Oberrheinniederung

Historische Kulturlandschaft (9.1)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Raumplanung
Gemeinde(n): Alsheim , Altlußheim , Altrip , Au am Rhein , Bellheim , Berg (Pfalz) , Biblis , Biebesheim am Rhein , Bobenheim-Roxheim , Bodenheim , Brühl (Baden-Württemberg), Dettenheim , Dexheim , Dienheim , Edingen-Neckarhausen , Eggenstein-Leopoldshafen , Eich , Frankenthal (Pfalz) , Germersheim , Gernsheim , Gimbsheim , Ginsheim-Gustavsburg , Groß-Rohrheim , Guntersblum , Hagenbach , Hamm (am Rhein), Hockenheim , Hördt , Jockgrim , Karlsruhe , Ketsch , Kuhardt , Lampertheim , Leimersheim , Lingenfeld , Linkenheim-Hochstetten , Ludwigshafen am Rhein , Ludwigshöhe , Mainz , Mannheim , Mettenheim (Rheinland-Pfalz), Nackenheim , Neuburg am Rhein (Rheinland-Pfalz), Neuhofen , Neupotz , Nierstein , Oberhausen-Rheinhausen (Baden-Württemberg), Oppenheim , Otterstadt , Philippsburg , Rheinstetten , Rheinzabern , Riedstadt , Römerberg , Speyer , Stockstadt am Rhein , Trebur , Uelversheim , Waldsee , Wörth am Rhein , Worms
Kreis(e): Alzey-Worms , Bergstraße , Frankenthal (Pfalz) , Germersheim , Groß-Gerau , Karlsruhe , Karlsruhe , Ludwigshafen am Rhein , Mainz , Mainz-Bingen , Mannheim , Rastatt , Rhein-Neckar-Kreis , Rhein-Pfalz-Kreis , Speyer , Worms
Bundesland: Baden-Württemberg , Hessen , Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 24′ 43″ N: 8° 29′ 15,96″ O / 49,41194°N: 8,48777°O
Koordinate UTM 32.462.843,96 m: 5.473.377,46 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.462.904,42 m: 5.475.127,87 m
  • Oberrheinniederung (2021).

    Oberrheinniederung (2021).

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    Matthias C.S. Dreyer
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    Matthias C.S. Dreyer
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Die Kulturlandschaft Oberrheinniederung ist eine von insgesamt 17 landesweit bedeutsamen historischen Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz. Die Ausweisung erfolgte erstmals im Landesentwicklungsprogramm (LEP) IV von 2008.

Die Kulturlandschaft umfasst auf rheinland-pfälzischer Seite einen schmalen Streifen von durchschnittlich 3 bis 4 km Breite entlang des Rheins. Sie ist in vier Unterabschnitte (Maxauer, Speyerer, Wormser und Oppenheimer Rheinniederung) gegliedert und reicht von der französischen Grenze im Süden bis an die Stadtgrenze von Mainz im Norden. Die stark verstädterten und industriell geprägten Bereiche um Ludwigshafen/Rh., Frankenthal/Pfalz und Worms, die „Freizeitlandschaft“ nördlich von Speyer, der Industriehafen von Speyer, die industrialisierte Insel Grün nördlich von Germersheim sowie der Hafenbereich bei Wörth wurden nicht in die Kulturlandschaft mit einbezogen. Die Altstädte von Worms und Speyer sowie die Festungsstadt Germersheim sind dagegen Bestandteile der historischen Kulturlandschaft.

Landschaftscharakter
Anthropogene Prägung
Werteinstufung als historisch bedeutsame Kulturlandschaft

