Bahnlinie
Im Jahre 1871 wurde die Aachener Industriebahn Aktiengesellschaft gegründet, welche später die Bahntrasse erbaute. Man versprach sich einen Vorteil für die Industrie. Im Vordergrund stand der Güterverkehr, aber auch der Personenverkehr konnte so abgewickelt werden.
Nachdem im Winter 1873/74 die Aachener Industriebahn mit dem Bau der Strecke von Aachen Nord nach Mariagrube begann, wurden dabei Zwangsenteignungen von Eigentümern von Grundstücken vollzogen. Am 26. September 1875 wurde ein Teil der Strecke von Würselen bis Mariagrube fertiggestellt. Die gesamte Strecke bis Aachen Nord ist am 31. Dezember 1875 in Betrieb genommen worden.
Durch den großen Erfolg von Personenverkehr auf der Strecke wurde 1880 über eine Verlängerung bis nach Jülich nachgedacht, was somit die erste direkte Verkehrsanbindung zwischen Jülich und Aachen darstellte. Am 1.Januar 1882 erfolgte die Fertigstellung der Erweiterung von Hoengen bis Jülich, danach nannte sich die Gesellschaft um in Aachen-Jülicher Eisenbahngesellschaft. Durch die Verstaatlichung der Eisenbahngesellschaft Deutschlands endete die Aachen-Jülich Eisenbahngesellschaft am 1. Mai 1887 als eigenständiges Unternehmen.
Die Erweiterung der Strecke durch die Königlich-Preußische-Eisenbahnverwaltung um ein Anschlussgleis vom Bahnhof Euchen zur Grube Gemeinschaft in Duffesheide erfolgte am 10. Dezember 1897. Mit der Erbauung von Bahnhöfen in Würselen, Alsdorf/Hoengen, Niedermerz und Bourheim wurde erst in den Jahren 1949 bis 1957 begonnen. Am 30. Mai 1980 wurde die Strecke eingestellt, heute sind lediglich noch Reste erkennbar.
Der Bahnhof Aachen-Nord wurde 1973/74 durch die neu gegründete Aachener Industriebahn Aktiengesellschaft umgebaut. Von allen Bahnhöfen in Aachen war er der einzige Kopfbahnhof. Das Empfangsgebäude des Bahnhofes liegt an der Jülicher Straße Ecke Lombardenstraße im Norden Aachens.
Das Gelände des Aachener Nordbahnhofs wurde nach der Stilllegung durch verschiedene Firmen aufgekauft und für entsprechende Zwecke umgenutzt. Bei der Umnutzung des Geländes wurde der Bahnhofsvorplatz mitsamt seinem Charme erhalten. Angrenzend an das ehemalige Bahnhofsgebäude wurden die Gleisanlagen durch Produktions- und Lagerflächen eines großen Süßwarenherstellers ersetzt.
Historisches Empfangsgebäude
Das Bahnhofsgebäude war ursprünglich ein zweigeschossiger Bau mit einer Putzfassade. Das Gebäude war dreiachsig aufgebaut und mit einem Satteldach versehen. Die Fassade des alten Empfangsgebäudes wurde offen gestaltet. Die teils in Glas gefasste Fassade diente als Eingangsbereich. Die Türen waren mit Pfeilern voneinander getrennt und dienten als Tragkonzept. Vor dem Eingangsbereich ermöglichte ein großes Vordach Schutz vor Regen und trug zur optischen Trennung des Türbereiches und der Oberlichter bei. Die Oberlichter sollten noch zusätzlich Licht in die Empfangshalle bringen, da die Größe des Vordaches dies sonst nicht zulassen würde. Im Obergeschoss befanden sich drei Fenster auf der Süd-West Seite. Sie waren zweiflüglig und wurden geometrisch an den Eingangsbereich angepasst. Weiterhin befanden sich auf der Süd-West Fassade, das Siegel Deutsche Bahn und die große Uhr, welche bis heute erhalten geblieben ist. Auf der linken Achse des Gebäudes, welches eingeschossig aufgebaut war, stand die Expressguthalle. Auf der rechten Seite des Bahnhofes befand sich die Gastronomie, bestehend ebenfalls nur aus einem Geschoss, wurde jedoch in fünf Achsen aufgeteilt. Auf der Süd-West Seite des Gebäudes waren Schiebefenster angebracht. Die Expressguthalle und der Gastronomiebereich wurden beide von Satteldächern überdeckt. Auf der zum Gleis zugewandten Seite des Gebäudes wurde die Fassade schlicht gehalten. Im Obergeschoss waren klein gehaltene Flügelfenster. Die Rückseite der Expressguthalle war mit großen Fenstern ausgestattet.
Heutiges Empfangsgebäude
Die Öffnungen im Erdgeschoss wurden weitgehend erhalten und durch neuere Fenster und Profile ersetzt, an dem linken Gebäudeteil wurden die Fensteröffnungen vergrößert und durch bodentiefe Fensterelemente ersetzt. Der Erweiterungsbau wurde durch ein weiteres Geschoss aufgestockt. Das Dach des Bahnhofs ist als Satteldach ausgeführt und mit Doppelfalzziegeln eingedeckt. Das Dachgeschoss des ehemaligen Empfangsgebäudes wurde zu einem Wohnraum ausgebaut, um die nötige Belichtung zu gewährleisten wurden fünf Dachflächenfenster eingesetzt. Das weit überstehende Vordach welches die Öffnungen in Türen und Oberlichter teilte, wurde entfernt und oberhalb der neuen Fenster eingebaut. Das Erscheinungsbild des rechten Gebäudeflügels ist mit Ausnahme der ausgetauschten Fenster erhalten geblieben. Die Bahnhofsuhr auf dem linken geschlossenen Mauerteil konnte als einziges Zeugnis des ehemaligen Bahnhofs erhalten werden. An die Rückseite des Gebäudes wurde eine Lagerhalle auf Giebelhöhe angebaut. Die Lagerhalle wird durch vier Fenster und eine Tür symmetrisch aufgeteilt.
Auf der, der Straße zugewandten Seite des Hauptgebäudes, befand sich eine kleine Rasenfläche welche mit Bäumen bepflanzt war. Somit bekam man einen direkten Blick auf das Gebäude der Deutschen Bahn. Die Rasenfläche diente als Treffpunkt oder bei guten Wetter als Wartebereich im Grünen. Hinter der Grünfläche befand sich noch eine Litfaßsäule welche mit Nachrichten und Informationen versehen war.
(Jens Schwarz, Jascha Erkens, Yannik van Wezemael, Fachhochschule Aachen 2017)