Empfangsgebäude des Bahnhofes Troisdorf

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Troisdorf
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 48′ 51,23″ N: 7° 09′ 4,23″ O 50,81423°N: 7,15117°O
Koordinate UTM 32.369.755,84 m: 5.630.796,02 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.581.174,47 m: 5.631.612,62 m
  • Das noch im Bau befindliche neue Bahnhofsgebäude in Troisdorf, Blick vom Bahnsteig auf den Neubau (2018).

    Das noch im Bau befindliche neue Bahnhofsgebäude in Troisdorf, Blick vom Bahnsteig auf den Neubau (2018).

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  • Blick auf den Bahnhof Troisdorf nach dem Um- und Neubau (2019)

    Blick auf den Bahnhof Troisdorf nach dem Um- und Neubau (2019)

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Die Eisenbahnstrecke von (Köln-)Deutz nach Hennef eröffnete am 1. Januar 1859 ihren Betrieb. Eine Haltestelle in Troisdorf wurde jedoch erst ab dem 6. Mai 1861 eingerichtet. Noch im gleichen Jahr wurde das erste Empfangsgebäude errichtet.

Erstes Empfangsgebäude
Die genaue Lage des Gebäudes ist nicht gesichert. Die Kataster-Karten der entsprechenden Zeiten ergeben hier kein klares Bild. Lediglich der Hinweis, dass ein Teil der heutigen Poststraße „Bahnweg“ hieß, mag auch den Standort im Bereich Poststraße zwischen Stationsweg und Kronprinzenstraße deuten. Der Standort ist somit an der Stelle zu vermuten, wo heute das neue, vierte Empfangsgebäude steht.
Eine nachträglich angefertigte, nach verlorenen Unterlagen hergestellte Skizze zeigt ein zweistöckiges Fachwerkgebäude, das Ähnlichkeiten mit den Gebäuden in Sinn (Mittelhessen, an der Strecke von Siegen nach Gießen), Köln-Spich und Köln-Wahn aufweist (Land/Schulte 1986, Seite 11). Danach war es ein zweistöckiges Gebäude mit Spitzdach und einem landseitig vorspringenden Mittelteil. Im Erdgeschoss gab es ein Vestibül, die Fahrkartenausgabe, zwei Wartesäle für I./II. Klasse bzw. III./IV. Klasse, einen Dienstraum und den Aufgang zum Obergeschoss. Hier war eine Dienstwohnung eingerichtet. Einen direkter Durchgang durch das Gebäude zu den Gleisen gab es nicht. Es wird eine Größe von 8 x 14,5 Metern bei einer Höhe von rund 10 Metern angenommen.
Bemerkenswert ist die Überlieferung, dass am Bahnhof zu beiden Seiten des Gleises Anschüttungen zum bequemen Einsteig vorhanden waren. Üblich waren nur einseitige Anschüttungen im Bereich des Stationsgebäudes. Offenbar gab es Zugänge zu den Zügen von beiden Seiten.

Zweites Empfangsgebäude
Im Zusammenhang mit dem Bau der Strecke von Niederlahnstein/Koblenz nach Troisdorf wurde 1870/71 das zweite Empfangsgebäude errichtet. Es lag zwischen den beiden Strecken (Siegbahn und Rheinbahn) an der Blücherstraße, von der aus die Zufahrt erfolgte. Es handelte sich also um einen Inselbahnhof. Das Gebäude hatte zweieinhalb Geschosse mit einer klassizistischen Fassade. Die Fensterlaibungen waren ornamentiert. Das Haupthaus besaß einen Gewölbekeller. Im Erdgeschoss befanden sich ein Vorraum sowie Warteräume, Gepäck- und Fahrkartenraum, Diensträume für den Bahnhofsvorsteher und seinen Assistenten. Im Obergeschoss gab es zwei Wohnungen. Von der Poststraße her führte ein Tunnel für Reisende zu den Bahnsteigen.
Dieser Bau wurde um 1890 erweitert. Der Altbau wurde umgebaut, ein flacher Neubau auf der Rückseite angefügt. Im Keller befanden sich nun Räume für den Bahnbetrieb und für das Restaurant. Im Erdgeschoss gab es Räume für eine Post, Telegraphenraum, für Fahrkartenverkauf und Gepäckabfertigung, Diensträume und für einen Portier. Im neuen Anbau lagen die Warteräume, ein Damenzimmer, ein Büfett und die dazugehörige Küche. Im Obergeschoss gab es weiterhin Wohnungen für Bahnbeamte und den Gastwirt.
1890 begann der Bau einer Wartehalle für 400 Arbeiter auf der Bahnhofsinsel (Wartesaal IV. Klasse). Das flache Fachwerkgebäude war 10 x 20 Meter groß und besaß große Schwingtüren an den Schmalseiten. Im Gebäude gab es eine Theke für die Versorgung der Wartenden. Der Bau wurde 1891 in Betrieb genommen.
In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg wurden umfangreiche Ausbauarbeiten am Empfangsgebäude, an den Personentunneln und den Bahnsteigen durchgeführt. Bereits zu dieser Zeit wurde überlegt, das Empfangsgebäude an die Poststraße zu verlegen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Empfangsgebäude erheblich beschädigt und nach den Bombenangriffen vom 1./2. März 1945 das Gebäude und Mitte April 1945 der ganze Bahnhof geschlossen.

