Aggerhütte

früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle, Foliendruckerei „defa“, heute Gewerbegebiet

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Lohmar
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Hauptfassade des zentralen Gebäudes der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath mit der Aufschrift "defa FOLIEN" (2017).

    Hauptfassade des zentralen Gebäudes der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath mit der Aufschrift "defa FOLIEN" (2017).

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  • Südliche Ansicht des zentralen Gebäudes der früheren Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle / Aggerhütte bei Lohmar-Honrath (2017).

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  • Wegweiser und Lageplan zum "Gewerbepark Aggerhütte" bei Lohmar-Honrath (2017).

    Wegweiser und Lageplan zum "Gewerbepark Aggerhütte" bei Lohmar-Honrath (2017).

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  • Hauptfassade des zentralen Gebäudes der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath (2017).

    Hauptfassade des zentralen Gebäudes der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath (2017).

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  • Nordost-Seite des Gebäudes und der Schornstein der Aggerhütte, früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle bei Lohmar-Honrath (2017).

    Nordost-Seite des Gebäudes und der Schornstein der Aggerhütte, früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle bei Lohmar-Honrath (2017).

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  • Rückwärtige Ansicht des Gebäudes der früheren Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle / Aggerhütte bei Lohmar-Honrath (2017).

    Rückwärtige Ansicht des Gebäudes der früheren Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle / Aggerhütte bei Lohmar-Honrath (2017).

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  • Nordost-Seite des Gebäudes und der Schornstein der Aggerhütte, früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle bei Lohmar-Honrath (2017).

    Nordost-Seite des Gebäudes und der Schornstein der Aggerhütte, früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle bei Lohmar-Honrath (2017).

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  • Hauptfassade des zentralen Gebäudes und Schornstein der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath: früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle (2017).

    Hauptfassade des zentralen Gebäudes und Schornstein der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath: früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle (2017).

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  • Hauptfassade des zentralen Gebäudes der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath: früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle, heute Gewerbegebiet (2017).

    Hauptfassade des zentralen Gebäudes der Aggerhütte bei Lohmar-Honrath: früher Kupfererzhütte und Extraktionswerk Aggermühle, heute Gewerbegebiet (2017).

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  • Blick von Bombach bei Lohmar-Honrath auf den Wohnplatz Aggerhütte mit dem Gewerbegebiet Aggerhütte / Aggermühle (2017).

    Blick von Bombach bei Lohmar-Honrath auf den Wohnplatz Aggerhütte mit dem Gewerbegebiet Aggerhütte / Aggermühle (2017).

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Aggerhütte ist ein seit dem 1. August 1969 eingemeindeter Wohnplatz in der Gemarkung Honrath der Stadt Lohmar im Rhein-Sieg-Kreis.
Der Name des Weilers am in die Sieg mündenden Fluss Agger geht auf einen seit dem 18. Jahrhundert genutzten Industriestandort zurück, der zunächst als Kupfererzhütte und Erzaufbereitungsanlage betrieben wurde. Ab 1903 arbeiteten hier dann die Knochenbrecher und -mühlen eines Extraktionswerk zur Düngerproduktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich hier allmählich ein kleines Gewerbegebiet rund um eine Foliendruckerei.

Hüttenwerk und Erzaufbereitungsanlage
Extraktionswerk mit Knochenmühle
Herstellung von Poudrettedünger
Jüngere Geschichte und aktuelle Situation
Kartenbild / Baudenkmal
Quellen / Internet

Hüttenwerk und Erzaufbereitungsanlage
Für das Jahr 1793 ist für Aggerhütte die namensgebende Hütte zur Verhüttung von Kupfererzen belegt. Nach deren Aufgabe und Verfall entstand hier im Jahre 1854/55 durch die Honrather Gewerkschaft eine Erzaufbereitungsanlage für die Gruben Aurora, St. Georg und Volta mit einem Hauptgebäude von immerhin 45 mal 30 Meter Größe (das Gebäude ist nicht erhalten).
„Die Erze wurden von den Grubenfeldern mit einer Pferdebahn zur Aggerhütte gebracht. Hier wurde das Erz mit dem Wasser des Kombaches gereinigt. Die so aufbereiteten Erze mussten mit dem Pferdekarren nach Mühlheim zum Rheinhafen gebracht werden. In den nachfolgenden Jahren führten ausbleibende Erträge die Gesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten. (…) Der Bau und die Einweihung der Aggertalbahn im Jahre 1884 kam für die hiesigen Erzgruben zu spät.“ (www.lohmar.de, Aggerhütte)

