Gretchen von Wirbelau

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Runkel
Kreis(e): Limburg-Weilburg
Bundesland: Hessen
Koordinate WGS84 50° 26′ 39,89″ N: 8° 13′ 23,33″ O 50,44441°N: 8,22315°O
Koordinate UTM 32.444.840,39 m: 5.588.332,95 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.444.893,07 m: 5.590.128,86 m
Anlässlich des 25jährigen Bestehens des Landkreises Limburg-Weilburg im Jahr 1999 fand in Weilmünster-Wolfenhausen ein Bildhauersymposium statt, an dem auch der Limburger Bildhauer Karl Matthäus Winter (1932-2012) teilnahm. Den Bildhauern aus ganz Europa standen die verschiedensten Werksteine zur Verfügung. Winter entschied sich für den Wirbelauer Marmor.

Er schrieb zur Einweihung des Gretchens im Herzen von Wirbelau am 16.12.2001:

„Wir hatten ein gutes Verhältnis miteinander. Schon damals, als ich sie zum ersten Mal sah, noch ganz im Stein verborgen, auf dem Lagerplatz der Steinmetzen in Villmar. Und wie freute ich mich, dass es noch so ein schönes Stück Wirbelauer Marmor für mich gab, ganz geschenkt, zum Bildhauersymposium in Wolfenhausen von der Firma Engelbert Müller.
Mit dem Wirbelauer Marmor verbindet mich eine alte Liebe. An ihm machte ich meine ersten Erfahrungen mit der Steinbildhauerei und ich war ihm verbunden, bis dass der Tod bzw. die Stilllegung des Bruchs uns schied.
Die Wiederbegegnung mit dem vertrauten Material erleichterte mir, mich auf meine alten Tage mit all den jungen Kollegen, den portugiesischen und den deutschen, zu messen. Wir arbeiteten aus Anlass des Kreisjubiläums in aller Öffentlichkeit, d.h. im Freien und auch frei von Vorgaben und wirtschaftlichen Interessen. Wie Gretchen den Faust fragt: “Heinrich, wie hältst du es mit der Religion?„, so wurde ich im Anfang ständig gefragt: “Wie hältst du es mit der Kunst, kannst du nicht von vorneherein erklären, was du dabei denkst, was es werden soll und warum?„ Das war die Gretchenfrage.
Ich aber war wie frisch verliebt und wollte mich nicht verplappern, denn sie kam mir doch schon entgegen und ich hatte noch gar nicht viel von dem kostbaren Stein weggehauen. Und so taufte ich sie Gretchen und alle waren es zufrieden.
Während die jungen Bildhauerkollegen halb Wolfenhausen in Schutt und Staub erstickten, um ihre abstrakten Werke aus dem schönen portugiesischen Marmor herauszuflexen, war meine Arbeit eher zärtlich, schon weil es eine Frau war, die ich da aus dem engen Stein zu befreien hatte.
Und so steht Gretchen aus (dem Material) Wirbelau jetzt bei Ihnen in (der Gemeinde) Wirbelau. Sie ist heimgekehrt - wie im Märchen - und Sie haben ihr freundlich Platz gemacht. Wie sie aussieht, das müssen Sie selbst herausfinden; ob sie schläft oder träumt, ob sie betet oder nur so tut, ob sie schön ist oder ob sie nie wie ein Model aussehen wollte, ob sie trotzdem erotisch ist oder nur ein kalter Stein…
Zuletzt aber bleibt die Frage, wie kam die Kröte auf den Kopf? Die Welt ist voller Rätsel.
Tschüss dann also, pass gut auf dich auf, Gretchen, denn jetzt gehörst du den Wirbelauern.“


Der Schwerpunkt der Arbeit von Karl Matthäus Winter, einem Schüler von Ewald Mataré und Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie, lag auf der sakralen Kunst.

Lahn-Marmor-Route
Dieses Objekt ist Teil der Lahn-Marmor-Route von Wetzlar nach Balduinstein.

(Rudolf Conrads, Lahn-Marmor-Museum Villmar, 2021)

Gretchen von Wirbelau

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Horstertstraße
Ort
65594 Runkel - Wirbelau
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 2001

Empfohlene Zitierweise

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Rudolf Conrads: „Gretchen von Wirbelau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-341993 (Abgerufen: 6. Februar 2023)
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