Piesporter Moselbogen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Minheim , Neumagen-Dhron , Piesport
Kreis(e): Bernkastel-Wittlich
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 53′ 10,33″ N: 6° 54′ 58,62″ O / 49,8862°N: 6,91628°O
Koordinate UTM 32.350.319,59 m: 5.528.060,14 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.565.892,40 m: 5.528.154,06 m
  • Blick von der Mosel auf den Piesporter Moselbogen (2011)

    Blick von der Mosel auf den Piesporter Moselbogen (2011)

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  • Blick auf den Piesporter Moselbogen (2012)

    Blick auf den Piesporter Moselbogen (2012)

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  • Kohllauch in den Steillagen des Piesporter Moselbogen (2018)

    Kohllauch in den Steillagen des Piesporter Moselbogen (2018)

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  • Blutweiderich im Bereich des Piesporter Moselbogen (2018)

    Blutweiderich im Bereich des Piesporter Moselbogen (2018)

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  • Weinberg in der Steillage am Piesporter Moselbogen mit Blick auf die Mosel (2015)

    Weinberg in der Steillage am Piesporter Moselbogen mit Blick auf die Mosel (2015)

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  • Färberwaid an den Felspartien am Piesporter Moselbogen (2018)

    Färberwaid an den Felspartien am Piesporter Moselbogen (2018)

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  • Alte Rebstöcke in den Weinbergen am Piesporter Moselbogen (2015)

    Alte Rebstöcke in den Weinbergen am Piesporter Moselbogen (2015)

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  • Mit Trauben behangene Rebstöcke am Piesporter Moselbogen (2007)

    Mit Trauben behangene Rebstöcke am Piesporter Moselbogen (2007)

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  • Hirschkäfer am Piesporter Moselbogen (2018)

    Hirschkäfer am Piesporter Moselbogen (2018)

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  • Reife Trauben an den Rebstöcken am Piesporter Moselbogen (2008)

    Reife Trauben an den Rebstöcken am Piesporter Moselbogen (2008)

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  • Reife Trauben an Rebstöcken am Piesporter Moselbogen (2003)

    Reife Trauben an Rebstöcken am Piesporter Moselbogen (2003)

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Der Piesporter Moselbogen erstreckt sich mit seinen fünf Kilometer Länge von Flusskilometer 145,5 bis Kilometer 151. Die Mosel macht hier einen Umweg von 3,5 Kilometern. Mit 432 Metern über NN ragt er zu einem der höchsten Moselberge empor. Die Hangneigung variiert von 40% bis 90%.
Von der Eifel über Klausen kommend bietet sich von der Piesporter Höhe ein atemberaubender Blick ins Moseltal, der bis hin zur höchsten Erhebung des Hunsrücks, dem Erbeskopf reicht. Die Häuser der Ortsteile Ferres und Alt-Piesport säumen den Südhang am Moselufer.
Der Piesporter Moselbogen wurde von der Initiative „Lebendige Moselweinberge“ des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel (DLR Mosel) als „Leuchtpunkt der Artenvielfalt“ ausgezeichnet.

Landschaftliche Besonderheit/Landschaftsbild
Von den vielen Mosel-Mäandern ist der Piesporter Moselbogen der einzige, der sich exakt nach Süden öffnet und sich gleich einem natürlichen Amphitheater präsentiert. Von seinen vielen Felspartien ist die „Moselloreley“ das markanteste Felsmassiv. Dieses Naturdenkmal bildet den nach Westen ausgerichteten Hangabschluss des Mäanders. Das steile, schwer zugängliche Felsmassiv reicht direkt ins Wasser der Mosel und bietet vielen Arten Schutz und Lebensraum. Nicht umsonst liegen die strukturierten Weinbergsareale im Flora-Fauna-Habitat Gebiet „Moselhänge und Nebentäler der unteren Mosel“ bzw. die Trockenwälder im Vogelschutzgebiet „Wälder zwischen Wittlich und Cochem“. Beide gehören zu den europäischen Natura 2000 – Schutzgebieten.

