Kurfürstliche Vogtei in Bad Neuenahr

heute „Gästehaus Beethovenhaus“ des Hotels Fürstenberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Neuenahr-Ahrweiler
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Beethovenhaus in Bad Neuenahr (2016)

    Beethovenhaus in Bad Neuenahr (2016)

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  • Beethovenhaus in Bad Neuenahr (2015)

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  • Straßennamensschild "Beethovenstraße" in Bad Neuenahr-Ahrweiler (2015)

    Straßennamensschild "Beethovenstraße" in Bad Neuenahr-Ahrweiler (2015)

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Dieses Haus, das zwischen dem ehemaligen jülichschen Rentmeistereigebäude (von 1822-1910 katholisches Pfarrhaus) und dem Hotel Fürstenberg, zu dem es heute als Gästehaus gehört, liegt, lässt sich an der oberen Mittelstraße finden. Es ist das baulich wertvollste noch erhaltene ältere Haus in Bad Neuenahr und trägt die Aufschrift „Beethovenhaus“. Es liegt im früheren historischen Ortsteil Beul am Fuße des Neuenahrer Berges. Dieses Haus war 80 Jahre lang das Anwesen der Familie von Breuning bevor es 1905 von den Eheleuten Heinrich Schmitz erworben wurde und bis heute in Familienbesitz ist.

Beschreibung der äußeren Erscheinung des Beethovenhauses
Bei genauerer Betrachtung lässt sich erkennen, dass das Haus aus eigentlich zwei Hausteilen besteht, die je einen eigenen Treppenzugang haben und zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Der östliche Teil, der seinen Zugang an der Straßenseite hat, verfügt über einen gegitterten Treppenvorbau, der etwas breiter und tiefer ist als der Zweite, der 52 Jahre älter ist und dessen Eingangstreppenbereich seitlich am Haus gelegen ist. Auskunft über die Erbauer und die Zeit des jüngeren Hausteils bekommt der Betrachter in Form einer Inschrift auf Sandstein, welche sich oberhalb der Tür befindet. Sie trägt folgenden Wortlaut:
„SATRAPA DE STOCKHAVSEN CoNsILIARIVs AVLAE VXOR DE KERICH HAEC SIBI TECTA LO CANT“
Übersetzt bedeutet dies: „Amtmann von Stockhausen Hofrat [und] seine Ehefrau von Kerich bauen sich dieses Haus.“

Diese Inschrift über dem Treppeneingang stellt ein Chronogramm dar, welches zusätzlich auch die Jahreszahl der Erbauung des Hauses wiederspiegelt. So steht die Anzahl folgender Buchstaben für unterschiedliche Jahreszahlen, die am Ende zusammenaddiert, das Baujahr ergeben. Die römischen Buchstaben stehen dabei für folgende Zahlen: D = 500; C = 100; L = 50; X = 10; V = 5; I = 1. In der Inschrift oberhalb der Eingangstür kommen die römischen Ziffern folgendermaßen vor: D = 2 (1000); C = 6 (600); L = 3 (150); X = 1 (10); V = 4 (20); I = 6 (6). So kann man am Ende für den linken Hausteil das Baujahr 1786 errechnen.
Oberhalb der Inschrift lassen sich noch zwei Wappen erkennen, linker Hand das des Ehemanns, bei dem ein Querbalken mit 3 Sternen das ovale Feld halbiert. Im unteren Feld sieht der Betrachter ein Haus auf einem Baumstumpf, welches die Versinnbildlichung des Namens Stockhausen darstellt und im oberen Feld lässt sich ein Turm und ein wachsender Löwe finden. Das Wappen der Ehefrau von Kerich, welches sich rechts oberhalb der Inschrift lokalisieren lässt, zeigt im Oval ein Malteserkreuz.
Zudem kann der Betrachter ein weiteres kleineres Wappen, dass der Breuningschen Familie gehört und das später angebracht wurde, am Gitter der Freitreppe erkennen. Dieses zeigt drei übereinandergestellte Sparren und unter ihnen eine Lilie. Außerdem findet der Besucher auf der Frontseite des Hauses zur Mittelstraße hin ein Hinweisschild auf dem zu lesen steht: „In diesem Hause verbrachte Ludw. von Beethoven die Sommermonate 1786-1792.“

