Kulturfabrik Koblenz (KUFA)

M. Mayer, Papierwaren-­Fabrik und ­Export, Couvertenmayer

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 22′ 21,84″ N: 7° 35′ 50,54″ O 50,37273°N: 7,59737°O
Koordinate UTM 32.400.258,85 m: 5.581.014,66 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.400.294,05 m: 5.582.807,35 m
  • Stationentheater "Papierjungs" macht jüdische Geschichte erlebbar - zur Geschichte der Familie Mayer-Alberti (2021)

    Stationentheater "Papierjungs" macht jüdische Geschichte erlebbar - zur Geschichte der Familie Mayer-Alberti (2021)

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  • Christina Zirngibl, die Leiterin der Kulturfabrik (KuFa) in Koblenz-Lützel, über die Geschichte der Fabrik "M. Mayer, Papierwaren-­Fabrik und ­Export" (2021)

    Christina Zirngibl, die Leiterin der Kulturfabrik (KuFa) in Koblenz-Lützel, über die Geschichte der Fabrik "M. Mayer, Papierwaren-­Fabrik und ­Export" (2021)

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    Produktion: Lisa-Marie Lösch / Universität Koblenz-Landau
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    Lisa-Marie Lösch
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  • Briefkopf der Fabrik M. Mayer Coblenz-L. [Lützel], später Mayer-Alberti, aus dem Jahr 1928.

    Briefkopf der Fabrik M. Mayer Coblenz-L. [Lützel], später Mayer-Alberti, aus dem Jahr 1928.

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  • Die Kulturfabrik, das ehemalige Hauptgebäude der Fabrik Mayer-Alberti (2020).

    Die Kulturfabrik, das ehemalige Hauptgebäude der Fabrik Mayer-Alberti (2020).

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    Shabnam Ahmadshahi, Katharina Hopf, Bastian Preuß / Universität Koblenz-Landau
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  • Die Kulturfabrik, das ehemalige Hauptgebäude der Fabrik Mayer-Alberti (2020).

    Die Kulturfabrik, das ehemalige Hauptgebäude der Fabrik Mayer-Alberti (2020).

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    Shabnam Ahmadshahi, Katharina Hopf, Bastian Preuß / Universität Koblenz-Landau
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In der Mayer-Alberti-Straße 11 in Koblenz-Lützel befindet sich das Gebäude der ehemaligen Papierwarenfabrik „M. Mayer“. Diese war noch im frühen 20. Jahrhundert eines der größten und wichtigsten Unternehmen der Stadt. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 geriet auch dieser Betrieb ins Visier des NS-Terrorregimes, denn die Gründer- und Besitzerfamilie Mayer-Alberti war jüdischen Glaubens. Seit dem Jahr 1980 beherbergt das alte Fabrikgebäude die Kulturfabrik Koblenz (KUFA).

Gebäude
Die Familien Mayer und Alberti
Gründung
Standort Lützel
Ende der „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik und -Export“
Soziales und politisches Engagement der Familie Mayer-Alberti
Entwicklung zur heutigen KUFA
Internet, Literatur