Neben den in den 1980er Jahren flurbereinigten Rebflächen sind noch rund 10 % kaum erschlossene Steilstlagen erhalten geblieben. Deren Bewirtschaftung erfolgt ausschließlich in Handarbeit mit langen Umtriebszeiten. So findet man hier noch über hundertjährige Rebstöcke. Ende der 1980er Jahre sicherten Weinbaufachleute des heutigen DLR Mosel und Piesporter Winzer alte Rieslingstöcke mit besonderen positiven Eigenschaften aus diesen Anlagen. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurden im Rahmen des „Piesporter Programms“ basierend auf diesen alten Reben mehrere neue Rieslingklone mit besonders hoher Traubenqualität selektioniert, die heute den Winzern zur Pflanzung zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt alter Rebsorten.

Entstehung/Geologie
Das Ausgangsgestein ist – für das Rheinische Schiefergebirge typisch – Tonschiefer, Quarzit sowie dessen Mischform. Diese Gesteine entstanden aus marinen Sedimenten, die sich vor circa 390 Millionen Jahren abgelagert haben, in einem warmen, flachen Devonmeer auf der Höhe des Äquators. Je nach Ausgangsmaterial und Strömungsverhältnissen in diesem Flachmeer lagerten sich überwiegend Ton oder Sand ab.
Im steilen Westhang des Moselbogens herrscht im Gegensatz zum Südhang ein höherer Steinanteil und härterer Grauschiefer vor. Viele Felspartien sind mit Quarzadern durchzogen. Eine Besonderheit ist in dem Bereich oberhalb des Ortsteils Ferres. Hier trifft man auf vorwiegend blau-grauen Schiefer mit dunkelroten Einlagen zwischen den Schichten. An einer Stelle befindet sich dort in einem Fels ein durchlaufender Spalt der mit rotliegendem Rhyolith gefüllt ist. Dieses vulkanische Gestein wurde vor mehr als 250 Millionen Jahren im Zeitalter des Perm gebildet und über den Schieferschichten abgelagert. Danach kam es durch tektonische Vorgänge zur Bildung von Spalten und feinen Rissen im Schiefer, in diese dann das rotliegende Material eingespült wurde.
Im Südhang überwiegt ein tiefgründiger, feinerdereicher Boden aus Tonschiefer mit ausgezeichneter Wasserhaltekraft. Diese in den Weinbergslagen der Mosel kaum vorkommende Bodenqualität gibt den Weinen des Piesporter Goldtröpfchens seinen besonderen Charakter. Die rötlich eingefärbten Schieferböden des Osthanges zeigen ebenfalls einen hohen Feinerdeanteil auf. Nach der digitalen Weinbergsbodenkarte handelt es sich im Bereich des Leuchtpunktes vom Bodentyp her um einen Rigosol-Regosol aus Schuttlehm (Schiefer/Devon) über anstehendem Schiefer (Devon).

Klima
Milde Winde aus Süden und Südwesten können ungehindert in diesen Bereich einströmen. Über den Hängen des Piesporter Moselbogens liegt ein breites bewaldetes Band, das die ca. 150 Hektar umfassenden Steillagen vor Kaltluft aus der nördlichen Eifel schützt und zugleich als Wasserreservoir dient. Auch die bis zu 200 Meter breite Mosel im Oberstau der Wintricher Staustufe gewährt ein optimales, ausgeglichenes Klima für die Reben. Diese positiven klimatischen Eigenschaften erkannten bereits die Römer und betrieben hier schon ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. Weinbau.
Der Piesporter Moselbogen bietet aufgrund seiner Ausrichtung nach West, Süd und Ost unterschiedliche Temperatur- und Sonneneinstrahlungsbereiche. Es gibt südexponierte Hangflächen, die sehr trocken sind, bis hin zu schattigen und feuchten Schluchten im Osthang.

