Burgruine „Bernsau“ bei Overath

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Overath
Kreis(e): Rheinisch-Bergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Wasserburg Bernsau bei Overath, Blick auf aufgehendes Mauerwerk mit einem Kamin (2017)

    Wasserburg Bernsau bei Overath, Blick auf aufgehendes Mauerwerk mit einem Kamin (2017)

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  • Die Wasserburg Bernsau in Overath in der digitalen Höhenkarte (in Falschfarben, 2017): zu erkennen der zentrale Burghügel (braun) und der umgebende Wassergraben (grün).

    Die Wasserburg Bernsau in Overath in der digitalen Höhenkarte (in Falschfarben, 2017): zu erkennen der zentrale Burghügel (braun) und der umgebende Wassergraben (grün).

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  • Stammtafel der Grafen und Herzöge von Berg und von der Mark (aus: Ulrike Holdt, Die Entwicklung des Territoriums Berg, Geschichtlicher Atlas der Rheinlande V.16, Bonn 2008, S. 9 / PDF-Datei, 46 kB).

    Stammtafel der Grafen und Herzöge von Berg und von der Mark (aus: Ulrike Holdt, Die Entwicklung des Territoriums Berg, Geschichtlicher Atlas der Rheinlande V.16, Bonn 2008, S. 9 / PDF-Datei, 46 kB).

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  • 2017 Archäologietour Bergisches Land, Infoblatt Burgruine Großbernsau in Overath (PDF-Datei)

    2017 Archäologietour Bergisches Land, Infoblatt Burgruine Großbernsau in Overath (PDF-Datei)

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  • Karte des von Wylich‘schen Jagdbezirks aus dem Jahre 1789: in der Mitte ist der Rittersitz "Großen Bernau" dargestellt.

    Karte des von Wylich‘schen Jagdbezirks aus dem Jahre 1789: in der Mitte ist der Rittersitz "Großen Bernau" dargestellt.

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  • Wasserburg Bernsau bei Overath in einer historischen Aufnahme

    Wasserburg Bernsau bei Overath in einer historischen Aufnahme

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Unter allen Landschaften des Niederrheins – so sagte Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio (1806-1876) genannt Montanus – findet sich wohl kaum eine anmutigere als das Aggertal bei Overath, wo die Fruchtbarkeit des Tales mit der Vielgestaltigkeit der dasselbe umgebenden Höhen wetteifert. Solche, von der Natur bevorzugte Stätten tragen überall die Spuren frühester Besiedlung.

Was sieht man noch heute von der Wasserburg?
Was man nicht sieht
Wer waren die Erbauer und Besitzer von Großbernsau?
Aufstieg und Niedergang der Familie Bernsau
Und heute?

