Schwefelbrunnen im Löhl in Landau in der Pfalz

Schwefelquelle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege, Landeskunde, Naturschutz
Gemeinde(n): Landau in der Pfalz
Kreis(e): Landau in der Pfalz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Gesamtansicht des Bauwerks mit Jahreszahl 1630 Schwefelbrunnen im Löhl (2017).

    Gesamtansicht des Bauwerks mit Jahreszahl 1630 Schwefelbrunnen im Löhl (2017).

    Copyright-Hinweis:
    Dreyer, Matthias C.S.
    Fotograf/Urheber:
    Matthias C.S. Dreyer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Stehle mit Angabe der Ersterwähnung am Schwefelbrunnen im Löhl (2017).

    Stehle mit Angabe der Ersterwähnung am Schwefelbrunnen im Löhl (2017).

    Copyright-Hinweis:
    Dreyer, Matthias C.S.
    Fotograf/Urheber:
    Matthias C.S. Dreyer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Detailansicht des Auslaufrohr des Schwefelbrunnens im Löhl (2017).

    Detailansicht des Auslaufrohr des Schwefelbrunnens im Löhl (2017).

    Copyright-Hinweis:
    Dreyer, Matthias C.S.
    Fotograf/Urheber:
    Matthias C.S. Dreyer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Auslaufrohr und Auffangbecken des Schwefelbrunnens im Löhl (2017).

    Auslaufrohr und Auffangbecken des Schwefelbrunnens im Löhl (2017).

    Copyright-Hinweis:
    Dreyer, Matthias C.S.
    Fotograf/Urheber:
    Matthias C.S. Dreyer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
In Landau in der Pfalz befindet sich am westlichen Stadtrand und unweit der Straße nach Godramstein ein gefasster Brunnen. Um zum Brunnenrohr zu gelangen, muss man fünf aus Sandstein bestehende Stufen hinuntersteigen. Lässt man etwas Wasser in die Hände gleiten und riecht daran, so denkt man umgehend an faule Eier. Schmeckt man zusätzlich von dem Wasser, dann ist das Urteil klar: Schwefel. Es handelt sich um die recht seltene Erscheinung eines Schwefelbrunnens.

Eine Steinsäule oberhalb der Sandsteinstufen des Brunnens gibt Hinweise zur Entstehungsgeschichte des Brunnens. Demnach wurde der Schwefelbrunnen zuletzt 2007 renoviert. Im Juni 1939 wurde die Schwefelquelle als Naturdenkmal (Verordnung vom 3. Juni 1939) geschützt. Die Verordnung erwähnt die Sandsteineinfassung des Brunnenareals und die Nutzung für jedermann. Die Fassung des Brunnens erfolgte 1630, zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Diese Jahreszahl wurde oberhalb des Brunnenrohres in den Sandstein gemeißelt. Auf einer zur Anlage gehörenden Stehle ist desweiteren erwähnt, dass der Brunnen erstmals 1473 nachgewiesen wurde.

Um die Entstehung des Brunnens und vor allem den hohen Schwefelgehalt erklären zu können, muss man jedoch weiter zurückblicken – deutlich weiter zurück. Der Schlüssel zum Verständnis ist der Oberrheingraben. Schwefelbrunnen kommen selten vor. Aus diesem Grund werden die Brunnen in der Regel als Naturdenkmal geschützt. Ein weiterer Schwefelbrunnen befindet sich in Bechtheim, östlich von Alzey. Er unterliegt denselben geologischen Entstehungsprozessen wie hier Im Löhl. Dieselbe überregionale geologische Störung verläuft nämliche durch beide Schwefelbrunnenstandorte. Im Übrigen wird schwefelreiches Quellwasser sehr geschätzt zur Linderung von Beschwerden bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte.

Landschaftschaftliche Einbindung
Wendet man den Blick vom Brunnen nach Westen, so erblickt man den Pfälzerwald mit der Burgruine Trifels und den prägnant aus der Ebene emporsteigenden Gipfeln des Haardtrands, zum Beispiel den Orensberg. Auffällig ist insbesondere der Höhenversatz zwischen den am Hangfuß liegenden Ortschaften (Albersweiler mit 165 Meter über Normalnull) und den zum Greifen nahen Haardtrandgipfeln, die zur Kulturlandschaft Haardtrand Pfälzerwald gehören. Der Orensberg mit seinen 581 Metern Höhe und der Schwefelbrunnen (160 Meter über NN) liegen rund sechs Kilometer voneinander entfernt und unterscheiden sich durch rund 420 Höhenmeter. Und doch besteht ein Zusammenhang zwischen Orensberg, Haardtrand und Schwefelbrunnen.

