Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bullay
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 03′ 24,54″ N: 7° 07′ 55,89″ O / 50,05682°N: 7,13219°O
Koordinate UTM 32.366.301,53 m: 5.546.618,97 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.581.120,66 m: 5.547.342,81 m
Die katholische Pfarrkirche St. Magdalena ist eines der bedeutendsten Bauwerke in der Ortsgemeinschaft Bullay. Die Pfarrkirche spiegelt die bewegende und ereignisreiche Geschichte des Ortes wieder und ermöglicht den Besuchern Einblicke in die kulturgeschichtliche Vergangenheit der Ortsgemeinde Bullay.

Geschichte 1867 - 1877
Geschichte 1912 - 1935
Der große Umbau 1936
Geschichte 1939 - 1953
Geschichte 1954 - heute
Inventar

Geschichte 1867 - 1877
Die Geschichte der Pfarrkirche beginnt jedoch bereits vor ihrem Bau. Den Vorgänger der heutigen Pfarrkirche St. Maria Magdalena stellte die kleine alte Katholische Kirche in Bullay dar. Sie war bis zu ihrem Abriss im Jahr 1877 eine der ältesten Pfarrkirchen in der gesamten Moselregion. Die 1618 erbaute Kirche wies jedoch erhebliche Mängel auf. Zum einen befand sie sich in einem baufälligen Zustand, da die Wände feucht und das Fundament bruchhaft war. Zum anderen war sie nicht mehr zeitgemäß, da sie nur noch die Hälfte der etwa 331 Einwohner Bullays fasste. Der finale Ausschlag für den Neubau einer Kirche war jedoch die hohe Sterblichkeit in der Region, was wiederrum eine Erweiterung des Gottesackers unumgänglich machte. So entschloss sich die Gemeinde 1867, die alte Katholische Kirche durch eine neue zu ersetzen. Jedoch war die Finanzlage der Ortsgemeinde so schlecht, dass die Baukosten durch den Verkauf von Gemeindeeigentum gedeckt werden mussten. Hierfür bot sich vor allem Holz aus dem Eichenhochwald, Bereich Steinkopf an. Darüber hinaus beschloss man, das alte Pfarrhaus zu versteigern und Anleihen aufzunehmen. Ein Jahr später, 1868, wurde das alte Pfarrhaus für 1.600 Taler veräußert und der Gemeinderat beschloss, die alte Kirche ebenfalls auf Abbruch zu versteigern, um an der gleichen Stelle das neue Gotteshaus errichten zu können. Die nächsten beiden Jahre waren jedoch nicht durch den Bau der Kirche gekennzeichnet, sondern durch Streitigkeiten zwischen dem Kommunalbaumeister Döll und der landrätlichen Behörde. Beide hatten grundlegend unterschiedliche Vorstellungen, wie der Neubau des Gotteshauses auszusehen habe. Der erste Vorschlag Dölls wurde von der landrätlichen Behörde abgelehnt und anschließend wurde er aufgefordert, das Projekt zu überarbeiten. Zeitgleich trieb die landrätliche Behörde eigene Planungen voran, die den Bau der Pfarrkirche durch einen externen Baumeister vorsahen, der die Kirche nach den Vorstellungen der landrätlichen Behörde bauen sollte. Die Streitigkeiten schlugen hohe Wellen, so dass sich schlussendlich die königliche Provinzialregierung in Koblenz mit der Schlichtung des Falles konfrontiert sah. Diese entschied, dass der Zuschlag an den Architekten August Rinklake aus Düsseldorf ging und dieser das Bauprojekt so schnell wie möglich beginnen sollte.

