Steinenschloss bei Thaleischweiler-Fröschen

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Architekturgeschichte, Landeskunde
Gemeinde(n): Thaleischweiler-Fröschen
Kreis(e): Südwestpfalz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 15′ 55,98″ N: 7° 36′ 19,7″ O 49,26555°N: 7,60547°O
Koordinate UTM 32.398.545,61 m: 5.457.912,13 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.398.580,62 m: 5.459.656,19 m
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    Steinenschloss bei Thaleischweiler-Fröschen (2020)

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    Bergfried von Osten (2020)

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    Reste eines Palas (2020)

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  • Gesamtansicht des Palas (2020)

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    Abortanlage mit zwei Kammern (2020)

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    Toranlage mit Brücke (2020)

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Die Burgruine Steinenschloss wurde um das Jahr 1100 auf einem Spornausläufer des Schloßbergs am nordwestlichen Rand der Gemarkung Thaleischweiler-Fröschen erbaut. Sie liegt auf einem Bergsporn auf ca. 295 m ü. NN oberhalb des Zusammenflusses von Schwarzbach und Rodalbe. Diese Lage gewährleistete einen strategischen Überblick über die angrenzenden Täler.
Das Steinenschloß ist bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts abgebrannt - ein Wiederaufbau fand nicht mehr statt.

Namensgebung
Der ursprüngliche Name der Burg ist nicht überliefert. Seit dem 20. Jahrhundert wird sie nach der 1550 verlassenen und unterhalb des Schloßberges gelegenen Siedlung „Ste(e)gen“, „Steigen“ oder „Steinen“ (-Schloss) benannt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus im Volksmund „Steinenschloss“.

Geschichte
Die erste Besiedlung dieser Anhöhe erfolgte bereits zu Zeiten der Kelten und der spätrömischen Kaiserzeit. Während die Kelten das heutige Burgareal vermutlich als Fluchtburg nutzten, ist zu vermuten, dass die Römer einen Wachtposten (Burgus) zum Schutz der römischen Ost-West-Verbindung errichteten.
Die als Steinenschloss bekannte Burganlage wurde während der salischen Zeit um das Jahr 1100 erbaut. Als Erbauer der Burg wird der damalige Graf von Saarbrücken vermutet, welcher die Burg auf Hornbacher Klostergrund errichten ließ.
Aufgrund machtpolitischer Auseinandersetzungen ließ Kaiser Friedrich Barbarossa I. im Jahr 1168 mehrere Burgen des Grafen von Saarbrücken schleifen – darunter vermutlich auch das Steinenschloss. Hierbei handelte es sich vermutlich um keinen reinen Zerstörungsakt, sondern diente eher der Zurechtweisung und Machtbeschränkung des Saarbrücker Grafen. Das Steinenschloß war daraufhin noch bis ca. 1200 bewohnt. Danach wurde die Burganlage aufgegeben und verlassen - Gründe hierfür sind unbekannt.
Die Burganlage befand sich ab dem 13. Jahrhundert im Besitz der Familien Zweibrücken-Bitsch, Leiningen-Dagsburg und den Grafen von Hanau-Lichtenberg (ab 1570).
Das Steinenschloß war zur damaligen Zeit eine der mächtigsten Anlagen der Gegend und hatte auf aufgrund der Lage, in einem durch weitverzweigte Besitzverhältnisse gekennzeichneten Raum, eine Schlüsselstellung inne. So versperrten in diesem Bereich bischöflich-speyerische, Straßburger und salisch-köngliche Rechte den Saarbrücken die Machtausweitung nach Osten (Zugang zum Rhein und nach Speyer).

