Jugendstilhaus „Wilhelm Busch“ in Ahrweiler

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Neuenahr-Ahrweiler
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Das Jugendstilhaus "Wilhelm Busch" in Ahrweiler (2015).

    Das Jugendstilhaus "Wilhelm Busch" in Ahrweiler (2015).

    Copyright-Hinweis:
    Jakobi, Simone
    Fotograf/Urheber:
    Simone Jakobi
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  • Frontansicht des Jugendstilhauses "Wilhelm Busch" in Ahrweiler (2015).

    Frontansicht des Jugendstilhauses "Wilhelm Busch" in Ahrweiler (2015).

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In der Ahrweiler Niederhutstraße 61 befindet sich das Jugendstilhaus Wilhelm Busch. Jedoch bestehen hier keine Verbindungen mit dem einflussreichen Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (1832-1908), dem Schöpfer von „Max und Moritz“ und „die fromme Helene“. Wie der Zufall es will, wird der Name „Wilhelm“ schon seit Generationen in der Ahrweiler Familie Busch weitergegeben. Diese führten in diesem Gebäude ab 1938 ein Textilgeschäft.

Der Bau wurde im Jahr 1906 durch den jüdischen Kaufmann Joseph Heymann erbaut. Entwurf und Planung übernahm der Bonner Architekt Carl Joseph Eder. Die Familie Heymann betrieb schon seit 1862 an dieser Stelle ein Textilgeschäft und war seit 1876 auch Besitzer des Grundstückes. Die erfolgreichen Geschäfte von Joseph Heymann (1907/08 war er der größte Steuerzahler in Ahrweiler) ermöglichten ihm den Abriss des alten Gebäudes und den Bau eines komplett neuen Wohn- und Geschäftshauses mit für die damalige Zeit in Ahrweiler völlig neuen Stilelementen. Es war das erste Jugendstilhaus in Ahrweiler und war im mittelalterlichen Stadtkern außergewöhnlich. Das viergeschossige Gebäude ist zwölf Meter hoch, sodass es sich wenigstens von der Höhe in das Straßenbild einpasst. Das Wohn- und Geschäftshaus besitzt auf seiner rechten Seite einen turmartigen Aufbau. Durch diese Asymmetrie wird dem Gebäude einen besonderen Reiz verliehen. Den Mittelpunkt des Gebäudes bildet ein zweigeschossiger Erker, der an die oberen beiden Stockwerke angebaut ist. Typisch für den Jugendstil, der gerade Linien und rechte Winkel ablehnt, ist die geschwungene Linienführung des Gebäudes und der Fenster. Als weiteres Stilelement des Jugendstils, werden vegetabile, florale Formen und Muster an der Fassade in Form von Halbrosetten, stilisierende Halmen und Girlanden verwendet, die zudem ins Fachwerk integriert wurden.

Trotz ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Minderheit in der Stadt Ahrweiler führte die Familie Heymann ein florierendes Unternehmen, begründet vermutlich durch ihre Freundlichkeit und Sachkompetenz. Nach dem Tod des Sohnes der Erbauer, Moses Heymann 1930, führte dessen Ehefrau Meta Heymann die Geschäfte ihres Mannes weiter. Dies erwies sich aber in den 1930er Jahren als zunehmend schwierig, insbesondere ab der Zeit des Nationalsozialismus. Frau Heymann versuchte zwar ihre deutsche Gesinnung nach außen hin zu zeigen, indem sie die alte Uniform ihres im Ersten Weltkrieg ausgezeichneten, verstorbenen Mannes ins Schaufenster stellte, doch dies war nicht erfolgreich. Frau Heymann wurde aus dem „Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz“ ausgeschlossen und das Bekleidungsgeschäft zunehmend boykottiert. Infolgedessen konnten benötigte Investitionen und Renovierungen am Gebäude nicht vollzogen werden.
Frau Heymann verkaufte das Gebäude schließlich 1938 an Wilhelm Busch Senior, der hier wiederum ein eigenes Textilgeschäft eröffnete. Das Geld nutzte Frau Heymann, um das Deutsche Reich noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zusammen mit ihren Kindern zu verlassen und nach Jerusalem auszuwandern. Bereits im Jahr 1939 hätte ein Verkauf des Gebäudes aufgrund des Gesetzes zur „Entjudung der Städte und Dörfer im deutschen Reich“ nicht mehr stattfinden können.

Der neue Besitzer Wilhelm Busch ließ zunächst größere benötigte Renovierungsarbeiten ausführen und auch während des Zweiten Weltkrieges blieb das außergewöhnliche Jugendstilgebäude unbeschadet. Bis zum Jahr 2009 befand sich in dem Gebäude noch immer das Textilgeschäft von Wilhelm Busch, welches jedoch durch seine Teppichgalerie abgelöst wurde und seit 2018 als Immobilienmakler-Büro verwendet und zum Verkauf angeboten wird.

Das Objekt „Wohn- und Geschäftshaus; dreigeschossiger Putzbau, Jugendstil, rückwärtig Backsteinbau, Niederhutstraße 61“ ist ein eingetragenes Kulturdenkmal (Denkmalverzeichnis für den Kreis Ahrweiler 2018, S. 12).

(Simone Jakobi, Universität Koblenz-Landau, 2015 / Robert Gansen, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.kreis-ahrweiler.de: Jahrbuch 2000 (abgerufen 23.11.2015)
www.alt-ahrweiler.de (abgerufen 23.11.2015)
www.aw-wiki.de: Bekleidungshaus Wilhelm Busch (abgerufen 23.11.2015)
www.aw-wiki.de: Josef Heymann (abgerufen 23.11.2015)
www.shaker-media.eu: Stadtzeitung Bad Neuenahr Ahrweiler Nr. 35/2015, Der traurige Lebensweg des Ernst-Josef Heymann aus Ahrweiler (abgerufen 23.11.2015)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2018)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Ahrweiler (Denkmalverzeichnis Kreis Ahrweiler, 07. Juni 2018). S. 12, Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Ahrweiler.pdf, abgerufen am 02.07.2018
Klein, Hans-Georg (2005)
Ahrweiler. Düsseldorf.

Jugendstilhaus „Wilhelm Busch“ in Ahrweiler

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Niederhutstraße 61
Ort
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler - Ahrweiler
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1906
Koordinate WGS84
50° 32′ 34,02″ N, 7° 05′ 45,01″ O / 50.54278°, 7.09584°
Koordinate UTM
32U 365081.51 5600714.02
Koordinate Gauss/Krüger
2577721.63 5601358.23

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„Jugendstilhaus „Wilhelm Busch“ in Ahrweiler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245922 (Abgerufen: 21. November 2018)
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