Bachaue am Uersfelder Bach auf der Gemarkungsgrenze Sassen/Gunderath

Fünfte Station des Erlebnisrundwegs: Waschkultur

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Gunderath
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 15′ 31,39″ N: 6° 58′ 55,23″ O / 50,25872°N: 6,98201°O
Koordinate UTM 32.356.159,44 m: 5.569.345,18 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.570.070,65 m: 5.569.647,98 m
  • Gertrud Feiler, genannt Traud, beim Auslegen gewaschener Wäsche auf einer Wiese zum Bleichen (1940er Jahre)

    Gertrud Feiler, genannt Traud, beim Auslegen gewaschener Wäsche auf einer Wiese zum Bleichen (1940er Jahre)

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    Verbandsgemeinde Kelberg
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  • Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die Rolle von Frau und Kindern um 1900

    Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die Rolle von Frau und Kindern um 1900

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    Florian Weber
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    Weber, Florian
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Unmittelbar am Uersfelderbach, nahe dem Ferienpark Heilbachsee, befindet sich eine Bachaue. Diese seichte Uferzone wurde im ausgehenden 19./frühen 20. Jahrhundert als Waschkaue (Waschstelle) genutzt. Es handelte sich dabei nicht um eine ausgebaute Waschkaue, sondern um eine natürliche flache Uferzone. Sie war mit dem langsam vorbeilaufenden Bachwasser zum Waschen der Wäsche besonders geeignet.

Das Wäschewaschen im 19./frühen 20. Jahrhundert
Während in heutigen Zeiten für das Wäschewaschen einfach die Waschmaschine genutzt werden kann, war diese Tätigkeit um das Jahr 1900 Handarbeit und äußerst mühsam. Waschmaschinen für den Privathaushalt wurden erst Mitte des 20. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin mussten die Frauen die Wäsche entweder in privaten Waschküchen oder an öffentlichen Wasserstellen reinigen. So wurden auch Bäche häufig zum Waschen genutzt. Neben einem Zugang zu sauberem Wasser waren auch ausreichend Flächen zum Trocknen der Wäsche notwendig. Utensilien wie Holzasche oder Soda, Seife, Bleich- oder Blaumittel und Stärke ersetzten das heutige Waschpulver. Auch waren große Messing- oder Kupferkessel zum Kochen der Wäsche und Holzbottiche zum Einweichen erforderlich. Hinzu kamen noch Waschbretter und Bürsten, mit deren Hilfe der Schmutz aus der Kleidung entfernt werden konnte. Anschließend wurden die Wäschestücke an Leinen zum Trocknen aufgehängt oder auf sogenannten Bleichwiesen ausgebreitet. Das Waschen war eine langatmige Prozedur und verlangte enorme Kraft. Dennoch entsprach die Sauberkeit der Wäsche nicht dem heutigen Standard.

Das Wäschewaschen gehörte zu jener Zeit in den Zuständigkeitsbereich der Frauen. Dem Mann fiel die Rolle des Ernährers und Hausherrn zu. Die Frau nahm die Rolle der Mutter, Hausfrau und Zuverdienerin ein. Dabei wurde gerade von Hausfrauen aus landwirtschaftlichen Familien ein breites Spektrum an unterschiedlichen Tätigkeiten gefordert. So mussten sie neben der Hausarbeit auch auf den Höfen und Feldern mitarbeiten. Diese Tätigkeiten brachten hohe körperliche Belastungen mit sich. Frauen, die als Tagelöhnerinnen Feldarbeit nachgingen, bekamen nur einen Bruchteil des Lohns, der einem Mann für dieselbe Arbeit zustand.

Traud verdingt sich als Wäscherin
Für die Hausiererin Traud gehörten Wäschewaschen und Feldarbeit zu den alltäglichen Pflichten auf den Höfen. In mehreren Ausschnitten im Buch „Kamillenblumen“ beschreibt Ute Bales, wie Traud - zunächst zusammen mit ihrer Mutter, nach deren Tod aber allein - große Berge an Schmutzwäsche auf den Höfen reinigen musste. Dazu brachten die beiden zunächst Wasser zum Kochen. Anschließend lösten sie Kernseife im Wasser auf und schrubbten die Kleider und Laken über das Waschbrett. Anschließend wurde die Wäsche oft auf Wiesen zum Trocknen ausgebreitet (siehe Abbildung in der Mediengalerie).

„Noch vor Mittag machte sich Maria an die Arbeit, denn ein hoch aufgetürmter grauer Berg Wäsche, der vor Schmutz nur so strotzte, lag im Durchgang zum Stall. Maria erhitzte das Wasser, Traud weichte ein Stück Kernseife auf uns gemeinsam schrubbten und rieben sie im Dampf der kochenden Lauge die Laken auf ausgedienten Waschbrettern, bis die Hände rot und wund aussahen. Maria hatte den Ehrgeiz, die Wäsche weiß zu bekommen, das würde einen guten Eindruck machen, flüsterte sie Traud zu. Vom mühsamen Verkauf der Kamillenblüten gab sie ihr deshalb einen Groschen und schickte sie Wäscheblau zu holen“ (Bales 2016, S. 62).

(Lea Adams, Universität Koblenz-Landau, 2019)


Internet
www.planet-wissen.de: Sauberkeit. Wäsche waschen (abgerufen 03.04.2020)

Literatur

Bales, Ute (2016)
Kamillenblumen. Roman aus der Eifel. (Edition Schrittmacher Band 15, 6. überarbeitete Auflage.) Zell/Mosel.
Hindenburg, Barbara von (2018)
Erwerbstätigkeit von Frauen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. o. O.
(1987)
Große Wäsche. Technischer Fortschritt und sozialer Wandel in Deutschland vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. In: Technik und sozialer Wandel. Verhandlungen des 23. Deutschen Soziologentages in Hamburg 1986, Frankfurt a. M.

Bachaue am Uersfelder Bach auf der Gemarkungsgrenze Sassen/Gunderath

Schlagwörter
Ort
56767 Gunderath
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1880 bis 1950

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„Bachaue am Uersfelder Bach auf der Gemarkungsgrenze Sassen/Gunderath”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-306460 (Abgerufen: 22. Oktober 2021)
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