Nach den bürokratischen Streitigkeiten geriet der Kirchenbau ein weiteres Mal ins Stocken. Der Grund für die erneute Verzögerung war dieses Mal der flächenmäßig kleine Bauplatz auf dem heutigen Lindenplatz. In der Tat war der Bauplatz so klein, dass die geplante Größe der neuen Pfarrkirche die des Platzes bei weitem überstieg. Da die Nachbargrundstücke nicht zum Verkauf standen, dauerte es bis ins Jahr 1871, bis die Kirche endlich gebaut werden konnte. Der Bauplatz wurde jedoch in das Unterdorf verlagert. Die Witwe Anna Maria Müller schenkte der Gemeinde ein etwa 760 Quadratmeter großes Areal, das genug Platz bot, den finalen Bauentwurf zu realisieren. Aufgrund der großzügigen Spende der Witwe Müller verpflichtete sich der Kirchenvorstand, zum Seelenheil der Geschenkgeberin ein Segensamt zu stiften. Am 27. August 1871 erfolgte dann die Grundsteinlegung der Kirche, die vom lokalen Maurermeister Röder aus Alf durchgeführt wurde. 1873 wurde die Kirche fertiggestellt. Die Baukosten beliefen sich letztendlich auf 11.722 Taler.

Die damalige Katholische Kirche war jedoch bedeutend kleiner als die heutige Pfarrkirche St. Maria Magdalena. Das Kirchenschiff verlief in Ost-West-Linie zur Mosel und besaß anstatt eines Glockenturms nur eine kleine Turmspitze, die auf das Kirchenschiff gesetzt wurde. Im September des gleichen Jahres wurde die Kirche dann feierlich eingesegnet und zur Nutzung freigegeben. Diese Einsegnung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit der feierlichen Einweihung, die erst zwei Jahre später geschah. Der damalige Bischof, Dr. Matthias Eberhard von Trier (1867-1876), reiste hierfür extra nach Bullay und taufte die Kirche auf den Namen: Kirche der heiligen Maria Magdalena. Im Zuge einer vorherigen Kirchenreform war die Kirche jedoch der Pfarrei Merl unterstellt. Vier Jahre nach der Fertigstellung der Kirche mussten bereits die ersten Reparaturarbeiten an der Kirche durchgeführt werden. Diese wurden jedoch vom Kirchenbauunternehmen kostenfrei übernommen. Im gleichen Jahr, 1877, schaffte es die Gemeinde, die alte kleinere Katholische Kirche an Peter Klaus aus Mesenich für 50 Mark zu verkaufen. Dieser riss die traditionsreiche aber baufällige Kirche noch im selben Jahr ab.
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Geschichte 1912 - 1935
Das Jahr 1912 markiert einen historischen Wendepunkt in der Geschichte der Bullayer Kirchengemeinde. Über mehrere Jahrhunderte kämpfte man um die Anerkennung als eigenständige Pfarrgemeinde. 1912 erreichte man zumindest den Status einer selbstständigen Kapellengemeinde, die jedoch immer noch der Pfarrgemeinde Merl unterstellt war.

Der Erste Weltkrieg und die anschließenden Nachkriegsjahre trafen die Ortsgemeinde Bullay hart. Insbesondere die Besatzung durch die Franzosen wurde als unangenehm empfunden. Diese zogen 1921 ab, was zu einer spürbaren Erleichterung unter den Einwohnern führte. Diese litten jedoch weiterhin stark unter den Geschehnissen der Vorjahre und neben der akuten psychischen und physischen Belastung kam noch ein finanzieller Engpass dazu. Umso erstaunlicher war die Tatsache, dass die finanziell arg gebeutelten Einwohner Bullays Geld zusammenlegten, um einen Umbau der Orgel in der Pfarrkirche zu realisieren. Diese Umbaumaßnahme verdeutlicht, wie wichtig die Pfarrkirche für die Ortsgemeinde Bullay ist. In dunklen Zeiten wie diesen war und ist die Pfarrkirche ein Zufluchtsort für die Bewohner der Ortsgemeinde, die dank ihrer Großzügigkeit das Kirchenleben auch in schwierigen Zeiten aufrecht erhalten konnten. So wird gesagt, dass diese Opferwilligkeit die Einwohner und die Pfarrei Bullay bis heute auszeichnet.