Baubeschreibung der Anlage
Die Burgruine wurde als Höhenburg im romanischen Stil erbaut und ist hinsichtlich Standortwahl, Baumaterial, Ausgestaltung und Wehranlagen mit Burganlagen im kurpfälzischen Raum vergleichbar. Sie wurde auf einer natürlichen Anhöhe in Spornlage errichtet – das Gelände fällt hier im Süden und Osten steil und nach Westen mäßig steil ab.
Zur Verwendung kamen überwiegend glattbehauene Sandsteinquader salischen Ursprungs und vereinzelt Buckelquader. Der mächtige Bergfried im Zentrum der Burganlage weist salisch-staufische Bauelemente auf (Heimatlexikon Thaleischweiler-Fröschen). Die Kombination aus Halsgraben, Schildmauer und Bergfried auf der Nordseite der Anlage sind als typische stauferzeitliche Wehrelemente einzuordnen.
Beim Steinenschloß sind zwei Bauphasen der Burganlage zu unterschieden: Die erste Bauphase ist um das Jahr 1100 zu datieren. Während dieser Phase wurden u.a. die umlaufende Ringmauer, die Schildmauer, der Eingang zur Kernburg (Tor) sowie Wohngebäude der Oberburg (u.a. Palas mit Abortanlage) errichtet. Während der zweiten Bauphase (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts) wurden vermutlich Schäden der Zerstörung von 1168 repariert und weitere Ausbauten der Kernburg (u.a. Bergfried in der Oberburg) vorgenommen. Diese Phase wurde insbesondere durch die Verwendung von Buckelquader geprägt. Der Anbau an den Palas in der Oberburg sowie die Wirtschaftsgebäude der Unterburg lassen sich zeitlich nicht zweifelsfrei einordnen.

Grundriss
Der Grundriss ist aufgrund der Lage auf einem Spornausläufer des Schloßberges nahezu dreieckig, mit einer nach Süden ausgerichteten Spitze. Die Kernburg der Anlage teilt sich in Unter- und Oberburg auf und hat eine Abmessung von ca. 50 x 80 m. Die äußere Ringmauer umgibt die Kernburg, passt sich dem Geländeverlauf an und hat eine durchgehende Stärke von ca. 1,80 m bis zu 2,50 m. Entlang der Nordseite war die Ringmauer als Schildmauer ausgeführt und ca. 8 – 10 m hoch.
Auf der West- und Nordseite der Anlage verliefen parallel zur Ringmauer Burggräben. Der Graben auf der Nordseite (Hauptangriffsseite) war als Halsgraben angelegt. Auf der Westseite (unterhalb des Grabens) ist von einer Vorburg auszugehen.
Der Zugang erfolgte über eine im Südwesten der Unterburg gelegene Toranlage.
In der Mitte der Anlage trennte eine von West nach Ost verlaufende Steinmauer den hochherrschaftlichen Bereich der Oberburg von den einfachen Wohn- / Wirtschaftsgebäuden des Gesindes in der Unterburg ab. Der Zugang zur Oberburg erfolgte vermutlich über einen quadratischen Torbau.

Unterburg
Entlang der Westseite der Ringmauer verlief parallel zum Burggraben der ursprüngliche Burgweg. Dieser führte über eine Holzbrücke in eine mindestens zweigeschossige Toranlage (Torturm), welche die einzige Zugangsmöglichkeit zur Burganlage darstellte.
Innerhalb der Unterburg waren vermutlich diverse Wirtschaftsgebäude (u.a. Vorratskammern, Stallungen), teilweise in Holzbauweise, untergebracht. Eine kleine Kammer nördlich des Tores diente vermutlich als Pförtner-/Wachstube und ein relativ gut erhaltener Raum westlich der Toranlage zeugt von seiner Vergangenheit als Waffenkammer / Unterkunft für Wachen.

Oberburg und Turm (Bergfried)
Innerhalb der Oberburg wurden bei Grabungsarbeiten Mauerreste eines Palas (Wohnbau) inklusive Kaminanlage freigelegt. Dies deutet auf einen teilweise beheizbaren Palas hin – eine Besonderheit zu dieser Zeit. Der Palas war vermutlich ca. 25 m lang und ca. 12 m breit und mindestens zweigeschossig. Auf der Ostseite war eine aufwändige Abortanlage (ca. 9 x 4 m) mit zwei Kammern (Abwasser- und Abortanlage) angebaut. In der Südwestecke der Oberburg befand sich ein weiteres Wohnhaus (ca. 11,5 m x 8 m) sowie eine Rüstkammer an der westlichen Ringmauer.
Der aus Buckelquadern errichtete Rundturm (Bergfried) wurde im nördlichen Teil der Oberburg, etwa ab dem Jahr 1150 errichtet. Hierbei handelt es sich um ein typisches Wehrelement der Stauferzeit. Mit einem Innendurchmesser von ca. 8,50 m, einem Außen-durchmesser von ca. 13,50 m, einer Mauerstärke von ca. 2,50 m und einer ursprünglichen Höhe von ca. 20 – 25 m handelt es sich hierbei um einen der größten Rundtürme der Pfalz. Aufgrund seiner Größe wurde er wahrscheinlich zu Wohnzwecken genutzt.

