Mahnmal Gemeindefriedhof Hürtgen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Hürtgenwald
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 42′ 32,23″ N: 6° 22′ 47,19″ O / 50,70895°N: 6,37977°O
Koordinate UTM 32.315.004,63 m: 5.620.735,10 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.526.869,64 m: 5.619.337,95 m
  • Bild 1: Das Mahnmal auf dem Gemeindefriedhof Hürtgen (Aufnahme vom 10.11.2016).

    Bild 1: Das Mahnmal auf dem Gemeindefriedhof Hürtgen (Aufnahme vom 10.11.2016).

    Copyright-Hinweis:
    Möller, Frank / CC-BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Frank Möller
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  • Bild 2: Das Mahnmal auf dem Gemeindefriedhof Hürtgen (Aufnahme vom 10.11.2016).

    Bild 2: Das Mahnmal auf dem Gemeindefriedhof Hürtgen (Aufnahme vom 10.11.2016).

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  • Bild 3: Ein weiß gestrichener Kreuzständer aus Bomben- und Granatsplittern. Dieser steht links neben dem Mahnmal auf dem Gemeindefriedhof Hürtgen (Aufnahme vom 13.07.2019).

    Bild 3: Ein weiß gestrichener Kreuzständer aus Bomben- und Granatsplittern. Dieser steht links neben dem Mahnmal auf dem Gemeindefriedhof Hürtgen (Aufnahme vom 13.07.2019).

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Betritt man den Gemeindefriedhof Hürtgen von der Kirchstraße aus, erblickt man linker Hand ein Mahnmal (Bild 1 und 2) mit dem Text „Hürtgen / Weltbegriff der Trauer / Mahnung zum Frieden / Gedenkt seiner Kriegsopfer / 1914-18 / 1939-45“ [alles versal]. Das Mahnmal wurde im September 1989 als Ersatz für ein älteres, marode gewordenes Objekt aufgestellt, von dem leider keine Abbildung mehr bekannt ist.

Entwurf von Carl Weingartz
Entworfen wurde das Mahnmal von dem Werbefachmann, Maler, Grafiker und Bildhauer Carl Weingartz (1912-1990) aus Düren-Lendersdorf, wo auch eine Straße nach ihm benannt ist. Weingartz hat zahlreiche sakrale und profane Reliefarbeiten, Mosaike, Glas- und Kupferarbeiten im Bereich der Eifel und in Düren hinterlassen. Auch etliche Zeichnungen von ihm existieren in Publikationen von Heimatschriftstellern, die nach 1945 Kriegserlebnisse oder die Zerstörungen während der Kämpfe thematisiert haben; so beispielsweise in dem quadratischen Bändchen „Alt-Düren“ (1947) des Mundartdichters Tillmann Gottschalk oder dem Band „Hürtgenwald – Gedichte und Worte um ein Fronterleben“ (1951) von dem Dichter und Schriftsteller Horst Schirmer. Besonders markant fiel sein rund fünf Meter hoher „Himmelspfeil“ in der Ortsmitte von Arnoldsweiler aus.

Ausführung
Die Ausführung des Mahnmals in Hürtgen übernahm der Steinmetzbetrieb Ralf Plinz (heute: Christoph Plinz) aus Düren. Grundlage des Objekts ist ein 2,30 Meter hoher Stein in Form eines stilisierten Baumes. Auf die Baumkrone wurden zwei in Bronze gegossene Bäume appliziert, die auch als Kreuze interpretiert werden können. Der eine ist zerschossen, der andere, deutlich jüngere treibt frische Blätter aus. Carl Weingartz wird dazu in den Dürener Nachrichten wie folgt zitiert: „Zwei Kreuze erinnern an Krieg und Frieden. Eines, wie aus der kreuzförmigen Gabelung eines Baumes geschnitten, deutet in seiner Zerrissenheit und von Granatsplittern und MG-Garben durchschossen, auf das Martyrium des Krieges hin. […] Aus diesem erhebt sich ein kreuzförmiges verzweigtes junges, gewachsenes Kreuz mit Blattornamenten an den Enden, ein Zeichen des neuen Lebens und des Friedens.“ (Dürener Nachrichten, 20.09.1989)

Kontext
Bei dem Mahnmal handelt es sich um ein christlich geprägtes Objekt, was sowohl durch die Gestaltung als auch durch den Ort der Aufstellung zum Ausdruck kommt. Es ist der Kategorie der „entpolitisierten Denkmäler“ der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zuzuordnen, die eine Friedensbotschaft tragen, ohne die Ursachen für die beiden Weltkriege zu thematisieren und die damit verbundenen Schuldfrage anzusprechen. Auffallend an der Botschaft ist die Stilisierung der Ortschaft Hürtgen zu einem „Weltbegriff der Trauer“. Hürtgen wurde im November 1944 im Zuge der Endkämpfe im Westen des damaligen Deutschen Reiches nahezu vollständig zerstört. Für die daran beteiligten Angehörigen der Wehrmacht und der amerikanischen Streitkräfte wurde der Hürtgenwald oder „Huertgen Forest“ zu einem Synonym für diese Endkämpfe; im Zusammenhang mit Hürtgen von einem „Weltbegriff“ zu sprechen, stellt jedoch eine deutliche Überhöhung dar.

Das Mahnmal wurde durch eine Haussammlung bei der Hürtgener Bevölkerung, einen Zuschuss des örtlichen Heimat- und Verkehrsvereins sowie aus Mitteln eines Programms für Entwicklungsmaßnahmen in kreisangehörigen Gemeinden finanziert. Es kostete 20.000 DM.
Dem Stein zur Seite gestellt wurde noch ein aus Bomben- und Granatsplittern zusammengeschweißter Ständer zur Ablage von Kränzen, entworfen von Oskar Wirtz aus Hürtgen (Bild 3). Der lokale Heimat- und Verkehrsverein ließ außerdem eine Urkunde mit den Namen getöteter und vermisster Soldaten aus beiden Weltkriegen fertigen, die in eine Urne abgelegt und unter dem Kreuzständer eingelassen wurde.

Quellen
- N. N. (1989), Zwei Kreuze symbolisieren den Krieg und das wiedererwachende Leben. Die Bevölkerung in Hürtgen sammelte für das neue Mahnmal. In: Dürener Nachrichten, 20.9.1989.
- us (1989), Ein neues Mahnmal als Zeichen für den Frieden. Künstler entwarf Kreuz für den Hürtgener Friedhof. In: Dürener Zeitung, 16.9.1989.

(Frank Möller, Gesellschaft für interdisziplinäre Praxis e.V., 2021)

Literatur

Kreisverwaltung Düren (Hrsg.) (1947)
Alt-Düren in Mundartgedichten von Tillmann Gottschalk und Federzeichnungen von Carl Weingartz. Düren.
Schirmer, Horst (1951)
Hürtgenwald. Gedichte und Worte um ein Fronterleben. Vignetten im Text und Schutzumschlag von Carl Weingartz und Fotos von Hermann Claasen. Düren.
Schmitz, Balthasar M. / Eifelverein in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung Düren (Hrsg.) (1972)
Carl Weingartz. In: Heimatjahrbuch Kreis Düren, S. 48-59. Düren.

Mahnmal Gemeindefriedhof Hürtgen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirchstraße
Ort
52393 Hürtgenwald - Hürtgen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1989

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Frank Möller, „Mahnmal Gemeindefriedhof Hürtgen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327324 (Abgerufen: 24. Januar 2022)
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