Sequoiafarm Kaldenkirchen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Nettetal
Kreis(e): Viersen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gelände der Sequoiafarm (2017)

    Gelände der Sequoiafarm (2017)

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  • Sequoia-Baumgruppe nahe der Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald (2017)

    Sequoia-Baumgruppe nahe der Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald (2017)

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  • Borke eines Mammutbaumes auf der Sequoiafarm (2017)

    Borke eines Mammutbaumes auf der Sequoiafarm (2017)

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  • Mammutbaumgruppe der Sequoiafarm bei Kaldenkirchen (2017)

    Mammutbaumgruppe der Sequoiafarm bei Kaldenkirchen (2017)

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  • Eingangsbreich zur Sequoiafarm (2017)

    Eingangsbreich zur Sequoiafarm (2017)

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  • Alte Winterlinde auf dem Gelände der Sequoiafarm (2017)

    Alte Winterlinde auf dem Gelände der Sequoiafarm (2017)

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Die Sequioafarm befindet sich südwestlich von Kaldenkirchen im Kaldenkirchener Grenzwald nahe der Deutsch-Niederländischen Grenze. Hier wurde aus Mangel an Holz ab 1800 auf den nährstoffarmen, sandigen Böden die Waldkiefer aufgeforstet. Die Geschichte des Kaldenkirchener Grenzwaldes nach dem Zweiten Weltkrieg ist eng mit der der Zahnarztfamilie Dr. Martin aus Kaldenkirchen und der Sequoiafarm verknüpft.

Vom Heidegarten zur Sequoiafarm der Familie Martin
Die Sequoiafarm wird biologische Station der Pädagogischen Hochschule Rheinland
Heutiger Zustand
Versuchsanlage Nr. 1
Kulturhistorische Bedeutung
Hinweis
Quelle/Internet

Vom Heidegarten zur Sequoiafarm der Familie Martin
Das botanisch und dendrologisch interessierte Zahnarzt-Ehepaar Dr. Illa und Ernst Martin kaufte in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges eine Ginsterfläche in der Ravensheide im Kaldenkirchener Grenzwald. Sie umzäunten und rodeten das Grundstück, in der Absicht, einen Waldpark anzulegen. Zudem bauten sie ein Fachwerkhäuschen, das sogenannte Heidehäuschen, wohl auch zum Schutz vor Bombenangriffen (Hubatsch 1973, S. 64).
Mit Kriegsende wurde der Wald im Zuge von Reparationsleistungen durch die Niederlande stark abgeholzt; im Sommer 1947 wurde er durch einen verheerenden Brand fast vollständig vernichtet. Laut Hubatsch schilderte Dr. Martin die Situation wie folgt: „Als die graue Asche verflogen war, trat der feine Maassand zu Tage. Mit leisem Singen zog er über die Kahlflächen, um sich bei zunehmender Windstärke zu einer fahlgelben Walze zu verdichten, aufzusteigen und dann wie Dunst über der Landschaft zu liegen. Der Sand drang durch Türen und Fenster in die Häuser, er fegte über Straßen und Wege, wo er bizarre Waschbrettmuster zeichnete, und er rieselte auf die frisch gepflügten Äcker der Bauern. Wie der schattige Grenzwald mit seinen verschwiegenen Heideseen, seinen Kostbarkeiten an Pilzen, Moosbeeren, Königsfarn und heimlichen Enzianwiesen einst beliebtes Ausflugsziel gewesen war, so mied jetzt jeder die aus ihm erwachsene Steppe mit ihrem Wind, ihrem Sonnenglast und ihren schwarzverkohlten Baumstümpfen“ (Hubatsch 1973, S. 64).

Das Ehepaar Martin engagierte sich für die Wiederaufforstung des Grenzwaldes. Das große Problem bestand darin, dass der Wald aufgrund von Erbteilung in viele einzelne Besitzparzellen zersplittert war (ca. 8.000 Kleinparzellen; Wikipedia: Kaldenkirchener Grenzwald) und die jeweiligen Eigentümer wenig motiviert waren, zu investierten. Dr. Martin gelang 1949 schließlich die Gründung der Waldwirtschaftsgemeinschaft Kaldenkirchen, die finanzielle Unterstützung aus Landesmitteln erhielt (Hubatsch 1973, S. 65). Nach einem Flurbereinigungsverfahren wurde mit den aufwändigen Aufforstungsarbeiten begonnen; 1951 waren 650.000 Jungkiefern gepflanzt (Wikipedia: Kaldenkirchener Grenzwald), die zudem gegen Austrocknung, Sandverwehungen und Kaninchenverbiss geschützt werden mussten (Hubatsch 1973, S. 65). Neben dem Ausbau des Wegenetzes wurden Windschutzalleen aus Birke, Ahorn, Mährischer Eberesche, Robinien, Linden und Edelkastanien angelegt (Sequoiafarm e.V.).
Um eine Monokultur zu vermeiden, lockerten Roteichen die Kiefernbestände auf. „Auf der Suche nach anderen Nadelbäumen tauchte der Gedanke an den Bergmammutbaum (...) auf, standen doch in Kaldenkirchen zwei riesige Exemplare aus der Gründerzeit (ca.1871 - 1890)“ (Sequoiafarm e.V.).

