Eisenerzbergbau bei Golbach

Feld Stahlberg, Kindshardt

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Kall, Schleiden
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Bergbaugebiet in Kall-Golbach. Blick auf einen Doppelschacht (2016)

    Bergbaugebiet in Kall-Golbach. Blick auf einen Doppelschacht (2016)

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  • Bergbaugebiet in Kall-Golbach. Blick auf einen der Doppelschächte (2016)

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  • Bergbaugebiet in Kall-Golbach. Blick auf einen der Doppelschächte (2016)

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Die Landschaft um Kall ist geprägt vom Eisensteinbergbau. Mehr als 2.000 verlassene Erzgruben und Schürfstellen, die sogenannten Pingen, zählt das Kaller Revier. Nördlich von Golbach erstreckt sich das größte mittelalterliche bis neuzeitliche Pingenfeld der Gegend (Feld Stahlberg auf der Kindshardt).

Geschichte
Geologischer Untergrund
Abbau
Verhüttung
Haak-Stollen

Geschichte
Es ist davon auszugehen, dass spätestens in der römischen Zeit nach manganhaltigem Eisenerz im Stahlberg bei Golbach geschürft und das gewonnene Material weiter verarbeitet wurde.
In den Jahren 1180 bis 1200 warb der Graf Eberhard von Heimbach, der auch Edelherr im Lüttichgau war, wallonische Bergleute und Hüttenleute aus dem alten Montangebiet Lüttich für den Blei- und Eisenerzbergbau in der Nordeifel. Sie siedelten sich im Raum Kall an. Sie brachten das Wissen um die damals modernen Verhüttungsverfahren mit. Eine Steinfelder Urkunde vom 22. März 1187 erwähnt erstmals eine „curia Reytbach“. Der Hofname deutet auf ein Reitwerk (Eisenhüttenwerk) hin. Die genaue Lage ist unbekannt. Es wird aber zwischen Frohnrath und Golbach am Kallbach gelegen haben.

Für die Entwicklung des deutschen Bergbaus war die sogenannte Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356 entscheidend (Goldene Bulle = Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches). Diese verbriefte den Kurfürsten unter anderem das Bergregal auf Metalle und Salz, das in der Folgezeit auch auf die Territorialherren übertragen wurde. Da die Goldene Bulle die Grundlage des gemeinen deutschen Bergrechts gebildet hat, gehörte der Eisenerzbergbau auch zu den Bergbauzweigen, die Kraft des Bergregalrechtes dem Verfügungsrecht des Grundeigentümers entzogen waren. Für den Bereich Kall und Golbach besaßen als Grundherren die Herzöge von Jülich mit der Herrschaft Dreiborn und die Herzöge von Luxemburg mit der Herrschaft Schleiden dieses Bergregal. Sie legten fest, dass jeder Bewohner im Wildbann Kall gegen Abgabe des Zehnten nach Eisenerzen graben konnte. Die Zehntabgabe stand durch Schmelzhütte und Waage unter Aufsicht der fürstlichen Verwaltung in Heimbach. Es begann die Pionierzeit des Kaller Bergbaues, denn viele Familien sahen im Blei- und Eisenerzbergbau eine zusätzliche Einnahmequelle zu den spärlichen Einnahmen aus der Landwirtschaft. Es begann eine rege Abbautätigkeit.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Brauneisensteinlager im Bereich der Kindshardt, der Loshardt und des Girzenberges bis auf den Grundwasserspiegel abgebaut. Da ein weiterer Abbau nur durch eine Grubenentwässerung mittels Wasserlösungsstollen möglich war, mussten die vielen kleinen Partialfelder zusammengelegt werden. Das Feld Stahlberg wurde dabei vom Haaker Stollen erschlossen.
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Geologischer Untergrund
Im Untergrund unter der Ortschaft Golbach stehen als lokale geologische Besonderheit Gesteine aus der Perm-Zeit an (Alter: 296 ‒ 251 Millionen Jahre). Sie bilden die oberste, d. h. die jüngste Einheit des Erdaltertums. Darüber folgen die geologischen Einheiten der Buntsandstein-Zeit (Trias-Zeit: 251 ‒ 200 Millionen Jahre).

Die hier aufgeschlossenen permischen Gesteine sind in der Nordeifel nur an dieser Stelle als Aufschluss deutlich über Tage sichtbar. Es handelt sich hier um sog. Kalksteinkonglomerate. Dies sind durch eine rote, feinkörnige Grundmasse verbundene Gerölle und kantige Bruchstücke aus Kalk- und Dolomitsteinen. Durch Bohrungen in Golbach und Dottel ist die weitere Verbreitung einer etwa 9 ‒ 15 Meter mächtigen Schicht dieser permischen Kalkkonglomerate nachgewiesen.
Lagenweise Anreicherungen von Brauneisenstein finden sich auf den Perm-Schichten um Golbach. Hierzu gehört das Feld Stahlberg auf der Kindshardt. Die ausgedehnten Vorkommen wurden durch die Verwitterung eisenschüssiger, permischer Kalksteinkonglomerate und Anreicherung der Eisenanteile in einem roten Ton unterhalb des Buntsandsteins gebildet und waren mit 40 ‒ 50% Eisengehalt recht hochwertig. Zum Abbau musste aber die über 10 Meter mächtige erzfreie Deckschicht durchteuft werden.
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Abbau
Um das eisenhaltige Gestein aus der Tiefe zu bergen, wurden in den Grubenfeldern Schächte bis auf die erzführenden Schichten abgeteuft. Es wurden sogenannte Reifenschächte mit rundem Querschnitt angelegt.

Dazu grub man einen Schacht mit einem Durchmesser von ca. 1,4 Metern im oberen Bereich, der sich nach unten verengte. Zur Abstützung der Schachtwand wurden junge, reifenartig gebogene Eichenstämmchen in den Schacht eingebaut. Ihre Elastizität erzeugte den Druck nach außen auf die Gesteinswand. Zusätzliche Stabilität brachte Birkenreisig, das zwischen den Reifen verflochten wurde. Im Bereich des Eisensteinlagers erweiterte man die Schächte zu sogenannten „Tummeln“. Von dort aus sind vielfach kurze Strecken entlang des Erzlagers vorgetrieben worden, die eine Länge bis 20 Metern erreichen konnten.
Mit zunehmender Tiefe reichte der einfache Schachtbau nicht aus. Die Bergleute legten nunmehr einen zweiten Schacht an, der parallel zum ersten mit einem Achsabstand von 4 bis 8 Metern in die Tiefe ging. Diese Schächte mündeten in den gleichen Tummel (unterirdischer Abbauraum) und sorgten für die notwendige Luftzirkulation (Bewetterung) in der Grube. Außerdem stand so ein zweiter Schacht zur Verfügung, der ebenfalls zur Förderung und Entwässerung, aber auch als Sicherungsschacht bei Gesteinssturz verwendet werden konnte.
Mit dieser Technik erreichte man hier auf der Kindshardt die Eisensteinlager in einer Tiefe von ca. 8 bis 16 Metern. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts betrugen die Teufen bis zu 30 Metern. Stellenweise wurden Schächte bis zu 40 Metern tief gebaut. Die Grundwasserlinie bildete bei dieser Art des Abbaus die technische Grenze in der Tiefe.

Heute noch erkennt man im ehemaligen Grubenfeld Stahlberg auf der Kindshardt die trichterartigen Vertiefungen der typischen Doppelschachtmündungen der Erzpingen (Reifenschachtanlage). Sie haben eine Größe von etwa 15 mal 20 Metern und sind von einem ringförmigen Wall umgeben. Aus der Größe der Trichter lassen sich Schlüsse über Tiefe oder Alter der Schächte ziehen.
Eine Reifenschachtanlage gab je nach Größe 3 bis 6 Bergleuten Arbeit und Brot. Da der Kaller Erzbergbau in der Regel nebenerwerblich und eigenwirtschaftlich durchgeführt wurde, waren hier Großfamilien oder mehrere in Genossenschaften zusammengeschlossene Personen in Eigenlohn tätig. Ein so betriebenes Bergwerk konnte unter günstigen Umständen 450 bis 650 Tonnen Erz pro Jahr fördern. Dabei wurden in der Regel zwei Hauer, zwei bis vier Korbfüller und Träger sowie zwei Zieher oder Zieherinnen beschäftigt.

Für viele Familien Kalls bildete der Bergbau die zweite, oftmals lebensnotwendige Erwerbsgrundlage, da die Ernten der Landwirtschaft auf den kargen Eifelböden selten gut ausfielen. Im Spätherbst, Winter und Frühjahr wurden die Gruben betrieben, in den Sommermonaten ruhte die Arbeit, teils wegen der Feldbestellung, teils wegen des Wettermangels (Luftzufuhr in den Gruben).
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Verhüttung
Im Eifeler Raum erfolgte die Verhüttung von Eisen vor dem 14. Jahrhundert in unmittelbarer Nähe der Erzgruben. Der erforderliche Gebläsewind wurde dabei von dem natürlichen Windzug des Berghanges oder durch Muskelkraft mit Blasebälgen erzeugt. Nach der Entwicklung der Stücköfen und Hochöfen, welche wegen des höheren benötigten Winddruckes wasserbetriebene Gebläse besaßen, zogen die Eisenhütten an die Wasserläufe in die Täler.

