Funktion und Bedeutung für Oberwesel
Einst sollte der Bahnhof einen neuen gesellschaftlichen Mittelpunkt für Oberwesel darstellen und somit den Rheintourismus fördern. Die Fahrgäste konnten im Erdgeschoss an einem Schalter Fahrkarten kaufen. Auch ein Gepäckversand war hier integriert. Außerdem gab es in dem Gebäude ein Büro und der Telegraphenraum des Stationsvorstehers, ein Damenzimmer für weibliche Fahrgäste sowie getrennte Wartesäle für die erste und zweite Klasse. Im ersten Obergeschoss lagen die Wohnungen des Portiers und des Stationsvorstehers. Die Aufteilung der Wartesäle wurde 1926 /1927 aufgelöst.
Gebäude
Beim Bahnhofsgebäude handelt es sich um einen spätklassizistischen, zweigeschossigen Putzquaderbau mit sieben Fensterachsen. Sowohl zur Straßen- als auch zur Gleisseite treten die drei mittleren Fensterachsen als Giebelrisalite hervor.
Im Erdgeschoss lassen sich zur Straßenseite zwei und zur Gleisseite eine Tür ausmachen. Die Tür wird durch ein Rundbogengewand hell ummantelt. Bei den Fenstern im Erdgeschoss handelt es sich um zweibahnige Rundbogen Fenster, die ebenfalls von einem hellen Gewand, welches bis zum Sockel hinabreicht, ummantelt wird. Im ersten Geschoss, welches durch ein helles Gesims von Obergeschoss abgetrennt ist, wurden rechteckige Fenster, die ebenfalls ummantelt sind, eingesetzt. Unterhalb des von schiefergedeckten Daches, welches durch Holzstreben gestützt wird, lassen sich in den Giebeln Rundfenster ausmachen. Die Verdachung wird zudem von einem umlaufenden Fries profiliert.
Baumaßnahmen
1907 und 1908 wurde dieser Gebäudekomplex zu beiden Seiten um einen eingeschossigen Anbau mit Flachdach erweitert. In ihrer Ausgestaltung wurden diese Gebäude an die Optik des Erdgeschosses angelehnt. Im Norden verfügt der Anbau über eine Fensterachse und auf der Südseite über vier Fensterachsen. Diese Art der preußischen Eisenbahnarchitektur lässt sich auch in Boppard, Bacharach sowie in Remagen wiederfinden. 1925 waren bereits erste Erneuerung im Bereich der Empfangshalle von Nöten. Zudem wurde ein separates Toilettenhaus errichtet. Durch die deutsche Bundesbahn wurde 1969 und 1970 ein Relaisgebäude hinzugefügt.
Aktuelle Situation
Heute ist das alte Bahnhofsgebäude nicht mehr für Passagiere zugänglich. Allerdings ist an der gleisgewandten Seite des Gebäudes ein gläserner Vorbau errichtet worden, der als Stellwerk der Bahn fungiert. Nach wie vor ist an der Bahnseite der Höhenmesspunkt für Oberwesel angebracht, der aufzeigt, dass Oberwesel auf einer Höhe von 77,487 m ü. NN liegt. Im Sommer 2013 wurde das Gebäude an einen Investor verkauft und befindet sich in Privatbesitz.
(Anne Gasper, Universität Koblenz-Landau, 2016; Aktualisiert und überarbeitet von Florian Weber, Universität Koblenz, 2026)