Steinbruch Talbecke-Nordhelle bei Gummersbach

heute Schießplatz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Gummersbach
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Schießplatz im Steinbruch Talbecke, Nordhelle. (2018)

    Schießplatz im Steinbruch Talbecke, Nordhelle. (2018)

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  • Schmiede im Steinbruch Nordhelle, Talbecke. (2018)

    Schmiede im Steinbruch Nordhelle, Talbecke. (2018)

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  • Lage der Grauwackesteinbrüche bei Talbecke. (Bearbeitung: J. Kling, Kartengrundlage: Geobasisdaten NRW (2018))

    Lage der Grauwackesteinbrüche bei Talbecke. (Bearbeitung: J. Kling, Kartengrundlage: Geobasisdaten NRW (2018))

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  • Ruine einer Trafostation Steinbruch Talbecke, Nordhelle. (2018)

    Ruine einer Trafostation Steinbruch Talbecke, Nordhelle. (2018)

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  • Steinbruch Talbecke, Nordhelle. (2018)

    Steinbruch Talbecke, Nordhelle. (2018)

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Der Großbruch (600 x 450 Meter) diente u.a. der Schotterproduktion. Der Abbau an dem „Nordhelle“ genannten Bergrücken setzt im Jahr 1896 mit der Gründung der Gesellschaft Kohlmeier und Jüngst ein. 1904 übernimmt Carl Kohlmeier die alleinige Betriebsleitung, um 1907 beteiligt sich die Eiserfelder Steinwerke AG am Betrieb. Zuvor hatte das 1894 als Westerwälder Basaltsteinbrüche GmbH gegründete Unternehmen bereits ganze Jahresproduktionen von Carl Kohlmeier übernommen. Noch vor dem Ersten Weltkrieg beginnt wiederum die Übernahme der Eiserfelder Steinwerke AG durch die Basalt-Actien-Gesellschaft aus Linz am Rhein. Das gesamte Abbauareal umfasst zu diesem Zeitpunkt etwa 15 Hektar. Um 1912 sind drei Abbaustellen vorhanden. Unter Einsatz von Luftkompressoren sowie Bohr- und Stoßmaschinen gewinnen hier bis zu 100 Arbeiter jährlich rund 20.000 Tonnen Pflastersteine, Kleinpflaster- und Mosaiksteine, Hammerrechte und Bordsteine. Kleinschlag wird auf Grund des fehlenden Bahnanschlusses zu diesem Zeitpunkt nicht hergestellt. Am Ende des Hauptbremsberges liegt eine patentierte maschinelle Anlage zur Herstellung von Pflastersteinen mit geschliffenen Köpfen.

Um 1915 wird die elektrifizierte, normalspurige Stichbahn von Gummersbach nach Talbecke fertiggestellt. Die Bahn ist Voraussetzung für einen Ausbau des wirtschaftlichen, industriellen Betriebs. Innerhalb kürzester Zeit werden riesige Mengen an Gestein gewonnen. Ein Luftbild von 1938 zeigt die enorme Entwicklung des Abbaus in nur rund 25 Jahren.

Der Haupt-Steinbruch setzt etwa 30 Meter über der Talsohle an und zieht sich über eine Länge von 500 Metern und einer Breite von bis zu 130 Metern schräg den Berggrat der Nordhelle hinauf. Die Abbauwände des obersten Abbaukessels erreichen eine Höhe von gut 60 Metern. Die langgestreckte Anlage des Bruchs wird auf geologischen Strukturen beruhen, man folgte den besten Schichten. Von der Talsohle bis zur obersten Abbaukante erreicht der Abbau eine Höhendifferenz von 150 Metern. Die Erschließung erfolgt durch zwei nahezu parallel verlaufende Standseilbahnen von 200 Metern (SSB 1) und 300 Metern (SSB 2) Länge über die die gewonnenen Steine zu Tal bzw. ins Brechwerk transportiert werden.
Ein weiterer kleinerer Bruchkessel von 120 x 80 Metern liegt 300 Meter talaufwärts knapp über der Talsohle. Per Feldbahn konnten die Steine direkt ins Brechwerk gefahren werden, welches auf derselben Höhe wie der Bruch liegt. Den trotz des Schotterwerks offensichtlich immer noch reichlich anfallenden Schutt deponierte man auf langen, hangparallelen Halden. Mindestens sieben Niveaus lassen sich unterscheiden.

Innerhalb des Bruchs kommen neben einem ausgedehnten Feldbahnsystem auch kurze, vergleichsweise mobile Bremsbahnen zum Einsatz. Am Nordrand des oberen Bruchkessels ist das gut erhaltene Bremskarussell einer solchen Anlage verblieben (BK 1). In dessen Umfeld finden sich zahlreiche Gleisreste und ein Stück einer Pressluftleitung.
Über das Brechwerk und dessen Siloanlagen erfolgte der Umschlag der Schüttgüter direkt auf die Bahn. Das Brechwerk wird im Laufe der Betriebszeit mehrfach umgebaut und erweitert und zuletzt etwa Ende der 1960er Jahre durch eine moderne, etwas höher liegende Anlage ergänzt. Davon zeugen heute noch massive Betonfundamente und ein hohes Silogebäude. Im Rahmen der Modernisierung erfolgte die Umstellung auf gleislosen LKW Transport. Diese Fahrzeuge erreichten die verschiedenen Abbausohlen über lange, neu angelegte Serpentinenwege.
Der Abbau endet in den 1970er Jahren. Der große obere Abbaukessel wird heute als Schießplatz von der „Kreisjägerschaft Oberberg e.V.“ genutzt. Die alten Verladeanlagen im Tal zum Umschlag auf die Bahn wurden bei einer Kurvenbereinigung der Landstraße abgetragen.

Einzelbefunde
  • Sockel des alten Brechwerks mit Ladesilos
  • Fundament der Ladebrücke des alten Brechers
  • Fundamente der neuen Brechanlage
  • neuer Siloturm
  • Ruine Aufenthaltsgebäude
  • Ruine Schmiede
  • Trafostation
  • Standseilbahntrasse (SSB 1) mit Ladestationen und Bergstation
  • Standseilbahntrasse (SSB 2) mit Ladestationen
  • Bremskarussell (BK 1) einer Bremsbahn
  • Gleisreste
  • Preßluftleitung

Datierung: ca. 1890 bis ca. 1975
Betreiber: Steinbruchbetriebe Carl Kohlmeier, Gummersbach; Basalt AG, Linz am Rhein

(Jörn Kling, ergänzt von Frederik Grundmeier, 2018)

Literatur

Habermas, Ernst (1925)
Die Entwicklung der oberbergischen Steinbruchindustrie unter besonderer Berücksichtigung der Grauwacke. S. 57. Gummersbach.
(1913)
Die Grauwacke im Oberbergischen. S. 67. Engelskirchen.

Steinbruch Talbecke-Nordhelle bei Gummersbach

Schlagwörter
Ort
51647 Gummersbach - Talbecke
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1890, Ende 1975
Koordinate WGS84
51° 02′ 34,29″ N, 7° 34′ 54,16″ O / 51.04286°, 7.58171°
Koordinate UTM
32U 400573.13 5655547.85
Koordinate Gauss/Krüger
3400607.96 5657369.98

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„Steinbruch Talbecke-Nordhelle bei Gummersbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276891 (Abgerufen: 24. Mai 2018)
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