Ehemaliger Präsenzhof des Stifts St. Florin an der Marienstätter Straße in Koblenz-Lay

Massives Bruchsteinhaus in der Kaufunger Straße 28

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 18,02″ N: 7° 32′ 28,6″ O 50,32167°N: 7,54128°O
Koordinate UTM 32.396.158,93 m: 5.575.414,20 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.396.192,54 m: 5.577.204,65 m
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    Ehemaliger Präsenzhof des Stifts St. Florin an der Marienstätter Straße in Koblenz-Lay

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    Heil, Wolfgang
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Bei dem heutigen Wohnhaus handelte es sich einst um das Hofhaus des Weingutes, das dem Koblenzer Stift St. Florin gehörte. Weinbergbesitz des Florinsstift in der Gemarkung Lay (Leia) ist bereits für das Jahr 1110 urkundlich belegt. Es ist einer der ältesten bisher bekannten Hinweise darauf, dass der Weinanbau in Lay damals schon im Interessenbereich von Klöstern, Stiften und Ordenshäusern lag, die ihren Sitz vor allem in der näheren Umgebung hatten, und die im ausgehenden Mittelalter so zahlreich hier begütert waren. Der Besitz von Weinbergen in Lay lässt sich für das genannte Stift ab dem Jahr 1315 regelmäßig nachweisen. Bis zur Errichtung eines eigenen Hofes vor Ort wurden diese verpachtet. Ein den Mönchen von St. Florin gehörender Hof in Lay wird im Jahr 1392 urkundlich erwähnt. Diejenigen geistlichen Herren, die ihr Kirchenamt, das ihnen im Stift St. Florin zugewiesen war, persönlich wahrzunehmen hatten und darum täglich präsent sein mussten, bezeichnete man in ihrer Gesamtheit als „Präsenz“. Ihr flossen die Erträge aus dem Hof und seinen Gütern zu. Deshalb wurde er gemeinhin „Präsenzhof“ genannt.

Aus dem Jahr 1419 liegt eine Urkunde über die Belehnung [Verpachtung] eines sog. Hofmannes mit dem Präsenzhof vor. Soweit feststellbar handelte es sich wohl um die erste pachtweise Vergabe des Layer Hofes überhaupt. Der sog. Lehnungsbrief, den die Schöffen des Layer Gerichts im Jahr 1629, mitten in den Wirren des 30-Jährigen Krieges (1618-1648) beglaubigten, bezeichnet die Lage des Präsenzhofes an zwei Textstellen mit „neben der Mergenstetter Herren Kelterhauß“ gelegen. Damit übereinstimmend wird in einer aus dem Jahr 1748 datierenden Beschreibung der Güter, welche dem Layer Hof der Zisterzienserabtei Marienstatt zugehörten, die vis-à-vis-Lage beider Höfe erwähnt. Dadurch ist eine sichere Lokalisierung und die Bestätigung gegeben, dass sich der „Florinshof“ von je her an heutiger Stelle befand. In welcher Zeit er erbaut wurde, ist jedoch mangels einer bauhistorischen Untersuchung und Begutachtung bislang unklar.

Als der Hof im Zuge der Säkularisation eingezogen und im Jahre 1806 als sog. Domänengut öffentlich versteigert wurde, bestand er aus (Wohn-) Haus, Kelterhaus mit Kelter, Scheune, einem abgängigen Stall, Hofraum und Garten. An Grundgütern umfasste er damals 6 Felder, 2 Wiesen, 3 Hecken (Niederwald) und 15 Weinberge mit insgesamt 12.300 Stöcken besetzt. Es war einer der wenigen Höfe, die von dem vormaligen Pächter, dem Hofmann, ersteigert werden konnten. Seit der Säkularisation befindet sich das Anwesen in Privatbesitz.

Kurzbeschreibung zum Gebäude
Das Haus ist vom Keller, zwei doppelten Gewölbekellern, bis zum First massiv aus Schieferbruchstein gebaut. Seine steilen Schildgiebel an Nord- und Südseite sind mit kleinen Eckzinnen besetzt. Die starken Umfassungsmauern und Fensteröffnungen mit Laibungen, die nach innen geweitet sind, um den Lichteinfall zu erhöhen, weisen auf ein hohes Alter des Gebäudes hin. Die Hofeinfahrt lag vermutlich von je her zur Kaufunger Straße, der Garten, in dem sich ein Brunnen befand, auf der westlichen Seite des Hauses.

Anbauten und umfassende Modernisierungen, die vor allem in der jüngeren Vergangenheit vorgenommen wurden, haben das äußere Erscheinungsbild des Hauses wesentlich verändert. Baulich am wenigsten beeinträchtigt blieb die südliche Giebelseite. Dort ist im Sockelbereich an der linken Gebäudeecke ein sog. Güterstein eingelassen, ein Grenzstein, der einst in den Weinbergen den Stiftsbesitz markierte. An gleicher Stelle etwas weiter oben informiert ein Schild über das historische Gebäude.

(Richard Theisen, Koblenz-Lay, April 2022)

Quelle
Informationen von Toni Joras (†), Koblenz-Lay

Literatur

Diederich, Anton (1967)
Das Stift St. Florin zu Koblenz. Göttingen.
Goerz, Adam (1974)
Mittelrheinische Regesten oder Chronologische Zusammenstellung des Quellenmaterials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Koblenz und Trier (MRR). 4 Bände (Neudruck der Ausgabe Koblenz 1876-1886). S. 457, Aalen.
Theisen, Richard (2010)
Der Präsenzhof des Stifts St. Florin zu Koblenz. In: Rund um Lay. Beiträge zur Ortsgeschichte und Heimatkunde., Koblenz-Lay.
Theisen, Richard (2003)
Die Säkularisation - Auswirkungen in Lay. In: Aus der Geschichte des Ortes Lay an der Mosel, S. 108, Koblenz.

Ehemaliger Präsenzhof des Stifts St. Florin an der Marienstätter Straße in Koblenz-Lay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kaufunger Straße 28
Ort
56073 Koblenz - Lay
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1400

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Richard Theisen: „Ehemaliger Präsenzhof des Stifts St. Florin an der Marienstätter Straße in Koblenz-Lay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343584 (Abgerufen: 21. Juli 2024)
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