Die Wasserversorgung der Anlage wurde über eine Tankzisterne in der Unterburg sichergestellt, welche über eine Wasserrinne mit Wasser aus der Oberburg gespeist wurde.

Renovierung und Erhaltung
Die Burgruine „Steinenschloss“ ist gemäß § 8 DSchG Rheinland-Pfalz ein eingetragenes Kulturdenkmal (Denkmalverzeichnis Kreis Südwestpfalz). Im Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Südwestpfalz ist folgendes angegeben:
„Anfang 12. Jh., Ende des 12. Jh. abgebrannt; ursprünglicher Name unbekannt, Ringmauer der Unterburg, Stumpf des Bergfrieds der Oberburg, Mauerreste des Palas“ (GDKE, Seite 48).

Bis zum 19. Jahrhundert wurde die Bewahrung der historischen Burganlage vernachlässigt. So wurde sie von den umliegenden Dörfern als „Steinbruch“ verwendet - vielfach wurden Steine zum Bau von Häusern, zum Bau der alten Friedhofsmauer in Thaleischweiler-Fröschen und sogar zum Ausbau des Bahnhofs Pirmasens-Nord genutzt.
Ab 1896/97 erfolgten erste Grabungsarbeiten an der Burgruine durch Christian Mehlis und Dr. Rüger, die jedoch nur von kurzer Dauer waren. Eine Wiederaufnahme der Grabungs- und Freilegungsarbeiten erfolgte erst in den 1950er Jahren durch Dr. L. A. Hoffmann unter Aufsicht des Amtes für Vor- und Frühgeschichte in Speyer. Ab Anfang der 1970er Jahre wurden Arbeiten an der Unterburg und zur Restaurierung der Ringmauer durchgeführt. Seither konnte der Torbogen (1982) restauriert und mit dem Wiederaufbau des mächtigen Rundturms (ab 1990) begonnen werden.
Der örtliche Burgverein „Steinenschloß“ koordiniert seit 1973 die die Restaurierungs- und Pflegemaßnahmen.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Das Steinenschloss liegt am nordwestlichen Rand der Gemarkung Thaleischweiler-Fröschen / Südwestpfalz. Südöstlich der Burgruine liegt der Weiler „Biebermühle“ (gehört überwiegend zur Gemarkung Donsieders).
Kostenlose Parkplätze sind direkt unterhalb der Burgruine (Park & Ride-Parkplatz gegenüber Freibad Biebermühle) vorhanden. Die Anfahrt mit dem Pkw erfolgt über die unmittelbar in der Nähe verlaufende B 270 und L 477. Vom Bahnhof Pirmasens-Nord („Biebermühle“) ist das Steinenschloss in ca. 15 Gehminuten zu erreichen. Ebenso führt ein gut ausgebautes Fuß- und Radwegenetz sowohl aus Richtung Thaleisch-weiler-Fröschen als auch aus Richtung Waldfischbach-Burgalben zum Steinenschloss.

(Barbara Hillers, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Neustadt an der Weinstraße, 2024)

Internet
www.gdke.de: Verzeichnis Kulturdenkmäler Kreis Südwestpfalz (abgerufen am 13.02.2024)
www.heimatlexikon-thaleischweiler-fröschen.de: Tourismus (abgerufen am 13.02.2024)
www.alleburgen.de: Burgen (abgerufen am 13.02.2024)
www.burgen-pfalz.de: Burgenkatalog (abgerufen am 13.02.2024)

Literatur

Keddigkeit, Jürgen; Burkhart, U.; Übel, Rolf (2007)
Pfälzisches Burgenlexikon. 4.1. Kaiserslautern.

Steinenschloss bei Thaleischweiler-Fröschen

Schlagwörter
Ort
66987 Thaleischweiler-Fröschen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Architekturgeschichte, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation

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Barbara Hillers: „Steinenschloss bei Thaleischweiler-Fröschen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-309581 (Abgerufen: 19. April 2024)
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