Sankt Apollonia-Kapelle in Kolverath

Vierte Station des Erlebnisrundwegs: Trauer- und Begräbniskultur

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Kolverath
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 16′ 14,33″ N: 6° 58′ 11,58″ O / 50,27065°N: 6,96988°O
Koordinate UTM 32.355.331,43 m: 5.570.694,61 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.569.188,81 m: 5.570.963,22 m
  • Kapelle Sankt Apollonia an der Hauptstraße in Kolverath (2021)

    Kapelle Sankt Apollonia an der Hauptstraße in Kolverath (2021)

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  • Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales: Warum erfuhr Traud so wenig christliche Nächstenliebe?

    Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales: Warum erfuhr Traud so wenig christliche Nächstenliebe?

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  • Fotografie der Gertrud Feiler, genannt Kolverather Traud, mit ihrer Mutter Maria Feiler (um 1910)

    Fotografie der Gertrud Feiler, genannt Kolverather Traud, mit ihrer Mutter Maria Feiler (um 1910)

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An der Hauptstraße, Ecke Waldstraße in Kolverath, steht die Filialkirche Sankt Apollonia (Namenstag 9. Februar). Diese war im Jahre 1775 als kleine Saalkirche errichtet worden. Die Kapelle ist eine Filiale der Pfarrei Retterath.

Für die Trauer- und Begräbniskultur der Ortschaft spielte diese kleine Kirche eine wichtige Rolle. Sie dient auch heute noch dem Gedenken der Verstorbenen des Ortes. Kolverath selbst besaß keinen eigenen Friedhof. Die Toten des Ortes wurden auf dem Friedhof im Pfarrort Retterath bestattet. Das Totengebet jedoch wurde an drei aufeinanderfolgenden Tagen zur Abendzeit (Totengebete Rosenkranz) in der Kirche von der Dorfgemeinschaft abgehalten.

Die Kapelle
Vier Stufen muss man beschreiten, um die Kapelle auf rechteckigem Grundriss, mit den weißen Außenwänden und dem Satteldach mit schiefergedecktem Dachreiter betreten zu können. Seitlich befinden sich je zwei Fenster, an der Stirnseite oberhalb des Eingangs durchbricht ein kleines Rundfenster die Außenfassade. Die Fenster und der Eingang sind grau gerahmt.

Der Umgang mit Verstorbenen
Der Umgang mit Verstorbenen und die damit einhergehende Bestattungskultur war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Dörfern stark ritualisiert. Der Sterbeprozess fand meist zu Hause im familiären Kreis statt. Damals gab es keine Krankenhäuser, wie sie dem heutigen Verständnis entsprechen. Auch andere Orte und Räume, die eigens für den Akt des Sterbens vorgesehen waren, gab es noch nicht. Verstarb ein Familienmitglied, wurde der Pfarrer zur Letzten Ölung ins eigene Heim gerufen. Der Leichnam wurde anschließend im Sterbebett geborgen. Für mehrere Tage wurde am Bett Totenwache gehalten. Die Dorfgemeinschaft erwies der verstorbenen Person die letzte Ehre. Der Sarg wurde von einem örtlichen Schreiner angefertigt. Die verstorbene Person blieb für die Dauer der Anfertigung (unter Umständen mehrere Tage) in ihrem Totenlager. Das Grab wurde meist von den Dorfbewohnern und Angehörigen eigenständig ausgegraben. Zuletzt wurde der Leichnam dann in einem Trauerzug vom Sterbelager zum Friedhof getragen.

