Denkmalbereich „Haan - Ortskern“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Haan
Kreis(e): Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Haan ist etwa um 800 n. Chr. im Siedlungsbereich der Franken entstanden. Ein voll ausgemauertes Kopfnischengrab aus der Zeit etwa 700-800 n. Chr. wurde unter den Fundamenten der alten Kirche aus dem 10. Jahrhundert gefunden. Diese ehemalige Kirche St. Chrysanthus und Daria wurde lt. erhaltenem Inschriftstein im Jahre 935 geweiht und halle nach neuesten Forschungen wohl noch einen Vorgängerbau um 900. Bei Ausgrabungen Anfang der 70er Jahre am Standort der ehemaligen Kirche wurden neben den Kirchenfundamenten achtzehn Gräber junger Frauen mit Bronzeschläfenringen aus der Zeit um 950 n. Chr. entdeckt. Wahrscheinlich handelt es sich hier um Stiftsdamen des Gerresheimer Hochadelsklosters. In dem auf das 12. Jahrhundert weisenden Kirchenverzeichnis der Erzdiözese Köln von etwa 1300 stehen nach „Gerresheym“ in der vermutlich bedeutsamen Reihenfolge „.Grutane“ (= Gruiten) und „Hagen“ (= Haan). Danach sind beide Siedlungen wohl gleichzeitig und vielleicht als Eigenkirchen von Gerresheim entstanden. Noch nach 1200 ist Gerresheimer Grundbesitz in Haan nachweisbar, und es werden Personen als Untertanen der Gerresheimer Kirche bezeichnet. Haan ist nach dieser Zeit selbständige Kirchengemeinde mit dem Kurfürsten und Erzbischof von Köln als Grund- und Kirchenherr geworden.

Urkunden dieser Zeit weisen für Haan auf relativ freie Siedler, die in einer der Erbpacht vergleichbaren Konstruktion die Güter besaßen. Haan erhielt um 1300 ein eigenes Hofgericht unter erzbischöflicher Aufsicht. Die Grafen, ab 1380 Herzöge, von Berg halten ab etwa 1300 gewisse Vogtrechte und Pflichten in Haan, also Ordnungspolizeifunktionen. Dennoch blieb ihnen in Haan ein größerer Einfluss verwehrt. Obwohl die Herzöge von Berg die Haaner mit Gewalt einzuschüchtern versuchten, konnten sie dort nie endgültig Landesherren werden. Bis 1802 bildete Haan (mit Hilden gemeinsam als Amt Hilden-Haan) eine erzbischöfliche-kölnische Enklave im Bergischen Land.

Haan war als Streusiedlung entstanden. Es gab keine Stadtmauern und Burgen, eher schon einige wasserumwehrte Bauten oder Häuser mit eingebautem Fluchtturm aus dicken Felsmauern. Das reichte aus, da die Rodungssiedlungen im Bergland mit undurchdringlichem Urwald lagen. In den Tälern waren Moore. Torfstich gab es in Haan noch bis 1645. Von wesentlichen Kriegseinwirkungen blieb Haan über Jahrhunderte hinweg verschont. Schon ab 1300 bis 1350 finden sich in Haan fast alle heule noch geläufigen Hofesbezeichnungen. Die alten Häuser selbst sind meist auch noch da, wenn auch über die Zeiten hinweg immer wieder restauriert oder erneuert. Auch die alten Verkehrswege gibt es noch. Die Kölner Straße durch Haan zum Beispiel wurde schon 1372 genannt. Sie diente dem Erzbischof und Kurfürst von Köln als Verbindungsweg zu seinen westfälischen Besitztümern. Diese strategisch-politisch wichtige Verkehrsstrecke war vermutlich der Grund dafür, dass Haan nicht in den Besitz der Herzöge von Berg kam.

Das kirchliche Schulwesen begann in Haan etwa ab dem 16. Jahrhundert. Sogenannte Heckschulen in Eigeninitiative der Haaner begründet und geführt finden sich ab 1711. Für die Wasserversorgung - bis dahin musste das Wasser aus Teichen und Bächen geholt werden - wurden in der Zeit ab 1700 Hausbrunnen gebaut. Ab 1715 ist die heute berühmte Haaner Kirmes schon nachweisbar.

Nach dreijähriger Zugehörigkeit (ab 1802) zu bergischem Besitz wurde Haan Bestandteil des französisch geführten Großherzogtums Berg. 1809 erfolgte die Aufhebung des Lehnswesens und die Gründung der Bürgermeisterei Haan als Zusammenschluss mehrerer Gemeinden. Von 1813-1815 gehörte sie dann zum preußischen Generalgouvernement und war dann ab 1815 Teil des preußischen Hoheitsgebietes.

