Burgruine Frankenburg auf dem Frankenberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Weyher in der Pfalz
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 16′ 35,78″ N: 8° 02′ 18,78″ O 49,2766°N: 8,03855°O
Koordinate UTM 32.430.067,82 m: 5.458.650,00 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.430.115,32 m: 5.460.394,45 m
  • Treppe zur Oberburg

    Treppe zur Oberburg

    Fotograf/Urheber:
    Jürgen Keddigkeit
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  • Buckelquader an der Südwestecke

    Buckelquader an der Südwestecke

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    Jürgen Keddigkeit
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  • Grundriss

    Grundriss

    Fotograf/Urheber:
    Jochen Braselmann
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Die hochgelegene Frankenburg befindet sich unweit südöstlich des Gipfels des Frankenbergs (556 Meter) auf und um den Frankenfelsen (545 Meter). Die frei zugängliche Ruine der Frankenburg ist vom Parkplatz „Sieben Quellen“ im Modenbachtal lediglich auf nicht ausgeschildertem Fußpfad erreichbar.

Baubeschreibung
Geschichte

Baubeschreibung
Die zweigeteilte Burganlage (Ober- und Unterburg) ist weitgehend abgegangen, bzw. liegt unter Trümmerschutt verborgen. Das überwachsene Areal hat eine Ausdehnung von ca. 45 Metern in der Länge und eine Breite von ca. 25 Metern.

Unterburg
Der Besucher erreicht auf dem ehemaligen, mit Hilfe einer Trockenmauer im Abhang gestützten Burgweg von Nordwesten die Frankenburg.
Die in Spornlage errichtete Burg schützten dort vom weiter ansteigenden Bergmassiv zwei aus dem Fels gehauene Gräben. Der vordere, aus dem anstehenden Fels geschrotete kleinere Einschnitt diente anfangs wohl als Steinbruch, dann der Sicherung des Hauptzugangswegs. Die Eintiefung überspannte ursprünglich eine Brücke. Von der Brückenkonstruktion zeugen auf der Burgseite heute nur noch drei Balkenauflager. Der Boden des Einschnitts teilt sich in zwei unterschiedlich hohe Niveaus. Ein höher liegender Bereich erstreckt sich auf der Südwestseite, ein tieferliegendes Areal (Wasserreservoir?) entlang der Bergseite.
Nun führt von dem vorgenannten Einschnitt ein aus dem Fels gehauener Weg entlang der nordwestlichen Bergkammseite zum zehn Meter breiten, langgestreckten eigentlichen Halsgraben. Er trennt die Burgstelle an der Hauptangriffsseite vom weiter ansteigenden Berg. Verstürzte Felsblöcke und Trümmerschutt – linear im Graben von Ost nach West verteilt - verbieten Aussagen über die ursprüngliche Grabentiefe.
Vor allem sind burgseitig entlang des Grabenverlaufs verstürzte Mauern sichtbar, wohl die Reste einer Schildmauer, die sowohl die Unter- als auch die Oberburg an der Hauptangriffsseite deckte. Die übrigen Seiten bedurften des stärkeren Schutzes nicht, da hier die Steilheit der Abhänge die Frankenburg ausreichend sicherte. Ein schwächerer Bering war ausreichend. Am Ostende ist der Anschluss dieser Ringmauer an die Schildmauer sichtbar. Der Hauptzugang wird allgemein, dem Zugangsweg entsprechend, auf der Ostseite vermutet.
Von der Unterburg, die das Oberburgareal u-förmig umschloss, sind kaum sichtbare Spuren einer mutmaßlichen Bebauung mit Wirtschaftsgebäuden nachzuweisen. Doch vermitteln - vor allem an der Südseite gut nachvollziehbar – die vorerwähnten Ringmauerreste der Unterburg einen Eindruck von der Größe des Areals. Von Bedeutung ist eine zweireihige, nur noch aus fünf Quadern (mit wenig ausgeprägten Buckeln) bestehende Mauer auf der abgeplatteten Felsnase an der Südostspitze der Burganlage. Jochen Braselmann vermutet hier ein kleines Wachhaus oder einen Wachtturm.
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Oberburg
Das Oberburgareal erstreckt sich auf dem und südlich des schmalen „Frankenfelsens“. Das etwa 20 Meter lange und fast 7 Meter breite Felsplateau des Hauptfelsens erschloss eine Treppe auf der Südwestseite. Bearbeitungsspuren im Umfeld des Aufgangs deuten auf an den Fels angelehnte Gebäude hin.
Auf dem Felsplateau ist unweit des vorgenannten Aufgangs ein aus dem Fels gehauener Treppenansatz sichtbar. Der nordwestliche obere Felsteil ist begradigt, vielleicht der Standort eines Gebäudes. Nach Ansicht vom Hans-Georg Meier-Stein könnte es sich um einen länglich-rechteckigen „Wohn- oder Wehrturm“, einem „Bergfried ähnlich“, gehandelt haben.
Hier befinden sich zwei Ritzzeichnungen in Form einer Zimmermannsaxt und eines Doppelwappens, über deren Alter und Zweck sich nichts Näheres aussagen lässt. An der Grabenseite ist eine ca. 1,50 - 2 Meter breite, unebene Felsstufe zu erkennen, wohl das Fundament der Schildmauer. Der Südteil des Felsplateaus wurde nach Ansicht von Jochen Braselmann „möglicherweise durch spätere Nutzung als Steinbruch zu seiner heutigen, unebenen Form verändert“.
Parallel zur Südwestseite des Hauptfelsens verläuft eine Mauer, die zusammen mit der Schildmauer einen rechteckigen Hof markiert. An dessen Südecke sind einige Eckbuckelquader mit ungleichmäßigem Randschlag im Mauerverbund erhalten.
Südöstlich des Hauptfelsens hatte ein größeres Gebäude (ca. 9,50 x 10 Meter) seinen Standort. Neben Mauerresten ist an der Nordwestseite des Gebäudes der untere Teil eines Türpfostens sichtbar.
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Geschichte
Die frühe Geschichte dieser kleinen Burg nördlich von Ramberg liegt mangels verwertbarer Schriftquellen völlig im Dunkeln. Letztlich sind der Gründungszeitpunkt, die Gründer und deren Motive vollkommen unbekannt. Auch fanden im Burgareal bisher keine Grabungen statt, so dass man bei der Altersbestimmung auf Beobachtungen im (kargen) Baubestand angewiesen ist. Die Buckelquaderverwendung sowie auf einen Zeitraum von 1150-1320 datierbare Keramikfunde lassen, so Jochen Braselmann, den Baubeginn in der zweiten Hälfte des 12. und die Auflassung spätestens Ende des 14. Jahrhundert möglich erscheinen.
Tatsächlich wird die Burg urkundlich lediglich drei Mal erwähnt. 1327 öffnete sie der damalige Burgbesitzer Ritter Jakob von Ruppertsberg im Zusammenhang mit einer Urfehde – der Grund hiefür ist unbekannt – gezwungenermaßen dem Landvogt im Elsass Graf Jofried von Leiningen-Hardenburg (1288?/1304-1344).
Die nächstüberlieferte Quelle, ein Edesheimer Sendweistum aus dem Jahr 1352, belegt einerseits die Gründung innerhalb der 3. Haingeraide (fundamentum est der heingereiden) und andererseits die Tatsache, dass die Burgherren ob des Standorts den Kirchen in Edesheim, Hainfeldt und Rhodt den Wachszehnten schuldig waren. Letzteres wiederum lässt den Schluss zu, dass die Wachslieferung der Burgherren als Gegenleistung für die Bauerlaubnis zu sehen ist. Anzumerken ist darüber hinaus, dass gerade die die Burg betreffende Textpassage im Sendweistum älter sein könnte als das vorgenannte Jahr, es sich somit um den frühesten Burghinweis handeln könnte.
Die Frankenburg wird 1353 im Zusammenhang von Erbstreitigkeiten der Agnes von Dahn und des Speyerer Domherren Johannes von Dahn erneut erwähnt. Agnes sah sich damals um ihr elterliches Erbteil geprellt, der Domherr, ihr Bruder, wiederum machte geltend, Agnes habe bereits 600 Mark von ihren Eltern – der Vater Johannes III. war 1353 verstorben – erhalten, überdies weitere Einkünfte beim Verkauf der Frankenburg erzielt.
Demnach waren zu einem unbekannten Zeitpunkt die Herren von Dahn in den Besitz der Frankenburg gekommen und die vorgenannte Agnes hatte ihre ererbte Burg spätestens 1353 an einen unbekannten Dritten veräußert.
Ob die Herren von Dahn, Lehnsleute des Bischofs von Speyer, von letzterem die Burg erhalten hatten, ist denkbar, jedoch nicht zu belegen. Analog zur Gründungsgeschichte ist auch der Untergang der Frankenburg vollkommen unbekannt. Die Überlegung, dass die Anlage von städtischen Aufgeboten noch im 14. Jahrhundert gebrochen und geschleift wurde, ist letztlich Spekulation.
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(Jürgen Keddigkeit, Bezirksverband Pfalz, 2019)