Die Familie Stockhausen und von Breuning und ihre Beziehung zu Ludwig van Beethoven
Anfang des Jahres 1781 begann der pfalzbayrische Hofrat Johann Heinrich Hubert Stockhausen, zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt sein Amt als Vogt für die jülichschen Ämter Neuenahr, Sinzig und Remagen. Neben diesem Amt übernahm er gleichzeitig auch das Amt eines ordentlichen Richters im Kirchspiel Wadenheim, welches durch den Tod von Karl Kaspar Dahmen im Jahr 1780 vakant war. Am 25. Februar 1786 heiratete er die 23-jährige Margarete von Kerich. Doch das Eheglück hielt nicht lange, da der Hofrat bereits am 24. April 1788 im Alter von 31 Jahren an der Schwindsucht verstarb und mitten in der Willibrorduskirche beigesetzt wurde. Heute gibt es in der Kirche keine Anzeichen mehr dafür, wo sein Grab liegt.
Auch seine Tochter Maria Magdalena, die im März 1788 zur Welt kam, verstarb ein Vierteljahr nach ihrem Vater. Die Witwe lebte noch 34 Jahre im Beuler Haus bevor sie dann nach Köln umzog. Sie war es auch die die Beziehungen zu Beethoven in Bad Neuenahr aufbaute, da sie die jüngere Schwester von der in Bonn wohnenden Hofrätin von Breuning war. Diese hatte ihren Mann, den kurfürstlich-kölnischen Hofrat Emanuel Josef von Breuning bereits im Januar 1777 verloren, als dieser versuchte Akten aus dem brennenden kurfürstlichen Schloss in Bonn zu bergen, dabei aber von herabstürzendem Mauerwerk tödlich verletzt worden war. Die Verwandtschaft stand der 27-jährigen Witwe mit ihren vier Kindern bei. So zog sie kurze Zeit später mit ihren Kindern zu ihrem Bruder Abraham Josef Kerich, der am Münsterplatz wohnte. Auch Johann Lorenz von Breuning, Schwager der Hofrätin zog von Neuss, wo er als Kanonikus tätig war nach Bonn um, um der Witwe bei der Erziehung der vier Kinder zu helfen. Durch den Tod ihres Mannes, kam die Familie jedoch nicht in finanzielle Sorgen, sodass die Witwe ein Haus führen konnte, in dem Hofleute, Künstler und Gelehrte gern vorbeischauten, sodass bei den Kindern die literarischen und künstlerischen Interessen gepflegt wurden. So kam es spätestens 1784 dazu, dass auch der begabte Medizinstudent Franz Gerhard Wegeler in diesem Haus verkehrte und im gleichen Jahr auch den jungen Ludwig van Beethoven mitbrachte. Die Hofrätin pflegte diesen Kontakt in erster Linie deshalb, weil sie Beethoven als Klavierlehrer für ihre Kinder Eleonore, die kaum 4 Monate jünger war als Beethoven und Lorenz (Lenz) haben wollte. Hiermit ist klar, dass Margarete von Kerich den im Haus ihrer älteren Schwester Helene und ihres Bruder Abraham verkehrenden jungen Beethoven bereits vor ihrer Eheschließung mit dem Vogt Stockhausen (1786) kannte. So geht man in der Literatur davon aus, dass die Hofrätin mit ihren Kindern gelegentlich vorzugsweise in den Sommermonaten nach Beul zu ihrer Schwester kam und dabei von dem jungen Beethoven begleitet wurde. Hinweis hierauf ist ein späterer Briefwechsel von Wegeler zu seinem Jugendfreund Beethoven, in dem er auch mal von der „Tante Stockhausen von der Ahr“ berichtete. Franz Gerhard Wegeler heiratete 1802 Eleonore von Breuning, Beethovens Jugendfreundin, der er Klavierstunden gegeben hatte.

In der Literatur findet man folgende Aussage von Maria Magdalena Freifrau von Brachel geb. von Breuning. Diese schrieb am 8. Dezember 1929:
„Es ist immer als sicher gesagt worden, dass Beethoven in den Ferien mit meiner Urgroßmutter, der geb. von Kerich, und deren Kindern in Beul gewesen, und zwar habe er in dem Zimmer gewohnt mit zwei Fenstern neben der damaligen Küche. Vom großen Tor kommt man über, ich glaube, fünf Treppenstufen in das Haus. Links zuerst das kleine Zimmer, dann das zweifenstrige, in dem Beethoven gewohnt hat.“

Heute gehört das gesamte Haus als „Gästehaus Beethovenhaus“ zum Hotel Fürstenberg.

Das Objekt „Beethovenhaus, Putzbau, bez. 1771, Zwerchhaus 1930er Jahre, Mittelstraße 4“ ist ein eingetragenes Kulturdenkmal (Denkmalverzeichnis für den Kreis Ahrweiler 2018, S. 17).

(Vanessa Bindarra, Universität Koblenz-Landau, 2016)

Internet
www.kreis-ahrweiler.de: Beethoven in Ahrweiler (abgerufen 04.05.2016)
www.beethoven-haus-bonn.de: Brief von Beethoven an Eleonore von Breuning vom 2. November 1793 (abgerufen 04.05.2016)
www.varta-guide.de: Hotel Fürstenberg mit Gästehaus Beethovenhaus (abgerufen 04.05.2016)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2018)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Ahrweiler (Denkmalverzeichnis Kreis Ahrweiler, 07. Juni 2018). S. 17, Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Ahrweiler.pdf, abgerufen am 02.07.2018

Kurfürstliche Vogtei in Bad Neuenahr

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mittelstraße 4-6
Ort
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler - Bad Neuenahr
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1771
Koordinate WGS84
50° 32′ 26,79″ N, 7° 08′ 13,28″ O / 50.54077°, 7.13702°
Koordinate UTM
32U 367993.93 5600416.46
Koordinate Gauss/Krüger
2580644.44 5601178.61

Empfohlene Zitierweise

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„Kurfürstliche Vogtei in Bad Neuenahr”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245958 (Abgerufen: 18. November 2018)
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