Gebäude
Der fünfgeschossige Industriebau auf rechtwinkligem Grundriss ist in Ziegelbauweise errichtet. Am vorderen Teil des Gebäudes dominiert ein quadratischer, turmartiger Vorbau, in dem sich das Treppenhaus und der ehemalige Lastenaufzug befinden. Der Vorbau ist optisch in zwei Teile untergliedert: Das untere Segment hat bis zum ersten Stockwerk einen grauen Anstrich erhalten, darüber sind die Ziegelsteine im Original und in der rot-braunen Farbe erhalten. An der Frontseite gibt es vier hochrechteckige Bogenfenster mit Fenstersprossen. Über dem obersten ist in großen weißen Buchstaben der Schriftzug „KUFA Königsbacher“ angebracht. Die Gebäudelängsseiten sind vertikal durch Mauergürtel gegliedert. In der Horizontalen wird die Fassade von dreiteiligen Fenstern unterteilt, die einen Bogen nachahmen. Im obersten Geschoss sind die Fenster quadratisch. An dieser Architektur wird ersichtlich, dass Industriebauten immer wieder gestalterische Besonderheiten aufweisen, die sich nicht allein durch ihre Zweckmäßigkeit erklären lassen. Auch bei der Kulturfabrik handelt es sich um einen typischen Industriebau des Historismus im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Ursprünglich bestand die Fabrikanlage aus mehreren weiteren Bauten, Hallen und Werksschuppen, wie die Abbildung auf dem Briefkopf des Unternehmens aus dem Jahr 1928 erkennen lässt (siehe Abbildung in der Mediengalerie). Bei dem heute noch erhaltenen Gebäude dürfte es sich um das Haupthaus gehandelt haben, das die übrigen überragte. Die anderen Werksteile waren zum Teil in Eckbauweise miteinander verbunden, so dass es sich um einen fast geschlossenen Gebäudekomplex handelte, der in seiner Mitte einen viereckigen Innenhof bildete. Nur das Hauptgebäude überstand die Luftangriffe im November des Jahres 1944.
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Die Familien Mayer und Alberti
Das heutige Domizil der Kulturfabrik Koblenz (KUFA) im Koblenzer Stadtteil Lützel geht auf den jüdischen Kaufmann Mayer Mayer (1825-1891) zurück. Mayer stammte aus Ehrenbreitstein und war eines von sechs Kindern des Lederwarenhändlers Simon Mayer. Als Kurfürstliche Hoflieferanten hatten bereits Mayers Vorfahren der weit verzweigten Kaufmannsfamilie Wohlstand und Ansehen erarbeitet. Um das Jahr 1852/53 heiratete Mayer Mayer Friederike Abraham. Sie war die älteste Tochter des Weinhändlers Abraham Abraham (1800-1886), der im Jahr 1843 mit seiner Familie von Hamm an der Sieg nach Ehrenbreitstein gezogen war. Nach der Hochzeit siedelte Mayer zum ersten Mal ins linksrheinische Koblenz über und betätigte sich zeitweise ebenfalls im Weinhandel. Im Jahr 1854 wechselte er in die papierverarbeitende Branche und gründete gemeinsam mit seinem Schwiegervater und dem Lithographen und Buchhändler Johann Baptist Rühl (1816-1869) die „Cartonnage- und Etuis-Fabrik Rühl, Abraham und Mayer“ (ab 1862 „Cartonnage- und Etuis-Fabrik Rühl, Alberti und Mayer“). Abraham Abraham und dessen komplette Familie nahmen mit Erlaubnis der Königlichen Regierung im Jahr 1859 den Familiennamen Alberti an, auch die zu diesem Zeitpunkt längst verheiratete Tochter Friederike Mayer ließ nachträglich ihren Geburtsnamen ändern. Schwiegersohn Mayer Mayer verwendete bereits seit 1857 immer wieder auch den Rufnamen Mathias, allerdings nicht durchgängig und nur im Alltagsgebrauch. Die Gründe für die Namensänderungen bleiben im Dunkeln: Eventuell sorgte die - bei Juden durchaus nicht unübliche - Gleichheit von Vor- und Zunamen bei Geschäftspartnern und Kunden für Verwirrung oder durch die Verwendung christlicher Namensbestandteile sollte ein größtmöglicher Grad der Assimilation an die Mehrheitsgesellschaft gelebt werden. Mayer Mayer jedenfalls hatte die Zukunftschancen der Papierbranche erkannt und wurde zu einem wohlhabenden Bürger der Stadt (Höhn-Engers 2019, S. 2ff).
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Gründung
Im Jahr 1862 kehrte Mayer Mayer zurück in sein Elternhaus ins rechtsrheinische Ehrenbreitstein und gründete dort seine eigene Briefumschlagfabrik, die „M. Mayer“: Dieser Firmenname blieb bis zum Ende des Unternehmens im Jahr 1938 stets unverändert und wurde lediglich später um den Zusatz „Papierwaren-Fabrik und -Export, Coblenz-L.“ erweitert, wie auf dem Briefkopf aus dem Jahr 1928 zu sehen ist (Höhn-Engers 2019, S. 3ff, siehe Abbildung in der Mediengalerie). Mayers Beteiligung an der „Cartonnage- und Etuis-Fabrik Rühl, Alberti und Mayer“ blieb bis zu deren Auflösung im Jahr 1864 bestehen.

