Weinbauschule Bullay

ehemalige landwirtschaftliche Winterschule

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bullay
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Blick von der Moselfähre Bullay-Alf auf der Alfer Seite auf Bullay (2016)

    Blick von der Moselfähre Bullay-Alf auf der Alfer Seite auf Bullay (2016)

    Copyright-Hinweis:
    Weyand, Madeleine
    Fotograf/Urheber:
    Madeleine Weyand
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Eine landwirtschaftliche Winterschule ist eine Fachschule, in der nur in den Monaten November bis März unterrichtet wird. Mit der Zeit wurden diese Schulen aber größtenteils abgeschafft.
Erstmalige Gedanken, eine landwirtschaftliche Winterschule zu errichten, kamen in dem Jahr 1876 auf. Im selben Jahr gab es eine landrätliche Verfügung zur Errichtung einer Winterfortbildungsstelle. Diese scheiterte jedoch, da sich die Gemeinde nicht in der Lage sah, die Kosten zu übernehmen. 20 Jahre später, 1896, wurde die Winterschule von Lutzerath nach Bullay verlegt. Einen provisorischen Schulsaal stellte die Witwe Mentges im Tanzsaal ihres Gasthofes zur Verfügung. Kurze Zeit darauf, im Jahr 1899, kam es zur Gründung der ersten landwirtschaftlichen Winterschule in Bullay. Der Unterricht fand zunächst im Gasthof-Saal „Zur Linde“ statt. Das Bestreben nach einem eigenen Gebäude wurde immer stärker, sodass die Gemeinde 1902 beschloss, ein eigenes Gebäude zu erbauen und sie trat selbst als Bauherrin auf. Der ausgesuchte Bauplatz war ca. 1.100 Quadratmeter groß und wurde für 55 Mark pro Quadratmeter angekauft. Um die Kosten tragen zu können, musste die Gemeinde eine Anleihe von 36.000 Mark aufnehmen. Weitere finanzielle Mittel stellten Zell, der Kreis Cochem, die Landbürgermeisterei Zell sowie die Gemeinden Ediger, Bullay und Burg. Bereits 1903 konnte der Grundstein gelegt werden, woraufhin schon ein Jahr später die Einweihung gefeiert wurde. Während des Baus kam es zu Kompetenzstreitigkeiten, die Gemeinde sah ihre Rechte als Bauherrin hinsichtlich der Unterlageneinsicht und des Mitspracherechts nicht gewährleistet, sodass sich die Eigentumsverhältnisse änderten. 1904 übernahm der Landkreis Zell den Besitz und die aufgenommene Anleihe. Der Lehrbetrieb konnte nun im neuen, eigenen Gebäude fortgesetzt werden.

Aus der landwirtschaftlichen Winterschule wurde aufgrund des Wandels in der Landwirtschaft eine Weinbauschule. In der Weinbauschule tagten Winzerversammlungen, wie im Jahr 1926. Der Balkon diente als Rednerbühne, während die Winzer vor ca. 10.000 Besuchern referierten. In den Kriegsjahren fand kein Unterricht statt, erst nach dem Krieg konnte mit dem Wintersemester 1945/46 ein bescheidener Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden. Am 21.05.1949 feierte die Weinbauschule ihr 50-jähriges Jubiläum, welches sie im Zuge einer landwirtschaftlichen Weinbauausstellung vom 21.06.1949 - 23.06.1949 beging. Auch das 75. Jubiläum feierte die Schule, hierfür stellte die Gemeinde einen Betrag von 1.300 DM bereit. Nach 90 Jahren erfolgreichen Lehrbetriebs kam es im Jahr 1989 zur Schließung der Schule. Die darauffolgenden Jahre stand das Gebäude leer, 1994 wurde es vom Land an eine Privatperson verkauft.

Der neue Eigentümer baute das Haus zu einem Mehrfamilienhaus um. Balkons wurden angesetzt, das Dachgeschoss ausgebaut und ein Fahrstuhl eingebaut. Die alte Weinbauschule liegt unmittelbar an der Mosel und wirkt sehr prächtig. In die weiß angestrichene Fassade sind rote Ziegelsteine und rötliches Holz eingebaut. Vor der Eingangstür befinden sich eine hochgewachsene Birke, zwei Garagen und ein Carport.

(Jennifer Abels, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Schulschenk, Fritz (2004)
Bullay an der Mosel zwischen 1150 und 2000 - 850 Jahre eines Gemeindelebens. Eine chronologische Aufzeichnung. o. O.

Weinbauschule Bullay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Fährstraße
Ort
56859 Bullay
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1902 bis 1903, Ende nach 1989
Koordinate WGS84
50° 03′ 20,26″ N, 7° 07′ 50,73″ O / 50.05563°, 7.13076°
Koordinate UTM
32U 366195.74 5546489.31
Koordinate Gauss/Krüger
2581020.14 5547208.97

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Weinbauschule Bullay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244679 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
Seitenanfang