Die 1920er und 1930er Jahre waren vor allem durch eine hohe Inflationsrate gekennzeichnet, was sich negativ auf die Bauaktivitäten in Bullay ausübte. Trotz der angespannten Finanzlage stimmte man im Jahr 1932 jedoch dem geringfügigen Umbau der Kirche der heiligen Maria Magdalena zu. So wurde erstmals ein Kirchturm gebaut. Während bisher nur eine Turmspitze (Dachreiter) das Kirchenschiff zierte, wurde dieser für 200 Reichsmark zu einem Kirchturm ausgebaut. Bereits zwei Jahre zuvor, 1930, hatte die heutige Pfarrkirche neue Glocken erhalten, die dem Geläut der Kirche einen unverkennbaren hellen Klang verliehen. Die Finanznot der Gemeinde wurde jedoch immer größer, sodass 1934 erstmals ein Glockengeld erhoben wurde. So wurde eine Summe von 10 Reichsmark festgelegt, die man entlohnen musste, um die Glocken zu weltlichen Zwecken zu läuten. Unter diese Nutzung fielen zum Beispiel das Leuten der Glocke zur Öffnung und Schließung der Weinberge und sogar der Feueralarm. Die kirchliche Nutzung der Glocken blieb von dieser Gebühr jedoch unberührt.
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Der große Umbau 1936
Auch mit Hilfe der Glockengebühr konnte man 1936 eine umfangreiche Kirchenerweiterung durchführen. Von entscheidender Bedeutung war hierbei der Vikar Heinrich Lüssem, der den Umbau tatkräftig vorantrieb. Um Platz für die Umbaumaßnahmen zu schaffen, wurde unter anderem das alte Pfarrhaus abgerissen, welches sich am heutigen Treppenaufgang von der Zehnthausstraße befand. Das ehemalige Längsschiff der Kirche, das sich in Ost-West-Richtung zur Mosel erstreckte, wurde nun zum Querschiff und die Kirche in Richtung Süden erweitert. So sah ein erster Entwurf des Umbaus auch einen eigenständigen Kirchturm vor, der jedoch auf Grund der geringen finanziellen Möglichkeiten nicht umgesetzt bzw. gebaut werden konnte. Somit befanden sich die Glocken an einem überdachten Gerüst im Pfarrgarten. Nach den Umbaumaßnahmen war die Kirche ungefähr dreimal so groß wie die vorherige.
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Geschichte 1939 - 1953
Der Zweite Weltkrieg begann und viele der Einwohner wurden zum Militär eingezogen. In Mitten der Kriegswirren, 1943, wurde Bullay schlussendlich zu einer eigenständigen Pfarrei. Obwohl man über mehrere hundert Jahre um die Anerkennung gekämpft hatte, ging diese im damaligen Zeitgeschehen komplett unter. Im Herbst 1944 wurde Bullay Ziel alliierter Luftangriffe, die im Winter dieses Jahres ihren Höhepunkt erreichten. Die Angriffe zielten zwar hauptsächlich auf den Bahnhof und die Moselbrücke ab, jedoch wurde auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen. Durch mehrere Artillerietreffer waren sowohl ein Großteil der Fassade als auch die Verglasung kaputt gegangen. In den Nachkriegsjahren stand somit der Wiederaufbau der wichtigsten Bauten im Vordergrund. Im Zuge der Währungsreform und dem damit verbundenen leichten Konjunkturaufschwung wurde 1949 auch am Fundament für einen eigenen Kirchturm gebaut. Dieser wurde 1953 unter tatkräftiger Mithilfe des neuen Pastors Waßmuth fertiggestellt. Zusätzlich zu dem neuen Kirchturm wurde ein Glockenstuhl errichtet. Die Gemeinde kaufte darüber hinaus für 1.000 Deutsche Mark eine neue Glocke, da die alten im Krieg vom Staat eingezogen wurden, um in der Rüstungsindustrie verarbeitet zu werden. Jedoch wurden sie schlussendlich nur eingelagert und nicht in Munition oder Waffen umgewandelt, so dass man die Glocken einige Jahre später wieder unbeschädigt in die Gemeinde zurück überführen konnte. Des Weiteren wurde im Turm eine Leichenhalle eingerichtet.
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Geschichte 1954 - heute
1956 war es wieder einmal der unermüdliche Pfarrer Warmuth, der Fördermittel für die Kirche akquirierte. So erhielt er ein Darlehen, das ihm ermöglichte, eine Außenputzerneuerung von Kirche und Turm durchführen zu lassen. Die letzte große Umgestaltung der Pfarrkirche St. Maria Magdalena wurde im Jahr 1975 abgeschlossen. Neben baulichen Veränderungen kam es zu einer Umstrukturierung des Kircheninneren. Am prägnantesten war wohl die Umstellung des Chores. So wurden die Kanzel und die Kommunionsbank entfernt, der Altar gegen einen Altartisch mit Pult eingetauscht und die Position des Beichtstuhls und des Taufbeckens verändert. Zu den wichtigsten baulichen Veränderungen zählt neben dem Einziehen einer Kassettendecke auch die Modernisierung der Orgel- und der Emporenverkleidung. Der Anteil der Gemeinde an den Umbaukosten betrug etwa 15.000 Deutsche Mark, wobei diese hauptsächlich für die Renovierungskosten der Kirchenorgel verwendet wurden.

