Denkmalbereich „Radevormwald - Ortskern“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Radevormwald
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Radevormwald liegt auf einem Hochplateau östlich der Wupper an der west-östlich von Lennep Richtung Halver und Lüdenscheid führenden mittelalterlichen Höhenstraße.

Die Siedlungsanfänge liegen zwischen 850-1000. Vermutlich wurden der Siedlung 1316 durch den Grafen von Berg als Grenzfeste gegen die Grafschaft Mark Stadtrechte verliehen. Existenzgrundlage waren neben der Landwirtschaft seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vorwiegend zwei Wirtschaftszweige, die Eisengewinnung und -verarbeitung und die Tuchherstellung. Der Handel mit den Produkten führte zu einem gewissen Wohlstand. Rade wurde Mitglied der Hanse.

Nach einer vollständigen Stadtzerstörung durch Brand 1571 wurde beim Wiederaufbau der radiale Stadtgrundriss angelegt. 1645 wurde die Befestigung von hessischen Truppen niedergerissen und erst gegen 1700 wieder aufgebaut.
Im Zuge der Reformation wurde die Pfarrkirche am Markt 1646 der reformierten Gemeinde überlassen; 1707 baute die evangelisch-lutherische Gemeinde einen eigenen Kirchenbau an der Burgstraße; 1691-97 errichtete die katholische Gemeinde eine Kirche im Stadtgebiet, die 1783 niederbrannte und nach dem Wiederaufbau mehrfach bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts verändert wurde.

Nach dem Siebenjährigen Krieg blühte die Stadt zum Ende des 18. Jahrhunderts in wirtschaftlicher Hinsicht noch einmal auf. Nach einem erneuten flächenhaften Stadtbrand 1802 wurde die umlaufende Befestigung niedergelegt; bis 1815 erfolgte der Wiederaufbau unter weitgehender Beibehaltung des Stadtgrundrisses. Rade wurde preußisch. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Altstadt 1945 im Südosten erheblich zerstört.

Der Ortskern von Radevormwald ist seit 1992 durch eine Denkmalbereichssatzung geschützt. Das Miteinander der baulichen Substanz wird wesentlich geprägt durch den Stadtgrundriss aus Straßensystem, Platzbildung und Parzellenteilung. Das nach 1571 angelegte Grundgerüst in Ovalform mit mittig teilender Hauptdurchgangsstraße, der Kaiserstraße, und zentralem Marktplatz wurde nach dem Stadtbrand 1802 in Führung und Raumprofil begradigt, „geometrisch reguliert“. Vom nahezu quadratischen Marktplatz führen die inneren Stadtstraßen radial auf den umlaufenden Wallring, der dem Verlauf der ehemaligen Befestigung folgt. Die einzelnen Straßen sind im jeweiligen Raumprofil und in den Grundstücksparzellierungen - ihrer Bedeutung entsprechend - individuell ausgebildet. Gemeinsam ist ihnen die nach dem Stadtbrand von 1802 durchgesetzte geschlossene Bauweise. Die Stadtsilhouette wird durch die Dominanz der Kirchtürme über der Wohnbebauung bestimmt, wenn auch die Fernwirkung durch Neubauviertel am Stadtrand stark geschmälert ist. Zahlreiche Blickbeziehungen entlang der Straßen, aber auch über die unbebauten rückwärtigen Grundstücksflächen auf die Türme der evangelisch-reformierten Marktkirche, der evangelisch-lutherischen Kirche wie der katholischen Pfarrkirche St. Marien als markante Orientierungspunkte lassen den Ort in seiner kleinteiligen Einheitlichkeit als typischen verschieferten Fachwerkort des Bergischen Landes erleben. Die Häuser der Altstadt sind zweigeschossig, an der Kaiserstraße auch dreigeschossig, meist traufständig, oft mit Zwerchhäusern und Dachgauben versehen. Vereinzelt sind Freitreppen erhalten. Die Fassaden sind meist verschiefert und durch kräftige Traufgesimse und weiß gestrichene Bekleidungen von Haustüren und Fenstern gegliedert. Trotz der Kriegszerstörung und der zusätzlichen starken baulichen Veränderungen in den 1970er Jahren im südöstlichen Teil der Altstadt prägen die historischen Bauten wesentlich die Straßen- und Platzräume und haben eine maßstabstützende Wirkung für die gesamte Altstadt.

Auf der Grundlage eines umfassenden Gutachtens des Planungsbüros Prof. Krause & Partner aus Dortmund beschloss der Rat der Stadt Radevormwald 1992 die Denkmalbereichssatzung. Sie umfasst die historische Altstadt, den an der Telegraphenstraße gelegenen ehemaligen lutherischen Friedhof und die Einmündungsbereiche, bzw. Ortserweiterungen an der Kaiserstraße, der Hauptdurchgangsstraße. Schutzelemente sind die Stadtsilhouette, der Stadtgrundriss, das Straßensystem, die Parzellenstruktur sowie die Bauweise und Gestaltelemente der Häuser. Die Ziele der Denkmalbereichssatzung werden durch einen Bebauungsplan und durch „Gestaltungsleitlinien“ unterstützt.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2007)

Quelle
Prof. Krause und Partner, Dortmund: Denkmalbereichsplanung Historischer Stadtkern Radevormwald, bearbeitet von Egbert Bremen, Karl-Jürgen Krause und Andreas Thiel, Dortmund 1991

Literatur

Clemen, Paul (1894)
Die Kunstdenkmäler der Städte Barmen, Elberfeld, Remscheid und der Kreise Lennep, Mettmann, Solingen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz III 2.) Düsseldorf.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 178-179, Köln.
Sieper, Bernhard (1979)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 2). Zaltbommel.
Sieper, Bernhard (1979)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 4). Zaltbommel.
Sieper, Bernhard (1978)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 3). Zaltbommel.
Sieper, Bernhard (1976)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 1). Zaltbommel.

Denkmalbereich „Radevormwald - Ortskern“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kaiserstraße
Ort
42477 Radevormwald
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 850 bis 1100
Koordinate WGS84
51° 12′ 10,43″ N, 7° 21′ 26,78″ O / 51.2029°, 7.35744°
Koordinate UTM
32U 385248.99 5673670.39
Koordinate Gauss/Krüger
2594914.16 5675095.28

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„Denkmalbereich „Radevormwald - Ortskern“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-59341-12042017-266653 (Abgerufen: 21. August 2018)
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