Gartenpavillon Tusculum der ehemaligen Villa Lindner

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Sankt Goar
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Ort der Freude und Erbauung
Bei der Anlage des Parks unter der Burg Rheinfels scheuten die Erbauer keine Mühen und Kosten. Auf einem kleinen Felsen in halber Höhe des Hanges ließen sie ein kleines Gartenhaus errichten, von dem aus sie den Ausblick auf die Schönheiten des Rheintals besonders gut genießen konnten. Trotz seiner geringen Größe ist das Tusculum genannte Gebäude weithin sichtbar. Heute zählt es zu den Wahrzeichen der Stadt Sankt Goar. An der prominentesten Stelle im Landschaftspark am Schlossberg in Sankt Goar befindet sich das Tusculum, der Gartenpavillon der Villa Lindner.

Namensherkunft
Der Ursprung des Namens Tusculum stammt aus der römischen Zeit. Nach Tusculum, in seine Villa Tusculanum vor der Toren Roms, zog sich der römische Politiker, Redner und Philosoph Marcus Tullio Cicero (106-43 v. Chr.) zurück, um fern der Betriebsamkeit der Stadt Muße für das Verfassen seiner berühmten Reden und philosophischen Schriften zu finden. Tusculum wurde so zum Synonym für einen Ort, der Zurückgezogenheit und kreative Einsamkeit ermöglichte, aber auch geistvolle Gespräche mit ausgewählten Freunden inmitten der Natur.

Die italienischen Villen der Renaissance mit ihren Gärten schuf man in bewusster Anknüpfung an diese antiken Vorbilder. Im Barock und den folgenden Epochen wurden dann kleine, intime Bauten in der Art eines Pavillons so genannt. Diese gehörten bald zur Standartausstattung eines Parks oder Gartens. Darauf mochte auch der Schöpfer der Gartenanlage um die Villa Lindner nicht verzichten, bot sich doch von diesem Gartenhäuschen auf den Felsklippen eine überwältigende Sicht auf fas Rheintal, die Stadt und den Park.

Kunsthistorische Bedeutung
Das Tusculum hat in den 1920er Jahren Otto Dix (1891-1969), einen der berühmtesten Maler des deutschen Expressionismus, in seiner Düsseldorfer Zeit als Mitglied der Malergruppe „Das Junge Rheinland“ fasziniert, wenn er in Sankt Goar weilte. Dix war mit der jüngsten Tochter der Familie Lindner verheiratet und verbrachte so in den 1920er Jahren häufig Zeit in Sankt Goar. Hier entstand auch ein erheblicher Teil von Otto Dix‘ wegweisendem Werk „Der Krieg“. Die hier gemalten Bilder zeigten und verdeutlichten den Menschen den Krieg in seinem ganzen Schrecken.

Restauration
Nur wenig blieb von dem einst kunstvoll geschmiedeten Geländer des Balkons zum Rhein, etwas mehr von der metallenen Dachzier und den einfach profilierten Putzfassaden dieses Pavillons. Das Tusculum war in den vergangenen Jahren stark verwahrlost, durch Vandalismus beschädigt und dem Verfall preisgegeben. Um das markante Gebäude zu erhalten, erfolgte 2006 eine grundlegende Restaurierung unter größtmöglicher Wahrung der historischen Substanz. Das über einhundert Jahre alte Gebäude wurde in den ebenfalls neu zur Burg hin angelegten Wanderpfad einbezogen und mit einem neuen Dach, neuen Fenstern und Türen und einem entsprechenden Innen- und Außenputz zu einem fein herausgeputzten Schmuckstück. Mit seinem hellen Farbton, den klaren Formen und gelungenen Proportionen wird so wieder ein heiterer Akzent gesetzt gegenüber dem dunklen Mauerwerk der Burg, der einst mit Sorgfalt inszenierte Akkord von historischem Denkmal und gestalteter Natur wieder belebt. Mittlerweile kann der Pavillon wieder Künstlern und Besuchern als Ort der Inspiration und Entspannung dienen.

Zur Erinnerung an die bedeutende Landesherrin und Gartenliebhaberin Landgräfin Anna Elisabeth von Hessen-Rheinfels (23. Juli 1549 in Simmern – 20. September 1609 in Lützelstein), die im 16. Jahrhundert im Schloss über Sankt Goar residierte, trägt ein Lehrpfad, der Landgräfin-Anna-Elisabeth-Weg, ihren Namen. Der Pfad schlängelt sich von der Stadt durch den Landschaftspark hinauf zur Burg Rheinfels und bietet dabei neben einer diskreten Beschilderung über den Landschaftsgarten auch schöne Ausblicke auf das Mittelrheintal. Eine Station des Pfades liegt direkt am Tusculum mit einer Hinweistafel.

(Sebastian Weinand, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Internet
www.st-goar.de: St. Goar: Das Tusculum wird zum Schmuckstück herausgeputzt (abgerufen 02.11.2015)
www.st-goar.de: Das Tusculum erstrahlt in neuem Glanz (abgerufen 02.11.2015)
gartendenkmal.net: St. Goar – Die Villengärten unterhalb der Burg Rheinfels (abgerufen 02.11.2015)

Literatur

Sebald, Eduard / Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Direktion Landesdenkmalpflege (Hrsg.) (2012)
Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz. Stadt St. Goar. Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2.3. 2 Teilbände. (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 10.) Berlin und München.

Gartenpavillon Tusculum der ehemaligen Villa Lindner

Schlagwörter
Ort
56329 Sankt Goar
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1850 bis 1900
Koordinate WGS84
50° 09′ 13,39″ N, 7° 42′ 24,91″ O / 50.15372°, 7.70692°
Koordinate UTM
32U 407625.99 5556522.61
Koordinate Gauss/Krüger
3407664.14 5558305.66

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„Gartenpavillon Tusculum der ehemaligen Villa Lindner”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245797 (Abgerufen: 21. November 2018)
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