Die Folgejahre verliefen weitestgehend ereignisarm. Im Juli des Jahres 2012 wurde im Altar der Kirche eine Reliquie der Seligen Mutter Rosa Flesch beigesetzt. Mutter Rosa wurde im Jahr 2008 von der katholischen Kirche seliggesprochen und gilt als Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln. Sie starb im Alter von 80 Jahren 1906 im Kloster Marienhaus bei Waldbreitbach.
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Inventar
Die wohl wichtigsten Inventarstücke der Kirche bilden das Retabel, die Kreuzigungsgruppe und die Figur der Maria Magdalena. Das Retabel ist eine Bildwand aus Sandstein und wurde 1618 von der Bildhauerwerkstatt Hofmann in Trier errichtet. In den Kriegsjahren wurde es zur sicheren Verwahrung auf den Speicher gelegt, sodass es 1975 noch einmal restauriert werden musste. Die Kreuzigungsgruppe stammt etwa aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Auf Wunsch des damaligen Pfarrers Franz Hoefer wurde sie 1978 vom Restaurator Franz Niespor aus Zell-Kaimt wiederhergerichtet. Die Figur der Maria Magdalena stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihre Herkunft ist nicht genau überliefert. Die Figur ist im bäuerlichen Barock dargestellt und zeigt die Schutzpatronin von Bullay, wie sie sich mit einem Salbentopf in der einen Hand und einem Leinentuch in der anderen Hand auf dem Weg zum Grabe Christus macht, um den Leichnam des Herrn zu salben.

Wie eingangs erwähnt ist die Pfarrkirche St. Magdalena ein Zeitzeuge der Bullayer Stadtgeschichte. Sie überstand zwei Kriege und erlebte den Aufstieg Bullays zur eigenständigen Pfarrgemeinde. Die Kirche ist zum einen Symbol der Wiederauferstehung geworden, nicht nur der des Sohn Gottes, sondern auch der der Einwohner Bullays, die insbesondere in schlechten und dunklen Zeiten die Kirche als Ort der Begegnung und als Quelle der Kraft betrachteten.
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Das Objekt „Kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena, Kirchstraße“ ist als Baudenkmal ausgewiesen (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell 2011, S. 13).

(Patrick Drexler, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 29. Dezember 2011). S. 13, Koblenz.
Schulschenk, Fritz (2004)
Bullay an der Mosel zwischen 1150 und 2000 - 850 Jahre eines Gemeindelebens. Eine chronologische Aufzeichnung. o. O.
Schulschenk, Fritz (2003)
Geschichte der Kirchengemeinde Bullay/Mosel. In: Kreisjahrbuch Cochem-Zell 2003, S. 111-114. Monschau.

Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirchstraße
Ort
56859 Bullay
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1871 bis 1873

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„Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244626 (Abgerufen: 11. Mai 2021)
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