Die Gründung seiner Kuvertfabrik fiel in eine günstige Zeit. Um das Jahr 1870 waren in England erstmals Briefumschläge in Serie produziert worden. Mayer erwarb bei einem Besuch in London modernste Maschinen und begann seinerseits mit der maschinellen Kuvertproduktion - mit großem Erfolg. Als die Räumlichkeiten in Ehrenbreitstein für die Anforderungen des prosperierenden Unternehmens zu klein wurden, kaufte Mayer im Jahr 1875 ein größeres Firmen- und Wohngebäude in der Rheinzollstraße 16 und zog abermals mit Frau Friederike, den mittlerweile acht gemeinsamen Kindern und dem verwitweten Schwiegervater Abraham Alberti auf die linke Rheinseite um.

Zu diesem Zeitpunkt wurden die Mayer'schen Erzeugnisse bereits in nahezu allen europäischen Ländern, darunter die Schweiz, Dänemark, Norwegen, Schweden, die Niederlande, Belgien und Frankreich, vertrieben. Ende des Jahres 1886 nahmen mit Ausnahme von Mayers ältestem Sohn Carl und seinen beiden bereits verheirateten Töchtern alle Mitglieder der Familie den Familiennamen „Mayer-Alberti“ an, vermutlich in jüdischer Tradition zu Ehren des kurz zuvor verstorbenen Schwieger- und Großvaters Abraham Alberti. Vier von Mayers Söhnen stiegen nach und nach ins Unternehmen ein: Carl Mayer (1854-1915), Gustav Mayer-Alberti (1855-1939), Richard Mayer-Alberti (1857-1918) und Willi Mayer-Alberti (1869-1929). Ihre Auslandsreisen sorgten für die stete Erschließung neuer Absatzmärkte - seit Mitte der 1880er Jahre vor allem in Nord-, Süd- und Mittelamerika.

Im Juli 1891 verstarb Mayer Mayer-Alberti unerwartet an einem Herzinfarkt. Unter großer Anteilnahme der Koblenzer Bevölkerung wurde der Unternehmer auf dem jüdischen Friedhof zu Koblenz bestattet. Die Firma führten von nun an seine Söhne Carl, Gustav, Richard und Willi als gleichberechtigte Gesellschafter weiter. Unter ihrer Leitung wurde das Sortiment stetig um weitere Papierprodukte wie Kassetten, Mappen, Blocks und Alben sowie Karten für verschiedene Anlässe, Trauerpapiere und hochwertige Luxuspapiere erweitert. Außerdem vertrieb die „M. Mayer“ inzwischen auch sämtliche in der papierverarbeitenden Branche benötigten Maschinen sowie andere Erzeugnisse der graphischen Industrie (Höhn-Engers 2019, 4).

