Siedlungsspuren der Römer und Franken in Koblenz-Lay

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 15,89″ N: 7° 32′ 30,37″ O 50,32108°N: 7,54177°O
Koordinate UTM 32.396.192,69 m: 5.575.347,64 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.396.226,30 m: 5.577.138,07 m
  • Reste einer römischen "villa rustica" in Koblenz-Lay (1985)

    Reste einer römischen "villa rustica" in Koblenz-Lay (1985)

    Copyright-Hinweis:
    Rolf Morbach
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Schwedenpfad in Koblenz-Lay (1986)

    Schwedenpfad in Koblenz-Lay (1986)

    Copyright-Hinweis:
    Rolf Morbach
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Fränkisches "Doppelgrab" Koblenz-Lay (1986)

    Fränkisches "Doppelgrab" Koblenz-Lay (1986)

    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Fränkisches Männergrab in Koblenz-Lay (1986)

    Fränkisches Männergrab in Koblenz-Lay (1986)

    Copyright-Hinweis:
    Rolf Morbach
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Straße "Schwedenpfad" mit Pflasterung. Sie zeigt den Verlauf der Mauern der "villa rustica", Koblenz-Lay (2021)

    Straße "Schwedenpfad" mit Pflasterung. Sie zeigt den Verlauf der Mauern der "villa rustica", Koblenz-Lay (2021)

    Copyright-Hinweis:
    Rolf Morbach
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Römischer Zweihenkelkrug Koblenz-Lay (2021)

    Römischer Zweihenkelkrug Koblenz-Lay (2021)

    Copyright-Hinweis:
    Rolf Morbach
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Koblenz-Lay (2021)

    Koblenz-Lay (2021)

    Copyright-Hinweis:
    Rolf Morbach
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grundrisszeichnung der "villa rustica" Koblenz-Lay (2021)

    Grundrisszeichnung der "villa rustica" Koblenz-Lay (2021)

    Copyright-Hinweis:
    Lutz Grunwald
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Rekonstruktionszeichnung der "villa rustica" Koblenz-Lay (2021)

    Rekonstruktionszeichnung der "villa rustica" Koblenz-Lay (2021)

    Copyright-Hinweis:
    Generaldirektion Kulturelles Erbe Mainz (GDKE)
    Fotograf/Urheber:
    Rolf Morbach
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
In Koblenz-Lay finden sich zahlreiche Spuren der Römer und Franken. Zwei Beispiele der Siedlungstätigkeiten sind die Reste einer römischen Villa und fränkische Gräber im Schwedenpfad.

Ein Grundriss des römischen Gutshofes ist im Straßenpflaster des Schwedenpfades nachgebildet. Diese „villa rustica“ gilt als ein typisches Beispiel eines mittelrheinisch-moselländischen Gutsherrengebäudes des 2./3. Jahrhunderts (Grunwald 2007, S. 255). Eine Informationstafel am Straßenrand erläutert, was hier über Jahrhunderte unter der Erde verborgen lag.

Die fränkische Siedlung lag unweit der Ruinen der „villa rustica“. Als genauer Siedlungsort kommt nach neueren Erkenntnissen der Bereich um die Pfarrkirche St. Martinus in Frage. Es liegt nahe, dass aus der fränkischen Siedlungsstätte das Dorf Lay hervorging, das im Jahr 803 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Römische Villa
In den Jahren 1984/85 wurden beim Bau der ersten Häuser im Schwedenpfad Mauerreste, Dachziegel, Gefäßscherben und Knochen gefunden. Erste Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege, Abt. Archäologie in Koblenz ergaben, dass es sich hier um die Reste eines römischen Gutshofes, einer sog. „villa rustica“ handelte. Ab dem Jahr1985 fanden archäologische Ausgrabungen durch das Landesamt statt.

Das Gebäude hatte einen rechteckigen Grundriss von 35 Meter (Ost - West) und 21 Meter (Nord - Süd) und war teilweise unterkellert. Die Gebäudeteile gruppierten sich um einen Innenhof, der nach der Mosel hin geöffnet war. Auf der Westseite des Gebäudes befand sich eine fußbodenbeheizte Badeanlage (Hypokausten). Das Haus war eingeschossig und das Dach mit flachen und halbrunden Ziegeln gedeckt (tegula, imprex). Die Wände waren aus Gussmörtelmauerwerk, verputzt und gestrichen, teilweise mit Wandmalereien versehen. Der Fußboden bestand aus rotem Ziegelsplitt mit Trasskalkmörtel, ähnlich dem heutigen Estrich. Bei den Ausgrabungen auf dem Grundstück des Hauses Schwedenpfad 1 hatten die Kellerwände noch eine Höhe bis zu 2 Meter und waren 80 bis 90 Zentimeter stark.

Die Villa war das Hauptgebäude eines landwirtschaftlichen Anwesens, das sich bis zur Mosel erstreckte. Der landwirtschaftliche Gutshof war vom 1. bis ins 3. Jahrhundert bewohnt und wurde um die Mitte des 3. Jahrhunderts aufgegeben (Fall des Limes im Jahre 260 nach Christus). Im 4. / 5. Jahrhundert wurden Teile des Gebäudes noch einmal genutzt, wie sich an Hand von Umbauten rekonstruieren ließ. Später verfiel das Gebäude, es wurde vom Hangschutt zugedeckt oder auch von Menschenhand eingeebnet.

