Layenkaut bei Seibersbach

Layen Kaule, Layenkauth, Layenkaul

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Seibersbach
Kreis(e): Bad Kreuznach
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Bereits im Jahr 1450 fand der südöstlich von Seibersbach im Guldenbachtal gelegene Ortsteil Layenkaut seine erstmalige Erwähnung. Früher wurden auch die Bezeichnungen „Layen Kaule“, „Layenkauth“ oder „Layenkaul“ noch mit jenem Ortsteil in Verbindung gebracht (vgl. May 2005, S. 76). Größere Bekanntheit erhielt die Layenkaut vor allem durch den im 17. Jahrhundert einsetzenden Abbau von Schiefer wenige Meter oberhalb der heute noch bestehenden Gebäude.

Die Blütezeit der Layenkaut
Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert machten die beginnenden Dacheindeckungen mit Dachschiefer einen erhöhten Bedarf an Schiefer notwendig (vgl. May 2005, S. 75). Der Hunsrück weist als naturräumliche Region des linksrheinischen Schiefergebirges mächtige Wechselfolgen von Sedimentgesteinen wie etwa Schiefer-Sandstein-Serien auf. Diese Vorkommen sind auf geotektonische Prozesse zurückzuführen, die vor vielen Millionen Jahren zur Entstehung des Rheinischen Schiefergebirges führten. So begründen sich schließlich auch die reichhaltigen Schiefervorkommen im Bereich der Gemarkung Seibersbach und speziell in der näheren Umgebung der Layenkaut. In jener Zeit verhalf der einsetzende Schieferabbau der Layenkaut zu ihrer vermutlich ersten und einzigen Blüte (vgl. ebenda). Der Abbau erfolgte dabei aus einer oberhalb des Ortsteils gelegenen Schiefergrube, deren zugehörigen Stollen mit einer Länge von circa 11 m und 4 m nahezu waagerecht in den Berg hineinreichten. Bis Ende des 20. Jahrhunderts waren die Eingänge zur Schiefergrube noch begehbar, jedoch sind jene aufgrund von wetterbedingten Einflüssen derzeit nicht mehr zugänglich. Neben der Gewinnung unter Tage wurde der Dachschiefer in einem Tagebau unmittelbar bei der Layenkaut gebrochen (vgl. May 2005, S. 76). Während der Steinbruch oberhalb der Layenkaut heute größtenteils von der Vegetation zurückerobert wurde, sind an jenen Hängen teilweise noch Aufschlüsse von Schiefer vorzufinden.

Gebäude
Der Ursprung der Layenkaut lässt sich bis in das Jahr 1450 zurückverfolgen. Beide heute noch bestehenden Häuser sind zudem auf alten Französischen Karten des frühen 19. sowie auf der Preußischen Uraufnahme aus Mitte des 19. Jahrhunderts eingezeichnet. Darüber hinaus findet sich auf jenen Karten ein weiteres kleines Gebäude gegenüber den beiden Häusern, wobei an dieser Stelle heute ein hölzernes Gartenhaus vorzufinden ist. In Zeiten des Schieferabbaus diente dieser Bereich nachweislich als Schutthalde für den abgebauten Schiefer. Dies geht aus Schieferbruchstücken hervor, die nahe der Geländeoberfläche anzutreffen sind. Mitte der 1960er Jahre wurden die Wohngebäude von den heutigen Eigentümern in mühevoller Arbeit instandgesetzt. So findet sich an der weißen Außenfassade des vorderen Gebäudes eine malerische Darstellung der Layenkaut mit dem Schriftzug „Fam. Schmitz Layenkaut“. Ferner wurde ein neben dem Hauseingang befindliches Wandkreuz aus älterer Zeit in Einklang mit der Außenfassade aufwendig restauriert. Die Fassade des hinteren Gebäudes wurde dagegen weitgehend in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild belassen. Daher lässt sich an einer Außenwand des Hauses noch die frühere Verwendung von Schiefer als natürlicher Baustoff eindrucksvoll nachvollziehen.

Änderungen in der Straßenführung
Der Weg zur Layenkaut führt über eine schmale befestigte Straße, die orographisch rechts entlang des Guldenbachs verläuft. Früher bestand hier eine Verbindung zwischen der nordwestlich gelegenen Junkermühle über den Ortsteil Layenkaut hin zur Stadt Stromberg. Mit dem Bau der an der Junkermühle vorbeiführenden Seibersbacher Straße um 1865 wurde diese alte Verbindung für den Durchgangsverkehr allerdings obsolet (vgl. ebenda). Noch bis in die 1960er Jahre glich der Weg zur Layenkaut einem Feldweg, der bei schlechter Witterung nur unter erschwerten Bedingungen passiert werden konnte. In dem Fall nahmen die Einwohner der Layenkaut ihren Weg nach Seibersbach zumeist über eine stillgelegte Bahntrasse, die oberhalb des Ortsteils in Nordwest-Südost-Richtung verlief.

Erzählungen
Der erwähnte Stollen der nahegelegenen Schiefergrube stellte für die Einwohner der Layenkaut am Ende des Zweiten Weltkriegs einen sicheren Zufluchtsort vor Westen heranrückenden Truppen dar. So marschierten amerikanische Soldaten in jener Zeit aus Richtung Rheinböllen in Seibersbach und schließlich vorbei an der Layenkaut in Daxweiler ein. Es ergab sich, dass für die Einwohner der Layenkaut im Vorfeld eine Verständigung mit russischen Zufluchtssuchenden vonnöten war, um gemeinsam im Stollen der Schiefergrube verharren zu können.
Eine weitere Erzählung über die Layenkaut beruht auf der Änderung von Besitzverhältnissen, die im Zusammenhang mit dem Bau der Bahntrasse auftraten. So musste ein Teil der Felder oberhalb des Ortsteils an den Betreiber des Schienenwegs abgetreten werden. Da die Besitzer für damalige Verhältnisse gut entlohnt wurden, konnten sie am Tag nach dem Verkauf ihre angesammelten Schulden im Nachbarort Daxweiler begleichen (vgl. May 2005, S. 77).

(Jan Wengel, Universität Koblenz-Landau, 2017 / freundliche Hinweise von Gerold Schmitz, Seibersbach)

Literatur

Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz (2011)
Landschaft im Wandel. Blatt 6012 Stromberg. Historische Kartenblätter von 1811-2000. Maßstab 1:25000. Kartenaufnahme von Tranchot & Müffling - Stromberg, Jahr 1811, Koblenz.
May, Dieter (2005)
Seibersbach - Meine Heimat. Zeugnisse und Geschichten aus alter Zeit. Seibersbach.

Layenkaut bei Seibersbach

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Layenkaut
Ort
55444 Seibersbach - Layenkaut
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1450
Koordinate WGS84
49° 57′ 25,13″ N, 7° 44′ 50,61″ O / 49.95698°, 7.74739°
Koordinate UTM
32U 410150.37 5534599.54
Koordinate Gauss/Krüger
3410189.62 5536373.98

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„Layenkaut bei Seibersbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-266606 (Abgerufen: 14. August 2018)
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