Als auch die Räumlichkeiten in der Rheinzollstraße den Bedürfnissen des Unternehmens nicht mehr gerecht werden konnten, ließen die Mayer-Albertis am Rande der Stadt an der Andernacher Straße 86 in Lützel eine völlig neue Fabrikanlage errichten und die „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik und -Export“, inzwischen im Volksmund auch „Couvertenmayer“ genannt, bezog im September 1897 die neuen Gebäude. Zu diesem Zeitpunkt war das Papierverarbeitungswerk bereits einer der größten Arbeitgeber in Koblenz.
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Standort Lützel
Auch nach Mayer Mayer-Albertis Tod entwickelte sich das Unternehmen unter der Leitung der vier Brüder exzellent weiter. Die Belegschaft wuchs von 200 im Jahr 1897 auf 600 Angestellte, Arbeiterinnen und Arbeiter im Jahr 1912. Im Jahr des 50-jährigen Bestehens wurden in Lützel jährlich ca. 400 Millionen Briefumschläge produziert, der Jahresumsatz betrug vier Millionen Reichsmark (Höhn-Engers 2019, S. 8). Nach dem Ausscheiden seiner Brüder Gustav im Jahr 1902 und Richard im Jahr 1912 sowie dem Tod seines Bruders Carl im Jahr 1915 führte Willi Mayer-Alberti das Unternehmen auch alleine höchst erfolgreich weiter. Den Ersten Weltkrieg, die anschließende Besatzungszeit und die Wirtschaftskrise überstand die Fabrik zumindest ohne existenzielle Probleme, da die Produktpalette rechtzeitig auf solche Erzeugnisse erweitert und umgestellt wurde, die sich auch im Inland gut absetzen ließen. Seit Mitte der 1920er Jahre expandierte die Firma wieder. Als Willi Mayer-Alberti im Dezember 1929 verstarb, hinterließ er ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen von Weltruf, im heutigen Sprachgebrauch ein echter „Global Player“ (Höhn-Engers 2019, S. 11).
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Ende der „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik und -Export“
Die Firma übernahm Willis einziger Sohn, der promovierte Jurist Franz Mayer-Alberti (1905-1987). Erst 24 Jahre alt, teilte er sich die Unternehmensleitung fortan mit seiner Mutter Nanna Mayer-Alberti (1880-1957), seinem Cousin Dr. Georg Mayer-Alberti (1892-1955) und seinem Onkel Paul Mayer-Alberti (1871-1952), dem jüngsten Bruder seines Vaters. Ende des Jahres 1933 war das Papierverarbeitungswerk laut Bericht im Koblenzer Generalanzeiger der größte Industriebetrieb und 1937 mit 400 Beschäftigten hinter den städtischen Elektrizitätswerken der zweitgrößte Arbeitgeber von Koblenz. Noch im Juni 1937 konnten Belegschaft und Familie Mayer-Alberti mit einem großen Fest das 75-jährige Firmenjubiläum feiern. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Firma und Familie längst im Fokus der nationalsozialistischen Machthaber. Im November des Jahres 1938 erwirkten die Nationalsozialisten den Zwangsverkauf der Fabrik, aller dazu gehörenden Besitzungen sowie der Privathäuser und Grundstücke der Familie. Die „M. Mayer“ wurde, weit unter Wert, zum Preis von 405.700 Reichsmark an die neuen Besitzer, den Kaufmann Wilhelm Kiefer und seine Teilhaber Wilhelm von Starck und Erich Binder, veräußert. Diese führten das Unternehmen als „Koblenzer Briefumschlagfabrik Kiefer & Co.