Synagoge Müntz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Titz
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 59′ 0,01″ N: 6° 22′ 6,8″ O / 50,98334°N: 6,36856°O
Koordinate UTM 32.315.299,86 m: 5.651.268,22 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.525.924,74 m: 5.649.857,28 m
  • Historische Aufnahme von 1956: Die während des Zweiten Weltkrieges stark zerstörte und wenig später abgetragene frühere Synagoge in Titz-Müntz.

    Historische Aufnahme von 1956: Die während des Zweiten Weltkrieges stark zerstörte und wenig später abgetragene frühere Synagoge in Titz-Müntz.

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Wohl um 1765 zog der erste jüdische Bewohner nach Müntz. Für die Gemeinde im so genannten „Jüdde-Müntz“ wurde 1845/46 ein Synagogenneubau errichtet. 1938 wurde das Gotteshaus geschändet und der Innenraum vernichtet. Das erhaltene Gebäude wurde 1956 abgebrochen.

Die jüdische Gemeinde Müntz seit dem frühen 19. Jahrhundert
Wohl um 1765 zog der erste jüdische Bewohner nach Müntz. Um 1860 waren 12 Prozent der Dorfbevölkerung jüdisch (48 Personen), danach war die jüdische Bevölkerungsentwicklung stark rückläufig. Seit 1848 war Müntz als Filialgemeinde Teil des Synagogenbezirks Jülich (Reuter 2007).
„Als erster in Müntz ansässiger Jude kann Hirz Falk gelten, der um 1756 aus Linnich nach Müntz zog. (…) 1860 betrug der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung des Ortes 12%, doch er sank stark in den Folgejahren bis zur Jahrhundertwende. (…) Als Broterwerb diente der Viehhandel, Metzgerei und Handel mit Immobilien und Landesprodukten.“ (www.steinheim-institut.de)

Gemeindegröße
um 1815: –, um 1860: 48, um 1880: 26 (1885), 1911: 15, 1932: 4 (1933), 2006: – (Reuter 2007).
1857: 48, 1872: 28, 1895: 17, 1933: 4 (www.steinheim-institut.de).
1823: 128, 1860: 75 Personen bei einer Gesamtbevölkerung von 594, 1911: 14, 1933: 4 (de.wikipedia.org).
„Da dort der jüdische Bevölkerungsanteil im Jahr 1860 bei zwölf Prozent lag – was für das Rheinland schon einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz darstellte – , war das Dorf in der Region als ‚Jüdde-Müntz‘ bekannt.“ (Grübel 2005, S. 2)

Synagoge
Nachdem zuvor ein Privatraum als Betstube der jüdischen Gemeinde diente, wurde 1845/46 ein Synagogenneubau errichtet, dessen Grundfläche 68 m2 umfasste (Reuter 2007 und de.wikipedia.org). Das Grundstück war eine Schenkung von Rebecca Jandorff (1808-1887).
Wie lange die Synagoge genutzt wurde, ist unbekannt. Offenbar wurde es für die Müntzer Judengemeinde aufgrund des stetigen Rückgangs der Zahl ihrer Mitglieder zunehmend schwieriger, die religionsgesetzlich vorgeschriebene Mindestteilnehmerzahl für die Abhaltung eines vollständigen jüdischen Gottesdienstes zu erreichen. Der Regel des Minjan zufolge sind dafür mindestens zehn mündige Juden erforderlich.

Im Zuge der nationalsozialistischen Reichspogromnacht wurde das Gotteshaus in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 geschändet, die Inneneinrichtung zerstört und der Innenraum vernichtet. Das nicht in Brand gesteckte Gebäude blieb erhalten und wurde während des Zweiten Weltkriegs als Gefangenenlager genutzt, 1939 wurden hier polnische Kriegsgefangene untergebracht. 1940 plante die NS-Volkswohlfahrt die Einrichtung eines Kindergartens (de.wikipedia.org, Synagoge).

„Die Gemeinde Müntz hatte am 17. Oktober 1940 vom Synagogenbezirk Jülich Synagoge und Grundstück für 800 Reichsmark gekauft. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Synagoge wie andere Häuser im Dorf durch Kriegseinwirkungen der Rurfront teilweise beschädigt, die Außenmauern waren aber noch vorhanden.
1954 zahlte die Gemeinde in einem Verfahren vor der Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Aachen zusätzlich 1000 Deutsche Mark für den Besitz. Sie verkaufte diesen nun an den damaligen Pächter, der die Synagoge 1956 abreißen ließ.“
(ebd.)

„Die Synagoge lag auf einem zurückgesetzten Grundstück an der Hauptstraße 59, in der Nähe der katholischen Pfarrkirche. Sie hatte einen quadratischen Grundriss und war aus Backstein mit einem Satteldach. 1938 während des Novemberpogroms wurde die Synagoge verwüstet, das Gebäude blieb jedoch erhalten. Es wurde 1940 von der Zivilgemeinde Müntz erworben, während des Zweiten Weltkrieges stark zerstört und 1956 abgetragen. Das Grundstück ist heute bebaut.“ (www.steinheim-institut.de, Geschichte)

Die Fläche des 1956 fast bis auf die Grundmauern abgebrochenen Synagogenstandorts wurde erst um das Jahr 2000 mit einem Wohnhaus neu bebaut. Vor Ort sollen noch Teile der Grundmauern erhalten sein (HBHistSt NRW 2006).
Der Standort des vormaligen Gotteshauses lässt sich anhand der vorliegenden historischen Karten nicht genau bestimmen (vgl. Kartenansicht), die Objektgeometrie ist hier daher symbolisch auf der Parzelle der früheren Anschrift Hauptstraße 59 (heutige Raiffeisenstraße 23) eingezeichnet.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020)

Internet
de.wikipedia.org: Synagoge Müntz (abgerufen 08.01.2020)
de.wikipedia.org: Titz-Müntz, Jüdische Gemeinde (abgerufen 08.01.2020)
www.steinheim-institut.de: Geschichte der Juden in Titz-Müntz (abgerufen 08.01.2020)

Literatur

Brocke, Michael (1999)
Feuer an Dein Heiligtum gelegt. Zerstörte Synagogen 1938 (Beilage: Die Synagogen der jüdischen Gemeinden Nordrhein-Westfalen). (Gedenkbuch der Synagogen Deutschland 1.) S. 390, Bochum.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 1007-1008, Stuttgart.
Grübel, Monika (2005)
Landjuden - ein Leben zwischen Land und Stadt. o. O. Online verfügbar: synagoge-roedingen.lvr.de, Grübel 2005
Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) S. 124-126, Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.

Synagoge Müntz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Raiffeisenstraße 23
Ort
52445 Titz - Müntz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1845 bis 1846, Ende 1938 bis 1956

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Müntz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-305420 (Abgerufen: 31. Oktober 2020)
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