Motodrom Gelsenkirchen

Almaring, Motodrom Gelsenkirchen, RAG Speedway Motodrom, Autospeedway

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Gelsenkirchen
Kreis(e): Gelsenkirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 30′ 34,16″ N: 7° 07′ 43,6″ O / 51,50949°N: 7,12878°O
Koordinate UTM 32.370.145,55 m: 5.708.144,53 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.578.408,50 m: 5.708.933,05 m
  • Luftaufnahme des "Almaring" genannten Motodroms in Gelsenkirchen-Ückendorf in südliche Blickrichtung (um 1981).

    Luftaufnahme des "Almaring" genannten Motodroms in Gelsenkirchen-Ückendorf in südliche Blickrichtung (um 1981).

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  • Blick auf die frühere Automobilrennstrecke Motodrom Gelsenkirchen oder "Almaring" (2011).

    Blick auf die frühere Automobilrennstrecke Motodrom Gelsenkirchen oder "Almaring" (2011).

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Das Motodrom Gelsenkirchen war eine Autorennstrecke im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf. Da der zwischen 1968 und 1984 betriebene Rennkurs auf dem Brachgelände der früheren Kokerei Alma angelegt war, wurde er oft auch Almaring genannt.

Lage und Ursprung des Motodroms
Rennstrecke und Motorsport-Veranstaltungen
Stillegung und heutige Situation
Quellen, Internet

Lage und Ursprung des Motodroms
Die in der Nähe des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs gelegene Kokerei Alma wurde 1928 eröffnet und produzierte bis zu ihrer Schließung 1963 Brennstoff für Hochöfen (eine Kokerei erzeugt aus Kohle durch Destillation die Produkte Koks und Rohgas). Direkt nach der Stilllegung wurden die Alma-Betriebsanlagen mit Ausnahme des Verwaltungsgebäudes vollständig abgerissen, wodurch am Rand der Innenstadt ein großes Brachgelände entstand (autonatives.de).
1968/1969 wurde auf diesem Areal durch die RAG das Motodrom Gelsenkirchen angelegt. Die Abkürzung steht in diesem Falle ausnahmsweise einmal nicht für die Ruhrkohle AG, sondern für die 1966 gegründete Rheinländische Altwagen-Gemeinschaft (später Rheinländische Autorenn-Gemeinschaft) unter Führung des Rüttenscheider Autohändlers Anton „Tony“ Brenner. Das auch ‚Ecclestone des Reviers‘ genannte „Ruhrpott-Original mit Cowboyhut und Händen wie Eisenschaufeln (...) inszenierte auf dem brachliegenden Industriegelände sogenannte Altwagenrennen, die sich bald als Publikumsmagnet entpuppten. Zehn Mark Eintritt zahlten Besucher, Kinder die Hälfte.“ (Puthz 2020, S. 172)
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Rennstrecke und Motorsport-Veranstaltungen
Der lediglich 750 Meter lange und 7,5 Meter breite Rundkurs wurde 1969 zunächst für Motorrad-Rennen als Schotterpiste angelegt. Bevor das Motodrom 1977 asphaltiert wurde, hatte Anton Brenner den Belag auf der neuen Autobahn A 42 zwischen Essen und Bottrop-Süd bei einem Renntag im Frühsommer 1974 testen lassen (www.lokalkompass.de).
Nun wurden ausschließlich noch so genannte Altwagen- und später Autospeedway-Rennen in verschiedenen Fahrzeug- und Hubraumklassen durchgeführt. Das Startgeld betrug 30 DM und die Sieger erhielten Pokale und kleine dreistellige Preisgelder (Puthz 2020). Einem Plakat zufolge fanden die Veranstaltungen zeitweise „jeden 1. und 3. Sonntag im Monat“ statt (youtube.com, ZDF-Bericht).

Die Rennstrecke selbst war im Gegensatz zu den meisten Speedway-Strecken kein reines Oval, sondern eine ca. 20 Meter schmale Schleife mit einer engen Kurve an der Zufahrt zur Strecke im Osten und einer sehr engen Kurve im Westen, an der auch das Fahrerlager angelegt war (vgl. z.B. das Luftbild NRW 1988-1994 in der Kartenansicht). Eine Sprechertribüne befand sich an Start und Ziel mittig der nördlichen Geraden.
Die Fahrbahn war an ihren Rändern kaum begrenzt, ging fast nahtlos in die umgebenden Rasenflächen über und war einzig durch spärliche Leitplanken von den nur wenige Meter entfernt stehenden Zuschauern getrennt.