1950 entschlossen sich die Martins nach eingehenden klimatologischen und bodenkundlichen Untersuchungen und dem Vergleich mit anderen Sequoienstandorten in Deutschland, die Anzucht und Anpflanzung von Mammutbäumen zu versuchen - zunächst auf dem eigenen Balkon. Den kalifornischen Samen erhielt Dr. Martin von Angehörigen aus Amerika. „Der Versuch, später im Heidegarten erweitert, ermutigte zur Anzucht in größerem Umfange. Ein Gewächshaus entstand, große Anzuchtbeete und Quartiere wurden angelegt, ins Heidehaus zog eine Gartengehilfin. Aus dem Heidegarten wurde die Sequoiafarm“ (Hubatsch 1973, S. 66). Unterstützung erhielt das Ehepaar durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Zur Überprüfung, ob der Riesen- oder Bergmammutbaum Sequoiadendron giganteum für die deutsche Forstwirtschaft geeignet sei (Sequoiafarm e.V.), wurde 1952 ein Hain aus Bergmammutbäumen auf einer Testfläche angepflanzt. „Da der Mammutbaum nie Reinbestände bildet, begann man, seine Begleiter mit heranzuziehen und neben den Sequoien anzupflanzen (...)“ (Hubatsch 1973, S. 66). Es wurde ein Arboretum angelegt und die Sammlung weiterer seltener Gehölze aus aller Welt begann: 1967 umfasste diese etwa 600 Gehölzarten (Sequoiafarm e.V.).

In der Pflanzung und Vermehrung gab es bis dahin noch keinerlei Erfahrungen, weshalb nicht alle der hier zwischen 1952 und 1967 35.000 vermehrten Sämlinge zu Bäumen herangewachsen sind. Sie nahmen aufgrund fehlender Erfahrung Schaden durch Beschattung, Staunässe, Druck benachbarter Bäume sowie zu flachen Tontöpfen, in denen die schnell wachsenden Wurzeln (bis zu 50 cm pro Jahr) nicht gedeihen konnten. Abhilfe schafften extra angefertigte hohe Anzuchttöpfe aus Ton (Sequoiafarm e.V.).
1952 gelang die Auslese winterharter Küstenmammutbäume für den Anbau im westlichen Bundesgebiet und es wurde 1953 ein Küstenmammutbaum-Hain angelegt, einer der „ganz wenigen größeren Küstenmammutbaum-Bestände nördlich der Alpen“ (Sequoiafarm e.V.). Mehr als 13.000 Exemplare dieser „Martin-Selektion“ wurden zu Versuchszwecken an Forstämter, Wissenschaftler und Baumschulen abgegeben (Wikipedia: Sequoiafarm Kaldenkirchen), aber auch in Park- und botanischen Gartenanlagen angepflanzt (Hubatsch 1973, 66). Die Sequoiafarm wurde zu einem beliebten Ziel von Fachleuten aus den Bereichen Forst und Botanik.

