Burg Bellinghausen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Wiehl
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 7,13″ N: 7° 31′ 15,4″ O / 50,93531°N: 7,52094°O
Koordinate UTM 32.396.073,37 m: 5.643.673,22 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.396.106,52 m: 5.645.490,61 m
  • Nach Ausgrabungsbefunden rekonstruierter Grundriss der Burg Bellinghausen in Niederbellinghausen bei Wiehl

    Nach Ausgrabungsbefunden rekonstruierter Grundriss der Burg Bellinghausen in Niederbellinghausen bei Wiehl

    Copyright-Hinweis:
    Urheber unbekannt / Wikipedia.de (GNU-Lizenz)
    Fotograf/Urheber:
    Unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Archäologietour Oberberg 2019, Burg Bellinghausen, Infoblatt (PDF-Dokument)

    Archäologietour Oberberg 2019, Burg Bellinghausen, Infoblatt (PDF-Dokument)

    Copyright-Hinweis:
    LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
    Fotograf/Urheber:
    Elisabeth Freund
    Medientyp:
    Dokument
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Östlich des Ortes Niederbellinghausen liegen in einem Waldstück die Überreste einer Burg, bei welcher es sich sehr wahrscheinlich um die Stammburg des Rittergeschlechtes derer von Bellinghausen handelt.

Historische Grundlagen
Archäologische Untersuchungen
Hinweise, Literatur

Bereits 1929 fanden hier durch Hermann Conrad archäologische Ausgrabungen statt. Er bezeichnete die Anlage als Wasserburg, ein Bautyp, der an dieser Stelle nicht erwartet wird. Die Lage in einer sumpfigen Umgebung durch den von Grund- und Stauwasser geprägten Boden sowie die kleine und typisch regelmäßige Anlage der Burg mit den Ecktürmen und Vortürmen sprechen jedoch für diese Interpretation. Im 17. Jahrhundert werden Bauarbeiten zur Instandsetzung des Weihers berichtet. Jedoch handelt es sich bei dem heutigen Areal um ein wieder aufgeforstetes Gebiet, wodurch der Untergrund nun fester und stabiler ist. Von ehemaligen Wassergräben ist daher heute nichts mehr zu erkennen. Historisch belegt ist aber ein Weiher, gespeist vom Bechbach, der das Gebiet noch heute durchquert.
nach oben
Historische Grundlagen
Die erste Erwähnung des Namens des Adelsgeschlechtes geht auf Adolf von Bellinghausen (gestorben 1462) zurück. Das Wappen von Bellinghausen ist ein roter Maueranker auf silbernem Grund.
Adolf von Bellinghausens Nachkommen zählten zu den Burgleuten zu (Berg-)Neustadt, welche vornehmlich in märkischen Diensten anzutreffen waren. Adolf von Bellinghausen war Großvater des Dr. Peter von Oedinghoven Bellinghausen, der „Hof und Gut“ Bellinghausen 1546 an Wilhelm Quad zu Isengarten, den saynischen Amtmann zu Homburg verkaufte. Dies ist die urkundlich belegte erste Erwähnung der Burg Bellinghausen. Die Burganlage wurde zum Zeitpunkt des Verkaufs nur noch als Pachthof genutzt. Nach der Erbfolge erlangte Enkel Johann Quad von Isengarten zu Bellinghausen 1565 die Rechte am Haus Bellinghausen und den zugehörigen Höfen und trat in die Dienste der Mitregenten der Herrschaft Homburg, des Grafen Ludwig von Sayn-Wittgenstein. Johann Quad von Isengarten zu Bellinghausen führte 1581 Bauarbeiten am Familiensitz durch, welches die letzten aufgezeichneten baulichen Veränderungen am Burggebäude sein dürften. 1616 übersiedelte er mit seiner Frau nach Köln und übergab das Burghaus an einen Pächter. Im Jahr 1617 trug er dem Grafen von Sayn in Hachenburg das Haus Bellinghausen zu Lehen auf.
1620 überließ Johann das Haus Bellinghausen seinem Sohn Eustach. Dessen Erben verkauften das mittlerweile in zwei Hälften geteilte und hochverschuldete Gut zwischen 1668 und 1675 an die gräfliche Herrschaft zu Homburg. Diese investierte viel Geld in Reparaturen, unter anderem in die Wiederherstellung des Bellinghauser Weihers. Das Gut überließ man bäuerlichen Pächtern zur Bewirtschaftung. Der Ackerbau wurde später als unrentabel aufgegeben und man konzentrierte sich auf eine forstwirtschaftliche Nutzung. Über die Nutzung oder Zerstörung des Burggebäudes an sich ist nach den Bauarbeiten von 1581 nichts Genaues bekannt. In der folgenden Geschichte wird größtenteils nur noch die Nutzung des Pachthofes beschrieben, dessen Gebäude sich nordwestlich der Burganlage auf der anderen Seite der Mühlenstraße befanden, wo heute der Parkplatz des Friedhofes Steinacker liegt. Die Wirtschaftsgebäude dienten noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Försterwohnungen. Das Burghaus war zu diesem Zeitpunkt schon gänzlich untergegangen und ist auf der Tranchotkarte von 1817/1818 und der Preußischen Uraufnahme von 1832 nicht mehr eingetragen.
nach oben