Literatur

Braselmann, Jochen (1999)
Die Frankenburg - eine in Vergessenheit geratene Burganlage im Modenbachtal. In: Heimatjahrbuch des Landkreises Südliche Weinstraße 21, S. 83-86, o. O.
Braselmann, Jochen (1999)
Die Frankenburg oder der Frankenfelsen.. Eine rätselhafte Burg, verborgen im Modenbachtal.. In: Burgen der Südpfalz, Band 3, S. 67-77, Landau in der Pfalz.
Keddigkeit, Jürgen; Übel, Rolf / Thon, A. (Hrsg.) (2002)
Pfälzisches Burgenlexikon. Band 2. F-H. S. 111-115, Kaiserslautern.
Meier-Stein, Hans-Georg (1999)
Die Frankenburg bei Edenkoben. In: Pfälzer Heimat 50, S. 124-130, o. O.
Schwarz, Albert (1999)
Die Burg Frankenberg, Frankenberg oder Altscharfeneck? In: Pfälzer Heimat 50, S. 113-124, o. O.
Stein, Günter (1969)
Befestigungen des Mittelalters.. Schlösser und Befestigungen der Neuzeit.. In: Pfalzatlas 1, Nr. 110, S. 335, o. O.
Wenz, Martin (1990)
Der Drachenfels und die Felsenburgen der Nordvogesen. Band 2. S. 181 f, Wörth am Rhein.

Burgruine Frankenburg auf dem Frankenberg

Schlagwörter
Ort
76835 Weyher in der Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1150 bis 1200, Ende 1350 bis 1400

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Jürgen Keddigkeit: „Burgruine Frankenburg auf dem Frankenberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290098 (Abgerufen: 21. April 2024)
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