Im Jahre 1841 führte die erste westdeutsche Eisenbahnlinie Düsseldorf-Elberfeld über Gruiten mit der bis 1906 genannten Station Haan. 1867 folgte die Eisenbahnlinie Köln-Elberfeld über Haan mit eigener Bahnstation ab 1885.

Die Wirtschaftsstruktur Haans war bis weit ins 19. Jahrhunden hinein last ausschließlich agrarisch bestimmt. Erste Ansätze für eine gewerbliche Tätigkeit - Schleifkotten für Eisenverarbeitung und gewerbliches Tuchmachergewerbe - sind schon im 16. Jahrhundert zu finden, doch erst die Bahnverbindung Köln-Elberfeld begünstigte Industrialisierung und wirtschaftlichen Aufschwung. 1921 wurde Haan zur Stadt erhoben. Infolge des Zweiten Weltkrieges erlitt auch Haan erhebliche Zerstörungen, aber das historische Zentrum blieb erhalten. Erst der Ausbau der Bundesstraße und städtebauliche Maßnahmen führten im historischen Kern von Haan zu starken Eingriffen und Veränderungen.

Der Denkmalbereich umfasst vollständig das historische Siedlungsgebiet von Haan, welches früher aus vier Bezirken bestand:

  • Alter Kirchplatz, urkundlich nachweisbar seit 935.
  • Walderstraße, zum Teil noch im 19. Jahrhundert Donner Straße genannt. Der frühere Hof zum Dom ist urkundlich nachweisbar seit den Jahren um 1400.
  • Jülicherland, urkundlich nachweisbar seit der Zeit um 1410.
  • Kaiserstraße, noch im 19. Jahrhundert einfach Stras (= Straße) genannt. Der Hof zur Straße ist urkundlich nachweisbar seit 1363.

Das Ortsbild von Haan Mitte wird heule noch weitgehend von der bergischen Bauweise geprägt: Fachwerkhäuser, im 17. Jahrhundert als breite Giebelhäuser ausgebildet (Alter Kirchplatz 13/15), seit dem 18. Jahrhundert dann meist mit der Traufe zur Straße, zweigeschossig, die Front in der Regel verschiefert (Walder Straße) und mit Fensterläden versehen, das Dach bisweilen mit prächtig verzierten Zwerchhäusern geschmückt (Kaiserstraße 47). Bauten von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende sind häufig massiv errichtet und mit Stuckfassaden versehen, doch fügen sie sich in das überkommene Stadtbild ein und entwickeln es behutsam weiter. Ledig ich die hohen Wohn- und Geschäftshäuser an der trichterförmig sich verbreiternden Einmündung der Friedrichstraße in die Kaiserstraße setzen einen gewissen großstädtischen Akzent. Beherrschender Bau dieses Bereiches ist neben der neuen evangelischen Kirche von 1863 das Rathaus von 1903.

Die erhaltenswerten Bestandteile des Denkmalbereiches sind:

  • die Straßenführung und der Stadtgrundriss trotz der schwerwiegenden Veränderungen am östlichen Ende der Kaiserstraße;
  • das Gesamtgefüge der baulichen Substanz in Größe, Proportion und Material;
  • die Baudenkmäler;
  • weitere Gebäude aus historischer Sicht, die den Bereich auf ihre Art mitprägen, ohne Denkmal zu sein.

Die Denkmalbereichssatzung zum Schutz des Ortskern Haan wurde 1983/84 auf Vorschlag des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege gemeinsam mit der Stadt Haan erarbeitet. Bei der Offenlegung im Frühjahr 1985 wurden keine Anregungen und Bedenken vorgetragen. Die Satzung ist seit 1985 rechtskräftig.

(Helmut Fenner, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Clemen, Paul (1894)
Die Kunstdenkmäler der Städte Barmen, Elberfeld, Remscheid und der Kreise Lennep, Mettmann, Solingen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz III 2.) Düsseldorf.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 92-94, Köln.
Vollmar, Harro (1987)
Geschichte von Haan und Gruiten, Teil 1: Anfänge bis 1500. (Schriftenreihe der Abteilung Haan des Bergischen Geschichtsvereins e.V. 5.) Haan.
Vollmar, Harro / Kreis Mettmann (Hrsg.) (1991)
Geschichte der Stadt Haan. In: Neuigkeiten aus alter Zeit. Der Kreis Mettmann und die Geschichte seiner 10 Städte, Meinerzhagen.

Denkmalbereich „Haan - Ortskern“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kaiserstraße
Ort
42781 Haan
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 800
Koordinate WGS84
51° 11′ 32,57″ N, 7° 00′ 38,89″ O / 51.19238°, 7.0108°
Koordinate UTM
32U 361002.72 5673099.27
Koordinate Gauss/Krüger
2570704.58 5673534.73

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„Denkmalbereich „Haan - Ortskern“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-59317-13012017-263147 (Abgerufen: 19. August 2018)
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