Windebyer Noor

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde, Naturschutz
Gemeinde(n): Eckernförde, Windeby
Kreis(e): Rendsburg-Eckernförde
Bundesland: Schleswig-Holstein
  • Die Schnaaper Wassermühle um 1920

    Die Schnaaper Wassermühle um 1920

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    Walter Baasch
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  • Bronzezeitlicher Grabhügel (mit Gras bedeckt) beim Hof Westertal (2012)

    Bronzezeitlicher Grabhügel (mit Gras bedeckt) beim Hof Westertal (2012)

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  • Gut Windeby (2015)

    Gut Windeby (2015)

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  • Megalithgrab bei Lehmsiek (2012)

    Megalithgrab bei Lehmsiek (2012)

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  • Luftbildaufnahme des hier nur noch als Bodenrelief erkennbaren Osterwalls (Danewerk), 2005

    Luftbildaufnahme des hier nur noch als Bodenrelief erkennbaren Osterwalls (Danewerk), 2005

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    Linda Hermannsen
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Das Windebyer Noor ist das größte Binnengewässer der Stadt Eckernförde und grenzt an das namensgebende Gut Windeby. Nach dem Abschmelzen des Eises der letzten Eiszeit bildete sich durch Sandablagerungen eine Nehrung, die das Noor allmählich von der Eckernförder Bucht abtrennte und zum Binnengewässer werden ließ. Das Noor – es bedeutet so viel wie Strandsee – war bis vor 2.000 Jahren noch Teil der Ostsee am Ende der Eckernförder Bucht. Während der Weichseleiszeit (120.000-12.000 v. Chr.) entstand die charakteristische Hohlform der Bucht als Gletscherrandsee. Heute befindet auf dem ehemaligem Noor die Stadt Eckernförde.

Die Kulturlandschaft des Windebyer Noors – von der Vorzeit bis in die Neuzeit
Bereits seit der Mittelsteinzeit siedelten Menschen in der Region und ihre Relikte (sogenannte Ertebølle-Kultur) zeugen von ihren Tätigkeiten. Jungsteinzeitliche Artefakte wurden in großer Zahl auf umliegenden Feldern des Windebyer Noors gefunden. Ihre eindrucksvollen Großsteingräber, wie beispielsweise das Hünengrab von Lehmsiek, beeindrucken noch heute den Besucher.
Von der Bronzezeit zeugen vor allem die steilen Grabhügel, die z.B. bei Westertal oder Wilhelmstal zu besichtigen sind. Nicht weit davon entfernt wurden auch Spuren von Siedlungen aus dieser Zeit gefunden.

Besonders erwähnenswert sind die Hinterlassenschaften der Menschen der Eisenzeit. Direkt am Noorufer und an der Eckernförder Bucht entsorgten sie ihre immensen Mengen von Muschel- und Schneckenschalen auf ca. 30 riesigen Haufen von 15 bis 275 Kubikmetern. Dies war auch die Zeit aus der die berühmtesten Moorleichen Deutschlands stammen: das Mädchen und der Mann von Windeby, die Damendorfer Moorleichen und der Osterbyer Schädel mit dem intakten Suebenknoten (typisch germanische Männerfrisur).

Im Mittelalter entstand eine Wassermühle bei Schnaap, deren Standort bis 1920 beibehalten wurde. Ein Fragment eines Einbaums belegt die Tätigkeit von Fischern auf dem großen Gewässer. Auf der Anhöhe über dem Noor befand sich der letzte Gerichtsplatz Eckernfördes mit Galgen, an dem nachweislich ein überführter Mörder zu Tode kam.
In der Neuzeit, Anfang des 20. Jehrhunderts, befanden sich die Schienen einer Kleinbahn 50 Jahre lang am Ufer des Noores. Die Kleinbahntrasse von Eckernförde nach Owschlag wird heute als komfortabler Wanderweg genutzt. Das Noor erhielt seinen Namen vom Gut Windeby, das im Süden an das Gewässer grenzt. Im Westen und im Norden liegen Meierhöfe dieses Gutes.

Sichtbarkeit, Erhaltungszustand und Nutzung
Zur Verdeutlichung der vorhandenen Strukturen in der Region rund um das Windebyer Noor wurden von der Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V. insgesamt 15 Motivtafeln erstellt, die dem Besucher auf einem Wanderweg den archäologischen und kulturellen Hintergrund der Landschaft beschreiben.
Von den Hinterlassenschaften der Ertebölle-Kultur ist heute nichts mehr zu erkennen. Die Fundstücke sind im Archäologischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf ausgestellt.
Die Sichtbarkeit der Muschelabfallhaufen der Eisenzeit ist meist nur durch Hinweise von Eingeweihten möglich. Doch wenn erst der Blick geschärft ist, kann der Besucher auch 2.000 Jahre alte Muschelschalen entdecken.

An den Fundorten der Moorleichen stehen heute nur noch die Hinweistafeln, da nach der Entnahme nichts Sichtbares im Moor zurückbleibt.
Die Relikte der Wikingerzeit bis zur Völkerwanderungszeit werden beim Beitrag Osterwall (Danewerk) beschrieben. Der Osterwall reicht unmittelbar bis an das Noor heran. Wehrburgen aus der gleichen Zeit standen auf der nördlichen Seite des Eckernförder Hafens und sind teilweise durch Straßennamen, wie ‚Burgwall‘, gekennzeichnet, aber nicht mehr erhalten.

(Joachim Sebastian, Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V., Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein, finanziert vom Förderverein des Amtes Haddeby in Zusammenarbeit mit dem Verein für Busdorfer Geschichte, 2018)

Internet
http://heimatgemeinschaft-eck.de/ : Webseite der Heimatgemeinschaft Eckernförde (Abgerufen am 31.01.2018)

Literatur

Carnap-Bornheim, Claus von; Segschneider, Martin (Hrsg.) (2012)
Die Schleiregion. Land - Wasser - Geschichte. (Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 49.) Stuttgart.
Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V. (Hrsg.) (1999)
Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V. 58. Eckernförde.
Heimatgemeinschaft Eckernförde; Universität Kiel, Abteilung für Regionalgeschichte (2014)
Eckernförde-Lexikon. Husum.
Schinkel, Karl-Friedrich (2002)
Eckernförde. ein Spaziergang durch die Stadtgeschichte. Horn-Bad Meinberg.
Schmidtke, Kurt-Dietmar (2004)
Die Entstehung Schleswig-Holsteins. Neumünster.

Windebyer Noor

Schlagwörter
Ort
24340 Eckernförde
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Prospektion, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn -9600 bis -5300
Koordinate WGS84
54° 28′ 13,51″ N, 9° 49′ 41,21″ O / 54.47042°, 9.82811°
Koordinate UTM
32U 553667.96 6036178.46
Koordinate Gauss/Krüger
3553757.72 6038154.07

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Windebyer Noor”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-275685 (Abgerufen: 18. November 2018)
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