „Instruktionen“. Danach sollte jegliches Gebäudeeigentum von der Verpachtung ausgenommen sein. Aus diesem Grund entschloss sich der Verwaltungsrat, das ehemalige Jesuitenhofhaus in Lay als Gymnasialgut mit allem Zubehör im Wege der öffentlichen Versteigerung zu veräußern. Das geschah am 20. Juli 1825. Seitdem befindet sich das Anwesen in privatem Besitz.

Die Ländereien, Wingerte, Äcker und Holzungen, die zu dem Hof gehörten, wurden von der Gymnasialverwaltung weiterhin an Einheimische in Pacht gegeben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Stiftung Staatliches Görrres-Gymnasium Koblenz, Rechtsnachfolgerin und heutige Eigentümerin, hat das althergebrachte Grundvermögen im Ganzen verpachtet. Es ist, soweit es unseren Ort betrifft, die einzige Fundation, welche die Zeiten überdauert hat.

Baubeschreibung
In seinen Umfassungsmauern sowie in den Teilen, die baulich nicht verändert wurden, ist das Haus genau 300 Jahre alt. Das im Jahr 1722 erneuerte, mit einer Lageskizze unterlegte Verzeichnis über den jesuitischen Güterbesitz in Lay „oben am Endt des Dorffs in der Leucken genannt“ enthält einen Zusatz, wonach das Haus im vorangegangenen Jahr neu errichtet wurde. Zu dem Hofgut gehörten damals außerdem Kelterhaus und Stallgebäude, ein Brunnen und ein „Bungert“ [mit Obstbäumen besetztes Wiesengrundstück]. Zur Straße hin befand sich eine abschließende Mauer mit Toreinfahrt. Das gesamte Anwesen dürfte im Ursprung eine geschlossene Hofanlage gewesen sein.

Das geschichtsvolle Haus ist von den Eigentümern seit Anfang der 2000er-Jahre behutsam renoviert und modernisiert worden.

(Richard Theisen, Koblenz-Lay, April 2022)

Quellen
Informationen von Brunhilde Berresheim, Koblenz-Lay
LHA Ko, Bestand 117 Nr. 462; 403, Nr. 17661

Literatur

Binsfeld, Johann Peter (1882)
Festschrift zum 300jährigen Bestehen des Königl. Gymnasiums zu Coblenz. Koblenz.
Theisen, Richard (2010)
Rund um Lay. Beiträge zur Ortsgeschichte und Heimatkunde. (Heft 3.) S.111, Koblenz-Lay.

Ehemaliges Jesuitenhofhaus in Koblenz-Lay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lückenstraße 6
Ort
56073 Koblenz - Lay
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn 1722

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Richard Theisen: „Ehemaliges Jesuitenhofhaus in Koblenz-Lay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343605 (Abgerufen: 20. Mai 2024)
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