Synagoge Neumagen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Neumagen-Dhron
Kreis(e): Bernkastel-Wittlich
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die jüdische Gemeinde Neumagen seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Seit dem Spätmittelalter sind Nachrichten über Juden in Neumagen überliefert. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die jüdische Einwohnerzahl an, danach sank sie kontinuierlich ab. 1889 wurde die Synagogengemeinde Neumagen konstituiert, zu der auch Niederemmel, Minheim, Rivenich, Schlem und Hetzerath (bis 1925) gehörten (ab 1909: Neumagen-Niederemmel). 1932 waren Niederemmel (55 Personen) und Schlem (4) angeschlossen. 1937 schlossen sich auch Brauneberg, Lieser, Rachtig, Zeltingen, Veldenz und Trittenheim der Synagogengemeinde an.
Gemeindegröße um 1815: 42 oder 33 (1808), um 1880: 84 (1885), 1932: 45, 2006: – (Angaben vorab nach Reuter 2007).
Daneben führt alemannia-judaica.de für die frühe Zeit 1553 „Juden am Ort“ in unbestimmter Zahl an und nennt für 1699 vier jüdische Familien. Für das 19. und 20. Jahrhundert finden sich hier die Angaben 1808 44 jüdische Einwohner, 1831 64, 1843 75, 1851, 1857 109, 1861 86 (darunter 36 Kinder), 1895 55 und für 1925 44.
Am Zugang zum Jüdischen Friedhof in Neumagen befindet sich eine Informationstafel, die eine jüdische Gemeinde in Neumagen ab Anno 1474 datiert - das Jahr, in dem ein jüdischer Einwohner unter dem Schutz des Heinrich Vogt von Hunolstein im Ort nachgewiesen ist.

Einrichtungen der jüdischen Gemeinde
Neben der Synagoge verfügte die Gemeinde seit etwa 1840 über eine Religionsschule (ab 1891 jüdische Elementarschule) mit zugehöriger Wohnung für den für die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde angestellten Lehrer – bereits 1803 wird ein Maitre d'école genannt. Schule und Lehrerwohnung befanden sich beide seit 1872 im Gebäude der Synagoge. „1891 wurde die israelitische Religionsschule in eine Elementarschule umgewandelt. (…) Die jüdische Volksschule bestand seit dem 1. Oktober 1931 nicht mehr, da es zu wenige schulpflichtige Kinder in der Gemeinde gab.“ (alemannia-judaica.de, dort ausführlicher)
Die Gemeinde verfügte ferner über ein rituelles Bad, eine Mikwe, sowie einen eigenen jüdischen Friedhof.

Bethaus / Synagoge:
1828 wird erstmals eine Synagoge erwähnt. 1872 wurde ein Neubau direkt daneben errichtet. Dieser wurde 1938 verwüstet, 1940 erwarb die Ortsgemeinde das Gebäude. Nach 1959 wurde der Gebäudekomplex zu einem Wohnhaus umgebaut (Reuter 2007).

Als Mittelpunktgemeinde der Umgebung verfügte Neumagen wohl bereits im 16./17. Jahrhundert über einen Betsaal. Urkundlich wird eine Synagoge unbekannten Baujahres erst 1828 in der Bogengasse genannt (ehemaliges Haus Nr. 234).
„Um 1870 war ein Neubau nötig, da die alte Synagoge für die größer gewordene jüdische Gemeinde zu klein war. Zum geplanten Neubau erhielt die jüdische Gemeinde auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses vom Mai 1872 einen Zuschuss in Höhe von 50 Talern, da die Baukosten von den in überwiegend sehr einfachen, teils armseligen Verhältnissen lebenden jüdischen Familien nicht allein aufgebracht werden konnten. Der Neubau wurde noch 1872 unmittelbar neben der alten Synagoge erstellt. Die alte Synagoge wurde zur Schule mit Lehrerwohnung umgebaut.“ (alemannia-judaica.de, dort ausführlich)
Beim wurde die Synagoge samt Inneneinrichtung wurden im Novemberpogrom 1938 von SA-Leuten vollständig zerstört. Das Synagogenbebäude, ein angrenzendes jüdisches Haus mit Hof und Garten gingen per Kaufvertrag vom 11. Mai 1940 für 2.796 Reichsmark in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde über.
„Da das Synagogengebäude auch nach 1945 nicht instandgesetzt wurde, war es 1959 in einem baufälligen Zustand. Die Genehmigung zum Abbruch wurde erteilt. Im Juli 1959 wurde das Gebäude fast vollständig abgerissen; Außenmauern in den Neubau eines heute bestehenden Wohnhaus integriert. Dadurch entspricht der Grundriss und die Größe des Hauses an der Bogengasse dem der früheren Synagoge. Das benachbarte ehemalige Bogenhaus, in dem die ehemalige jüdische Schule untergebracht war, wurde 1959 abgebrochen.“ (ebd.)

Die Lage der ersten Betstube von vor 1872 ist über die historischen Karten der zwischen 1843 und 1878 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme nicht eindeutig zu bestimmen ist (vgl. Kartenansicht), daher wurde diese hier mit einer Geometrie in der heutigen Bogengasse Nr. 3 eingezeichnet.
Auf Initiative eines Arbeitskreises zur jüdischen Geschichte in Neumagen wurde hier im Herbst 2011 eine Informations- und Erinnerungstafel angebracht.

Das Denkmalverzeichnis für den Kreis Bernkastel-Wittlich weist das Gebäude der früheren Synagoge in Neumagen als Teil des Kulturdenkmals „Ortskern“ mit den Gebäuden „Bogengasse 1-5 (ungerade Nrn.)“ aus: „in weiten Teilen erhaltene historische Bebauung des 16. bis 19. Jh. in für die obere Mittelmosel seltener Dichte, darunter zahlreiche denkmalwerte Einzelbauten“ (denkmallisten.gdke-rlp.de, S. 63).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.alemannia-judaica.de: Neumagen, Synagoge (abgerufen 12.01.2018)
denkmallisten.gdke-rlp.de: Denkmalverzeichnis Kreis Bernkastel-Wittlich (PDF-Datei, Stand 14.11.2017, abgerufen 12.01.2018)

Literatur

Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 67, Bonn.

Synagoge Neumagen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bogenstraße 3
Ort
54347 Neumagen-Dhron
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1828, Ende nach 1938
Koordinate WGS84
49° 51′ 13,09″ N, 6° 53′ 40,35″ O / 49.85364°, 6.89454°
Koordinate UTM
32U 348656.15 5524483.65
Koordinate Gauss/Krüger
2564373.21 5524513.22

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„Synagoge Neumagen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-274637 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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