Archäologische Untersuchungen
Entdeckt wurden die Grundmauern 1929 bei der Suche der Gemeinde Bielstein nach Wasserquellen im sumpfigen Gebiet. Es folgten erstmals archäologische Ausgrabungen durch das Museum des Oberbergischen Landes, nach welchen ein Grundriss erstellt wurde. Die Ergebnisse der Ausgrabungen sind damals im Schloss Homburg aufbewahrt worden, diese sind heute jedoch nicht mehr aufzufinden. Die originalen Unterlagen zu den Altgrabungen sind leider verloren gegangen und nur noch durch Überlieferungen und das Engagement des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Oberberg in Einzelheiten bekannt.
Der damalige Ausgräber Hermann Conrad, ein Nümbrechter Heimatforscher, legte die Grundmauern der Burg frei. Nach Conrads Aufzeichnungen maß das Hauptgebäude bzw. die Hauptburg 16 mal 20 Meter und war von drei Rundtürmen mit jeweils 6,30 Metern Durchmesser flankiert. Die Mauerstärke betrug 1,60 Meter.
An der Ostseite legte man ein Torhaus von 5 Meter mal 2 Meter mit zwei Tortürmen frei. Die Mauerstärke des Vorbaus betrug 0,80 Meter. Die Funktion winkeliger Mauerreste im Südteil der Burg blieb ungeklärt.
Des Weiteren ist eine zweiteilige, als Vorburg angesprochene Bebauung beschrieben. Im nördlichen Gebäude lagen Burgschmiede und Stallungen, während der südliche Bau zu Wohnzwecken diente und einen geräumigen Keller besaß, dessen Zugang durch die schweren Türangeln der Keilertür im Gemäuer von außen noch gut erkennbar war. Eine mögliche Brunnenanlage wurden ebenfalls entdeckt, deren Überreste jedoch nicht freigelegt.
Hauptburg und Vorburg waren durch Umfassungsmauern geschützt. Diese verläuft in der Rekonstruktion von der nordöstlichen Ecke des Wirtschaftshofes schräg nach Südsüdwesten, umschließt in einer leichten U-Form nach Westen hin die beschriebene Innenbebauung der Vorburg mit einem Durchlass im westlichen Bereich und umfährt dann in einem sanften Bogen nach Nordwesten die inneren Strukturen. Kurz vor Ende der westlichen Flucht der Burg bricht die Umwehrung ab. In der Rekonstruktion ist eine geradlinige Fortsetzung der Umwehrung zu finden, welche nach Osten gegen die westliche Burgwand läuft.
Auf der östlichen Seite der Burg sind wiederum geradlinige Konstruktionen mit einem Verlauf nach Osten und gegen die beschriebene Umwehrung zu finden, jedoch erscheinen diese mehr als modernere Störungen und nicht unbedingt zur Anlage zugehörig.
Zusätzlich liegt ein Wirtschaftshof außerhalb der Umwehrung, welcher bis Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten blieb. Dieser ist zuletzt als Pachthof der Familie Breidenbach bekannt. Hierbei handelt es sich um ein rechteckiges Gebäude von etwa 10 Metern Breite und 50 Metern Länge.
Bei den Ausgrabungen der Burganlage fanden sich zahlreiche Eisenteile (Waffen, Ketten, Schlösser) und große Mengen Scherben. In den Mauern fanden sich Knochen und Zähne von Ebern und Hirschen eingeschlossen, welche als mögliche Bauopfer gedeutet wurden. Glas konnte nicht festgestellt werden, weshalb nicht von verglasten Fenstern ausgegangen wird. Nach den Scherbenfunden wohl Siegburger Keramik wurde von Hermann Conrad auf eine Besiedlungszeit von 1250 bis Anfang des 16. Jahrhunderts geschlossen.
Ebenso wurden verbrannte Eichenbohlen dokumentiert, die auf eine mögliche Zerstörung hindeuten.
nach oben

Mitarbeiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland werteten 2019 die Daten eines digitalen Geländemodells aus. Danach ließen sich die Ergebnisse der Ausgrabung und deren Interprationen bezüglich des Grundrisses und der Dimensionierung bestätigen. Sowohl Reste der Grundmauern der Gebäude als auch Teile der Umwehrung sind noch im Boden vorhanden.
In Bezug auf die Umwehrung lässt sich die obige Beschreibung ergänzen: Sie beschreibt im südlichen Teil um die Burganlage die im Plan vorgegebene Form. Im nordöstlichen Teil, in dem sie noch am deutlichsten ausgeprägt erhalten ist, besitzt sie eine Breite von 8-10 Metern und hält diese auch im weiteren südlichen Verlauf. Der Verlauf im Osten von Norden nach Süden ist etwa 68 Meter lang. Der U-förmige Abschwenk hat eine Breite von 30 Metern und der Rückschwenk nach Norden etwa 25 Meter. Im bogenförmigen Verlauf nach Nordwesten ist der Wall im Gelände nur noch schwach zu erkennen und hebt sich nicht mehr so stark wie im östlichen Verlauf vom Gelände ab.
Die geradlinige Konstruktion, welche in der Rekonstruktion gegen die Burgmauer verläuft, scheint im digitalen Geländemodell die Burg zu durchlaufen bzw. ihre Konstruktion zu überprägen. Der geradlinige rekonstruierte Teil im Nordosten der Anlage, ließ sich im digitalen Geländemodell nicht bestätigen.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2019)

Hinweise
Burg Bellinghausen ist eingetragenes Bodendenkmal (Gemeinde Wiehl, lfd. Nr. 9; LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, lfd. Nr. GM 150) und war Station der Archäologietour Oberberg 2019 (siehe Infoblatt in der Medienleiste).
nach oben

Literatur

Brendler, A. (2008)
Burgen, Schlösser, Adelssitze. Eine Entdeckungsreise zu den historischen Zentren der Macht im Oberbergischen Land. S. 24-25, Wiehl.
Conrad, G. (2000)
Verschwundene Siedlungen im Homburger Land. In: Beiträge zur Oberbergischen Geschichte 7, S. 49-59. o. O.
Dresbach, D.; Licht, F. (2004)
Die Geschichte der Burgen Bellinghausen und Börnhausen. In: Börnhausen und seine Nachbarorte. Die Geschichte des Bechtales. Burgen - Dörfer und Gehöfte an einer uralten Höhen- und Fernstraße, S. 71-76. Wiehl.
Maurer, P. (1931)
Die Stammburg des Rittergeschlechts von Bellinghausen. In: Die Heimat. Halbmontagsbeilage zum Solinger Tageblatt 7, Nr. 21, S. 83-84. Solingen.
Söhn, H.-J. (1992)
Streiflichter zur Geschichte des Burghauses Bellinghausen. In: Gemeinnütziger Verein Elsenroth (Hrsg.), Elsenroth: Ein Homburger Weiler seit 1341, S. 17-19. Wiehl.

Burg Bellinghausen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mühlner Straße
Ort
51674 Wiehl - Niederbellinghausen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 1300 bis 1400

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC-BY-SA (Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Burg Bellinghausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-297037 (Abgerufen: 2. März 2021)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang