Jüdischer Friedhof Rümmelsheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Rümmelsheim
Kreis(e): Bad Kreuznach
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Rümmelsheim seit dem frühen 19. Jahrhundert
Die jüdische Gemeinde Rümmelsheim hat eine lange Tradition. Im Jahr 1548 wurde bereits im Buch „Geschichte der Juden in der Kurpfalz“ ein Jude aus Rümmelsheim benannt (Löwenstein 1895). Allerdings gibt es dann keine weiteren schriftlichen Erwähnungen von jüdischen Siedlungen, einem Friedhof oder einer Synagoge bis ins Jahr 1808, obwohl im 18. Jahrhundert sowohl der Friedhof als auch die Synagoge „An der Bach“ erbaut wurden. Im Jahr 1823 wuchs die jüdische Gemeinde um fünf Mitglieder aus Waldalgesheim und fünf aus Weiler bei Bingen, die bis dahin zur Synagoge in Schweppenhausen (Waldalgesheim) beziehungsweise Bingen (Weiler) orientiert waren. In dieser Zeit war Carl Wohlgemuth der Gemeindevorstand. Dreißig Jahre später beschlossen die Waldalgesheimer im Jahr 1853, in der Gemeinde Rümmelsheim aufzugehen, da diese bereits eine eigene, wenn auch ausbaufähige, Synagoge besaßen.
Im Jahr 1906 löste sich die Gemeinde Rümmelsheim auf, weil sich die Juden aus Bingerbrück im Jahr 1892 per königlichem Dekret getrennt hatten und die Rüsselsheimer damit eine zu kleine Gemeinschaft bildeten. Die Rümmelsheimer Synagoge wurde im Jahr 1930 abgerissen. Per Beschluss des Regierungspräsidenten aus Koblenz aus dem Jahr 1938 sollte die örtliche Gemeinde aus gesundheitspolizeilichen Gründen das Gelände von den Gräbern befreien und ins Gemeingut übergehen lassen. Desweiteren sollten die Grabsteine zweckentfremdet werden, solange kein Angehöriger Anspruch darauf erheben würde. Die Rümmelsheimer widersetzten sich diesem Beschluss und ließen den Friedhof in seinem ursprünglichen Zustand. Mit der Zeit verwilderte er, so dass nach dem Krieg der Friedhof freigeschnitten werden musste und einen stabilen Zaun erhielt.

Gemeindegröße
31 (1808), 68 (1848), 58 (1858), 10 (1925)
Im Jahr 1925 befand sich unter den 10 Gemeindemitgliedern kein Rümmelsheimer mehr, sondern fünf aus Waldalgesheim und fünf aus Weiler bei Bingen.

Synagoge
Die Synagoge in Rümmelsheim muss um 1808 eingeweiht worden sein, 40 Jahre später ist sie bereits in einem derart maroden Zustand, dass sie 1852 renoviert werden musste. Mit der Auflösung der Gemeinde im Jahr 1906 ist diese Synagoge wohl geschlossen worden.

Friedhof
Der jüdische Friedhof liegt etwa zwei Kilometer im Nordosten von Rümmelsheim im Gebiet „Im Horet“ auf einer Höhe von etwa 332 m über Normalnull. Es sind heute noch sechs Gräber erhalten geblieben, obwohl mehr Gräber vorhanden sein müssen. Der Friedhof hat zwei Besitzer, so besitzt zum einen die Synagogengemeinde Rümmelsheim ein Areal von 790 Quadratmetern, wie es im Grundbuch von Rümmelsheim in Band 25 auf Blatt 997 vermerkt ist, und die Ortsgemeinde Rümmelsheim ein Areal von 185 Quadratmetern. Beide Areale sind gemeinsam umzäunt. Der letzte Bestattete, der noch erkennbar ist, ist Wolfgang Stern, gestorben am 19.05.1913.

Der Jüdische Friedhof in Rümmelsheim ist als geschütztes Kulturdenkmal (Denkmalzone) ausgewiesen: „vor 1808 (?) eröffnet, sechs Grabsteine, von 1848 bis 20. Jh.“ (Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Bad Kreuznach, S. 99)

(Matthias Gröber, Universität Koblenz-Landau, 2017)

Internet:
www.alemannia-judaica.de(abgerufen am 21.02.2017)
www.uni-heidelberg.de/(abgerufen am 21.02.2017)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2017)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Bad Kreuznach (Stand 16.02.2017). S. 99, Mainz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Bad Kreuznach, abgerufen am 17.02.2017
Kreisverwaltung Bad Kreuznach; Pädagogisches Zentrum Bad Kreuznach (Hrsg.) (1995)
Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach, Teil 1: Geschichte und Gestaltung. (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach 28.) Bad Kreuznach.
Löwenstein, Leopold (1895)
Geschichte der Juden in der Kurpfalz. In: Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland, Band 1, Frankfurt. Online verfügbar: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de, abgerufen am 20.03.2017
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.

Jüdischer Friedhof Rümmelsheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Horetberg
Ort
55452 Rümmelsheim
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1780 bis 1870
Koordinate WGS84
49° 56′ 17,85″ N, 7° 50′ 24,47″ O / 49.93829°, 7.84013°
Koordinate UTM
32U 416770.24 5532414.45
Koordinate Gauss/Krüger
3416812.13 5534188.06

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC-BY (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Jüdischer Friedhof Rümmelsheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-265478 (Abgerufen: 17. August 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang