Stallberger Fischteiche im Naturschutzgebiet „Gagelbestand“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Lohmar
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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In der Teichlandschaft des Lohmarer Waldes liegen im Naturschutzgebiet „Gagelbestand“ die nach dem nordöstlichen Ortsteil von Siegburg benannten Stallberger Fischteiche.

Die Stallberger Fischteiche
Die Gruppe der insgesamt 16 Stallberger Fischteiche im Staatsforst der Stadt Siegburg besteht aus zwei großen Reihen von Teichen, die vom früheren Forsthaus Rothenbacher Hof hinab zur Widdauer Wiese führen. Drei Teiche im Westen der Gruppe sind – zumindest zeitweise – miteinander verbunden, so dass sich gegebenenfalls auch 14 Weiher zählen lassen.
Etwa 400 Meter nördlich der Teichgruppe des Gagelbestands befindet sich das als Bodendenkmal geschützte Grabhügelfeld „Lohmarer Wald / Hirzenberg“ mit insgesamt 69 eisenzeitlichen Hügeln (www.lohmar.de, Denkmalliste).
„Die auffallende mehrfache Wiederholung einer Gewässergrößendifferenzierung (z. B. kleinere Streckteiche; große Abwachsteiche) lässt zum Einen darauf schließen, dass der Teichbau hier – wohl auch nach anfänglicher Torfstich-Folgenutzung – später systematisch und professionell erfolgte; zum Anderen dürften auch hier mehrere Besitzer bzw. Pächter gleichzeitig je eine 'moderne' Teichwirtschaft betrieben haben“ (Schneider 2014, S. 15).

Das Naturschutzgebiet Gagelbestand
Die Unterschutzstellung des am mittleren Rothenbach, einem linken Zufluss der Agger gelegenen und rund 63 Hektar großen NSG Gagelbestand erfolgte bereits im Jahr 1969 mit dem Schutzzielen:
„Zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten bestimmter wildlebender Pflanzen und wildlebender Tierarten, aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen“ und „wegen der Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit einer Fläche.“ (nsg.naturschutzinformationen.nrw.de)

Der Gagelstrauch
Die sich weitestgehend selbst überlassenen Stallberger Gewässer haben sich zu einem Rückzugsgebiet für seltene und gefährdete Tiere und Pflanzen entwickelt.
Neben Vorkommen des als stark gefährdet geltenden und daher besonders geschützten Königsfarns (Osmunda regalis) ist hier vor allem der Gagelstrauch (Myrica gale, auch Gagel oder Moor-Gagel genannt) zu nennen. Gagel wurde für zahlreiche Verwendungen genutzt: als Gerber- und Färberpflanze und aufgrund seines Duftes auch zur Parfumherstellung (Gagelöl) bzw. als insektenvertreibendes Mittel.
Daneben wurde Gagel – archäologische Funde im Gebiet der Rheinmündung belegen dies schon für die Zeit von Christi Geburt – auch zum Bierbrauen verwendet. Nach der am Niederrhein üblichen Bezeichnung für den analog zum Hopfen verwendeten Gagelstrauch Grut werden die bis in das 15. Jahrhundert weit verbreitetem Biere auch Grutbiere genannt. Diese gibt es heute teils wieder als Gagelbiere. Von den Grutern (Bierbrauer) leiten sich Familiennamen wie Greuter, Gruyter, Grüter usw. her (de.wikipedia.org, Gagelstrauch).

Der Kormoran: Teichwirtschaft contra Artenschutz?
In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Intensität der Nutzung und Bewirtschaftung der Stallberger Fischteiche deutlich zurückgefahren. Als problematisch für die Teichwirtschaft hat sich dabei vor allem das Comeback des lange als gefährdet geltenden großen Wasservogels Kormoran (Phalacrocorax carbo) im Rhein-Sieg-Kreis seit ca. 1989 gezeigt (Schneider 2014, S. 25f. u. 44).
Zum einen schützenswerter „Vogel des Jahres 2010“, aber gleichzeitig für Angler und Fischer auch „Plage“ bzw. „Geißel der Gewässer“, ist dieser überaus erfolgreiche Jäger mit Fangquoten von über 80% (!) in der Lage ganze Weiher leer zu fischen. Neben Fischdiebstählen von Menschenhand führt der Kormoran zusammen mit dem ebenfalls Fische jagenden Grau- oder Fischreiher (Ardea cinerea) damit zu erheblichen Verlusten für die regionale Fischwirtschaft und gefährdet den Versuch, dieses traditionelle Gewerbe rentabel und gleichzeitig im Einklang mit den Zielen des Naturschutzes zu betreiben.

(Ralf Schneider, Amöneburg, 2014/2017 / Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)

Quelle
Freundliche Hinweise von Herrn Ingmar Gorissen (Siegburg) und von Herrn Andreas Pilgram (Lohmar), Ortstermin am 24. April 2017.

Internet
nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Naturschutzgebiet Gagelbestand (SU-004) (abgerufen 09.05.2017)
www.fischzucht.net: Fischzucht Andreas Pilgram GmbH, Lohmar (abgerufen 09.05.2017)
www.lohmar.de: Denkmalliste der Stadt Lohmar (PDF-Datei, 38 kB, Stand 2015, abgerufen 10.05.2017)
de.wikipedia.org: Stallenberger (sic!) Fischteiche (abgerufen 09.05.2017)
de.wikipedia.org: Gagelstrauch (abgerufen 10.05.2017)

Literatur

Gorissen, Ingmar (1988)
Naturschutzkonzeption Stallberger Gebiet. Manuskript, Rheinisch-Bergischer Naturschutzverein e.V.. o. O.
Schneider, Ralf (2014)
Lebendige Zeugnisse einer alten Kulturlandschaft. Anmerkungen zu den Weihern im "Revier Aulgasse" (Manuskript, Langfassung). o. O. Online verfügbar: www.heideterrasse.net, Lebendige Zeugnisse (PDF), abgerufen am 09.05.2017

Stallberger Fischteiche im Naturschutzgebiet „Gagelbestand“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alte Lohmarer Straße
Ort
53797 Lohmar
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Koordinate WGS84
50° 49′ 2,69″ N, 7° 13′ 58,36″ O / 50.81741°, 7.23288°
Koordinate UTM
32U 375519.67 5631009.01
Koordinate Gauss/Krüger
2586926.53 5632059.49

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„Stallberger Fischteiche im Naturschutzgebiet „Gagelbestand“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-267789 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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