Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen

Altenburg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde, Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Theisbergstegen
Kreis(e): Kusel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 31′ 6,49″ N: 7° 27′ 30,7″ O / 49,51847°N: 7,45853°O
Koordinate UTM 32.388.429,76 m: 5.486.235,72 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.605.653,32 m: 5.487.873,76 m
  • Grundriss des Wohnturms und des Torturms (1952).

    Grundriss des Wohnturms und des Torturms (1952).

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    Jürgen Keddigkeit
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  • Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen (2018)

    Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen (2018)

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Auf einem westlichen Ausläufer des Potzberges unweit der Gemeinde Theisbergstegen im Walddistrikt „An der Altenburg“ befinden sich die verstürzten Reste einer schwer zugänglichen Abschnittsburg. Sie wurde in Spornlage am Ende eines natürlichen, über 20 Meter hohen, lang gezogenen und schmalen Konglomeratfelsens 374 Meter über NN erbaut. Die Burg wie auch die gleichnamige Siedlung Theisberg hatten den ursprünglichen Bergnamen Deinsberg (heute Potzberg) übernommen.
Man erreicht die Burg vom Parkplatz bei der „Buchwaldhütte“ des Pfälzerwaldvereins auf markiertem Wanderweg (Blauer Punkt) nach ca. 20 Minuten. Die Burgstelle befindet sich südlich (rechts) des Wegs.

Geschichte
Baubeschreibung

Geschichte
Die Ruinen der „alten Burg am Potzberg ( ... Pozberg dictus, in quo veteris castelli rudera supersunt) wurden erstmals 1766 erwähnt und lokalisiert, jedoch ohne konkrete Hinweise zum Bauwerk oder den Erbauern. Die damals letztlich unbenannte Anlage wurde im Westen des Reichslandes von (Kaisers)Lautern (in des richs lande) errichtet und war wohl von Anfang an, ähnlich wie die Burgen und Reichsämter Kübelberg oder Wolfstein, namengebender Teil des Reichsamtes Deinsberg.
Wahrscheinlich waren es Angehörige eines Reichsministerialengeschlechtes, das sich nach der Burg benannte. Urkundlich wird mit Anselm von Deinsberg (Anshelmus de Denesberc) 1219 erstmals ein solcher Ministeriale und damit indirekt die damals bereits bestehende Burg erwähnt.
Gleichwohl ist die Frage der Erbauungszeit in der Literatur sehr umstritten. Friedrich Sprater vermutete 1952 aufgrund des archäologischen Befundes die Ursprünge der Burg im 11. Jahrhundert, Fritz Kleinschmidt nannte 1951/57 als Jahr der urkundlichen Ersterwähnung 1120. Leider mangelt es in beiden Fällen an einem belastbaren bauhistorischen oder urkundlichen Beleg. Auch ist der spätere Datierungsansatz von Albert Zink, der das Jahr 1222 als Erbauungszeit angibt, auszuschließen, da Anselm von Deinsberg –wie oben erwähnt – bereits 1219 urkundlich nachgewiesen ist. Mit dem vorgenannten Zeithorizont vor 1219 korrespondiert der Bau der Reichsministerialenburgen Hohenecken, Alt-Wolfstein und Kübelberg im (Kaisers-)Lauterer Reichsland.
Ein deutlicher Hinweis auf die Zugehörigkeit zur Reichsministerialtät ist sicherlich in der Tatsache zu sehen, dass schon Anselm von Deinsberg – offensichtlich war der Vorname Anshelm ein Leitname des Geschlechts Herren von Deinsberg, denn bis 1333 ist dieser Name nachweisbar – 1219 und 1221 zusammen mit anderen Reichsministerialen als Zeuge erwähnt wird. Dabei ist vor allem die Zusammenarbeit mit dem kaiserlichen Hofrichter Reichstruchsess Werner von Bolanden 1221 von Bedeutung. Darüber hinaus trat 1253 derselbe oder ein Namensvetter zusammen mit anderen Reichsministerialen als Zeuge in einer Urkunde des Reichsschultheißen Siegfried von Hohenecken auf. Dies findet seine Entsprechung noch im Jahre 1323. Damals werden der Ritter (miles) Anshelm und sein Bruder, der Edelknecht (armiger) Heinrich von Deinsberg zusammen mit dem Reichsministerialen Ritter Simon von Reichenbach bei einer Beurkundung erwähnt. Aus dem letztgenannten Rechtsakt wird deutlich, dass die Familie im 14. Jahrhundert das Patronatsrecht über die Peterskirche von Deinsberg besaß.