Was sieht man noch heute von der Wasserburg?
Die stattliche Wasserburg Großbernsau (erstmals erwähnt 1348) wurde vermutlich im 14. Jahrhundert im gotischen Stil von den Rittern von Bernsau erbaut. Heute sind von ihr nur noch letzte Reste erhalten. Die Burg diente dem Overather Zweig der Familien von Bernsau und später der von Wylich zu Bernsau als repräsentative Wohnstätte. Die von Efeu umrankte Ruine steht auf einem heute unzugänglichen, etwa 30 mal 45 Meter großen, ovalen Hügel, der von einem breiten, tiefgründigen Wassergraben umgeben ist. Die Umgrenzung des Grabens ist durch moderne Eingriffe (z. B. Straßenbau) stark überprägt, so dass seine ehemalige Form nicht mehr zu erkennen ist. Gespeist wurde der Wassergraben durch den von Norden her einmündenden Fleutsiefen, ein Abfluss aus dem Wassergraben zur Agger findet sich im Süden.
Der Burghügel selbst besteht heute aus zahlreichen Schutthaufen, welche die letzten Reste der einstigen Gebäude der Burg darstellen. Von diesen ist lediglich ein etwa 10 Meter hohes und 8 Meter breites Teilstück der westlichen Außenwand zu sehen. Auf deren Innenseite sind die Konturen eines Kamins für eine offene Feuerstelle und die Auflagen für die Deckenbalken von mindestens zwei Geschossen erkennbar. Außerdem sind zwei Aussparungen zu erkennen, in denen vermutlich die Balken auflagen, die den Rauchfang trugen.
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Was man nicht sieht
Großbernsau wurde errichtet als zweigeschossiger, zweiflügeliger Bau mit einem Turm. Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen in Verlängerung des noch heute vorhandenen Mauerstückes die südwestliche Ecke des Gebäudes, die 1940 in den Burggraben gestürzt ist.
Großbernsau gilt als der bedeutendste Adelssitz des mittelalterlichen Kirchspiels Overath. Im Vergleich zu den Edlen von Bernsau waren die übrigen Rittergeschlechter des Kirchspiels Overath - benannt nach ihren Stammsitzen Combach, Brambach, Steynhuis, Altbernsau und Vilkerath - von geringerer Bedeutung.
Großbernsau wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt. Auf einer Karte des von Wylich‘schen Jagbezirks aus dem Jahre 1789 wird das Gebäude Großbernsau mit einem allmählich verfallenden Dachstuhl dargestellt.
Ein Grabungsversuch, den Untergrund der massiven Fundamente zu erkunden, konnte aufgrund der Mächtigkeit und Dichte der Schutthalden nicht abgeschlossen werden. Es war jedoch möglich, eine äußere Mauer auch in den Hangbereichen im Süden und Osten nachzuweisen. Denkbar ist, dass der Burgplatz ehedem vollständig von einer Mauer umschlossen war.
Als Wirtschaftshof diente, wie die Karte der Preußischen Uraufnahme von 1845 zeigt, der nördlich gelegene Burghof zur Versorgung der Burgbewohner mit den notwendigen Gütern, der heute dem Gewerbegebiet „Burghof“ gewichen ist.
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Wer waren die Erbauer und Besitzer von Großbernsau?
Bergische Kreuzzügler - In das 13. Jahrhundert datiert die erste urkundliche Nachrichte über die Ritter von Bernsau. Als Adolf III., Graf von Berg (gestorben 1218) im Frühjahr 1218 in Bensberg zur Teilnahme am fünften Kreuzzug rüstet, befinden sich in seinem Gefolge die Brüder Adolphus, Theodericus und Henricus de Bernsowe, die sich ihrem Herrn auf der Fahrt ins Heilige Land anschließen. Ende August fiel die von den Kreuzfahrern im Nildelta belagerte Stadt Damiette. Graf Adolf verstarb dort an einer Seuche.
Die Brüder Bernsau kehrten wohlbehalten von dem Kreuzzug zurück. In der Heimat bezeugen sie laut Urkunden des Erzbischofs Engelbert I. von Köln, den Tod seines Bruders Adolf III. von Berg.
Adolphus wird Herr auf Bernsau. Sein Bruder Henricus findet sich 1229 im Gefolge des Erzbischofs von Köln. Der Dritte, Theodoricus clericus, tritt in den geistlichen Stand. So dienen die Mitglieder der Familie Bernsau als Ministeriale den Grafen von Berg und den Erzbischöfen von Köln. Sie stellen mit Gerhard von Bernsau, Sohn des Adolphus, von 1243 bis 1250 den kurkölnischen Truchsess (Verwalter).
Stammsitz des Geschlechtes derer von Bernsau ist zunächst Altbernsau, nicht weit entfernt von Großbernsau im östlich gelegenen Aggerbogen nahe Klef. Im 14. Jahrhundert erbaut die Ritterfamilie die benachbarte Burg Großbernsau. Vermutlich zur Deckung der Baukosten nehmen sie 1348 einen Kredit bei der Abtei St. Michael in Siegburg auf, für den sie Teile ihrer Güter zu Altbernsau an diese verpfänden.
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Aufstieg und Niedergang der Familie Bernsau
Um 1350 wird das bergische Herrschaftsgebiet in Amtsbezirke gegliedert. Die gräflichen Hoheitsrechte übt ein aus dem ritterbürtigen Adel ernannter Amtmann aus, der für die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und für die Rechtsprechung zuständig ist. Erster bekannter Amtmann aus dem Geschlecht derer von Bernsau ist Wilhelm III. (gestorben 1496), Amtmann in Porz von 1474-1489.
Sein gesellschaftliches Ansehen ist offensichtlich groß, denn er wird mit Frau und Tochter zur Hochzeit Herzog Wilhelms II. von Berg nach Köln eingeladen. Ihr Vermögen erlaubt es der Familie, 1472 und 1481 jeweils eine Hälfte des Rittersitzes Steinhaus (Steynhuys) gegenüber der Kirche des Dorfes Overath zu kaufen. Für diese Zeit ist auch bezeugt, dass ein Wilhelm von Bernsau einem Ritterturnier in Mainz beiwohnt.
Wilhelm IV. von Bernsau dient dem Herzogtum Berg von 1513 bis 1529 als Amtmann zu Steinbach und 1527 zu Porz und wird später fürstlich bergischer Rat und Kämmerer sowie Marschall des Landes Jülich. Er stirbt 1532 ohne männliche Erben.
Danach wird sein Schwiegersohn Goddert von Wylich - ebenfalls Amtmann zu Porz - neuer Burgherr auf Großbernsau. Wirtschaftlich gesehen ist dieses Jahrhundert wohl die glanzvollste Zeit in der Geschichte von Großbernsau.
Aus dieser Zeit stammt auch der älteste bekannte Reisebericht über Overath. Arnold Buchelius, ein ritterbürtiger Kölner, berichtet 1591 in seinem Tagebuch über die Stationen einer Reise über die Brüderstraße, bei der er in Overath übernachtet: „Ich sah hier eine schöne mit Blei gedeckte Kirche, ein silberklares Flüsschen, in dem sehr viele Forellen waren, die Agger, ein mit schönen Bäumen umpflanztes Schloss im Besitz der Edlen zu Bernsau und ein wunderhübsches, süßes Mädchen, eine wahre Augenweide.“
Doch dann erreicht das Elend des Dreißigjährigen Krieges auch das Bergische Land. Hunger und Pest fordern ihre Opfer. Bis 1648 ist die Einwohnerzahl des Herzogtums Berg auf ein Fünftel der früheren Bevölkerung gesunken und im Kirchspiel Overath liegen 52 Gutshöfe brach. Es fehlt an Menschen und Vieh, Saatgut und Dünger, um die Felder bestellen zu können.
Die Inhaber von Großbernsau genießen auch in dieser Zeit hohes Ansehen, denn 1656 wird Johann Adolf von Wylich in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben. Er dient dem Herzogtum Berg als Kurfürstlicher Kämmerer, Deputierter der Bergischen Ritterschaft und als Oberlandeskommissar. Gleichzeitig steht er als Lehnsherr des Kirchspiels Overath dem Großen Bernsauer Hofgericht vor, das die damalige gerichtliche Instanz für Vererbung, Verkauf und Beleihung von landwirtschaftlichem Grundvermögen war.
Johann Adolf von Wylich stirbt 1693. Mit seinem Tod beginnen die Erbstreitigkeiten innerhalb der Erbengemeinschaft. 1697 werden die Nachkommen derer von Steinen und von Schaesberg gemeinschaftlich Besitzer von Großbernsau. Ab 1782 ist dann Richard von Schaesberg alleiniger Besitzer der langsam zerfallenden Burg Großbernsau, die nicht wiederaufgebaut wird.
Das zu Bernsau gehörige Grundvermögen, insgesamt eine Vielzahl von Höfen, Mühlen, Wald, Äcker und Wiesen sowie die Rechte an Jagd und Fischfang, bleiben noch bis 1844 im gemeinschaftlichen Besitz beider Adelsfamilien, ehe die Güter endgültig auf die Familien von Schaesberg und Steinen aufgeteilt werden.
Im Jahre 1902 zerstört ein Brand das Stammhaus derer von Schaesberg, das Schloss Krickenbeck im Nettetal am Niederrhein. Zur Finanzierung des Neubaus verkauft die Familie ihren gesamten Overather Besitz an bürgerliche Interessenten.
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Und heute?
Die ursprünglich zur Burg Großbernsau und dem Burghof gehörigen Flächen sind seit dem Jahre 2009 im Besitz der Stadt Overath. Mit der Erschließung der Gewerbegebiete Diepenbroich und Burghof endete die seit Jahrhunderten betriebene landwirtschaftliche Nutzung der auf der gegenüberliegenden Straßenseite und rund um die ehemalige Burg Großbernsau liegenden Flächen.
Mit dem Grunderwerb ging auch die Ruine Großbernsau in die Obhut der Stadt Overath über. Immer wieder gibt es Bestrebungen, die wenigen, stark überwucherten Reste der Wasserburg vor dem weiteren Verfall zu retten und das gesamte Areal dieses ältesten profanen Bauwerks in Overath dem Publikum zugänglich zu machen. Doch bisher fehlt es an den finanziellen Mitteln, die für die aufwändige Restaurierung notwendig wären.
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(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2017)

Die Burgruine Bernsau ist eingetragenes Bodendenkmal (Overath B 3; LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, GL 003) und war Station der Archäologietour Bergisches Land 2017.
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Literatur

Holdt, Ulrike (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Berg. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.16.) Bonn.
Panofsky-Sörgel, Gerda (1974)
Rheinisch-Bergischer Kreis 3. Olpe-Wipperfürth. (Die Denkmäler des Rheinlandes, 20.) S. 32, Düsseldorf.
Renard, Edmund (1901)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Mülheim am Rhein. In: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz V.2 (hrsg. von Paul Clemen), S. 128, Düsseldorf.

Burgruine „Bernsau“ bei Overath

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kölner Straße
Ort
51491 Overath
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 1348
Koordinate WGS84
50° 56′ 34,85″ N, 7° 18′ 4,18″ O / 50.94301°, 7.30116°
Koordinate UTM
32U 380650.8 5644862.06
Koordinate Gauss/Krüger
2591492.11 5646113.89

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„Burgruine „Bernsau“ bei Overath”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-272351 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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