Denkmalbereich „Friemersheim - Ortskern“

Duisburg-Rheinhausen, Friemersheim, Ortskern

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Duisburg
Kreis(e): Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 22′ 51,48″ N: 6° 42′ 6,04″ O / 51,38097°N: 6,70168°O
Koordinate UTM 32.340.061,44 m: 5.694.698,02 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.548.894,76 m: 5.694.263,17 m
  • Duisburg-Friemersheim,  Ev. Kirche

    Duisburg-Friemersheim, Ev. Kirche

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    LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Silvia Margrit Wolf
    Fotograf/Urheber:
    Silvia Margrit Wolf
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  • Kirche Sankt Martin in Duisburg-Friemersheim (2008)

    Kirche Sankt Martin in Duisburg-Friemersheim (2008)

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    Heusch-Altenstein, Annette / LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege
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    Annette Heusch-Altenstein
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Lage
Friemersheim liegt im Süden von Duisburg auf der Niederterrasse der Rheinaue auf sandig-lehmigem Untergrund.

Geschichte
Zwischen 809 und 814 schenkte Karl der Große Friemersheim aus dem fränkischen Königsgut dem Kloster Werden. Der Haupthof bestand vermutlich ca. 1,5 km von der heutigen Ortslage entfernt auf dem Gelände des Borgschen Hofes, ein zweiter Hof im heutigen Ortskern an der Stelle des Möllerhofes (Friemersheimer Straße Nr. 14). An dem Hof entstand, wohl als Eigenkirche, eine Kapelle, die spätere Pfarrkirche. Das Patrozinium des heiligen Martin und die Grabungsfunde eines Vorgängerbaus bestätigen die fränkische Zeit. Der 1487 bezeugte Vorgängerbau, seit 1560 protestantisch, wurde im 18. Jahrhundert durch den heute bestehenden Bau ersetzt.
Im 12., spätestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts hatten die Ritter von Friemersheim eine Burg oder ein festes Haus auf dem vorgelagerten Werth errichtet, einer ehemals von einem Rheinarm umflossenen Insel. Als Ministeriale der Abtei Werden, Verwalter und Pächter der Klostergüter, übten sie im 14. Jahrhundert die Befugnisse eines abteilichen Vogtes aus. Die Herrschaft Friemersheim gelangte zunächst durch Pfändung und 1392 durch Verkauf in den Besitz der Grafen von Moers, die dem Kloster gegenüber zwar lehnsverpflichtet blieben, wohl aber durch die Vogtei, die Gerichtsbarkeit, des Bildbannes und durch den Besitz der Burg auf dem Werth sowie von Pacht- und Zinsgütern Privilegien genossen. 1487 wurde von Graf Vinzenz von Moers auf dem Werth eine neue Burg erbaut, das sog. Jagdschloß, das 1584 zerstört wurde. Von dieser ehemals vierflügeligen und mit Vorburg ausgestatteten Anlage ist noch ein polygonaler Turm in dem heutigen Werth’schen Hof erhalten.

Bis weit ins 19. Jahrhundert und zu großen Teilen noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten die Bewohner von Viehhaltung und von der Bewirtschaftung der umliegenden Wiesen und Felder. Mit der Ausdehnung der Industrie im späten 19. Jahrhundert ging die Landwirtschaft im Raume Friemersheim stark zurück. 1923 schlossen sich Friemersheim und Hochemmerich 1923 zur Gemeinde Rheinhausen zusammen.

Friemersheim weist Form und Struktur eines Straßendorfes auf. Entlang der west-östlich gerichteten Durchgangstraße, der Friemersheimer Straße/Am Damm, reihen sich auf schmal- rechteckigen Parzellen (heute) eng aneinander einzelnen Höfe (Typ, Material) mit rückwärtiger Feldparzelle mit nach vorne zu über Straße und Deich hinweg ein Streifen Weideland der feuchteren Rheinaue auf dem Werth anschließt. Diese Siedlungsform nutzt die Vorzüge beider Bodenarten. Annähernd in der Mitte unterbricht der Kirchplatz die Zeile. Auf ihn führt von der nördlichen über die Niederterrasse verlaufenden Straße, der heutigen Dahlingstraße, eine Quererschließung. Der Kirchplatz, dem der Werthsche Hof vorgelagert ist, hat sich durch Verdichtung weiterer öffentlicher Funktionen wie Friedhof, Pastorat, Küsterei - später Lehrerhaus und Schule, Wirtshäuser und Handwerkerbetriebe zur dörflichen Mitte herausgebildet. Die landwirtschaftlichen Höfe entsprechen dem am Niederrhein verbreiteten Typ des Streuhofes mit Wohnstallhaus in Form des Hallenhauses, dem - je nach Größe des Hofes - Nebengebäude wie Scheune, Schuppen und Backhaus in lockerer Anordnung zugeordnet waren. Von diesen älteren Hofanlagen ist nur wenig erhalten. Der Wohnteil des Pannertshofes (Friemersheimer Straße Nr. 7) ist vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts erbaut, und das T-Haus des Nühlenhofes (Am Damm Nr. 6) wohl noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Fachwerkbackhaus des Mühlenhofes wohl noch im 18. Jahrhundert.

