Römisches Quellheiligtum Heidenfelsen bei Landstuhl

Heidenfels

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Landstuhl
Kreis(e): Kaiserslautern
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 24′ 36,66″ N: 7° 35′ 35,05″ O 49,41018°N: 7,59307°O
Koordinate UTM 32.397.942,85 m: 5.474.007,14 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.397.977,57 m: 5.475.757,59 m
  • Linker Stein mit Reliefdarstellungen am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

    Linker Stein mit Reliefdarstellungen am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

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  • Rechter Stein mit Reliefdarstellungen am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

    Rechter Stein mit Reliefdarstellungen am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

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  • Linker Stein mit Reliefdarstellungen am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

    Linker Stein mit Reliefdarstellungen am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

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  • Relieffragment mit Füßen gefunden am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

    Relieffragment mit Füßen gefunden am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

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  • Sandsteinrelief des Gottes Jupiter, gefunden am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

    Sandsteinrelief des Gottes Jupiter, gefunden am Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

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  • Relieffragment mit einer Darstellung der Weihung für Mercur und Rosmerta vom Quellheiligtum Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

    Relieffragment mit einer Darstellung der Weihung für Mercur und Rosmerta vom Quellheiligtum Heidenfelsen in Landstuhl (2016)

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Östlich der Stadt Landstuhl und unterhalb des Ortes Kindsbach erstreckt sich in einem Ausläufer des Pfälzerwaldes die Schlucht Biedenbach. Schroff ragt in dieser Schlucht ein Sandsteinfelsen empor und dient heute als ausgewiesener Aussichtspunkt. Unterhalb des Felsens liegen frei zugänglich zwei große Steinbrocken im Wald. Einst gehörten diese Steinbrocken zu einem Tempel, der von den Kelten und danach von den Römern als Quell- und Matronenheiligtum (Muttergottheiten) genutzt wurde. Um die antiken Relikte vor der Witterung zu schützen, wurden sie mit einem Dach versehen. Funde im unmittelbaren Umfeld legen nahe, dass sich die Nutzung des Heiligtums in etwa vom 2. Jahrhundert n. Chr. bis um das Jahr 390 n. Chr. eingrenzen lässt. Noch heute zeigen die beiden Steinbrocken Figurendarstellungen in Reliefform. Neben den beiden heute überdachten Steinen entspringt in einer Quelle der Bach Gutenborn und ergießt sich in einen Teich unterhalb des Heidenfelsens. Bereits die Kelten sagten dem Wasser dieser Quelle heilende Wirkung nach. Besonders Augenleiden sollen durch eine Behandlung mit dem Quellwasser gelindert werden.
Diese Relikte des Heiligtums sollen zu den besterhaltenen Matronenheiligtümern in ganz Europa zählen bzw. gezählt haben, was in erster Linie an den erhaltenen Reliefdarstellungen liegt (Dahl 1908, S. 5).

Linker Felsen
Der linke Fels ist 190 cm lang und 145 cm hoch (Dahl 1908, S. 5). Er zeigt drei Sitzende männliche Figuren. Diese drei Figuren tragen Bärte, ihre Arme ruhen entspannt auf den Oberschenkeln. Gekleidet scheinen die Figuren in langen Gewändern. Links von ihnen wird noch eine kleinere stehende Figur in enganliegendem Gewand, das bis zu den Knien geht, dargestellt. In der linken Hand hält die Figur einen Gegenstand. Rechts zwei größere stehende Figuren. Zwischen der zweiten und dritten sitzenden Figur (von links gesehen) lässt sich auf der Höhe der Köpfe das Kapitell einer Säule erkennen. Ein weiteres Kapitell lässt sich auch zwischen der ersten und der zweiten Sitzfigur erahnen

Rechter Felsen
Im rechten Stein, 310 cm lang und 175 cm hoch, sind ebenfalls figurative Darstellungen in Form von Reliefs erkennbar. Im Unterschied jedoch zum linken Felsen scheinen diese Darstellungen teilweise flacher ausgearbeitet zu sein. Dies wird besonders bei der Figur am linken Rand deutlich. Es handelt sich um eine stehende Figur. Der Faltenwurf der Kleidung ist erkennbar ausgearbeitet und lässt darauf schließen, dass es sich um eine weibliche Darstellung handelt. Rechts von dieser sind Figurengruppen auf zwei unterschiedlichen Hö-henebenen ausgearbeitet. Oben ist eine Gruppe von drei kleinen Figuren auszumachen. Diese scheinen sich in einer Art Nische zu befinden. Zwei weitere Figuren unterschiedlicher Größe sind unter dieser Dreiergruppe platziert. Beide befinden sich in zurückgesetz-ten, rechteckigen Flächen. Rechts davon sind weitere, jedoch nur sehr schemenhaft erkennbare Figuren auszumachen.

Deutung der Darstellungen
Da es keine schriftlichen Quellen gibt, muss die Deutung vage bleiben. Mit großer Wahrscheinlichkeit können die Figuren beider Fel-sen in einem Kultkontext gedeutet werden. Möglicherweise handelt es sich um Darstellungen keltischer und römischer Götter sowie Opferzeremonien durch Priester oder andere opfernde Personen. Besonders die Größenunterschiede symbolisieren Bedeutung.

