Wohnhaus Hartmannstraße 45 Maikammer

Schwesternhaus

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Maikammer
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 18′ 27,09″ N: 8° 07′ 31,11″ O / 49,30752°N: 8,12531°O
Koordinate UTM 32.436.418,00 m: 5.462.010,73 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.436.468,02 m: 5.463.756,54 m
  • Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

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    Matthias C.S. Dreyer
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    Matthias C.S. Dreyer
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  • Blick in die Hartmannstraße in Maikammer (2018).

    Blick in die Hartmannstraße in Maikammer (2018).

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    Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)
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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (1965).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (1965).

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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (1963).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (1963).

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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (1957).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (1957).

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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

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  • Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

    Hartmannstraße 45 Maikammer (2020).

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Das Anwesen Hartmannstraße Nr. 45 (umgangssprachlich Schwesternhaus genannt) ist ein bemerkenswertes Beispiel der Architektur des „sozialen Bauens“ im späten 19. Jahrhundert in Maikammer. „Bürgermeister Sebastian Franz [...] hatte 1888/89 zusammen mit seiner Frau und drei ledigen Schwestern auf eigene Kosten in der Hartmannstraße ein Haus errichten lassen, das in der Armen- und Krankenpflege tätigen Ordensfrauen als Schwesternhaus dienen sollte. “Anfang September 1889„ zogen die Schwestern ein (Lamott, Alois 1985 In: Leonhardt/Damm/Treptow 1986, S. 747).

Hartmannstraße
Baubeschreibung
Nutzung
Stifterfamilie Frantz
Trivia

Hartmannstraße
Das Sandsteingebäude mit zwei Vollgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss ist giebelständig an die Hartmannstraße orientiert. Es gibt damit die Ausrichtung einiger Gebäude vor, die ebenfalls in diesem Zeitraum (1890 bis 1910) entlang der Hartmannstraße gebaut worden sind. Die Hartmannstraße war nicht immer eine voll ausgebaute Straße. Die Winzer aus Alsterweiler hatten sich über Jahre hinweg am schlechten Zustand des “Plattenweges„ zwischen Maikammer und Alsterweiler gestört. Das Anliegen, diese Verbindung baulich aufzuwerten, fand schließlich im Gemeinderat von Maikammer Gehör. Ein erster Ausbau aus dem Jahre 1754 war in die Jahre gekommen und vollkommen desolat. Im Zuge der “Verhandlungen„ über die Ablösung des Ortsteils Alsterweiler in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Erneuerung dieser wichtigen Verbindung erneut thematisiert. “Die beiden Ortsteile verbindet die Hartmannstraße, die seit der Mitte des letzten Jahrhunderts ausgebaut wurde.„ (Leonhardt 1928, S. 9).

Mit diesem Ausbau ist auch die städtebauliche Entwicklung des Abschnittes Hartmannstraße (etwa ab dem Anwesen Hartmannstraße 7 bis zur Hartmannstraße 59) verbunden. Bis zu diesen Gebäuden war die Straße von Alsterweiler herkommend (Hauptstraße) einerseits und vom Ortszentrum Maikammer (frühere Habergasse) von Osten ziehend bereits bebaut. Alle anderen Gebäude sind erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet worden (siehe dazu: Katasterplan 1839, Schäfer/Stöckl 2015, Beilage). Dazu zählen auch das Sängerheim, das Feuerwehrgerätehaus, um nur zwei “öffentliche„ Gebäude zu erwähnen. Das Spritzenhaus, ebenfalls von einem gewissen architektonischen Charme, wie auch das Sängerheim wurden in den letzten Jahren aufwändig, im Falle des Sängerheims gar mit vielen hunderten von ehrenamtlichen Stunden erneuert. Dieses ehrenamtliche Engagement für prägende Bauten in der Hartmannstraße findet sich aber auch an zahlreichen privaten Gebäuden wieder.
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Baubeschreibung
Der typische vorderpfälzische Sandsteinbau mit Material aus einem der umliegenden Steinbrüche zeigt einige außergewöhnliche Merkmale. Leider ist vom damaligen Architekten des Gebäudes nichts überliefert. Jedenfalls war es beim Bau des Hauses für ihn selbstverständlich, den städtebaulichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. Mehr noch, das Anwesen kann durchaus auch als repräsentativ für Bauten der Zeit gelten.