An den Start gingen ausschließlich Privatfahrer mit teils abenteuerlichen Eigenbau-Konstruktionen.
„Zu Beginn der 1980er Jahre gingen in acht verschiedenen Fahrzeugklassen pro Renntag durchschnittlich 150 bis 200 Teilnehmer an den Start, wovon jeweils etwa 30 bis 50 Fahrer aus dem benachbarten Ausland angereist waren.“ (de.wikipedia.org)
„Die Renntage lockten eineinhalb Jahrzehnte lang zuverlässig Teilnehmer und Zuschauer an. Teilweise kam es an den Kassenhäusern zu langen Schlangen. Gefahren wurde mit allem, was vier Räder hat. Neben den Kontaktklassen, wo harte Zweikämpfe auf der Strecke zum guten Ton gehörten, gab es auch Sprintrennen, wo die Teilnehmer den Lackaustausch in der Regel vermieden.“ (autonatives.de)
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Auf dem Videoportal YouTube finden sich inzwischen einige, zumeist charmant-amateurhafte Aufnahmen von Rennen am einstigen Epizentrum des Motorsports im Ruhrgebiet – an denen z.B. der Lokalmatador Berthold Baßfeld mit einem VW Käfer 1302 teilnahm, dessen Leistung von den serienmäßigen 44-50 PS mittels eines 2-Liter-BMW-Motors auf ca. 200 PS getunt worden war. Die Bilder vermitteln ein anschauliches Bild des „kleinen“ Ruhrpott-Rennsports (vgl. die Auswahl unter Internet):
Ein eher baufällig wirkendes turmartiges Starthäuschen befand sich an der nördlichen Geraden und im Innern des Kurses standen stets ein Krankenwagen und ein Feuerwehr-LKW einsatzbereit. Ein Streckensprecher kommentierte das Geschehen mit knarzender Stimme über eine offenbar überforderte Lautsprecheranlage. Auffallend aus der heutigen Perspektive mit einem vollends vermarkteten Motorsport ist, dass rund um das Renngeschehen kaum Werbung zu sehen ist. Je nach Kameraführung und Blickwinkel lassen sich bei einigen Rennen deutlich tausende Zuschauer entlang des Kurses ausmachen.
Ein roter Ford Mustang diente nicht nur als Sicherungsfahrzeug (Pace-Car oder Saftey-Car) – die Sieger drehten in dessen Kofferraum auch ihre Ehrenrunde, zu der ein eigens komponierter „Alma-Song“ aus den Lautsprechern dröhnte (Puthz 2020):

„Was ist Auto-Speedway ohne Tony Brenner R.A.G.?
Bei Auto-Speedway fühlen wir uns glücklich und okay!“

Rennwochenenden „auf Alma“ mit der ganzen Familie auf Campingstühlen, geschmierten Butterstullen und Pilsken aus der Pulle gehörten über gut 15 Jahre zur Alltagskultur vieler Menschen im Pott.
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Stillegung und heutige Situation
Zu Beginn der 1980er Jahre häuften sich Beschwerden von Anwohnern wegen des massiven Lärms. 1984 wurde die Rennstrecke stillgelegt – betrachtet man die historischen Aufnahmen, dürften dafür wohl auch weitere sicherheits- und umweltrelevante Gründe ausschlaggebend gewesen sein.
Im Laufe der Zeit wucherte das unmittelbar südlich der Gleisanlagen gelegene Gelände zu und ist inzwischen weitgehend bewaldet. Als Relikte der früheren Motorsportanlage, die heute nur noch zu Fuß zugänglich ist, sind Teile der Asphaltdecke und der Leitplanken noch vorhanden.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019/2020)

Quelle
Martin Puthz: „Zurück auf dem Almaring“, in: Auto-Bild Klassik, Nr. 4/2020, S. 170-177.

Internet
autonatives.de: Almaring Gelsenkirchen – das Motodrom im Pott (abgerufen 06.05.2019)
www.dubtown.de: Motodrom Gelsenkirchen (abgerufen 06.05.2019)
www.gelsenkirchener-geschichten.de: Almaring / Motodrom Gelsenkirchen (abgerufen 08.04.2019)
www.lokalkompass.de: Geschichten aus dem Pott: Mit der Quickley zum Pütt (Lokalkompass vom 23.12.2014, abgerufen 20.03.2020)
de.wikipedia.org: Motodrom Gelsenkirchen (abgerufen 06.05.2019)
youtube.com: Undatierter ZDF-Bericht, vermutlich Anfang 1980er Jahre, von Josef „Sepp“ Ortmeier zum Autospeedway Gelsenkirchen (abgerufen 11.03.2020)
youtube.com: Onboard Fahrszenen Motodrom Gelsenkirchen 1981 (abgerufen 12.03.2020)
youtube.com: Autospeedway Gelsenkirchen 1982 (abgerufen 11.03.2020)
youtube.com: Autospeedway Gelsenkirchen 1983 (abgerufen 11.03.2020)
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Motodrom Gelsenkirchen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Almastraße
Ort
45886 Gelsenkirchen - Ückendorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1968 bis 1969, Ende 1984

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Motodrom Gelsenkirchen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290485 (Abgerufen: 5. Juli 2020)
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