Infolge des wirtschaftlichen Niedergangs wurde das Vermögen der Honrather Gewerkschaft 1867 versteigert und der Betrieb in den 1870er Jahren stillgelegt. 1876 stand das Gebäude „nebst 30 Pferd Dampfmaschine“ (gemeint sind wohl „30 Pferdestärken“) zum Verkauf. Ein Kaufinteressent fand sich jedoch nicht, zumal sich die Lohmarer als „frühe Umweltschützer“ in Sorge um „den wertvollen Fischbestand“ und „die Zerstörung des Grasaufwuchses“ gegen eine chemische Fabrik an der Agger wehrten (Zitate nach story.ga-bonn.de). Die Anlage verfiel.
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Extraktionswerk mit Knochenmühle
Auf dem Gelände und in den Gebäuden der vormaligen Hütte und Erzaufbereitungsanlage wurde im Jahr 1903 durch einen Kölner Unternehmer eine Knochenentfettungsanlage eingerichtet. In dem „Extractionswerk“ konnten täglich bis zu 20 Tonnen Tierknochen durch Auskochen verarbeitet werden. Die Knochen wurden dabei zunächst mittels Knochenbrecher zerkleinert und dann unter Zugabe von Benzin entfettet. Das dabei neben dem stinkenden „Knochenteer“ anfallende Öl konnte für die Herstellung von Seife genutzt werden.
Die extrahierten Knochen wurden in Knochenmühlen zu Knochenmehl gemahlen. Dieses wurde vornehmlich als Dünger genutzt, da es Phosphor und Calcium in Form von Calciumphosphat enthält.
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Herstellung von Poudrettedünger
Daneben wurde an der Aggerhütte auch eine Anlage zur Herstellung von Fäkaldünger, so genanntem „Poudrettedünger“ betrieben. Dieser besteht – folgt man dem Hinweis im Polytechnischen Journal von 1848 auf eine entsprechende Fabrik Le Bourgo in Frankfurt am Main – „größtentheils aus menschlichen Excrementen, bei welchen die schwefel- und stickstoffhaltigen Stoffe durch Zugabe sowohl von Eisenvitriol als thierischer Kohle zweckmäßig fixirt sind.“
Die Fäkalien und die an der Agger verarbeitete stickstoffhaltige Moorerde wurden mit geschlossenen Kessel-Eisenbahnwagen über den eigenen Gleisanschluss direkt an die Fabrikationsgebäude herangefahren, wo das Ausgangsmaterial dann „mit einer Pumpe direkt in den Rührapparat gefördert wurde (und) beides in den Rührgefäßen gemischt und anschließend in der Trockentrommel mittels Feuergasen getrocknet (wurde). Der Antrieb sämtlicher Maschinen erfolgte über die in der Halle befindliche Hauptantriebswelle, welche von einer Dampfmaschine angetrieben wurde.“ (www.lohmar.de, Aggerhütte)

Wirklich durchgesetzt hat sich der Poudrettedünger offenbar nicht und auch das Knochenmehl wurde im 20. Jahrhundert allmählich von anorganischen Mineraldüngern verdrängt. So endete die Knochenmehl-Produktion der „Knochen-Möll“ an der Aggerhütte 1940. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Anlagen für kriegswichtige Produktionen des Rüstungsunternehmens Friedrich Krupp AG beschlagnahmt. Nach Kriegende verfielen die leerstehenden Gebäude dann allmählich.
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Jüngere Geschichte und aktuelle Situation
Erst 1968 wurden die Gebäude wieder bezogen, als die Foliendruckerei defa das Anwesen wieder nutzte und teils auch wieder aufbaute. In dritter Generation hat die Firma hier bis heute ihren Standort – inzwischen zwar unter anderem Namen Heikoflex GmbH, doch die Inschrift defa FOLIEN prangt noch meterhoch an der Fassade des als Lager genutzten und mittlerweile denkmalgeschützten Gebäudes.
Rund um die frühere Aggerhütte hat sich in den vergangenen Jahren ein kleines Gewerbegebiet gebildet, unter anderem mit einer KFZ-Werkstatt, einem Werkzeugverleih und einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb.
Das Areal wird bis heute von dem seit seinem Bau 1903 äußerlich kaum veränderten, markant rot-gelb-geklinkerten Backsteingebäude mit seinen gemauerten Fabrikschloten geprägt: Der „25 Meter hohe Backstein-Koloss mit seinen gemauerten Fabrikschloten ragt wie ein Fremdkörper in die ländliche Idylle.“ (story.ga-bonn.de).
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Kartenbild
Die historischen Karten der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme zeigen das Terrain noch völlig unbebaut. In der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) sind dann vor Ort großflächig die „Aggerhütten“ eingetragen, die nun auch von den Gleisen der Aggertalbahn erschlossen werden (vgl. die historischen Karten in der Kartenansicht).

Baudenkmal
Das „Fabrikgebäude Aggerhütte“ (Gemarkung Honrath, Flur 1, Nr. 123) ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Lohmar, Nr. 118).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)
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Quellen
Polytechnisches Journal, herausgegeben von Dr. Johann Gottfried Dingler, Band 109, Stuttgart 1848, S. 483-484.

Internet
www.lohmar.de: Sehenswertes, Aggerhütte / Extractionswerk Aggerhütte (abgerufen 11.04.2017)
www.lohmar.de: Denkmalliste (abgerufen 11.04.2017)
www.defa-folien.de: Wir über uns (abgerufen 11.04.2017)
story.ga-bonn.de: „Zwischen den Welten. Von Pleistalwerk bis Aggerhütte: In alten Fabriken wird Industriegeschichte greifbar. Was soll aus ihnen werden?“, von Delphine Sachsenröder (Text) und Andreas Dyck (Fotos) (abgerufen 11.04.2017)
de.wikipedia.org: Aggerhütte (abgerufen 11.04.2017)
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Literatur

Sachsenröder, Delphine (Text); Dyck, Andreas (Fotos) (2017)
Nach der letzten Schicht – Von Pleistalwerk bis Aggerhütte…. In: General-Anzeiger Bonn vom 13. März 2017, S. 10-11. o. O.

Aggerhütte

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Aggerhütte
Ort
53797 Lohmar - Honrath-Aggerhütte
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1793
Koordinate WGS84
50° 54′ 49,49″ N, 7° 16′ 15,73″ O / 50.91375°, 7.27104°
Koordinate UTM
32U 378458.24 5641657.05
Koordinate Gauss/Krüger
2589430.98 5642821.36

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Aggerhütte”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-266635 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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