“ weiter. Familie Mayer-Alberti gelang zu Beginn des Jahres 1939 die Flucht ins Ausland. Dr. Franz Mayer-Alberti emigrierte mit seiner Frau Edith, den beiden kleinen Söhnen und seiner Mutter Nanna nach England, Dr. Georg Mayer-Alberti wanderte zusammen mit seiner Schwester nach Argentinien aus. Paul Mayer-Alberti und seine evangelische Frau überlebten das Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Versteck außerhalb von Koblenz. Sie kehrten 1946 in ihre Heimatstadt zurück, wo Paul im Jahr 1952 verstarb (Höhn-Engers, S. 13ff). Auch nach der Zerstörung großer Teile der Fabrikanlage durch die alliierten Luftangriffe im November 1944 wurde die Produktion noch bis in die 1950er Jahre fortgesetzt. Anschließend diente das verbliebene Gebäude bis 1976 als Lager für verschiedene Papier und Schreibwarengroßhandlungen von wechselnden Besitzern. Die Blütezeit der 76 Jahre währenden Ära „Mayer-Alberti“ allerdings blieb unerreicht. Ab 1947 führten die Mayer-Albertis diverse Prozesse um „Wiedergutmachung“ und „Entschädigung“ in Koblenz, die ohne Ausnahme das der Familie durch das nationalsozialistische Regime widerfahrene Unrecht bestätigten. Eine Rückkehr nach Deutschland und die Wiederaufnahme des Geschäfts kam jedoch für keines der zuvor ausgewanderten Familienmitglieder infrage. Dr. Franz Mayer-Alberti besuchte seine Geburtsstadt Koblenz zeitlebens noch mehrere Male, auch mit seinen inzwischen erwachsenen Söhnen. Die Nachfahren nehmen bis zum heutigen Tag regen Anteil an der Entwicklung ihrer früheren Heimatstadt und an den Forschungen zur Geschichte ihrer Vorfahren und des einst von diesen gegründeten Unternehmens.
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Soziales und politisches Engagement der Familie Mayer-Alberti
Neben dem außergewöhnlichen unternehmerischen Geschick und Weitblick der Mayer-Albertis zieht sich durch alle Generationen deren ausgeprägtes soziales, caritatives und politisches Engagement, für das ihnen in Koblenz und Ehrenbreitstein höchste Anerkennung und Wertschätzung zu Teil wurde. Die Familie war stets bereit, ihren Wohlstand einzusetzen, um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der „M. Mayer“ und deren Angehörige abzusichern oder um offenkundige Not und Missstände in ihrer Heimatstadt zu lindern. Davon zeugen gleich mehrere Stiftungen und Einrichtungen, die von Familienmitgliedern ins Leben gerufen wurden. Bereits Abraham Alberti unterstützte mit seiner „Alberti-Stiftung“ ab 1879 Kinder und Jugendliche, deren Eltern die Mittel für eine fundierte Schul- und Berufsausbildung nicht aufbringen konnten. Sein Enkel Richard Mayer-Alberti, tief beeindruckt von den Schrecken und dem Elend, das der Erste Weltkrieg über viele Familien seiner Heimatstadt brachte, verfügte 1915 testamentarisch die Einrichtung der „Richard-Mayer-Alberti-Stiftung“ zur Unterstützung von Kriegswaisen, -witwen und -versehrten. Daneben hatten die Firmeninhaber Mayer Mayer-Alberti, Carl Mayer, Richard und Willi Mayer-Alberti mit zum Teil enormen Summen aus ihrem Privatvermögen verschiedene Kassen zur Unterstützung und Absicherung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etabliert, u.a. eine Betriebskrankenkasse, einen Fonds für invalide Angestellte und eine sogenannte „Wochenbett-Unterstützungs-Kasse“ für die Mitarbeiterinnen bzw. die Ehefrauen der Mitarbeiter der „M. Mayer“ (Höhn-Engers, S. 14ff). Darüber hinaus war insbesondere Willi Mayer-Alberti dafür bekannt, dass er für öffentliche, städtische, künstlerische und wissenschaftliche Projekte großzügige Spenden gewährte. Seine Ehefrau Nanna Mayer-Alberti war zwischen 1913 und 1919 als ehrenamtliche Waisenpflegerin in Koblenz tätig und engagierte sich während des Ersten Weltkriegs zusammen mit einer ihrer Schwägerinnen im Nationalen Frauendienst.