Auf einem aus roten Sandsteinen gefertigten Kellersockel (mit Gesimsband abgeschlossen) sitzt der zweistöckige Bau. Drei Fensterachsen gliedern die Vorderansicht. Die Geschoße sind mit umlaufenden Bändern (Stockwerks-Gesimse, Fensterbankgesimse) gegliedert. Die drei Fensterumrahmungen im Erdgeschoß zeigen einfache profilierte Gewände, wie wir sie an zahlreichen anderen Bauten in Maikammer ebenfalls finden. Das “stehende„ Fensterformat, sowie die leicht nach vorne gesetzten Fensterbänke sind ebenfalls typische Formen der Bauten in Maikammer, aber auch an der Weinstraße. Das Obergeschoß und das Dachgeschoß sind an der Giebelseite etwas aufwändiger ausgeformt. Die Fenster besitzen Bedachungen und im Obergeschoß sind zwei Fenster zu einem Paar zusammengefasst. Während die Wände mit einfach gebossten (roh bearbeitete Ansichtsfläche) Sandsteinen erbaut sind, wurden die Ecken des Gebäudes mit großen Standsteinblöcken betont. Platten gliedern die aufstrebenden Kanten und verleihen dem Gebäude einen klaren seitlichen Abschluss. Zu beachten ist die Fortführung der Bänder über die Ecksteine hinaus und ihre Ausformung auf den Längsseiten des Gebäudes. Es entsteht ein optischer Zusammenhang zwischen dem Giebel und den Seiten des Bauwerks. An dieser Stelle sei auf die drei unterschiedlichen Formen der Gesimsbänder hingewiesen, ohne diese im Detail zu beschreiben.

Auffallend für das Dachgeschoss ist der weit überstehende Dachaufbau. Den besonderen Anspruch an die hohe Qualität des Bauens zeigt auch ein dort auftretendes Detail. Die Dachsparren liegen auf Pfetten (Träger in der Dachkonstruktion) auf, die über Sandsteinsockel aufgefangen werden. Diese Sockel sind mit einer Art von nachgebildeten Voluten verziert. Eine ähnliche gestalterische “Pseudofunktion„ zeigt sich auch am “Doppelfenster„ des Dachgeschoßes. Kleine Stützen unterhalb der Fensterbank dienen der “Verschönerung„. Sie haben keine statische Funktion.
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Die Westseite und die Ostseite des Gebäudes sind dagegen zurückhaltend ausgestaltet. Während die Westseite wohl einige Umbauten über sich ergehen lassen musste, zeigt die Ostseite noch die originale Form, zumindest beim Haupthaus (soweit von der Straße erkennbar). Über dem Eingang ist nachträglich eine Figur des Heiligen Joseph aufgestellt worden; eine künstlerische Anregung. Schließlich wird Joseph im Markusevangelium mit dem griechischen Wort “tekton„ (τέκτων) bezeichnet, was auch als Baumeister oder Architekt interpretiert werden darf (www.heiligenlexikon.de).

So lassen sich am Gebäude typische Elemente des späten Klassizismus veranschaulichen, gleichwohl es sich wohl um ein Anwesen des Neu-Klassizismus handelt, also eine Formensprache des Historismus im späten 19. Jahrhundert. Der Typus des Gebäudes ähnelt anderen Bauten, die gewerblichen industriellen oder öffentlichen Zwecken dienten, wie z.B. am Bahnhof Kirrweiler oder zahlreichen anderen Bauten entlang der Weinstraße.
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Das Anwesen ist eindeutig nicht als “privater Bau„ einer Familie konzipiert. Der Vergleich mit den Häusern der Hartmannstraße zeigt dies deutlich. Die Gebäude, die als landwirtschaftliche Anwesen, als Winzeranwesen errichtet wurden, gliedern sich in Haupt- und Nebengebäude. Die Ausrichtung des Haupt- und Wohnhauses zur Straße ist oftmals giebelständig, in der Regel aber niedriger und zurückhaltender. An vielen Beispielen lassen sich die oben erwähnten Gestaltelemente in der Fassade wiederfinden (so an den Anwesen Hartmannstraße Nr. 51, 53, 57).