Schon seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war es zu umfangreichen Verpfändungen im Theisberger (Reichs-)Amt an die Grafen von Veldenz gekommen, und bald nach dem Jahre 1317 gelangten die Veldenzer endgültig in den Besitz der Reichspfandschaft Deinsberg (Deinßberger ampt) und wohl auch des Amtssitzes. Damit einher dürfte das sukzessive Ausscheiden der Herren von Deinsberg aus dem Reichsamt und damit einhergehend eine Minderung ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gegangen sein. Darauf verweist ein größerer Verkauf den die Herrin N[?] von Densberg und ihre Kinder 1257 tätigten.
So verwundert es nicht, dass die Angehörigen dieses Geschlechts bis zu ihrem Aussterben, wohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert, vorwiegend als Dienstmannen der Grafen von Veldenz tätig waren. Darüber hinaus finden wir einen weiteren Familienvertreter, den in den Jahren 1321 und 1333 genannten Anshelm von Deinsberg, als Burgmann im Dienst der Grafen von Zweibrücken bzw. der Bischöfe von Speyer.

Ebenso wie über das weitere Schicksal des Geschlechtes gibt es auch für Burg Deinsberg keine gesicherten Erkenntnisse. Wie über die Gründung sind wir auch über ihren Untergang mangels aussagekräftiger Schriftquellen nicht unterrichtet. Allgemein wird angenommen, Deinsberg sei spätestens im Laufe des 15. Jahrhunderts zerstört, nicht wieder aufgebaut oder aufgelassen worden.
Selbst ihr eigentlicher Name geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit, bzw. blieb im 18. und 19. Jahrhundert ungenutzt. Allgemein üblich war damals, so die Forschungen von Ernst Christmann, die Bezeichnung ”Altenburg” (Allenburg u. Hinter der Altenburg).
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Baubeschreibung
Die Burgstelle befindet westlich des Ortsteils Theisberg. Hier bot ein 50 Meter langer, nach drei Seiten mehr oder weniger steil abfallender schmaler Felsrücken auf einem westlichen Ausläufer des Potzberges ausreichend Platz zur Erbauung einer Burg. Deren karge Reste, 1868 als ein “inmitten großer Steinhaufen„ befindliches “quadratisch aufgeführtes altes Gemäuer„ bezeichnet, wurden teilweise bei Ausgrabungen im Jahre 1951 freigelegt und ein Jahr später vermessen. Obwohl heute teilweise dichter Bewuchs und sehr viel Trümmerschutt dem Betrachter die Orientierung erschweren, es an ausgebauten Wegen mangelt, können trotz des verwirrendes Bildes deutlich drei Ebenen unterschieden werden: eine Kernanlage auf dem lang gezogenen Felsgrat, eine tiefer gelegene Unterburg, sowie ein (oder zwei?) größere Gebäude im östlichen Taleinschnitt.