Über das soziale und caritative Engagement hinaus waren Carl Mayer und sein jüngerer Bruder Willi Mayer-Alberti über viele Jahre als Mitglieder des Koblenzer Stadtrats aktiv an der Gestaltung des politischen Lebens ihrer Heimatstadt beteiligt. Carl Mayer gehörte dem Gremium von 1903 bis zu seinem Tod 1915 an, Willi Mayer-Alberti hatte von 1916 bis 1928 einen Sitz im Stadtparlament inne und gehörte in seiner Funktion als Stadtverordneter zahlreichen Fach- und Sonderkommissionen an (Höhn-Engers, S. 16).

Um die Verdienste der Familie Mayer-Alberti für die Stadt Koblenz zu würdigen, beschloss der Stadtrat im Mai 1963 einstimmig die Benennung der am ehemaligen Firmengelände verlaufenden Straße in „Mayer-Alberti-Straße“ (Höhn-Engers 2019, S. 3ff).

Entwicklung zur heutigen KUFA
Im Jahre 1980 suchte das „Tanztheater Regenbogen“ nach Räumlichkeiten für ihre Proben. Es entwickelte sich die Idee, ein Kulturzentrum in den ehemaligen Gebäuden der Fabrik Mayer-Alberti zu errichten. Nach 16 Jahren wurde dieses Projekt aufgegeben, da den Gesellschaftern die politische Anerkennung ihrer kulturellen Arbeit fehlte. Dank einer spontanen Bürgerinitiative von 18 Bürgern im Jahre 1996 konnte die Einrichtung erhalten und übernommen werden.
Für zahlreiche Kinder und Jugendliche stellt die KUFA heute einen besonderen Treffpunkt im Stadtteil Lützel dar, der eine für Koblenz sehr bedeutende und einzigartige Geschichte aufweist.
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(Judith Höhn-Engers, Stadtarchiv-Koblenz; Shabnam Ahmadshahi, Universität Koblenz-Landau / freundliche Hinweise von Frau Christina Zirngibl und Herrn Werner Seul, 2020)

Internet
wp.uni-koblenz.de: Hinter Kultur versteckt sich Papier. Kulturfabrik Koblenz von Isabelle Oldenburg (abgerufen 04.07.2022)
wp.uni-koblenz.de: Der Kopf hinter der KuFa – Managerin Christina Zirngibl von Isabelle Oldenburg (abgerufen 04.07.2022)
www.kufa-koblenz.de: Geschichte (abgerufen 11.03.2021).
stadtarchivkoblenz.wordpress.com: Blog des Stadtarchivs Koblenz, hier: Judith Höhn-Engers, Die Familie Mayer-Alberti und die „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik und Ex-port“ - eine Koblenzer Familien- und Unternehmensgeschichte (abgerufen 07.02.2022)
www.rhein-zeitung.de: Die Familie Mayer-Alberti war lange der größte Arbeitgeber in Koblenz – bis zur Vertreibung durch die Nazis (Artikel vom 09.03.2021, abgerufen 11.03.2021).
www.rhein-zeitung.de: Theaterprojekt „Papierjungs“: Hier erzählen die Hausbesetzer (abgerufen 07.02.2022)
www.rhein-zeitung.de: „Papierjungs“ an der Kulturfabrik: Ein (Theater-)Stück Geschichte (abgerufen 07.02.2022)
www.rhein-zeitung.de: Von der Umschlags- zur Kulturfabrik: Koblenzer Kleinkunstbühne wurde vor 40 Jahren gegründet (abgerufen 07.02.2022)
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Literatur

Höhn-Engers, Judith (2019)
Die Familie Mayer-Alberti und die „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik“. (Manuskript zum Vortrag für den „Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins e.V.“ am 03.12.2019.) Koblenz. Online verfügbar: https://stadtarchivkoblenz.files.wordpress.com

Kulturfabrik Koblenz (KUFA)

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mayer­-Alberti­-Straße 11
Ort
56070 Koblenz - Lützel
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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„Kulturfabrik Koblenz (KUFA)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-328439 (Abgerufen: 19. April 2024)
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