Alter Schmelzwoog am Legelbach

Alte Schmelzklause

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde, Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Elmstein
Kreis(e): Bad Dürkheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 21′ 34,29″ N: 7° 55′ 27,72″ O / 49,35952°N: 7,92437°O
Koordinate UTM 32.421.894,06 m: 5.467.980,00 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.421.938,27 m: 5.469.728,12 m
  • Alter Schmelzwoog am Legelbach (2018)

    Alter Schmelzwoog am Legelbach (2018)

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  • Absperrbauwerk und Kanal am Alten Schmelzwoog am Legelbach (2018)

    Absperrbauwerk und Kanal am Alten Schmelzwoog am Legelbach (2018)

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  • Absperrbauwerk und Woog am Alten Schmelzwoog am Legelbach (2018)

    Absperrbauwerk und Woog am Alten Schmelzwoog am Legelbach (2018)

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  • Ritterstein Nr. 95 "Alte Schmelz" am Legelbach bei Elmstein (2018)

    Ritterstein Nr. 95 "Alte Schmelz" am Legelbach bei Elmstein (2018)

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  • Mündung des Legelbachs in den Speyerbach am Alten Schmelzwoog am Legelbach (2018)

    Mündung des Legelbachs in den Speyerbach am Alten Schmelzwoog am Legelbach (2018)

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Der Alte Schmelzwoog bildet in der Abfolge der Triftwooge am Legelbach den in Fließrichtung letzten bzw. untersten Woog. Gleichzeitig handelt es sich bei dem im Jahr 1857 gebauten Triftwoog um das zuletzt gebaute Triftbauwerk am Legelbach und auch im gesamten Pfälzerwald. Die Namensgebung verweist auf eine frühere Eisenschmelze, die in Sichtweite des Wooges stand und die unmittelbar vor dem Bau des Wooges abgerissen wurde.

Unter allen Woogen entlang des Legelbaches ist der Alte Schmelzwoog der einzige, der baulich durch einen Umleitungsgraben für die getrifteten Holzscheite ergänzt wurde. Der Woog diente demnach nur dem Wasserstau. Der Standort des vollgefüllten Wooges befindet sich in Sichtweite von der Mündung des Legelbaches in den Speyerbach. Gleichzeitig trifft die Landesstraße L 504, die parallel zum Legelbach verläuft, auf die Landesstraße L 499 im Speyerbachtal, die Elmstein mit Johanniskreuz verbindet.

Prägnante Merkmale des Wooges sind der Umleitungsgraben für die getrifteten Holzscheite und die „klassische“ Bauweise und der Erhaltungszustand des Absperr- und Auslaufbauwerkes. Der Umleitungsgraben sorgte einst während der Holztrift dafür, dass die Holzscheite am Woog vorbei getriftet werden konnten. Der Woog übernahm hier nur die Funktion, aufgestautes Wasser während der Trift abzulassen. Der Umleitungsgraben ist über die gesamte Länge des Wooges erhalten geblieben. Nachträglich wurde eine Holzbohlenschließe angebracht.

Das markante Absperr- und Auslaufbauwerk wurde aus mächtigen rechteckigen Sandsteinquadern errichtet und zusätzlich mit einem abgeschrägten Sockel versehen. Der wasserstauende und ablassende Mechanismus ist nur noch ansatzweise erhalten und erkennbar geblieben. Auf der Oberseite des Sandsteinbauwerkes weisen kurze Gewindestangen-Relikte auf die Hebe- und Senkfunktion der wasserstauenden Holzbohlen hin. Der Grundablass ist nur von der Woogseite sichtbar. Der wasserstandsregulierende Mönch weist aufgrund der Betonbauweise auf eine nachträgliche bauliche Veränderung hin. Der Auslauf des Grundablass ist weitgehend verdeckt bzw. überbaut vom heutigen Parkplatz, in dessen Bereich sich wiederum vor dem Bau des Wooges die Eisenschmelze befand.

Der Alte Schmelzwoog war einst Teil der Holztrift am Legelbach. Erbaut wurde er 1857. Die Holztrift im Pfälzerwald wurde bis ins späte 19. Jahrhundert betrieben. Der Legelbach besteht aus einem Hauptfließgewässer, das wahlweise als Legelbach oder Großer Legelbach bezeichnet wird, und aus dem einzigen nennenswerten Zufluss, dem Kleinen Legelbach. Der rund vier Kilometer lange Legelbach zählt zum Einzugsgebiet des Speyerbachs im mittleren Pfälzerwald. Die Länge des Kleinen Legelbachs beträgt rund einen Kilometer. Die Mündung des Legelbaches in den Speyerbach befindet sich rund 500 Meter westlich des Ortsrandes der Gemeinde Elmstein.

Funktion
Die Funktion des Alten Schmelzwooges im System der Holztrift war die eines Sammelwooges mit Umleitungsgraben. Wesentliches Kennzeichen des Sammelwooges war der Aufstau von möglichst großen Mengen von Wasser. Der Sammelwoog hatte ausschließlich die Funktion des Wasserstaus und der Wasserabgabe während der Holztriftereignisse. Entsprechend musste das Auslaufbauwerk dimensioniert werden. Die gesamte Holzfracht wurde durch den Umleitungsgraben am Woog vorbei getriftet.

