Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 in Maikammer

Landhandel Anton Ullrich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Maikammer
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 18′ 17,55″ N: 8° 07′ 48,4″ O / 49,30488°N: 8,13011°O
Koordinate UTM 32.436.763,80 m: 5.461.712,23 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.436.813,96 m: 5.463.457,93 m
  • Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 Maikammer (2020)

    Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 Maikammer (2020)

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    Ortsgemeinde Maikammer
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    Michael Wendler
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  • Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 Maikammer (1941)

    Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 Maikammer (1941)

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    Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)
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  • Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 Maikammer (2020)

    Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 Maikammer (2020)

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    Michael Wendler
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Das Anwesen in der St. Martiner Straße 6 in Maikammer ist heute ein Wohnhaus und ist dem Baustil der Renaissance zuzuordnen. Im 19. Jahrhundert befand sich dort der Landhandel der Fima Ullrich.

Baubeschreibung
Das Ladenlokal in der Sankt-Martiner-Straße

Baubeschreibung
Das Haus wurde im frühen 17. Jahrhundert erbaut. Es handelt sich im Kern um ein Fachwerkhaus. Besonders prägend ist der nach vorne in den Straßenraum ragende Erker. Er steht auf einem sich nach oben verjüngenden Postament. Je ein Fenster nach Osten und Westen und zwei Fenster zur Straßenseite (Süden) gliedern den kleinen Anbau. An den Fensterlaibungen sind die Ablaufvoluten erkennbar. Es handelt sich um ein typisches Zierelement der Renaissance. Wir finden derartige Elemente auch in der Marktstraße 5 vor. Insofern unterscheidet sich dieser Gebäudeteil auch von den übrigen Fassadenelementen. Die Laibungen um die Fenster im Erdgeschoß und Obergeschoß sind jüngeren Datums. Die Dachreiter wurden bei der letzten Renovierung ergänzt. Lediglich die drei Kellerfenster zeigen noch die alten Gewände.

Über ein großes Eingangsportal mit der Jahreszahl 1662 gelangt man in einen vollständig umbauten Innenhof. Auffallend am Gebäude sind neben dem Erker die kleinen Fenster und das massive Walmdach. Das Anwesen wurde im 18. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts umgebaut und in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts grundlegend saniert.

Im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Südliche Weinstraße findet sich folgender Eintrag:„St. Martiner Straße 6 Walmdachbau, hofseitig tlw. Fachwerk, spätgotisches Portal bez. 1602, Torbogen bez. 1662“

Das Ladenlokal in der Sankt-Martiner-Straße
In eine Zeit voller Unwägbarkeiten und auch politischer Unruhen hinein gründet Anton Ullrich, der älteste Sohn Leonhard Ullrichs, 1851 sein Geschäft und lässt somit zwölf Jahre nach dem Tod des Vaters, den Landhandel der Ullrichs wiederaufleben.
Kurz zuvor hatten er und sein Bruder Franz geheiratet, zwei Schwestern: Anton ehelichte Margareta Schmitt (1829-1904) und Franz die jüngere Schwester Eva Katharina Schmitt (1831-1906). Der Standort des Unternehmens kann heute nicht mit genauer Sicherheit bestimmt werden. Die Familie Ullrich hatte zu dieser Zeit schon mehrere Häuser in Eigentum. Es ist aber anzunehmen, daß der erste Landhandel im Elternhaus, heute Hartmannstraße 5, etabliert war.

Das Anwesen Sankt-Martiner-Straße 6 gehört ab 1858 bis 1871 ebenfalls Anton Ullrich. Aus der zeitlichen Abfolge, die sich aus den Umschreibekatastern ergibt, ist anzunehmen, dass hier das Geschäft des Anton Ullrich ab 1858 zu finden ist. Ab 1869 sind die Gebrüder laut Umschreibekataster im Anwesen Hartmannstraße 7 nachzuweisen. Dort entsteht in den Folgejahren die erste Manufaktur für Maßstäbe, verzinnte Eisenwaren und Emaillegeschirr. Anton Ullrich versucht in den Jahren nach 1851 neben dem Handel auch ein weiteres Standbein in seinem Unternehmen auszubauen: die Fertigung von Maßstäben (Vorgänger bzw. frühe Form des Zollstocks). Schon 1855 erwirbt er auf der Pariser Weltausstellung eine „Teilmaschine zur Graduierung von Meßlatten“. Sicher hatte die Firma auch damals schon Gelenkmaßstäbe im Programm. Diese waren zwar schon seit Jahrhunderten bekannt, allerdings technisch nicht ausgereift.

Die gute Geschäftslage, aber auch der mangelnde Platz zur Erzeugung der Verkaufswaren muss Anton Ullrich bewogen haben, seinem Bruder Franz eine Teilhaberschaft am Unternehmen anzutragen. Vielleicht waren auch finanzielle Aspekte ausschlaggebend: Franz Ullrich war jahrelang erfolgreich bei einer Neustadter Privatbank tätig gewesen und dürfte sich in betriebswirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten bestens ausgekannt haben. 1858 tritt jedenfalls Franz Ullrich als Teilhaber in das Unternehmen ein.

Die Brüder erkennen recht schnell die Bedürfnisse am Markt: Man verlegt sich neben der Maßstabsfertigung auf die Fabrikation von Kuh- und Pferdestriegeln und allerlei Utensilien, die in landwirtschaftlichen Betrieben benötigt werden.
Ab dem Jahr 1868 widmet sich die Firma auch zunehmend der Fertigung von verzinntem Blechgeschirr, welches in den einfachen Haushalten teures Kupfer- und Messinggeschirr sowie Zinn und irdene Ware langsam verdrängt, hygienisch zu handhaben ist und zudem nicht teuer gehandelt wird. Mittlerweile hat man die Fabrikation in das Haus Ecke Habergasse/Hintergasse, heute Hartmannstraße 7 verlegt.
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In den 1870er Jahren scheinen die Gebrüder Ullrich auch die ersten Emaillierversuche gestartet zu haben. Durch neue Rezepturen in der Emailleherstellung und die Möglichkeit, außer gusseisernen Geschirren nun auch Blechgeschirre emaillieren zu können, bereitet sich wiederum ein neuer Markt für die Firma. Kurz darauf errichten sie die Emaillierwerke in den Dieterwiesen in Maikammer.


(Markus Hener und Matthias C.S. Dreyer, Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler), 2019)

Internet
www.club-sellemols.de: Die Fabrik der Gebrüder Franz und Anton Ullrich (abgerufen 11.11.2019)

Literatur

Berthold, Franz (1990)
Die Ullrich'schen Werke. Ein Beitrag zur Industriegeschichte der Pfalz. Annweiler.
Schäfer, Günter; Stöckl, Martina (2015)
Ortsfamilienbuch Maikammer-Alsterweiler. Band 1 und Band 2 (OFB 2015). Neustadt an der Weinstraße.

Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 in Maikammer

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Sankt Martiner Straße 6
Ort
67487 Maikammer
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1602

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Renaissanceanwesen St. Martiner Straße 6 in Maikammer”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-300111 (Abgerufen: 17. Mai 2021)
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