Nachdem der Bahnbetrieb wieder aufgenommen wurde, verwendete man für den Personenbahnhof das alte Bahnhofsgebäude zunächst weiter. Allerdings hatte man die oberen Stockwerke abgetragen, es blieb ein einstöckiges Provisorium. Die Bahnhofshalle öffnete am 24. November 1949 wieder für die Fahrgäste. Im Juli 1949 hielten wieder Eilzüge in Troisdorf. 1950 kamen eine neue Toilettenanlage sowie der Wartesaal I. Klasse hinzu und die Personentunnel wurden erneuert. Die Bahnhofshalle erhielt einen neuen Fußboden mit Solnhofener Kalksteinplatten und neue Windfangtüren.
Im Dezember 1952 eröffnete der Wartesaal III. Klasse. Es folgten im gleichen Jahr neue Lichtmaste auf den Bahnsteigen 1 und 4, die Reste der alten Bahnsteigüberdachungen wurden abgetragen.
Nach Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes wird der Altbau 1969 abgerissen.

Drittes Empfangsgebäude
Zwischen 1967 und 1969 wurde dann ein zeitgemäßes neues Empfangsgebäude errichtet, das dritte Gebäude. Es wurde am 20. Februar 1969 feierlich eröffnet. Mit diesem Neubau gab man den alten Inselbahnhof auf und verlegte den Empfang wieder an die Poststraße.
Es gab folgende Bereiche: Empfangshalle mit Fahrkartenausgabe, Gepäckabfertigung und Betreuungsstelle für Beamte im Ruhestand; Gebäudetrakt für Bahnhofs- und Kassenbüros; Sozialgebäude mit Aufenthaltsräumen und Übernachtungsmöglichkeiten für Bahnbedienstete; Bahnhofsgaststätte und Fahrradaufbewahrung.
Im Rahmen der Errichtung der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main in den Jahren 1997 bis 2002 erneuerte und erhöhte man die Bahnsteige, der Bahnsteigtunnel zur barrierefreien Nutzung mit Aufzügen ausgestattet. Dabei blieb die deutliche Trennung der Strecken Richtung Hennef (Siegbahn) und Bonn-Beuel (Rheinbahn) erhalten, die in zügiges Umsteigen in Troisdorf verhindert.

Viertes Empfangsgebäude
Als Ersatz für das dritte Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1969 entstand von 2017 bis 2019 ein wesentlich größeres, sechsgeschössiges Geschäftshaus mit Hotel, das vierte Empfangsgebäude. Mit dem Neubau zog die Mobilitätszentrale ein, welche von DB- und RSVG-Mitarbeiter gemeinsam betrieben wird. Es wurde am 15. Oktober 2019 in Betrieb genommen.

Hinweis
Die Geometrie zeigt das dritte Empfangsgebäude und den Fußgängertunnel.

(Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2020)

Internet
de.wikipedia.org: Troisdorf: Eisenbahnverkehr (abgerufen 04.01.2020)

Literatur

Land, Erich; Schulte, Helmut (1986)
125 Jahre Bahnhof Troisdorf 1861 - 1986. In: Troisdorfer Monographien 1, Troisdorf.

Empfangsgebäude des Bahnhofes Troisdorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Poststraße 64
Ort
53840 Troisdorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1861

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„Empfangsgebäude des Bahnhofes Troisdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-304409 (Abgerufen: 18. August 2022)
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