Geregelte Gehöfte, die auf drei oder vier Seiten einen Hof umschließen, bestimmen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bäuerlichen Anwesen am Niederrhein. Beibehalten wird der Typ des Wohnstallhauses, das in der Regel als zweigeschossiges T-Haus ausgeführt wird. Diese Form der Hofanlage prägt noch heute die Bebauung des westlichen Abschnittes der Dorfzeile. Demgegenüber ist auf weiten Strecken des östlichen Abschnittes das Siedlungsgefüge mit seiner Bebauung verschwunden, begründet durch die Auswirkungen der Industrialisierung, wohl auch die Kriegszerstörungen und schon frühzeitig die mit dem Hochwasser von 1855 verbundenen Schäden.

In Angrenzung an die ältere Dorfbebauung zeigt der Bereich Auf dem Kamp, Augustastraße bis zum Kuppengraben moderne Nachkriegsbebauung. Der Bereich des Kirchplatzes wurde 1903/04 durch den das neue, in barockisierenden Formen gehaltene Pastorat und schon früher durch die Verlagerung des Friedhofes nach Nordwesten, auf ein Areal südlich der Dahlingstraße, umgestaltet. Eine größere Anzahl von für die Orts- und Familiengeschichte wichtigen Grabsteinen erinnert auf der heute parkähnlich gestalteten Fläche an die ursprüngliche Funktion.

Der Denkmalbereich
Friemersheim weist in Abschnitten überzeugende Komponenten eines historischen Dorfgefüges auf. In wesentlichen Teilen hat sich das alte Wegenetz erhalten, dazu der zwischen 1870 und 1890 errichtete Rheindeich, dem ältere Anlagen vorausgegangen sind. Ablesbar geblieben ist die alte Siedlungsstruktur der Höfereihung mit der im Wesentlichen beibehaltenen typischen Parzellenform, die wichtige Einblicke in die Form bäuerlichen Wirtschaftens erlaubt. Von hauskundlichem Wert ist der Bestand der Hofanlagen an der Friemersheimer Straße und Am Damm, auch wenn sich wandelnde wirtschaftliche Anforderungen Veränderungen, Um- und Neubauten erforderten. Von besonderer Anschaulichkeit für das Ortsbild ist der von Bäumen umstandene, annähernd dreieckige Kirchplatz. Mit Kirche, Pastorat, Lehrerhaus mit Schultrakt und mit der Dorfschenke sind hier die die Dorfmitte prägenden Bestandteile in selten überkommener Geschlossenheit konzentriert. Die auffallende topographische Lage des Möllerhofes (Friemersheimer Straße Nr. 14) - außerhalb der Gehöftezeile, aber in unmittelbarer Anbindung an den Kirchplatz – weist auf den ursprünglichen Siedlungskern in diesem Bereich.

Die Grenze des Denkmalbereiches schließt die Wiesenparzellen an der Friemersheimer Straße auf dem Werth ein, da diese Wirtschaftsflächen zum Bestand der für den Ort charakteristischen Streifenflur gehören. Der Denkmalbereich bezieht den Werthschen Hof ein, der in seiner Lage gegenüber der Ortsmitte eine wichtige Komponente im Siedlungsbild abgibt. Als ehemaliger Hof des Grundherrn besitzt er einen wesentlichen Aussagewert für die ursprünglichen Herrschaftsverhältnisse und ist damit von erheblicher Bedeutung für die Ortsgeschichte von Friemersheim.

Die Satzung trat 1993 in Kraft.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, aus: Pufke (Hrsg.) 2016)

Karten
- Tranchot-Karte 1804/05
- Urkataster 1830
- Supplement zum Urkataster 1870

Literatur

Dösseler, Emil (1935)
Über 1000 Jahre Überlieferungen niederrheinischen Bauerntums in Friemersheim am Rhein. In: Die Heimat. Zeitschrift für niederrheinische Heimatpflege 14, S. 309-333. o. O.
Kastner, Dieter (1979)
Zur Lage des Hofes Karls des Großen in Friemersheim. In: Duisburger Forschungen : Schriftenreihe für Geschichte u. Heimatkunde Duisburgs, Duisburg.
Meyer, Friedrich Albert (1965)
Die Landnahme der Industrie im Rheinhauser Raum. Versuch der Geschichte eines grossen wirtschaftlichen Strukturwandels ; mit einer Geschichte der Höfe, der Nebenbetriebe der Landwirtschaft, von Wald, Jagd und Fischerei. (Rheinhauser Stadtgeschichte / Friedrich Albert Meyer ; 2.) Rheinhausen.
Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 137-139, Petersberg.
Wisplinghoff, Erich (1961)
Der Raum von Friemersheim. Untersuchungen zu seiner Geschichte im frühen Mittelalter. (Schriftenreihe der Stadt Rheinhausen 2.) Rheinhausen.

Denkmalbereich „Friemersheim - Ortskern“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Friemersheimer Straße
Ort
47229 Duisburg - Friemersheim
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 814

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„Denkmalbereich „Friemersheim - Ortskern“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-811-13062019-293785 (Abgerufen: 1. April 2020)
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