Traud verliert ihre Mutter
Den zweiten schweren Schicksalsschlag im Leben der Traud stellt der Tod ihrer Mutter Maria dar. In ihrem Buch „Kamillenblumen. Roman aus der Eifel“ schildert Ute Bales den Tod der Mutter folgendermaßen: Traut vertrug als junge Frau die harte Arbeit recht gut und „schaffte“ tüchtig auf den Höfen. Ihre Mutter allerdings war zwischenzeitlich deutlich gealtert. Im Jahr 1909 verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand von Maria Feiler zusehends. Deshalb kehren Mutter und Tochter im Winter des Jahres 1909 in den Michelshof ein. Der Hof wird von ehemaligen Nachbarn bewirtschaftet. Maria Feiler verstirbt bereits am Morgen nach der Ankunft:

„Gegen Morgen sah die Michelsbäuerin nach den beiden und fand Traud winselnd vor Marias Füßen, auf dem Boden liegend. Der Pfarrer wurde gerufen die Tote auszusegnen, die Kinder des Dorfes wurden angeschickt, die sieben Kreuze zu beten. Schon gegen Mittag ging es in Kolverath von Haus zu Haus, dass eine der Hausiererinnen in der Nacht verstorben sei. Als die Sterbeglocke geläutet, der Leichnam in die Stube geschafft und das Sterbebett aufgerichtet wurde, kauerte Traud mit entseeltem Blick am Boden. Nur halb gewahrte sie, wie Maria die Hände gefaltet und das Kinn aufgebunden wurde und aus allen Häusern Frauen herbeikamen, um zu beten und Totenwache zu halten. Ungerührt saß sie zwischen den Schwarzgekleideten, die abwechselnd das Glaubensbekenntnis beteten, dann die Rosenkränze zur Hand nahmen und laut klagend die Muttergottes um Hilfe riefen; mit dem schmerzhaften Rosenkranz zuerst, dann dem freudenreichen, zuletzt dem glorreichen. Bevor sie die lauretanische Litanei anschlossen, beteten sie noch ein Vaterunser für denjenigen, der als nächstes von ihnen stürbe“ (Bales 2008, S. 84).

Im Buch wird beschrieben, wie die Mutter nach einem dürftig besuchten Trauerzug, auf einem Friedhof in Kolverath bestattet wird. Zeitzeugen berichten allerdings, dass Maria Feiler in den 1930er Jahren und nicht 1909 verstarb und zudem in Mayen beerdigt wurde. Sicherlich aber wurde auch für Maria Feiler das Totengebet in der Kirche Sankt Apollonia gebetet. Eine mündliche Überlieferung besagt, dass während der Beerdigung außerdem ein SA-Mitglied von höherem Stand beerdigt wurde. Traud schien zu denken, dass die vielen Besucher der anderen Beerdigung ihrer Mutter die letzte Ehre erweisen wollten. Mit dem Tod der Mutter verlor Traud ihre letzte Bezugsperson.

Die Filialkirche Sankt Apollonia in Kolverath wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Vulkaneifel. Heute steht die Kapelle unter Denkmalschutz. Der Eintrag lautet: „Kath. Filialkirche St. Apollonia Hauptstraße kleiner Saalbau, bez. 1775.“

(Lea Adams, Universität Koblenz, 2017)

Internet
www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de: Totenwache - Eine selbstverständliche Pflicht. Vom Eingebundensein in die dörfliche Gemeinschaft, von Theo Pauly (abgerufen 12.02.2020)
kommern.lvr.de: Haus aus Binzenbach, Ausstellung zum Umgang mit dem Tod in der Eifel (abgerufen 16.03.2020)
denkmallisten.gdke-rlp.de: Denkmalliste Kreis Vukkaneifel (abgerufen 12.07.2021)

Literatur

Bales, Ute (2016)
Kamillenblumen. Roman aus der Eifel. (Edition Schrittmacher Band 15, 6. überarbeitete Auflage.) Zell/Mosel.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2017)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Vulkaneifel (Denkmalverzeichnis Kreis Vulkaneifel vom 28. August 2017). o. O.

Sankt Apollonia-Kapelle in Kolverath

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Ecke Hauptstraße / Waldstraße
Ort
56767 Kolverath
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1775

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Sankt Apollonia-Kapelle in Kolverath”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-306459 (Abgerufen: 22. Oktober 2021)
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