Dies wird beispielsweise im linken Stein deutlich, wo die sitzenden Figuren gleichgroß oder größer als die stehenden ausgeformt sind. Der Gegenstand, den die Figur ganz links im linken Stein vor der Brust präsentiert, wird als Opfergabe gedeutet. Ganz in diesem Sinne wurde eine vorsichtige Deutung gewagt: Dieser zufolge werden im linken Stein drei sitzende Götter dargestellt, denen geopfert wird (Dahl 1908, S. 5).
Im rechten Stein werden oben drei Figuren dargestellt. Die mittlere Figur wird als opfernde Person an einem flammenden Altar beim Ausgießen eines Opfers gedeutet. Zu beiden Seiten wird diese Figur flankiert von kleineren Figuren in gallischer Kleidung und mit hohem Kopfschmuck. Beide Figuren halten Opfergaben vor der Brust. Weiner vermutet eine Opferung an die keltische Göttin Nantosuelta (Weiner 1924, S. 16). Unterhalb dieser Darstellung sind drei Soldaten in eigenen Nischen platziert.

Der mittlere Soldat ist mit seiner Höhe von 75 cm hervorgehoben und stützt sich zu seiner rechten auf ein Schild. Mit der linken Hand hält die Figur einen Speer. Bekleidet ist der Soldat mit einem Brustpanzer, darüber deutet sich ähnlich einem Umhang ein Mantel an. Auf dem Kopf trägt der Soldat einen Helm mit Federbusch, was auf einen höheren militärischen Rang hinweist. Die dominante Figur des rechten Steins ist die Frauenfigur ganz links. Mit einer Höhe von 110 cm und einer Breite von 50 cm überragt sie alle anderen Figuren des Steins. Die Faltenwürfe des langen Kleides und des Mantels sind deutlich ausgearbeitet. Ihre Haare werden von Bändern gehalten. In den Händen hält sie Früchte. Aus diesem Grund wird sie als Matrone, eine Art Muttergottheit, gedeutet, während der hervorgehobene mittlere Soldat als Kriegsgott Mars oder als Feldherr verstanden wird (Dahl 1908, S. 5; Weiner 1924, S. 16; www.westpfalz.wiki).

Fundgeschichte
Interessanterweise ist der linke Felsen bereits im frühen 19. Jahrhundert bekannt gewesen. Eine erste schriftliche Beschreibung stammt aus dem Jahr 1821. Bis zum Jahr 1903 lag der rechte Stein auf der Seite mit den Reliefdarstellungen. Studenten wälzten den Stein um und entdeckten die Reliefdarstellungen somit durch Zufall. Die Reliefs waren demnach lange Zeit unentdeckt auf der Unterseite verborgen. Die Entdeckung eines zweiten Felsens mit Darstellungen führte dazu, dass im Jahre 1907 eine Grabung an diesem Ort durchgeführt wurde. Mit der Zeit hat sich der Zustand und insbesondere die Deutlichkeit der Darstellungen verschlechtert. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden kleinere Bestandteile des Tempels geborgen. Diese Fragmente (siehe Abbildungen in der Mediengalerie) zeigen Reliefdarstellungen der Götter Merkur, Fecunditas und Jupiter. Auch wurden am Fuße der Felsen an dem kleinen Biedenbornweiher mehrere Keramikfunde geborgen. Letztere deuten darauf hin, dass sich zeitgleich zum Tempel und unterhalb des Heiligtums eine Töpferwerkstatt befunden hat, in der vermutlich Kultgegenstände gefertigt wurden. Die Funde befinden sich im Historischen Museum in Speyer.

Zustand
Dass sich die oben aufgeführten Beschreibungen der Reliefdarstellungen heute nur teilweise nachvollziehen lassen, ist der Jahrzehnte andauernden Verwitterung geschuldet. Ludwig Dahl wies in seinem Artikel bereits im Jahr 1908 darauf hin, dass sich der Zustand zunehmend verschlechtere. Christoph Weiner beklagte ebenfalls, dass keine Maßnahmen zur Sicherung der beiden Steine unternommen würden. In den 1980er Jahren wurde endlich ein Dach zum Schutz der Reliefs über den beiden Steinen erbaut. Dieses wurde im Jahr 2017 von der Forstbehörde renoviert.


(Florian Weber, Universität Koblenz-Landau, 2021)


Quellen
Informationstafel am Heidenfelsen bei Landstuhl

Internet
www.westpfalz.wiki: Heidenfelsen bei Landstuhl (abgerufen 27.01.2022)
www.zentrum-pfaelzerwald.de: Heidenfels (abgerufen 27.01.2022)

Literatur

Dahl, Ludwig (1908)
Landstuhl. Seine Vergangenheit und Gegenwart. Landstuhl.
Weiner, Christoph (1924)
Führer durch Landstuhl und Umgebung. o.O..

Römisches Quellheiligtum Heidenfelsen bei Landstuhl

Schlagwörter
Ort
66849 Landstuhl
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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„Römisches Quellheiligtum Heidenfelsen bei Landstuhl”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343465 (Abgerufen: 25. Mai 2022)
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