Barocke Hofanlage Hartmannstraße 61 in Alsterweiler

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Maikammer
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 18′ 29,27″ N: 8° 07′ 23,6″ O 49,30813°N: 8,12322°O
Koordinate UTM 32.436.267,15 m: 5.462.080,01 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.436.317,11 m: 5.463.825,85 m
  • Barocke Hofanlage in Alsterweiler (2018)

    Barocke Hofanlage in Alsterweiler (2018)

    Copyright-Hinweis:
    Dreyer, Matthias C.S.
    Fotograf/Urheber:
    Matthias C.S. Dreyer
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  • Rückansicht der barocken Hofanlage in Alsterweiler (2018)

    Rückansicht der barocken Hofanlage in Alsterweiler (2018)

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Die Hofanlage in der Hartmannstraße Nr.61 in Alsterweiler zeigt ein großzügiges Winzeranwesen, das heute als Wohnhaus genutzt wird. Eine Beschreibung aus dem jahr 1840, die anlässlich der damaligen Versteigerung des Anwesens entstand, verorten es „an der Mühlgass“ und „unten im Dorf“.

Das Gelände war wohl vor der Erbauung des Anwesens im Jahr 1796 ungenutzt. Laut Bedbuch III (1669 bis ca. 1700, Grundstücksverzeichnis für die Gemeinde Maikammer mit Alsterweiler) gab es dort zuvor vermutlich einen Hausplatz, der einer Frau Dattin gehört haben soll. Diese hatte auch noch anderen Grundbesitz. Sie muss sehr begütert gewesen sein und war wohl eine der wenigen Frauen, die schon damals umfangreichen Grundbesitz hatten.

Das Anwesen ist als barocke Hofanlage anzusprechen. Es handelt sich um einen winkelförmigen Walmdachbau, der wohl in mehreren Bauphasen entstand. Darauf weisen das Dach, aber auch die Ecklisenen hin. Das Haupthaus, also der westlich gelegene „Hauptbau“, weist Sandsteinquader auf. Der linke Teil wird von einem kleinen Gesimsband auf der Höhe des zweiten Geschosses unterteilt. Dieses Band findet sich im westlichen Teil nicht. Zudem sind die beiden unteren Fenster im westlichen Teil mit anderen Fensterbänken ausgestattet. Derartige breite Auflagen fehlen im Ostteil. Und nicht zuletzt ist auch das Sandsteinband am Boden nicht durchgehend angelegt. Im Katasterplan von 1839 für den Ortsteil Alsterweiler ist das Anwesen bereits im Grundriss von heute erkennbar.

Toreinfahrt
Die mächtige Toreinfahrt ist in mehrere Elemente gegliedert. Der Torbogen wird von einem Schlussstein mit Wappen abgeschlossen. Darüber erhebt sich ein Aufsatz, der die Toreinfahrt oben waagerecht abschließt. Die beiden Seitensegmente sind mit Blumen veziert. Auf dem waagerechten Abschluss stehen drei Zierwerke: Ein Pinienzapfen in der Mitte und beiderseits zwei kleine Stelen mit aufgesetzten Kugeln. Das gesamte Werk ist in Sandstein gefertigt. Die Blumenornamente und das Wappen sind gelb bemalt. Der Erbauer des Hauses war, nach dem Schlussstein zu schließen, von Beruf Bäcker. Über spätere Bewohner ist wenig bekannt. Johann Friedrich Eisenbiegler wird im Jahre 1806 als Wirt, 1809 als Schankwirt genannt. Insofern könnte es sich bei seiner mehrfach erwähnten Wirtschaft wohl um dieses Anwesen, Hartmannstraße Nr.61, gehandelt haben. Jedenfalls ist das Anwesen geräumig genug, dass es Zimmer zum Übernachten gehabt haben könnte.