Umgebung des Wooges
Unterhalb des Wooges befindet sich gegenwärtig ein großer Wanderparkplatz. In Sichtweite münden zwei Landesstraßen ineinander, aus dem Legelbachtal und von Johanniskreuz kommend, um Richtung Elmstein zu führen. Desweiteren mündet unweit des Parkplatzes und der Straßenkreuzung der Legelbach in den Speyerbach.

Der Standort des Parkplatzes weist in seinen früheren Nutzungen Bezüge nicht nur zur Holztrift auf, sondern auch zum Bergbau. Am Südrand des Parkplatzes, an der Straßen-zugewandten Seite einer Heckenpflanzung, steht ein Ritterstein. Streng genommen stehen dort sogar zwei Rittersteine mit den Nummern 95 und 96, jedoch nur ein Sandsteinfindling. Es handelt sich um den einzigen der über 300 Rittersteine im Pfälzerwald, der aus einem einzigen Sandsteinfindling besteht sowie zwei voneinander unabhängige Inschriften und Nummerierungen trägt. Die Inschrift „Alte Schmelz“ auf der Ostseite des Sandsteinfindlings wird nach Eitelmann (Eitelmann 2005) als Ritterstein Nr. 95 geführt. Die südliche Seite des Findlings trägt die Inschrift „Ins Legeltal“ und wird nach Eitelmann als Ritterstein Nr. 96 gelistet. Ergänzt wird die Inschrift „Ins Legeltal“ durch einen Pfeil, der nach links zum Legelbachtal zeigt. Die Inschrift lässt sich somit als „Orientierungspunkt“ nach der Eitelmann’schen Kategorisierung der Rittersteine einordnen.

Die Inschrift „Alte Schmelz“ zählt dagegen zu den Rittersteinen der Kategorie „historische Industrien“. Im Zuge des Eisenerzbergbaus in Elmstein entstand am heutigen Standort des Wanderparkplatzes im Jahr 1783 eine Eisenschmelze. Das an mehreren Stellen nahe Elmstein abgebaute Eisenerz wurde in der Schmelze zu Eisen verhüttet. Unter anderem wurde Erz im Erlenbachtal nahe Speyerbrunn abgebaut (siehe Ritterstein Nr. 94). Bereits in den späten 1790er Jahren wurden der Abbau und der Schmelzbetrieb wieder eingestellt (Walling 2005, Seite 63 f.). Eitelmann nennt dagegen einen bis ca. 1829 dauernden Betrieb der Schmelze. Das Jahr 1855 gilt als Abrisszeitpunkt der Schmelze (Eitelmann 2005, Seite 80 f.). Dies wiederum legt einen Zusammenhang zum 1857 errichteten Triftwoog nahe. Um die Schmelze betreiben zu können, existierte bereits ein Schmelzweiher. Damit der Schmelzweiher zum Triftwoog umgestaltet werden konnte, musste die Entwässerung geändert werden, statt durch die Schmelze führend, fortan mit einem Grundablass des Wooges und einem abgetrennten Umleitungsgraben.

Der nur wenige Meter vom heutigen Wanderparkplatz bzw. von der ehemaligen Eisenschmelze entfernte Zusammenfluss von Legelbach und Speyerbach ist unter Triftgesichtspunkten sehenswert, da dort der der begradigte Triftkanal weitgehend vegetationsfrei ist. Der Betrachter erhält einen lebendigen Eindruck vom baulichen Abschluss der Holztrift am Legelbach.


(Matthias C.S. Dreyer, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2018)

Literatur

Albrecht, Karl-Heinz / Landkreis Pirmasens (Hrsg.) (1983)
Die südpfälzische Holztrift und ihr Ende vor 100 Jahren. (Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1983.) S. 53-56. Rengsdorf (Westerwald).
Eitelmann, Walter; Kimmel, Ernst (2005)
Rittersteine im Pfälzerwald. Eine steinerne Geschichtsschreibung, 5. (leicht überarbeitete) Auflage mit Wandervorschlägen. S. 422. Neustadt an der Weinstraße.
Generaldirektion Kulturelles Erbe (Hrsg.) (2017)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Dürkheim (Denkmalverzeichnis Kreis Bad Dürkheim, 26.09.2017). S. 33, Mainz. Online verfügbar: denkmalliste.gdke-rlp.de Bad Dürkheim, abgerufen am 26.09.2017
Koehler, G. (2010)
Konzept zur ökologischen Bewertung und Entwicklung der Wooge im Biosphärenreservat Pfälzerwald. (Reihe der Berichte des Fachgebietes Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU Kaiserslautern (Bericht 20).) o. O.
Walling, Hans / Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2005)
Der Erzbergbau in der Pfalz von seinen Anfängen bis zu seinem Ende. Mainz.

Alter Schmelzwoog am Legelbach

Schlagwörter
Ort
67471 Elmstein
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde, Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Bauaufnahme, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1857, Ende 1906

Empfohlene Zitierweise

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„Alter Schmelzwoog am Legelbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290149 (Abgerufen: 4. Juni 2020)
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