Der heutige und wohl auch frühere Zugang zur Burg führt östlich des Burgfelsens durch einen tiefen Taleinschnitt. Zwischen dem Zugangsweg und dem von Trümmern bedeckten steilen Osthang befinden sich, recht gut sichtbar, die Grundmauern eines größeren quadratischen Bauwerks mit etwas größerer südlich vorgelagerter Ummauerung. Ob dieses Haus, das wohl wirtschaftlichen Zwecken diente, innerhalb oder vor der eigentlichen Burganlage lag, ist ohne Grabung nicht zu entscheiden.
Nur wenige Meter hinter diesem Komplex biegt der Weg rechtwinklig nach Westen ab und führt durch einen künstlichen Einschnitt zur höher gelegenen Kernburg. Im Steilhang erkennt man deutlich einen von Süd nach Nord ziehenden ehemaligen Mauerzug, der möglicherweise mit der östlichen Umfassungsmauer identisch ist. Der weitere Aufgang führt in einen künstlich geschaffenen Graben, der den nördlich weiter ansteigenden Felsgrat von der Kernburg trennt. Dieser teils verschüttete und durch moderne Steinsetzung (Weg) veränderte Halsgraben führte in die westliche Unterburg, deren äußere Begrenzungen vor allem im Norden nur noch schwer nachvollziehbar sind. Fundamentreste deuten auf eine innere Bebauung hin.
Die eigentliche Kernburg erhob sich auf zwei durch einen Einschnitt getrennten Felsen.

Auf der südlichen Felskuppe, unmittelbar über dem Halsgraben, erhob sich ein quadratisches (ca. sechs mal sechs Meter) großes Bauwerk. Die Innenseiten des aufgehenden Mauerwerks zeigen Spuren moderner Ausbesserungen. Dabei handelt es sich wohl um die Reste einer Hütte, deren Existenz Daniel Häberle im Jahre 1909 belegt, oder deren Nachfolgerin (Lusthütte), die 1931 errichtet wurde. Die exponierte Lage und die Mauerstärke (ca. 1,50 Meter) lässt an einen Bergfried oder Torturm denken, der einerseits den Zugangsweg durch den Graben und andererseits das nördlich gelegene, mehr als doppelt so große Hauptgebäude zu schützen hatte. Dieses, wohl ein Wohnturm, erhob sich auf der zweiten größeren Kuppe. Zwischen diesen beiden Bauteilen liegt ein Einschnitt, in dessen Mitte sich ein verstürzter trichterförmiger Hohlraum befindet. Möglicherweise diente er ursprünglich als Tankzisterne, die die Wasserversorgung von Burg Deinsberg gewährleistete.

Nördlich des Wohnturms verlief halbkreisförmig eine Ummauerung, die sich teilweise auf der Ostseite andeutungsweise verfolgen lässt.
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(Jürgen Keddigkeit, Bezirksverband Pfalz, 2018)

Literatur

Christmann, Ernst (1964)
Die Siedlungsnamen der Pfalz. Teil 2. (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften.) Teil 2, S. 33, Speyer.
Fabricius, Wilhelm (1914)
Die Herrschaften des unteren Nahegebietes. Der Nahegau und seine Umgebung. In: Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Bd. 12/6 S. 26, 72 u. 249-251, Bonn.
Häberle, Daniel (1909)
Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen. In: Pfälzische Geschichtsblätter 5, 5, S. 84-86, o. O.
Keddigkeit, Jürgen; Burkhart, Ulrich; Übel, Rolf (Hrsg.) Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.) (2007)
Pfälzisches Burgenlexikon. Band 1. (Beiträge zur pfälzischen Geschichte 12,4,2.) Bd. 1, S. S. 375-378, Kaiserslautern.
Kleinschmidt, Fritz (1957)
Theisbergstegen (Kusel). In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, 55, S. 62 f, o. O.
Zenglein, Dieter (1992)
"Am Densberg in des Richs Lande". Beiträge zur älteren Geschichte von Theisbergstegen und seiner Peters-Kirche. In: Westricher Heimatblätter 23, 23, S. 179-183, o. O.

Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen

Schlagwörter
Ort
66871 Theisbergstegen
Fachsicht(en)
Landeskunde, Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung

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„Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276750 (Abgerufen: 5. Dezember 2020)
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