Auf dem Schlussstein sind eine Brezel, zwei stilisierte Blumen und unter der Brezel eine Raute angebracht. Darunter steht das Erbauungsdatum des Anwesens, das Jahr 1796. Zudem lassen sich die Initialen von Johann Friedrich Eisenbiegler und seiner Ehefrau Anna Maria Eisenbieglerin finden, einer gebürtigen Schwarzwälder.
F EB = Friedrich EisenBiegler
AM EBN = Anna Maria EisenBiegleriN
1796

Der Erbauer des Anwesens, Johann Friedrich Eisenbiegler, war im Jahre 1798 Adjunkt von Alsterweiler und später auch Weinsticher.

Symbol der Brezel
Die Brezel steht für den Beruf des Bäckers. Diese Brezel liegt mit der dicken Seite nach oben bzw. mit dem Knoten nach unten, was als „gestürzte Brezel“ bezeichnet wird. Welche Bedeutung der kleinen, oben erwähnten Raute zukommt, ist bisher nicht geklärt. Es könnte sich um einen stilisierten Brotlaib handeln, ein sogenanntes Schretzel. Diese rautenförmige Darstellung eines Brotes kommt im Wappen der Gemeinde Dannstadt vor. Üblicherweise kennzeichnet ein Schretzel in Verbindung mit Ähren einen Bäckermeister. Die Brezel wird in Verbindung mit einem Brot auch als Sinnbild der Gastfreundschaft verstanden. Die beiden umliegenden kleinen Blumen sehen nicht wie Ähren aus, was ja für eine Bäckerei nahe läge. Sie könnten Luzerne oder Klee sein. Klee gilt als Symbol für den Frühling und den Sommer, also die Zeit der Reife und der Ernte.

Beiderseits des Schlussteins ist der Torbogen in den zwei Segmenten, jeweils mit einer stilisierten Blumenkomposition, verziert. An einem langen Stengel sind unterschiedliche Blumenarten angebracht. Es handelt sich um Abbildungen einer Sonnenblume, einer Kornblume, einer Glockenblume und weiterer Blumen. Der Stengel ist mit 12 Blättern auf der linken Seite und mit 13 Blättern auf der rechten bestückt.

Versteigerung im Jahre 1840
Im Jahre 1840 fand die Versteigerung des Anwesens statt. Der Eintrag lautete:

Ein solid in Stein erbautes zweistöckiges Wohnhaus, sammt Hof, Scheuer, Stallungen, Kelterhaus mit Kelter, zwei gewölbten Kellern, in welchem 60 bis 70 Stück Wein gelagert werden können, Kartoffelkeller, Waschhaus, Holzremise, Weingarten hinter dem Hause, Pflanzgarten dem Hause gegenüber gelegen, sammt sonstigen Dependenzien, an der Mühlgasse unten im Dorfe Alsterweiler...In obbeschriebener Behausung, welche durch ihre zweckmäßige Einrichtung sich zum Betriebe der Oeconomie, des Weinhandels, und durch ihre Lage in einer der schönsten Gegenden der Pfalz, welche die Ausicht in die weite schöne Umgegend bis jenseits des Rheins darbietet, sich auch als Landhaus für Städter eignet, lagern dermalen noch die den genannten Minderjährigen angehörigen Fässer, Herbstbütten und Züber, welche einige Wochen später versteigert werden. Steigerungsliebhaber, welche dieses schöne Besitzthum einzusehen wünschen, belieben sich deshalb am obgenannten Beivormund, Herrn Schwarzwälder zu Alsterweiler, zu wenden. Edenkoben, den 16. Apil 1840 Rößler, Notaire.

(Matthias C.S. Dreyer und Club Sellemols, 2018)

Internet
alsterweiler.net: Alsterweiler, Hartmannstraße Nr.61 (abgerufen 14.10.2018)

Barocke Hofanlage Hartmannstraße 61 in Alsterweiler

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hartmannstraße 61
Ort
67487 Maikammer - Alsterweiler
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1796

Empfohlene Zitierweise

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„Barocke Hofanlage Hartmannstraße 61 in Alsterweiler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-286711 (Abgerufen: 7. Februar 2023)
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