Damit trat auch das Problem des Erztransportes auf. Schwere, für die Last des Eisensteins gebaute, ein- oder zweiachsige Karren mit breiten Radreifen transportierten das Erz zu den Pochwerken der Hüttenbetriebe. Bei steilen Bergabfahrten wurden die Wagen mit Baumstämmen abgebremst, die auf der Erde schleifend hinterhergezogen wurden. Die Seitenwände der Karren waren durch Rungen gehalten und waren abnehmbar. Dadurch war ein relativ einfaches Abladen der Erzfracht möglich.

Im Gemeindegebiet von Kall sind viele noch heute genutzte Wald- und Flurwege ursprünglich als Fuhrwege für die schweren eisensteinbeladenen Ochsenkarren angelegt worden. Sie führten aus den Pingengebieten Stahlfeld, Neue Concordia, Heidenacker-Lager und Girzenberg-Lager direkt zu den Verhüttungsbetrieben Kalls, Gemünds, in das Schleidener Tal oder in das Urfttal.
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Haak-Stollen
Der Haak-Stollen wurde ab 1865 auf die Eisenerzvorkommen an der Kindshardt zugetrieben, um tiefere Bereiche des Abbaufeldes Stahlberg, das eigentliche Hauptlager, zu erschließen. Im Jahre 1838 hatte Herzog Prosper Ludwig von Arenberg eine Konzession unter dem Namen Stahlberg erworben und seither umfangreiche Versuchsarbeiten durchgeführt.
Das Bergwerk musste einige Bedeutung besessen haben, wenn man die aufwendige neobarocke Architektur des Mundloches betrachtet. Der Eingang wies seitlich des aus sauber behauenen großen Steinquadern gefügten Mundloches zwei Pilaster auf, deren Kämpfer sich mit dem horizontalen Abschlussgesims der im Hang vorgelagerten Böschungsmauer verkröpft hatten. Dieses Mundloch wurde im September 1865 vollendet. Auf einer Steinplatte oberhalb des Gesimses ist zu lesen: „Haak-Stollen, September 1865“.

Der Haak-Stollen erreichte eine Länge von 1.538 Metern. Die ersten 20 Meter waren mit einem hohen Ziegeltonnengewölbe ausgebaut. Danach verkleinerte sich der Querschnitt, es war offenbar kein weiterer Ausbau nötig. Der Stollen erlangte nie die beabsichtigte Bedeutung, da die Arbeiten vor Erreichen des Erzvorkommens wegen schwieriger Wasserhaltungsbedingungen eingestellt wurden.
In den Kriegsjahren 1944/45 fiel dem Haak-Stollen eine besondere Bedeutung zu: Er diente als Luftschutzraum für die Zivilbevölkerung und gleichzeitig als Notkirche für die katholische Gemeinde St. Nikolaus in Kall. Das Mundloch und der Eingangsbereich des Haak-Stollens mussten Ende 1978 dem Neubau des Berufsschulzentrums weichen.
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Das Bergbaugebiet bei Golbach ist eingetragenes Bodendenkmal (Gemeinde Kall, UDB-Nr. B 12; LVR-ABR Nr. EU 90).

Das Erzbergbaugebiet bei Golbach war Station der Archäologietour Nordeifel 2016.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2016)

Internet
www.kall.de: Flayer Pingenwanderpfad (PDF-Dokument; 2 MB) (Abgerufen: 27.8.2016)
www.bodendenkmalpflege.lvr.de: Archäologietour 2016 (Abgerufen: 27.8.2016)
www.eifelverein.de: Bericht der Ortsgruppe zum Pingenwanderpfad (Abgerufen: 27.8.2016)

Literatur

Kley, Nikolaus; Brunemann, Hans-Georg (1995)
Auf der Suche nach Eisenstein ‒ Spuren Kaller Bergleute. In: 100 Jahre Eifelverein Ortsgruppe Kall 1895 bis 1995. Festschrift der Ortsgruppe Kall des Eifelvereins aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums in Verbindung mit dem Eifeltag des Eifelvereins und dem Bezirkswandertag der Bezirksgruppe Euskirchen, Kall.

Eisenerzbergbau bei Golbach

Schlagwörter
Ort
Kall - Golbach
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn 1180 bis 1200
Koordinate WGS84
50° 31′ 46,29″ N, 6° 31′ 36,72″ O / 50.52953°, 6.52687°
Koordinate UTM
32U 324722.51 5600429.52
Koordinate Gauss/Krüger
2537401.53 5599442.24

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Eisenerzbergbau bei Golbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252589 (Abgerufen: 27. Mai 2018)
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