Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur

Gasthaus „Zum heiligen Geist“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Montabaur
Kreis(e): Westerwaldkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 26′ 10,96″ N: 7° 49′ 53,53″ O 50,43638°N: 7,83154°O
Koordinate UTM 32.417.021,04 m: 5.587.803,30 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.417.062,83 m: 5.589.598,79 m
  • Audiodatei zum Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur (2021)

    Audiodatei zum Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur (2021)

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    Audio: Thomas Marz, Fotografie: Fiona Stolle, Universität Koblenz-Landau
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    Thomas Marz
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  • Audiodatei für Kinder zum Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur (2021)

    Audiodatei für Kinder zum Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur (2021)

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    Audio: Leonie Birrenbach, Fotografie: Fiona Stolle, Universität Koblenz-Landau
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    Leonie Birrenbach
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  • Informationsschild am Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur (2021)

    Informationsschild am Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur (2021)

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    Fiona Stolle / Universität Koblenz-Landau
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    Fiona Stolle
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In der Werbhausgasse 1 an der Ecke zur Judengasse in Montabaur befindet sich das „Gasthaus zum heiligen Geist“ das auch unter der Bezeichnung Werbhaus bekannt ist. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen dreigeschossigen Fachwerkbau aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Das für Montabaur einzigartige Fachwerkhaus besteht aus einer über die beiden ersten Geschosse reichenden Halle, die als Ständerbau über einem ebenfalls zweigeschossigen Gewölbekeller errichtet wurde.

Ständerbauweise
Geschichte
Internet

Ständerbauweise
Das in die Gasse hinausragende Obergeschoss ist auf der Ostseite, von der Kirchstraße kommend, mit Schiefer gedeckt. Es trägt den zweistöckigen Dachstuhl mit einem steil geneigten Satteldach. Auffällig am Gebäude ist die sogenannte Rahmenbauweise (auch Stockbauweise). Die meisten heute erhaltenen, historischen Fachwerkhäuser sind in dieser Fachwerkbauweise errichtet. Sie entwickelte sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts aus der Ständerbauweise (auch Geschossbauweise) und war ab dem Spätmittelalter dominirend.

Die Ständer bilden die Innen- und Seitenwände und tragen die Hauptlast der ganzen Konstruktion. An diesem Gebäude aber sind sie jeweils nur weniger als ein Stockwerk hoch. Jedes Stockwerk wurde separat errichtet und schloss unten mit der Schwelle und oben mit einem Rahmen ab. Dieser Rahmen wird „Rähm“ oder „Pfette“ genannt. Zwischen dem oberen Rähm und der Schwelle des darüber liegenden Stockwerks befinden sich die Deckenbalken.
Bei der Stockwerkbauweise konnte jedes Stockwerk ein wenig über das jeweils darunterliegende Geschoss hervorstehen, indem man die Deckenbalken über das Rähm hinauskragen ließ. Auf engen Grundstücken gewann man so etwas mehr Raum, indem sich die oberen Etagen über Fußweg oder Straße hinausschoben. Auch wurden die unteren Schwellhölzer durch die Überstände von Fassade und Dach vor Durchnässung durch Schlagregen geschützt (siehe Konstruktionsabbildung in der Mediengalerie).
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Geschichte
Ein „Gasthaus zum heiligen Geist“ in Montabaur wird erstmals am 29. September 1474 in einer Westerburger Urkunde als „eine offene Herberge zum heiligen Geist“ erwähnt. Es spricht einiges dafür, dass es sich dabei um einen Vorgängerbau des heutigen Gebäudes handelt. Das heutige Haus wurde nach dem großen Stadtbrand von 1534 vermutlich neu errichtet. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben ein Fälldatum der Bauhölzer zwischen den Jahren 1530 und 1534.
Im Jahre 1581 kamen viele Händler von außerhalb nach Montabaur, da die Stadt für den überregionalen Markt bekannt war. Aus diesem Grund gab es zu dieser Zeit viele Gasthäuser in Montabaur. Der Gasthof zum hl. Geist im Ahlen (schmaler Durchgang) zwischen dem Großen Markt und der Judengasse war damals bereits bekannt.

Es ist mündlich überliefert, dass schon im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und erneut im 18. Jahrhundert Werbeoffiziere im Gasthaus logierten. Diese sollen junge Männer mit falschen Versprechungen und unter reichlich Alkohol, teils auch unter Drohungen, in der Gaststätte zum Kriegsdienst anzuwerben versucht haben. Auch ist überliefert, dass diese Werbeoffiziere sogar voll alkoholisierte Burschen heimlich in einem Sarg aus der Stadt gebracht hätten. Eigentlich waren die Montabaurer Bürger nämlich vom Militärdienst befreit. Das lag daran, dass Montabaur als Grenzstadt eine große Bedeutung innerhalb des Kurfürstentums einnahm. So war die Stadt verpflichtet zur Verteidigung der Stadt und somit der Landesgrenze Bürgerwehr-Kompanien zu bilden. Dafür aber waren die Bürger vom Militärdienst befreit (Schrupp, 2021, S. 10). Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass sich doch manch einer aus Abenteuerlust freiwillig zum Militärdienst meldete und die Stadt verließ. Der Name der Gaststätte soll auf diese Werbeoffiziere und die Praxis des Anwerbens zurückzuführen sein. Seit dem 17./18. Jahrhundert ist das Haus auch unter dem Namen „Werbhaus“ bekannt.

Im Zuge umfangreicher Namensgebungen für Straßen und Gassen der Stadt im Jahre 1899 wurde das ehemalige „Kurze Gässchen“ (Ahlen) durch Stadtratsbeschluss „Werbhausgasse“ genannt. Vor der grundlegenden Renovierung des Gebäudes Anfang der 1980er Jahre war das Gebäude als Wohnhaus mit Stall und zur Judengasse hin gelegener Scheune (Werkstatt) genutzt. Der Montabaurer Architekt Stefan Wild erwarb im Jahr 1982 das Anwesen, das danach umfassend renoviert wurde. Das Gebäude beherbergt seit dem Jahr 2014 Wohnungen in den oberen Geschossen, ein Architekturbüro, eine Praxis und eine Weinbar im Erdgeschoss.

Das Haus Werbhausgasse 1 in Montabaur wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Westerwaldkreis (Stand 2021) geführt. Der Eintrag lautet: „Werbhausgasse 1
ehem. Werbhaus, dreigeschossiger Fachwerkbau, 16. und 18. Jh.“.
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(Fiona Stolle, Universität Koblenz-Landau; Bernd Schrupp / freundliche Hinweise von Herrn Thomas Becker, 2021)


Internet
zumheiligengeist.de: Zum heiligen Geist - Weinbar (abgerufen 16.02.2022)
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Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2021)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Westerwaldkreis. Denkmalverzeichnis Kreis Westerwaldkreis, 21. Dezember 2021. Mainz. Online verfügbar: https://gdke.rlp.de/Westerwaldkreis_2021_12_21.pdf
Gerner, Manfred (1998)
Fachwerk. Entwicklung, Gefüge, Instandsetzung. o. O.
Possel-Dölken, Paul (2014)
Geschichte der Stadt Montabaur. Zweiter Teil, Band 1 - Montabaur in kurfüprstlicher Zeit (1500-1815). o. O.
Schrupp, Bernd (2021)
Die Befestigung der Stadt Montabaur. In: Nassauische Annalen 2021, Bd. 132, Wiesbaden.

Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Werbhausgasse 1
Ort
56410 Montabaur
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Empfohlene Zitierweise
„Fachwerkhaus Werbhausgasse 1 in Montabaur”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343471 (Abgerufen: 26. November 2022)
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