Flora
Die Übergänge der Rebkulturen zum Wald als auch zum Uferbereich sind sehr artenreich. An den trockenwarmen Standorten der Felspartien finden sich seltene und bedrohte Arten. Der Band „Flora der Region Trier“ zeichnet mit 805 Arten das Areal der Topographischen Karte 1:25.000 (TK25), Blatt 6107, in dem sich der Piesporter Moselbogen befindet, als eines der artenreichsten der Region aus. Hier lassen sich auf engstem Raum eine Vielzahl an Pflanzen finden. Allein in einem kleineren Randbereich zur Moselloreley sind in kurzer Zeit mehr als 170 Pflanzenarten erfasst worden.
Neben der Vielzahl der natürlich vorkommenden Wildkräuter, -blumen und Gräsern werden zunehmend in den Weinbergen spezielle Begrünungsmischungen ausgesät. Diese fördern die Pflanzen- und Blütenvielfalt, erhöhen die Vielfalt im Agroökosystem Weinberg und steigern so die Attraktivität der Weinbaukulturlandschaft.

Fauna
Der Teilbereich des hier ausgewiesenen Vogelschutzgebiets weist eine herausragende Bedeutung für die Vogelwelt auf. Hier nisten zahlreiche Vertreter der Greifvögel, zum Beispiel Wanderfalke, Schwarz-Milan, Wespenbussard, Mäusebussard und Turmfalke. Oberhalb des Ortsteils Ferres reihen sich unterschiedlich große Felspartien aneinander und gestalten einen abwechslungsreichen Lebensraum. Der Gewannename Falkenberg gibt schon Auskunft wer hier sein Revier hat. Neben der größten Eule, dem Uhu, ist hier auch einer der kleinsten Vögel Europas, das Wintergoldhähnchen, anzutreffen. Die Zippammer, Leitart intakter Weinbergslandschaften, hat hier mehrere Brutgebiete in den strukturierten Felsregionen.
Darüber hinaus befindet sich am Fuße der Moselloreley eine Kolonie von Kormoranen. Diese können ganzjährig bei der Fischjagd auf der Mosel beobachtet werden. Neben Graureihern sind Stockenten, Höckerschwäne und Nilgänse regelmäßig anzutreffen. In den Wintermonaten gesellen sich diverse Wasservögel aus nördlichen Gebieten dazu, die das milde Klima der Mosel zur Überwinterung nutzen.
Aufgrund der artenreichen Flora haben viele Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten einen bevorzugten Lebensraum in diesem Moselbogen. Neben den regionaltypischen Reptilien wie Mauereidechse und Schlingnatter ist aber auch an den eher feuchten Stellen die Ringelnatter anzutreffen, wie auch der Feuersalamander. Die Fledermausart Großes Mausohr hat ihr Winterquartier in den Stollen der Moselloreley und eine Wochenstube im Brückenkopf der ehemaligen Müsterer Brücke.

Wein, Kultur, historische Bauten
Mit 414 Hektar Weinbaufläche ist Piesport die größte weinbautreibende Gemeinde der Mosel und stellt auch die Keimzelle des Rieslings dar. Lange Zeit galt „Piesporter“ als Synonym für Riesling. In der größten Südlage der Mosel liegt auch die bedeutende Weinlage „Piesporter Goldtröpfchen“. Deren Weine werden im britischen Königshaus geschätzt und auch literarisch bei Thomas Mann sowie bei Flemming in Goldfinger erwähnt. Mit der Lage „Kreuzwingert“ beherbergt der Piesporter Moselbogen auch die kleinste Einzellage Deutschlands.

(Theo Haart, Elmar Kohl und Carsten Neß, aus www.lebendige-moselweinberge.de, 2018/19)

Internet
lebendige-moselweinberge.de: Leuchtpunkte der Artenvielfalt (abgerufen 16.05.2019)

Piesporter Moselbogen

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Ort
54498 Piesport
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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„Piesporter Moselbogen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-292707 (Abgerufen: 4. Juni 2020)
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