Ihre Toten bestatteten die Bewohner der „villa rustica“ wahrscheinlich im Bereich der nahe gelegenen heutigen Pfarrkirche St. Martinus. Dort wurden bei der Erweiterung der Kirche im Jahre 1928 römische Brandbestattungen gefunden. Römische Brandgräber mit Grabbeigaben wurden aber auch in den Jahren 1929, 1939 und 1970 im Bereich der Einmündung Hirtenstraße in die Marienstätter Straße gefunden. Dieses Gräberfeld liegt jedoch zu weit von der „villa rustica“ im Schwedenpfad entfernt. Deshalb liegt es nahe, dass es einem weiteren römischen Siedlungsplatz zuzuordnen ist, also einer zweiten „villa rustica“, deren genauer Standort bisher nicht lokalisiert werden konnte.
nach oben

Fränkische Gräber
Im 6. Jahrhundert siedelten sich Franken in Lay an. Sie bevorzugten Holzhütten, gedeckt mit Stroh, Steinhäuser waren ihnen fremd. Die inzwischen verfallene „villa rustica“ nutzten sie als Nekropole für ihre Toten. Im März 1985 wurde auf der Nordseite des Hauses Schwedenpfad 3 beim Erdaushub für eine Außentreppe zum ersten Mal ein erhaltenes menschliches Skelett gefunden. Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege legten es frei, dokumentierten und untersuchten es: Zweifelsfrei handelte es sich um eine fränkische Bestattung. Beim nachfolgenden Erdaushub für die Häuser Schwedenpfad 1 und 2, wurden gut erhaltene Grundmauern der „villa rustica“ und fränkische Gräber freigelegt und dokumentiert. Bei der Erschließung der Straße Schwedenpfad im August 1986 kamen weitere Teile der „villa rustica“ und teils unversehrte fränkische Gräber zum Vorschein. Im Jahre1989 wurden beim Bau des Hauses Nr. 4 nochmals fränkische Gräber gefunden. Insgesamt wurden 24 fränkische Grabstätten freigelegt und dokumentiert. Doch etliche Gräber wurden beim Aushub der Baugruben der Häuser und durch Gräben für die Versorgungsleitungen zerstört.

Alle dokumentierten Grabstätten wurden Ende 6. bis Mitte 8. Jahrhundert angelegt. Die Skelette lagen in gestreckter Rückenlage mit Blick nach Osten. Es war dies die typische fränkische Bestattungsweise, den Blick der aufgehenden Sonne entgegen gerichtet, was auf einen christlichen Einfluss hindeutet. Die Gräber selbst hatten überwiegend Umfassungsmauern aus Grauwacke und waren mit Steinplatten abgedeckt. Mehrere Gräber enthielten Beigaben, was wiederum heidnischem Gedankengut entspricht. Die Franken waren Christen, aber der heidnische Glaube vom Jenseits war noch nicht abgelegt. In den Männergräbern fanden sich Saxe (Sax = fränkisches Kurzschwert), Messer, Gürtelschallen, Henkelkrüge und ein Tummler (Trinkbecher aus Glas). Die Frauengräber enthielten Ohrringe, Anhänger, Gewandfibeln, Kämme, Gürtelschnallen.
Grabbeigaben fanden sich nicht in jedem Grab, manche Gräber waren auch bereits antik zerstört und beraubt worden. Alle Beigaben deuteten auf einen nur bescheidenen Wohlstand der Verstorbenen hin. Im Grab 6/1986 wurde neben einem Messer auch eine Münze gefunden. Sie lag im linken Mundwinkel des Toten. Dieses bedeutendste Fundstück wurde umfassend wissenschaftlich untersucht. Es handelte sich um einen prägefrischen friesischen Sceatta, der um die Jahre 720/730 im heute südholländischen Domburg, Provinz Zeeland geprägt wurde. Die Münze hat einen Durchmesser von 1,1 Zentimeter und besteht aus kupferhaltigem Silber. Sie wurde dem Verstorbenen als Lohn für den Fährmann Charon für die Überfahrt über den Fluss Styx mitgegeben, der nach der griechischen Mythologie die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und dem Totenreich Hades darstellte.
nach oben

(Rolf Morbach, Koblenz-Lay, Juni 2021)

Internet
www.swrfernsehen.de: „Der Schwedenpfad in Lay“ (Filmbeitrag vom 15.8.2017) (abgerufen 18.10.2021)

Quelle
Eigene Dokumentationen und Recherchen, Rolf Morbach, 1984/86.

Literatur

Grunwald, Lutz (2007)
Das fränkische Gräberfeld von Koblenz-Lay. In: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel (Band 12), Koblenz.

Siedlungsspuren der Römer und Franken in Koblenz-Lay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Schwedenpfad 1-4
Ort
56073 Koblenz-Lay
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Grabung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 90 bis 300, Ende 400 bis 790

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Rolf Morbach: „Siedlungsspuren der Römer und Franken in Koblenz-Lay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343010 (Abgerufen: 15. April 2024)
Seitenanfang