Landschaftscharakter
Die Landschaft ist vor allem durch die früheren Flussläufe und Altarmschlingen des Rheins geprägt. Sie repräsentieren das einstige Überschwemmungsgebiet des Rheins mit seinen ehemals weit ausladenden Mäandern.
Im Zuge der Rheinkorrektur im 19. Jahrhundert wurden die Schlingen durchstochen und der Fluss begradigt. Viele der Altrheinarme liegen heute jenseits der Deiche und werden inzwischen intensiv landwirtschaftlich genutzt. Ein Teil hat jedoch nach wie vor direkten Zugang zum Hauptstrom und wird regelmäßig überflutet. In diesen Bereichen finden sich noch Reste naturnaher Auenwälder. Mit der Hördter Rheinaue liegt hier auch der größte Bestand an Flussauenwälder in Rheinland-Pfalz. In den verlandeten Zonen haben sich ausgedehnte Röhrichtbestände entwickelt, die seltene Brutvögel beherbergen (Mechtersheimer Tongruben, Wörther und Neuburger Altrhein). Daneben finden sich auch große Wiesengebiete mit feuchten bis sumpfigen Kernzonen (bei Rheinzabern und Jockgrim).
Besonders im südlichen Bereich der Kulturlandschaft, zwischen französischer Grenze und Germersheim, hebt sich das Hochgestade prägnant von der Niederterrasse ab. Am deutlichsten ist dies bei Jockgrim zu sehen, da hier der Ort auf einem schmalen Sporn ca. 12 m über dem Niveau der Niederung in die Niederterrasse hereinragt. Im nördlichen Bereich, zwischen Oppenheim und Nackenheim, wird die Landschaft dagegen von den bis an den Rhein heranreichenden Weinbauhängen bestimmt.
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Anthropogene Prägung
Die heutige Kulturlandschaft wurde nachhaltig durch die Rheinkorrektur nach den Plänen von Johann Gottfried Tulla (geb. 20.03.1770, gest. 27.03.1828) geprägt. So wurde der Rhein von Basel bis Worms zwischen 1817 und 1876 begradigt und um ca. 81 km verkürzt. Dies hatte zur Folge, dass ein großer Teil der ehemaligen Rheinschlingen trocken fiel und die Landschaft außerhalb der Überflutungszone heute durch großflächigen Ackerbau bestimmt wird.
Der nördliche Teil der Kulturlandschaft wird dagegen durch den Weinanbau geprägt, der bis auf die Römer vor rund 2000 Jahren zurückgeht.
Eine deutliche Veränderung des Landschaftraumes hat sich durch den Abbau von Kiesen und Sanden in den ehemaligen Altrheinschlingen ergeben. So prägen heute vielerorts Baggerseen mit ihren vielfältigen Erholungsmöglichkeiten das Bild.
Die Siedlungsmöglichkeit entlang des Rheins war vor der Rheinkorrektur aufgrund der Überschwemmungsgefahr stark eingeschränkt und erfolgte daher nur an wenigen höher gelegenen Standorten in kompakten Dörfern oder einzelnen Gehöften. Auch die Altstädte von Worms und Speyer liegen abgerückt vom Rhein auf einer Erhöhung. Dieses Besiedlungsmuster ist in den Grundzügen noch heute erkennbar. So ist das Gebiet der Altrheinaue auch gegenwärtig relativ gering besiedelt und wenig durch Verkehr gestört.
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Werteinstufung als historisch bedeutsame Kulturlandschaft
Die Oberrheinniederung besitzt kulturhistorisch eine hohe bis sehr hohe Bedeutung.
Oppenheimer Rheinniederung: In der Rheinaue durch den Rheinausbau und die Nutzungsintensivierung teilweise deutlich veränderte, in den Siedlungskernen und der vom Weinbau geprägten „Rheinfront“ noch weitgehend persistente und vielgestaltige Kulturlandschaft der Rheinniederung.
Wormser Rheinniederung: Abschnitt der Rheinniederung mit erheblichem Landschaftswandel bei gleichzeitig hoher Bedeutung der baulichen historischen Kulturlandschaftselemente (Altstadt Worms).
Speyerer Rheinniederung: Vom Rheinausbau veränderter Niederungsbereich mit zahlreichen Relikten des früheren Rheinverlaufs sowie einer von Feuchtestufen geprägten Nutzungsstruktur mit der bedeutenden Altstadt von Speyer und dem Kaiserdom als Wahrzeichen.
Maxauer Rheinniederung: Von teilweise noch persistenten Nutzungen und zahlreichen Relikten des historischen Rheinverlaufs geprägten Kulturlandschaft mit charakteristischen Rieddörfern und der Festungsstadt Germersheim.
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(Sylvia Götz, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2018)

Literatur

Geiger, Michael (Hrsg.) (2010)
Geographie der Pfalz. Die Landschaften der Pfalz, Landau.
Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2008)
Landesentwicklungsprogramm (LEP IV). Mainz.
Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2013)
Konkretisierung der landesweit bedeutsamen historischen Kulturlandschaften zur Festlegung, Begründung und Darstellung von Ausschlussflächen und Restriktionen für den Ausbau der Windenergienutzung. Saarbrücken.

Oberrheinniederung

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 2008

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Sylvia Götz, „Oberrheinniederung”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290019 (Abgerufen: 5. Dezember 2021)
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