Nutzung
Das Gebäude war über viele Jahre Kindergarten, Nähstube, Turn- und Versammlungsraum, z.T. auch mit Abhaltung von Gottesdiensten.

Stifterfamilie Frantz
Die Familie Fran(t)z darf zu den bekannteren Stifterfamilien der Gemeinde Maikammer gezählt werden. Neben der Stiftung von Klara Franziska (Schäfer/Stöckl (2015), S. 274) kam aus der Familie auch das Grundstück für den Frantzplatz: “Sebastian Franz vermachte der Gemeinde das Grundstück für den heutigen, nach ihm benannten Franzplatz„ (Schäfer/Stöckl 2015, S. 275). Die Familie Franz war wohl vermögend (sie besaßen mehrere Häuser und Grundstücke in Maikammer, u.a. die Anwesen Marktstraße Nr. 15 und Nr. 26). Als am Ort verwurzelte Winzer- und Küferfamilie waren die Franz dem Allgemeinwohl in besonderer Weise verpflichtet und der katholischen Kirche sehr zugetan. Sebastian Franz war in den Jahren 1860 bis 1904, also 44 Jahre lang, Bürgermeister Gemeinde Maikammer-Alsterweiler. Just in diese Zeit fiel die Errichtung des Anwesens in der Hartmannstraße.
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Trivia
Im Schwesternhaus wurde am Kochherd eine Reparatur vom Elektriker durchgeführt. Als er damit fertig war, bat ihn die Oberin, die Josefsfigur, die in einer Nische überm Eingang steht, von Schmutz und Vogeldreck sauber zu machen. Es war ein sehr heißer Sommertag, die Luft sehr trocken. Als die Figur gereinigt war und der Handwerker noch oben auf der Leiter stand, sagte er zu den Schwestern: “Seid mal ganz ruhig, der heilige Josef hat zu mir gesprochen.„ “Was hat der denn gesagt, wollten die Schwestern wissen.„ “Franz, jetzt hast du einen Schoppen verdient.„ (nach Mitteilung von Paul Schädler, Alsterweiler, 2021).

(Matthias C.S. Dreyer, Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler) 2020)

Internet
www.heiligenlexikon.de: Josef (abgerufen 01.02.2021)

Literatur

Lamott, Alois (Hrsg.) (1989)
Hundert Jahre Niederbronner Schwestern in Maikammer. (Eine Beiblatt-Folge zum Pfarrblatt (1 bis 8) St. Kosmas und Damian.) Maikammer.
Leonhardt, Johannes (1928)
Geschichte von Maikammer=Alsterweiler. S. 84, Maikammer.
Leonhardt, Johannes; Damm, Johannes; Treptow, Hans / Ortsgemeinde Maikammer (Hrsg.) (1986)
Ortschronik Maikammer-Alsterweiler. T. 1. Geschichte von Maikammer-Alsterweiler, von Johannes Leonhardt 1928. T. 2. Chronik von Maikammer-Alsterweiler ab 1928 und Chronik der Verbände und Vereine 1986. S. 747, Maikammer.
Schäfer, Günter; Stöckl, Martina (2015)
Ortsfamilienbuch Maikammer-Alsterweiler. Band 1 und Band 2 (OFB 2015). Neustadt an der Weinstraße.

Wohnhaus Hartmannstraße 45 Maikammer

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hartmannstraße 45
Ort
67487 Maikammer
Fachsicht(en)
Landeskunde, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1887

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„Wohnhaus Hartmannstraße 45 Maikammer”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327328 (Abgerufen: 28. September 2021)
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