Als Dr. Ernst J. Martin 1967 plötzlich verstarb, bemühte man sich, dem Wunsch von Frau Dr. Martin nachzukommen und die Sequioafarm in Hände zu geben, die sie „in ihrem Sinne weiter ausbauten und pflegten“ (Hubatsch 1973, S. 70).
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Die Sequoiafarm wird biologische Station der Pädagogischen Hochschule Rheinland
Ende 1969 / Anfang 1970 ging das Gelände an das Land NRW über und wurde als Biologische Station von der Pädagogischen Hochschule Rheinland für die Lehrerausbildung genutzt. Zu Studienzwecken wurden auf den Freiflächen der ehemaligen Anzuchtquartiere verschiedene Biotope angelegt (Teich, Heidemoor, Heideweiher, Erikaheide usw.) (Hubatsch 1973, S. 71); später wurde das Gelände auch durch die Hochschule Köln genutzt. 1987 kauften es die Stadtwerke Nettetal und räumten der Universität Essen bis 2007 Nutzungsrechte ein. Aufgrund fehlender Pflegemaßnahmen verwilderte das Arboretum: „wertvolle Bäume wuchsen zu, Sträucher gingen ein und die Bodenflora wurde zum großen Teil vernichtet“ (Sequoiafarm e.V.). Diese Situation änderte sich mit Pflege- und Freistellungsarbeiten durch die Stadt Nettetal in den Jahren 2009/2010 und der Übernahme des Geländes durch den Verein Sequoiafarm e.V.
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Heutiger Zustand
Seit der Übernahme des Arboretums am 1.1.2013 durch den Sequoiafarm e.V. kümmern sich 55 Ehrenamtliche (NiederRhein Edition 2014) darum, die Sequoiafarm wieder in den früheren Zustand zurückzuführen, zu pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Das 3,5 Hektar große Gelände teilen sich 90 Exemplare von Mammutbäumen (Küstenmammut, Bergmammut und Urweltmammut) mit gepflegten Schnitthecken, Rasenflächen sowie weiteren etwa 400 seltenen Gehölzarten. Die Farm beheimatet zudem verschiedene Vogel-, Libellen- und Wildbienenarten und weitere Exoten, die unter dem Begriff „lebende Fossilien“ zusammengefasst werden, wie z.B. den Ginkgo, die Wollemie und den Urweltmammutbaum. Dieser galt als ausgestorben, bis man Exemplare von ihm 1940 in China entdeckte (NiederRhein Edition 2014). Auch ein „Farmwächter“ wohnt hier seit 2013 alleine mitten im Wald.
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Versuchsanlage Nr. 1
In etwa 400 Meter nördliche Richtung befindet sich eine ehemalige, zur Farm gehörende Versuchsanlage. Auf dieser wurden 1952 auf einer 1,5 Hektar großen Kahlfläche 1.500 Bergmammutbaum-Sämlinge zusammen mit weiteren Begleitpflanzen ausgepflanzt. Die Mehrzahl dieser Begleitbäume überlebte den harten Winter 1956 sowie die anschließende große Trockenheit mit Spätfrösten bis Juni nicht (Martin 1993, S. 209). Im Vergleich zu den auf dem geschützten Sequoiagelände herangezogenen gleichaltrigen Bäumen war ihre Wuchshöhe geringer. „Heute befinden sich noch 168 Bergmammutbäume auf diesem (Anfang 2011 durchforsteten) Gelände, unter denen sich ein Teppich aus Sauerklee ausgebreitet hat. Auf dem ursprünglichen Flugsandboden hat sich inzwischen eine 10 bis 15 cm hohe Humusschicht gebildet“ (Sequoiafarm e.V.). Die damalige Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung (LÖLF, heute LANUV Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen) nutzte einen Teil dieses Bestandes als Testfläche für die Erstellung von Ertragstafeln. Die Versuchsanlage befindet sich heute in Privatbesitz und ist zugänglich (Sequoiafarm e.V.).
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Kulturhistorische Bedeutung
Die 3,56 Hektar große Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald ist von hohem historischem Zeugniswert, da hier die erste systematische Anzucht und Selektion aller drei Mammutbaumarten in Europa stattfand. Die auf diesem Gelände bis heute erhaltenen Bäume haben ein Bestandsalter von etwa 67 Jahren (2017) und eine Höhe von bis zu 40 Metern. Viele der hier gezogenen und zu Versuchszwecken verschickten Mammutbäume wurden auf Privat- und Forstflächen angepflanzt. Neben den Beständen im Staatsforst Burgholz bei Wuppertal und Solingen gehört der Küstenmammutbaum-Hain der Sequoiafarm Kaldenkirchen zu den wichtigen Beständen dieser Art nördlich der Alpen. Somit ist er auch aus botanischer und forschungsgeschichtlicher Sicht von hohem Wert.
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Hinweis
Die Sequoiafarm Kaldenkirchen ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Sequoiafarm bei Kreuzmönchdorf (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 072).

(Nicole Schmitz, LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit / Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2017)
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Quelle
Infoflyer Sequoiafarm e.V.

Internet
www.sequoiafarm-kaldenkirchen.de: Die Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald (abgerufen am 18.07.2017)
www.niederrhein-edition.de: Im Reich der Riesen (Artikel in der Ausgabe 02/2014; abgerufen am 19.07.2017)
de.wikipedia.org: Sequoiafarm Kaldenkirchen (abgerufen am 19.07.2017)
de.wikipedia.org: Kaldenkirchener Grenzwald (abgerufen am 25.07.2017)
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Literatur

Hubatsch, Herbert (1973)
Von der Sequoiafarm zur Biologischen Station. (Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld.) S. 63-72. o. O.
Martin, Erik (1993)
Skizzen aus dem Kaldenkirchener Grenzwald. (Heimatbuch des Kreises Viersen.) S. 208-213. Viersen.

Sequoiafarm Kaldenkirchen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Buschstraße 98
Ort
41334 Nettetal - Kaldenkirchen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1947 bis 1952
Koordinate WGS84
51° 18′ 31,56″ N, 6° 10′ 24,69″ O / 51.30877°, 6.17352°
Koordinate UTM
32U 303004.03 5687955.84
Koordinate Gauss/Krüger
2512143.61 5686011.02

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Empfohlene Zitierweise
„Sequoiafarm Kaldenkirchen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-268915 (Abgerufen: 25. Mai 2018)
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