Entstehung
Vor rund 50 Millionen Jahren, im Erdzeitalter des Tertiärs, begann die Entstehung des Oberrheingrabens. Eingerahmt wird die Tiefebene durch die Randgebirge des Odenwalds und Schwarzwalds im Osten und auf pfälzischer Seite durch den Pfälzerwald und die Vogesen. Geologische Prozesse schufen einst eine Naturlandschaft, die der Mensch heute zum Weinbau, zum Ackerbau, zur Forstwirtschaft und schließlich auch zur Erholung (Wanderparadies Pfälzerwald) nutzt.
Vor 50 Millionen Jahren war die Auffaltung der Alpen, also die Gebirgsbildung, im vollen Gang. Eine Folge dieser Auffaltung war die Entstehung des Oberrheingrabens. Begleitender Vulkanismus und unterirdische Konvektionsströme führten zu Aufwölbung und Dehnung der Erdkruste. Das prägnanteste Vulkanrelikt im Oberrheingraben ist der Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau. Ähnlich einem zu stark aufgegangenen Hefeteig, der überdehnt und einreißt, kam es in der Folge zur eigentlichen Grabenbildung. Es begann entlang einer viel älteren geologischen Nahtstelle die Absenkung des Oberrheingrabens zwischen den heutigen Städten Basel und Mainz.
Die Absenkung des Grabeneinbruchs ging einher mit einer Hebung der Randbereiche (etwas senkt sich, etwas hebt sich). Diese ausgleichenden geologischen Kräfte führten auf der Ostseite zur Hebung des heutigen Odenwalds und des Schwarzwalds. Als linksrheinische Pendants wurden die Vogesen und der Pfälzerwald gehoben. So wurde das uns heute vertraute Relief erst im Zusammenhang mit der Grabenbildung geschaffen. Den Zusammenhang von Schwefelbrunnen und Oberrheingraben bilden Bruchschollen, aus denen der Grabenbruch besteht. Zwischen Haardtrand und Rhein befinden sich eine Unmenge von Bruchschollen, die zueinander versetzt und verkeilt sind.

Zwischen den Bruchschollen, deren Versatz auch über 1.000 Meter betragen kann, befinden sich sogenannte Störungen. Aus der geologischen Übersichtskarte lassen sich für den Bereich Rhein – Landau – Orensberg zwei überregional bedeutende Störungen feststellen. Eine Störung markiert den Bereich der abrupten Hebung des Haardtrandes bei Albersweiler. Eine weitere überregionale Störung verläuft in unmittelbarer Nähe zum Schwefelbrunnen. Diese Störung, die im Übrigen auch am Schwefelbrunnen in Bechtheim vorbeiführt, ermöglicht, dass stark gesättigtes Wasser aus großen Tiefen bis zur Erdoberfläche gelangen kann. Häufig ist solches mineralgesättigtes Wasser erwärmt. Man bezeichnet dies dann als Thermalwasser. Im Wasser sind, je nach den durchlaufenen unterirdischen Gesteinen, unterschiedliche mineralische Substanzen gelöst. Bekannte Thermalwasser beinhalten beispielsweise einen hohen Gehalt an Natrium (Natronquelle), Radium (Radon-Kurbäder) oder eben wie am Landauer Stadtrand Schwefel.

(Matthias C.S. Dreyer, 2017)

Literatur

Martin, Michael (2017)
Leben und Sterben in Landau. Geschichte und Geschichten von Heilberufen, Krankenhäusern, Hygiene und Friedhöfen. (Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung. Reihe B, Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz, Band 19.) S. 584. S. 51-53, Neustadt an der Weinstraße.

Schwefelbrunnen im Löhl in Landau in der Pfalz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Schwefelbrunnenweg
Ort
76829 Landau in der Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Landeskunde, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1473
Koordinate WGS84
49° 12′ 19,89″ N, 8° 05′ 56,41″ O / 49.20553°, 8.099°
Koordinate UTM
32U 434370.85 5450694.13
Koordinate Gauss/Krüger
3434420.07 5452435.44

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Schwefelbrunnen im Löhl in Landau in der Pfalz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-271018 (Abgerufen: 14. November 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang